Guten Morgen! ☕ Das Grundgesetz - 70 Jahre alt und noch in guter Verfassung?

26 Antworten

Guten Morgen Chumacera, guten Morgen allen anderen.

Ich finde man hätte sich ans Grundgesetz halten sollen, und nicht einfach einen Artikel streichen sollen. Nach der Auflösung der DDR und der Eingliederung der DDR-Bürger in die BRD hätte es eine neue Verfassung für das gesamtdeutsche Volk geben sollen.

Ein paar Sachen darin finde ich überholungsbedürftig - die meisten sehr gut. Man hätte also natürlich viel übernehmen können, aus dem GG. Ich finde nur die Art, wie es von einem Provisorium zu einem jetzigen Dauerzustand gemacht wurde, absolut nicht gut - und es war gegen das GG.

Eine Sache, die mich aber wirklich stört, die ich auf jeden Fall weg haben will, ist die Präambel. Sie gehört zwar nicht rechtsverbindlich dazu, wird aber zur Auslegung herangezogen.

"Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,"

Diesen Satz möchte ich da weg haben! Beziehungsweise diesen Bezug auf eine transzendente Wesenheit an die ich nicht glaube, die ich für absolut unwahrscheinlich halte und die ich ehrlich gesagt in bestimmten Kontexten für eine Horrorfigur halte. Ich möchte diesen verdammten Gottesbezug gefälligst nicht in meinem GG drin haben.

Ich bin für eine Säkularisierung unseres Staates - das hätte ich gerne auch in der Verfassung. Allerdings, da ich nicht Alleinherrscher bin, müsste man über einen säkulären Staat wohl abstimmen. Aber aus dem GG sollte es so oder so raus - denn wie sollen sich Menschen davon angesprochen fühlen, wenn sie sich diesem "Gott" gar nicht verbunden fühlen?

Ich will gar nichts im Bewusstsein irgendeiner Verantwortung einem Etwas gegenüber tun, dessen Existenz ich stark bezweifel - von dem auch nicht klar ist, wie es denn definiert wäre.

Nähmen wir mal nur als Beispiel, wenn wir hier den biblischen Gott annähmen, was wir machen können, weil er nicht näher definiert ist, dann hätte ich ein erhebliches Gewissensproblem, den halte ich nämlich nach den Erzählungen der Bibel (die ich nicht glaube!) für einen psychopathischen Sadisten - sorry, sowas würde ich nicht als Staatsgrundlage haben wollen.

So, dass das GG so nicht gemeint ist, ergibt sich aus den einzelnen Artikeln natürlich...

Dennoch, gerade zum Beispiel beim "Schutz der Ehe und Familie" - einer der Artikel die ich absolut überholt finde - wird oft mit dieser Präambel argumentiert. Deswegen hatten wir hier diese unseelige Diskussion um die Erlaubnis zur Ehe von Homosexuellen.

Also ich habe einige kleine Kritikpunkte an dem Deutschen GG - und eben diese zwei Großen - dass es eigentlich ein Provosorium ist und wir uns als Volk ein neues hätten geben müssen (nach Gesetz und meiner Meinung), und dieser Gottesbezug.

Viele andere Punkte finde ich aber absolut gut, richtig, wichtig und lobenswert. Die allermeisten grundlegenden ethischen Vorstellungen aus diesem Buch sagen mir absolut zu!

Wie gesagt mit kleinen Änderungen. So würde ich etwa aus Artikel 2 Absatz 1 gerne das "Sittengesetz" rausstreichen - denn sowas finde ich überholt.

So Kleinigkeiten hätte ich bei einigen Artikeln...

Das wichtigste m.A.n. Artikel 1 Absatz 1. Absolut. Danach folgt in meiner Priorität: Artikel 2 Absatz 2.

So, ich wünsche allen einen schönen Tag.

LG guitschee!

Herzlichen Dank für deine Antwort und liebe Grüße! 🐞

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@Chumacera

Immer wieder gerne. Ich musste bei der Frage nur aufpassen nicht in unangemessenes (für den Rahmen einer GuGuMo) Meckern zu verfallen ;-).

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@guitschee

Och, was heißt "unangemessen" und was heißt "meckern". Ist doch alles relativ. Und selbst bei der gugumo muss man ja nicht immer nur kuscheln. 😉🙃

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@Chumacera

Lach. Da das normalerweise die einzige Frage am Tag hier ist, bei der ich "kuschel" - doch muss man :-D.

2

Bedenke den Jahrgang der Grundsteinlegung des GG, da war es noch "Pflicht" Gott in die Klauseln mit einzuarbeiten.

Außerdem steht "Gott" in fast allen Verfassungen dieser Welt, ich bin auch nicht damit einverstanden, aber es stört mich nicht....

Außerdem ist das GG schon 99 Mal geändert worden, es ist also immer auf dem Laufenden.

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@IQDimma
Bedenke den Jahrgang der Grundsteinlegung des GG,

Stimmt, aber gerade darum ging die Frage ja, ob das noch zeitgemäß wäre ;-).

Außerdem steht "Gott" in fast allen Verfassungen dieser Welt

Was ich ehrlich gesagt genau so kritisch sehe, nur nicht so relevant für mich ;-).

Außerdem ist das GG schon 99 Mal geändert worden, es ist also immer auf dem Laufenden.

Okay, aber warum ändert man dann diesen Teil nicht auch?!

Tatsächlich wurde es ein paar Mal geändert, ja, aber ich finde es dennoch an einigen Stellen nicht richtig und zu altmodisch. Das liegt aber auch daran, dass jene, die solche Veränderungen durchführen, bzw, absegnen, im Durchschnitt 40 Jahre älter sind als ich.

