Grundschule und Rechtschreibung, wie geht ihr damit um?

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10 Antworten

Mein Sohn war in der ersten und zweiten Klasse in einer Grundschule, in der das Schreiben nach diesem System gelernt wurde.

Ich persönlich finde diese Art ganz schrecklich und gehört meiner Meinung nach abgeschafft. Ich kann auch bis heute nicht verstehen, warum das so unterschiedlich gehandhabt wird und wieso nicht wenigstens in einem Bundesland alle Grundschulen einheitlich schreiben lernen.

Aber zurück zu meinen Erfahrungen. Wir Eltern sollten die Kinder auch nicht verbessern im ersten Jahr. Im zweiten Schuljahr haben sie dann auch nach und nach Rechtschreibregeln gelernt, was im Übungsheft auch gut funktioniert hat, aber beim freien Schreiben bis heute nicht klappt. Bei Rechtschreibübungen wurden die Fehler korrigiert, bei freien Texten nachwievor nicht. Konnte ich auch nicht nachvollziehen. Zu Hause haben wir auch bei freien Texten falsch geschriebene Wörter besprochen und korrigiert. Denke jedes Mal, wenn ein Wort falsch geschrieben wird, prägt es sich ja auch so ein.

Zur dritten Klasse hat mein Sohn die Schule gewechselt, weil wir umgezogen sind. In der neuen Schule war nicht nach diesem System unterrichtet worden und dementsprechend hatte er Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung. 

Wir üben immer viel, bei Übungsaufgaben klappt es wie gesagt sehr gut. Aber bei freien Texten immer noch nicht. In dem ersten Jahr haben sich so viele Rechtschreibunarten festgesetzt, die nur ganz schwer "umzulernen" sind.

Es gibt sicherlich Kinder, die das auf diese Art gut lernen können und auch später eine gute Rechtschreibung haben. Aber wenn ein Kind von vornherein eher rechtschreibschwach ist und dann noch mit dieser Methode schreiben lernt, sind die Probleme vorprogrammiert. 

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ACHTUNG: nachfolgend nur eine persönliche Meinung!

Dieses "Schreiben nach Gehör" als ersten Schritt in die Welt der schriftlichen Sprache kann ich mir (der keine didaktische Ausbildung besitzt) eigentlich schon als zielführend vorstellen. Man sollte nicht vergessen, dass Schreibenlernen -  also eigentlich: lautliche Sprache mit Zeichen wiedergeben - für Kinder erstmal eine gewisse intellektuelle Übertragungsleistung darstellt, die wir uns - jahrelang geübt - vielleicht gar nicht mehr vorstellen können.

Ich glaube schon, dass das "Schreiben nach Gehör" Kleinkinder erstmal verstehen lässt, wie das Prinzip von (alphabetischer) Schrift funktioniert. Das ist ein wichtiger Schritt. Das Problem ist vielmehr: Unsere Rechtschreibung beruht nicht nur auf phonologischen Grundsätzen. Von daher muss irgendwann auch der nächste Schritt folgen: den Kindern erklären (nachdem sie das Prinzip verstanden haben), wie wir wirklich schreiben - und warum das genau so, am besten auch.

Dieser Schritt kommt meines Erachtens wohl etwas zu spät. Das liegt (meine ganz persönliche Meinung!!) vll. daran, dass (Schul-)Politiker im Grunde wie kleine Kinder sind: Wenn sie ein neues Spielzeug haben, spielen sie erstmal ausgiebig damit, bis sie es irgendwann satt haben und in die Ecke feuern und eine Zeit lang gar nicht mehr beachten. Später dann spielen sie damit, wie mit jedem anderen Spielzeug auch: hin und wieder. Dieses "Schreiben nach Gehör" ist nun so ein neues Spielzeug der Kultusminister: anfangs so gehypet, dass sie dachten, es wäre ein neues Wundermittel zum Schreibenlernen. Daher haben sie es im Lehrplan wohl zu gut damit gemeint.

Ich bin mir fast sicher, dass diese Phase, in der die Methode so vereinnahmt wird, auch wieder schnell vergehen wird und das "Schreiben nach Gehör" dann irgendwann den angemessenen (nicht überbewerteten) Platz in der Grundschuldidaktik einnehmen wird.


