Grundherschaftssystem?

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1 Antwort

Grundherrschaft ist ein Begriff aus der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Sozialgeschichte.

Der Grundherr (in der Regel Adlige, die Kirche, Klöster oder der König) war dabei nicht nur Grundeigentümer (siehe auch: Allod) oder Inhaber eines Lehens mit Verfügungsgewalt über das Land, sondern er übte zumeist auch weitreichende weitere Verwaltungs- und Gerichtsfunktionen aus. Dem Grundherrn oblag sowohl die rechtliche Verwaltung und Nutzungsvergabe von land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen als auch die Ausübung öffentlich-rechtlicher Befugnisse, wie der Polizeigewalt und der niederen Gerichtsbarkeit (Hofgericht), mit dem Recht, geistlich oder weltlich über seine Untertanen zu richten. Gleichzeitig hatte der Grundherr aber seinen Grundholden (Untertanen) „Schutz und Schirm“ zu gewähren. Die Grundherrschaft umfasste somit nicht nur eine eng mit dem Feudalismus zusammenhängende agrarische Wirtschaftsform, sondern eine Herrschafts- und Besitzstruktur, die alle Bereiche des mittelalterlichen Lebens umfasste und Formen wie Leibherrschaft, Schutzherrschaft, Gerichtsherrschaft, Zehntherrschaft, Vogteigewalt und Dorfobrigkeit betreffen konnte. Kriegschaft setzte aber nicht zwingend die Leibherrschaft voraus.

Die Untertanen standen in unterschiedlichen Abhängigkeitsverhältnissen zum Grundherrn und hatten Abgaben und Frondienste zu leisten. Sie konnten aus Naturalleistungen, Dienstpflichten (Hand- und Spanndienste) und anderen Abgaben oder Leistungen bestehen, die jährlich, wöchentlich (die Frondienste) oder auch bei bestimmten Ereignissen, wie zum Beispiel anlässlich eines Erbfalls, eingefordert wurden. In manchen Fällen bestand die Pflicht, die im Eigentum des Grundherrn stehende Mühle gegen Gebühr zu nutzen, wenngleich es in solchen Fällen schon von jeher seitens der Grundherrschaft einen Zwang gegenüber der Dorfgemeinschaft gab, vor allem, wenn sie einen Gemeinschaftsbetrieb (Allmende) darstellte. Die Form des Abhängigkeitsverhältnisses reichte vom reinen Pachtverhältnis über die Hörigkeit bis zur Leibeigenschaft. Wohlhabende Grundherren besaßen in der Regel nicht einzelne Gehöfte, sondern ganze Dörfer und Landstriche. Häufig teilten sich verschiedene Grundherren die Rechte an einem Dorf, was die tatsächlichen Rechtsverhältnisse äußerst kompliziert machte.

Aber auch der Grundherr hatte Pflichten zu erfüllen („Treue und Gehorsam“ gegen „Schutz und Schirm“): Er musste den Abhängigen wirtschaftliche Grundsicherung und Unterstützung bei Krankheit, Missernten oder Katastrophen gewähren sowie Schutz, z. B. vor Kriegsdienst bieten. Innerhalb seiner Herrschaft hatte er für den Frieden zu sorgen, Streit zu schlichten oder Friedensbrecher zu bestrafen, evtl. mit Hilfe eines Schiedsgerichtes.

Der Grundherr konnte den Priester seines Herrschaftsbereiches bestimmen, welcher oft aus seiner eigenen Verwandtschaft kam. Für seine Kirchen beschaffte der Grundherr oft Reliquien, welche auf dem Altar aufgestellt wurden, der über den Gebeinen der Familie des Grundherren stand. Hiermit hatten die Ahnen des Grundherrn einen wesentlichen Vorteil: Im Mittelalter ging man davon aus, dass die Gebeine der Heiligen am jüngsten Tag zum Himmel aufsteigen würden und die Überreste der Toten, die in der Nähe lagen, mit ihnen.

Klerikaler Landbesitz – und somit Grundherrschaft durch die Kirche oder einzelne Klöster – ergab sich aus Schenkungen und Vererbungen durch weltliche Grundherren (die damit ihr Seelenheil fördern wollten), unterschied sich ansonsten aber nicht von der weltlichen Grundherrschaft.

MsSaJu 20.12.2010, 15:33

Ich wollte aber wissen was ein GrundherschafftsSYSTEM ist!

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