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@guitschee

Da wirst Du noch viele Jahre warten müssen, bis die Macht der Katholischen Kirche beschnitten wird, aber auch diese Zeit wird kommen.:-))

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Das Grundgesetz ist nicht vollkommen, aber vollkommen notwendig.
Die Zufriedenheit, dass wir es haben, darf uns jedoch nicht übersehen lassen, wie oft es schon "angepasst" worden ist.

Noch sind die Mehrheiten im Bundestag "wohlmeinend".
Aber zu oft steht dort: "Näheres regelt ein Bundesgesetz!"

Und das ist bekanntlich mit einfacher Mehrheit leicht zu verändern.
Mehrheiten im Bundestag pflegen jedoch nicht stabil zu bleiben.

Herzlichen Dank für deine Antwort und liebe Grüße! 🐞

2
Aber zu oft steht dort: "Näheres regelt ein Bundesgesetz!"

Was ja auch Sinn macht, denn das Grundgesetz kann nicht alle rechtlichen Belange regeln. Ein solches Gesetzbuch würde den Rahmen sprengen.

Und das ist bekanntlich mit einfacher Mehrheit leicht zu verändern.

Was nicht weiter tragisch ist, denn die Vorgaben des Grundgesetzes dürfen nicht beschnitten werden. Zudem sind Mehrheiten für Bundesgesetze auch nicht gerade einfach zu bekommen, da sehr oft auch der Bundesrat zustimmen muss.

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Guten Morgen Chumacera und alle GuGuMos!

Das deutsche Grundgesetz bietet für mich einen soliden Rahmen für das öffentliche und private Miteinander. Seit Änderungen vorgenommen wurden im Bereich der Frauenrechte und was die Abtreibung angeht, ist es auch wieder zeitgemäß. Ich finde es sinnvoll, dass Änderungen am Grundgesetz mit viel Bedacht besprochen werden und dieses Thema sehr ernst genommen wird. Eine Verfassung ändert man nicht einmal nebenbei. Ich bin auch froh, in einem Land zu leben, in welchem z.B. die Todesstrafe nicht existiert und die Rechte der Kinder einen großen Stellenwert haben. Alles in allem hat man vor 70 Jahren mit viel Umsicht eine Verfassung gestaltet, was man daran sieht, dass sie bis auf den heutigen Tag übernommen werden kann und auch die Gerichte damit verantwortungsvolle Arbeit leisten können.

Allen wünsche ich einen schönen Donnerstag mit hoffentlich viel Sonne! :-) Liebe Grüße von Evi!

Herzlichen Dank für deine Antwort und liebe Grüße! 🐞

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Hallo, meine liebe Evi,

Ich bin total stolz auf Dich und auf Deine Antwort die Du gegeben hast.

Besonders aussagefähig finde ich Deinen Satz - ' Ich finde es sinnvoll, dass Änderungen am Grundgesetz mit viel Bedacht besprochen werden und dieses Thema sehr ernst genommen wird.'

Hab Dank liebe Evi, für Deine Antwort, und ich schick Dir ganz liebe Grüße und wünsche Dir einen schönen Abend noch, von Deinem Plawöpfchen

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@iQPlawopf

Guten Abend mein liebes Plawöpfchen! Oh, ich danke Dir für das Lob! :-)) Wir können aber auch wirklich froh sein, in einem Land mit einer derart soliden Gundverfassung zu leben. Wenn ich mir das überlege, bin ich immer sehr dankbar... - Ich wünsche Dir auch einen gemütlichen Abend und nachher schöne Träume! Bis morgen, sei lieb gegrüßt von Deiner Evi!

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Sind Menschenrechte tatsächlich universell gültig?

Zurzeit diskutieren wir in der Schule das Thema Menschenrechte und Menschenwürde. Auf die Frage wieso wir denn eigentlich Menschenrechte besitzen lautete die Antwort "weil wir Menschen sind".

Da stellst sich mir jedoch die Frage, dass wenn die Menschenwürde so allgegegnwärtig und Menschenrechte eigentlich unantastbar sind und dabei für ALLE Menschen überall gelten, wie es denn sein kann, dass es in manchen Ländern wie etwa China oder den USA noch die Todesstrafe gibt, zumal dies ja eine Verletzung der Menschenrechte ist, wenn das Recht auf Leben als solches aufgefasst wird. Es scheint ja fast so, als sei die Menschenwürde und das Recht auf Leben staatlich gebunden und je nach Aufenthaltsort veränderlich.

Da stimmt die Philosphie, dass wir Menschen aufgrund unseres Menschseins diese unabsdingbaren Menschenrechte besitzen, doch gar nicht mehr damit überein.

Selbstverständlich kommt es immer wieder dazu, dass gegen Menschenrechte verstoßen wird, doch derartige Verstoße wie die Todesstrafe sind ja soweit ich mir denken kann kaum einklagbar und es erscheint mir demnach so, dass in gewissen Verfassungen der Menschenrechtsgedanke keine Zentrale bzw. gar keine Stellung findet.

Ich hoffe, jemand kann etwas Licht in meine Gedanken bringen und erläutern, ob der Menschenrechtsgedanke eben doch nur ein Produkt des jeweiligen Staates ist und eben doch kein angeborenes, natürliches, unantastbares und vorstaatliches Recht in allen Teilen der Welt darstellt, sondern nur gesondert in manchen Ländern zum Vorschein kommt.

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