Gute Nacht Globuli?

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3 Antworten

Hallo Kaninchen95,

zunächst einmal: diese "Spagyra Gute Nacht Globuli" sind keine Homöopathie. Und auch keine Pflanzenheilkunde. Das sind Bachblüten.

Bachblüten sind reine Placebos. Sie beruhen auf esoterischen Konzepten und dürfen eigentlich auch nicht mit bestimmten Anwendungsgebieten beworben werden, denn Wirkungsnachweise für oder bei was auch immer hat kein Bachblütenprodukt je erbracht.

Aber der Reihe nach:

Was sind denn "Bachblüten" eigentlich?

Ganz wichtig: Die Bachblüten-Therapie zählt nicht Pflanzenheilkunde. Denn die enthaltenen Pflanzen wurden nicht auf der Basis evtl. bekannter Heilwirkungen ausgewählt.

Der Name "Bachblüten" hat mit einem Bächlein auch gar nichts zu tun, sondern stammt von ihrem Erfinder, einem Dr. Bach.  Bach beschrieb "disharmonische Gemütszustände", denen er in den 1930er Jahren auf der Basis seiner persönlichen esoterischen Naturdeutung Pflanzen zuordnete.

Nicht selten nach ihrem Namen allein. So sollt die "Zitterpappel" bei Ängsten "harmonisieren" - und wird allein auf der Basis dieser Namensassoziation in Deinen "Gute Nacht Globuli" gegen Unruhe eingesetzt. Damit Du also nicht so "zitterst"...

Hergestellt werden die Bachblüten, indem man sie nach rituellen Vorschriften sammelt, in Wasser einlegt und ein paar Stunden der Sonne aussetzt. Der so hergestellte Sud (der stark verdünnt in den Globuli enthalten ist) soll eine nicht näher quantifizierbare “Blütenenergie“ (?) enthalten. Worin diese "Energie" bestehen soll, darüber schweigt sich das Verfahren bis heute, etwa 80 Jahre nach seiner Entstehung, aus. In der esoterischen Literatur liest man von "Schwingungen", wobei in guter esoterischer Tradition die Frage, was da denn eigentlich schwingen soll, ausgeklammert wird.

Die Naturwissenschaftliche Beurteilung des Verfahrens ist eindeutig: Ein unplausibler Ansatz ("Disharmonien"), eine unbrauchbare Methode (Pflanzen ohne bekannte Heilwirkung eingesetzt, keine Studien, die wider aller Erwartung eine Wirksamkeit belegen: Das sind Placebos, also Scheinmedikamente.

Unschön halt, dass die Hersteller und Vertreiber (oft leider einschließlich der Apotheken) nicht ehrlich mit diesem Placebocharakter umgehen. Man möchte als Patient ja eigentlich zumindest vom Apotheker ehrlich beraten werden.

Positive Erfahrungsberichte liet man natürlich immer wieder im Web. Das liegt zum einen daran, dass natürlich Leute, die enttäuscht sind, wesentlich seltener im Nachhinein zugeben wollen, überhaupt erst einmal auf ein esoterisches Produkt gesetzt zu haben. Zum anderen aber werden Bachblüten sehr, sehr oft bei Problemen eingesetzt, die mit der Zeit von selbst vergehen. Wer da mittlerweile zu Placebos gegriffen hat, der erlebt dann irgendwann Besserungen und hält diese für Effekte der gekauften "Arzneien".

Was also tun?

Wie gesagt: Es gibt praktisch keine Studien zu den Bachblüten, die wenigen, die es gibt, belegen, dass Bachblüten nichts anderes sind als Placebos. Hier ein Beispiel:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/08/12/studie-untersucht-bachblueten-wirkung-bei-pruefungsangst-und-adhs.html

In der Arbeit geht es um Prüfungsangst, der folgende Abschnitt ist aber auch für Deine Entscheidung interessant:

Ich zitiere aus dem Artikel:

"Ich teile weitgehend die Schlussfolgerung von Studienautorin Dr. Kylie Thaler: Bachblüten als effektives Heilmittel zu verkaufen kommt einer Täuschung der Konsumentinnen und Konsumenten nahe. An diesem wie an vielen ähnlichen Punkten hat die Komplementärmedizin meiner Ansicht nach ein manifestes ethisches Problem, dem sie aber kaum in die Augen sieht.

Ich kann jedoch auch die Anmerkung von Prof. Gartlehner nachvollziehen:
Wenn Menschen ihre Prüfungsangst mit harmlosen Bachblüten-Tropfen in den Griff bekommen, ist das alleweil besser, als wenn sie dazu Psychopharmaka mit Abhängigkeitsrisiko schlucken. Allerdings könnte man dann irgendein Mittel einsetzen, das mit genügend Überzeugung propagiert wird, und das ist vielleicht auch nicht gerade ein befriedigender Zustand.

In diesem Abschnitt kannst Du 1:1 "Prüfungsangst" durch "Einschlafstörungen" übernehmen. Es ist sicher besser, ein Placebo zu nehmen, als ein Mittel mit Nebenwirkungen und Suchtpotential. Echte Schlafmittel sind nicht nebenwirkungsfrei. Andererseits unterstützt Du mit den Bachblüten ein Verfahren, das schlicht nicht ehrlich mit seinen Kunden umgeht. Ein anderes Einschlaf-Placebo-Ritual mag genauso helfen, unterstützt aber keine Esoterik.

Und das vielleicht das Wichtigste: Besser als Tabletten einzuwerfen (und seien es Placebos), sit es, den Ursachen der Schlafstörungen auf den Grund zu gehen. Dazu erst einmal: Spätes Essen und Trinken vermeiden, regelmäßige und ausreichende Schlafenszeiten pflegen, die Räume kühl und dunkel halten. Mit den Stressfaktoren im Alltag ehrlich umgehen und sich selbst eingestehen, wann und ob man unter Druck steht. Gedankenkarusselle bewusst abschalten. Räume schon 30 Minuten vor dem Zubettgehen etwas abdunkeln, indem man einen Teil der Lampen wegschaltet - am besten die mit dem höheren Blauanteil.

Und wenn das über Wochen nichts hilft, ist man mit einer Nacht im Schlaflabor besser bedient als mit reflexartiger Einnahme von Medikamenten...

Grüße

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Kann dir dazu leider nichts sagen habe damit keine Erfahrungen gemacht habe jedoch einen anderen Tipp für dich falls es dich interessiert. Hast du schonmal von ASMR gehört? Einfach mal auf Youtube eingeben da findest du ganz viele Videos, Kopfhöhrer rein (ganz wichtig) und Augen zu. Hat mir bei Einschlafpoblemen geholfen. Ein Versuch ist es wert. Viel Glück!

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Globuli haben keine eigene Wirkung. Homöopathie ist Humbug.

Siehe dazu:

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