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Kommentar von jackyich
27.06.2016, 18:32

ich kann das ja gut verstehen wenn die Kinder im ersten Schuljahr so schreiben, aber nicht in der 3. und 4. klasse wo die Kinder dann in der weiterführenden Schule Probleme bekommen

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Unser älterer Sohn hat eine Lehrerin, die nach dem Konzept "Lesen durch Schreiben" arbeitet.

Am Anfang war das für mich der blanke Horror und ich gebe zu, dass ich die Methode häufiger torpediert habe, indem ich doch die Rechtschreibung meines Kindes korrigiert habe, wenn ich mir das Elend gar nicht mehr anschauen konnte.

Ich bin auch der festen Überzeugung, dass es für unseren Sohn viel besser gewesen wäre, wenn er auf herkömmliche Weise schreiben gelernt hätte, da es für ihn fast unmöglich war, selbst einfache lautgetreue Worte zu erhören. Das erste Schuljahr war eine Katastrophe. Andere Kinder haben sich da
leichter getan.

Er war und ist höchst erleichtert über jedes Wort, von dem er auswendig weiß, wie es geschrieben wird.

Es ist aber so, dass die Rechtschreibregeln nach und nach erarbeitet werden und dann werden falsch geschriebene bekannte Worte auch als Fehler gewertet. Es wird also.

Mein Fazit ist: Ich mag die Methode nicht und ich hätte es mir anders gewünscht, aber ich sehe jetzt, Ende dritten Schuljahres ein wenig Licht am Ende des Tunnels. Kann mir aber auch vorstellen, dass Kinder, die es anders gelernt haben, schon deutlich sicherer schreiben.

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Hallo,

zwar war ich selbst nicht in einer solchen Grundschule, aber ich halte dennoch nicht viel davon. Ich habe das Schreiben direkt nach allen Regeln der Orthographie gelernt, darauf achtete die Lehrerin, die ich ab der zweiten Klasse in Deutsch hatte, sehr. Jedoch kam die Kommasetzung sowie Getrennt- oder Zusammenschreibung viel zu kurz, wie ich teilweise heute noch merke.

Wenn ich mir ansehe, wie einige meiner Klassenkameraden jetzt in der neunten - bald zehnten - Klasse schreiben, obwohl alle nach den Rechtschreibregeln lernten zu schreiben.... Ach du liebe Güte, mehr fällt mir dazu auch nicht mehr ein. In meiner Parallelklasse (in der ich früher war) ist jedoch jemand, der als eines der ersten "Versuchskaninchen" nach Gehör "lernte". Er schreibt sehr schlecht, leider. Auf Legasthenie und Konsorten wurde er mehrfach getestet - nichts, alles negativ. Die wirklich arg schlechte Rechtschreibung kommt tatsächlich nur von der Methode "Schraip widu schprichsd".

Es kann natürlich gut sein, dass das Lehrpersonal mittlerweile geschulter darin ist, den Kindern ab einem gewissen Zeitpunkt richtiges Schreiben beizubringen - mein Jahrgang ging von 2007 bis 2011 in die Grundschule. Dennoch bin ich wirklich dagegen, vor allem, wenn sich diese Methode bis in die dritte oder vierte Klasse zieht. Den Kindern in der ersten Klasse erstmal Buchstaben und einfaches Lesen beizubringen und ab der zweiten Klasse dann Rechtschreibregeln einzuführen - das könnte vielleicht tatsächlich gut sein. Allerdings gibt es schon mehr als genug Schüler, die nach "normaler" Methode das Schreiben lernten und dennoch arg viele Fehler einbauen. Wenn Schreiben nach Gehör, dann besser organisiert und von Anfang an mit dem Vermerk, dass es so aber nicht immer richtig ist - damit die Kinder es sich nicht falsch einprägen.

Überlege Du aber selbst, frage vielleicht - wenn Du eine solche Grundschule in der Nähe hast - ob Du Dir vielleicht mal eine Deutschstunde ansehen darfst. Du musst wissen, was am besten für Dein Kind ist, Du weißt am besten, wie er neue Dinge lernt.

Liebe Grüße

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Kommentar von jackyich
27.06.2016, 18:37

leider wird im ganzen Umkreis bei uns, nach diesem System geschrieben und so kann ich mein Sohn leider nicht auf eine Grundschule geben, die nicht dieses System hat

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Kommentar von jackyich
27.06.2016, 21:35

danke

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Meine Kinder haben alle nach diesem System das Schreiben erlernt.

