Gruppenzugehörigkeit?

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Gruppenzugehörigkeit ist erstmal was menschliches. Früher mussten wir uns in Gruppen bewegen, um überleben zu können. Dort gab es ein eindeutiges "wir gegen die". Diese Eigenschaft ist in unserer individuellen Gesellschaft nicht mehr ganz so gefragt. Wenn wir von gewöhnlichem "Teamplay" auf der Arbeitsstelle mal absehen.

Die positiven Seiten:

Gruppenzugehörigkeit schafft ein Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen, und kann die soziale Kommunikation verbessern. Man trifft sich mit anderen, versteht deren Perspektiven & lernt dort über das leben. Ich persönlich glaube ja, dass wir eigentlich als vordegründigen Antrieb auch das "Üben" haben. Also das wir durch "üben" in dieser Gesellschaft zurecht zu kommen.

Man kann das bei Fussballspielen sehr gut beobachten. Im Idealfall halten die Fans zueinander, und alles läuft friedlich ab. Man fühlt sich mit den anderen verbunden, kann aber auch akzeptieren, dass es eine andere Gruppe gibt. So ist das bei allen Dingen. Um beim Sport, in der Politik oder in der Religion. Das sind die positiven Seiten des Zusammengehörigkeitsgefühls.

Die negativen Seiten:

Die negativen Seiten kommen zum Vorschein, wenn wir glauben, wir seien die einzigen, die "auf dem richtigen Weg" sind. Wenn wir glauben, dass wir durch unsere Leistung, unsere Geburt oder unsere Intelligenz besser sind als andere. Auch wird es schlimm, wenn wir die anderen ihre Menschlichkeit absprechen. Oder ihnen böse Dinge unterstellen, die meistens nichts mit der Realität zu tun haben.

Um nochmal zum Sport zurück zu kommen: Ich habe bei einigen Fans den Eindruck, dass der Sport das einzige ist was ihnen ein Gefühl von Wichtigkeit vermittelt. Und das es das einzige ist, wodurch die sich definieren können. Wahrscheinlich sind das auch tendenziell eher die Fans, die dazu neigen, intolerant gegenüber anderen Fans aufzutreten. Da auch wieder, dass selbe bei Politik und in der Religion. Wenn die Gruppenzugehörigkeit das einzige ist, was einem Halt gibt, ist der Schritt zum Extremismus nicht mehr weit.

Das schlimmste Beispiel für eine negative Gruppenzugehörigkeit in der jüngeren Geschichte ist wahrscheinlich Nazideutschland. Man hat sich als Gruppe definiert, und als "Übermenschen" dargestellt. Der "Arier" der allen anderen Menschen überlegen ist. Eine Ideologie, die nach den Wirren des ersten Weltkrieges und den Identitätsproblemen, die man hatte, gerade zu willkommen aufgenommen wurde. Man ist halt eben "wieder wer" gewesen. Man ist nicht mehr der Verlierer gewesen, man ist nur "der Übermensch" gewesen. Das gibt vordergründig Selbstvertrauen. Und was daraus wurde, wissen wir ja alle. Am Ende wurden mindestens 10 Millionen Menschen von den Nazis ermordet.

Hallo Ricco92, ich danke dir vielmals für deine tolle und ausführliche Hilfe! Es hat mich sehr gut geholfen und habe jetzt endlich meine Stellungnahme zu Ende schreiben können. Vielen Dank für die Mühe!

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