Grundsätzlich ist es richtig, dass die Kinder nach Gehör, also lautgerecht schreiben. Die Kinder können schnell kleine Sätze verfassen und haben frühe Erfolgserlebnisse (auch wenn uns Erwachsenen beim Lesen die Augen schmerzen). 

Der Lehrer/die Lehrerin übt danach mit den Kindern nach und nach alle Rechtschreibregeln ein. Ob das funktioniert oder auch nicht hängt an der Motivation der Lehrkraft. Zwei meiner Kinder schreiben sicher und fehlerfrei. Mein Ältester, der damals noch zur Generation der Versuchskaninchen dieser Lehrmethode gehörte, hat große Probleme mit der Rechtschreibung, der Zeichensetzung u.s.w.

Ich kann allen Eltern von Grundschulkindern raten auf die konsequente Übung der Rechtschreibregeln zu achten und im Zweifel mit der Lehrkraft Kontakt aufzunehmen. Hier werden Grundsteine gelegt.

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Kommentar von jackyich
27.06.2016, 16:29

ist ja auch nichts schlimmes dran, wenn die im ersten Schuljahr nach Gehör schreiben, aber mittlerweile habe ich öfter gehört, durch bekannte und Freunde, dass die Kinder noch im 3. und 4. Schuljahr so schreiben und in der weiterführenden Schule große Probleme haben

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Diese Methode verfehlt jeglichen Zweck. 

Wir arbeiten seit Jahrhunderten an einer standardisierten Version unserer (Schrift-)Sprache, die jedem Deutschsprecher das Lesen so einfach wie möglich macht.

Wenn man den Kindern nun phonetisches Schreiben anlernt, lernt man ihnen erstens von Anfang an Zeugs, das später revidiert werden muss (!), und man begibt sich auf das Niveau des Althochdeutschen, wo jeder Autor sein Geschwafel selbst transkribiert hat. 

Das Schrifftbilt des Doitschn entschpricht in geringa Waise dem geschprochanen Woat, wi dia villaicht aufgefalln sain sollte. Achtung Kinder, gleich kommt die Müllapfua!

In den ersten Jahren muss man die Kindern behutsam das Schriftbild des Deutschen aufsaugen lassen. 

Was soll diese perverse Methode? Schreib mal ein Jahr, wie's dir passt, dann aber musst du alles Gelernte vergessen und zu den anderen aufholen, die dir jetzt ein Jahr voraus sind.

Dazu brauchst du niemand konsultieren, der solche Erfahrungen schon gemacht hat. Die Entscheidung liegt auf der Hand.

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Ja, leider ist das so. Ich finde das auch verrückt - zumal den Kindern dann i.d.R. ab der 3. Klasse die korrekte Rechtschreibung abverlangt wird -

denn unser Hirn ist nun mal so aufgebaut, dass es sich Falsches und
Verbotenes ganz schnell merkt und nur ganz langsam wieder vergisst oder
verlernt.

Nicht umsonst tun wir uns so schwer mit dem Abgewöhnen schlechter Angewohnheiten und Lastern.

Deshalb habe ich bei meiner Tochter von Anfang an auf die korrekte Rechtschreibung geschaut (nicht dass es viel genutzt hätte;-))

:-) AstridDerPu

PS: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

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Das ist mir leider nicht bekannt, dass Kinder so schreiben sollen wie sie es hören.

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Kommentar von jackyich
27.06.2016, 16:21

bei uns in den Ortschaften gibt es einige Grundschulen, wo die Kinder nach Gehör schreiben

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Ich höre zum ersten mal, dass es so eine Grundschule gibt, wo man schreiben darf wie man will :O

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Kommentar von jackyich
27.06.2016, 16:10

Es gibt einige Grundschulen, wo die Kinder nach Gehör schreiben

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Wenn du dazu Fragen hast, warum fragst du dann nicht bei den Lehrern nach, warum das so gemacht wird?

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Kommentar von jackyich
27.06.2016, 16:24

weil mein Sohn erst 4 ist und noch nicht auf einer Schule geht. ich bin nur darauf aufmerksam geworden, weil einige bekannte und Freunde davon erzählen und ich mir nun Gedanken darüber mache

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