Griechische Expansion und Kollinisation

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Griechische Kolonisation ist die Gründung und Entwicklung von Kolonien durch das Volk der Griechen. Dies bezieht sich auf die Landnahme und Besiedelung von Gebieten außerhalb des angestammten Siedlungsraums. Kolonie (von lateinisch colere = bebauen im Sinn von Land bestellen) ist die Bezeichnung für das Gebiet/die Stadt (wobei der griechische Begriff πόλις sowohl „Stadt“ als auch "Staat“ bedeutet) und den dort lebenden Personenverband.

In Griechenland gab es in der Antike eine Vielzahl an Staaten. Die Gründung ging daher von verschiedenen griechischen Staaten aus. Eine Kolonie (griechisch Apoikia [ἀποικία] = Außensiedlung) war sozusagen die Pflanzstadt/Tochterstadt einer Mutterstadt (griechisch μητρόπολις) und typischerweise mit ihr in irgendeiner Weise eng verbunden, aber politisch selbstständig.

Schon um 1000 v. Chr. gab es Kolonisation der Ionier an der Westküste Kleinasiens.

Bei den Stadtgründungen in der Zeit des Hellenismus (Alexander der Große und seine in verschiedenen in aus seinem Reich hervorgegangenen Staaten herrschenden Nachfolger) war oft auch der Gedanke militärischer Sicherung wichtig.

Die antiken Griechen haben (vor allem in der Zeit von etwa 750 bis 500 v. Chr. [große griechische Kolonisation]) viele Städte rings um das Mittelmeer und das Schwarze Meer gegründet.

Die auswandernden Griechen fuhren typischerweise mit Schiffen fort und die Städte, die als Kolonien gegründet wurden, lagen an der Küste oder in ihrer Nähe. Die Griechen in den Kolonien lagen also insgesamt betrachtet ähnlich rings um das Meer wie Frösche um einen Teich, wie Sokrates im Dialog „Phaidon" (109 b) des athenischen Philosophen Platon bemerkt.

Eine von Griechen kolonisierte Region, Süditalien/Sizilien, ist sogar als großes Griechenland/Großgriechenland (griechisch Μεγάλη ῾Ελλάς; lateinisch Magna Graecia) bezeichnet worden.

Gründe für Koloniegründung

Wirtschaftliche Schwierigkeiten wie sie auf der Kyklakeninsel Thera, wo Dürre und Mißernten ein Anstoß für die Gründung von Kyrene 631 v. Chr. waren, hervorragten, spielten nicht durchgehend eine entscheidende Rolle. Für die Koloniegründung werden mehrere Gründe angegeben und (mit nicht immer gleichen Meinungen) erörtert:

  • Überbevölkerung und Landmangel (z. B. reichte bei Erbteilung das Land des Einzelnen nicht mehr zur Existenzerhaltung)

  • Suche nach neuen Chancen von daheim Unterlegenen und Verlierern (z. B. bei Konzentration des Landes in den Händen weniger Adliger, Flucht der Bevölkerung von Städten [ z. B. Phokaia] bei Bedrohung in kriegerischen Auseinandersetzung)

  • Unternehmungsgeist, Abenteuerlust, Ehrgeiz von Adligen (vor allem in Umbruch- und Krisenzeiten, Streitigkeiten und Spannungen, bei Einschränkungen durch Aufstieg neuer Schichten und bei Nötigung zur Einordnung)

  • Handelsinteressen (Verbesserung von Handelswegen und –beziehungen, Suche nach neuen Rohstoffquellen)

  • machtpolitisch-strategische Ziele (vor allem im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. wichtig)

Organisation der Gründung

Mehr als etwa 150 – 200 neue Siedler waren selten an der Gründung einer Kolonie beteiligt. Adliger oder mehrere Adlige hatten die Leitung des Unternehmens, das in der Frühzeit gewöhnlich eine private Initiative war. An ihnen lag es, Kolonisten auszuwählen und zsuammenzubringen (auch ausreichend solche mit erforderlichen Fähigkeiten). Beteiligt waren vor allem Witwer und unverheiratete, waffenfähige junge Männer. Die Teilnahme war meistens freiwillig, ohne Nötigung/Druck infolge eines Beschlusses, eine bestimmte Anzahl der Einwohner müsse auswandern.

Zu Thera ist Herodot 4, 150 – 159 eine zusamenhängende antike Darstellung. Dort wurde tatsächlich zur Auswanderung mit einer Vorgabe Druck ausgeübt. Ein Ausdruck ist das Losen des Bruders mit dem Bruder. Offenbar sollte von mehreren Söhne einer auswandern (je einer von 2 Brüdern ausgelost) . Das Verfahren ist nicht in genauen Einzelheiten beschrieben. Denkbar ist ein Bestimmen eines Auswanderers jeweils in einem Haushalt.

Dem Aufbruch gingen Einholen von Informationen und meistens auch Erkundungen voraus. Häufig wurde das Orakel von Delphi wurde häufig befragt.

Bei der Fahrt mit Schiffen wurden Waffen, Werkzeuge/Geräte und Baumaterial mitgenommen. Die Griechen setzten sich gerne zuerst auf küstennahen Inseln und Landspitzen (Kaps) fest und drangen von dort aus weiter vor. Der Leiter des Unternehmens wurde zum Gründer der Kolonie. Der griechische Ausdruck für einen solchen Gründer ist οἰκίστης (oikistes). Das Land wurde vermessen und an die Auswanderer zugeteilt, die in Form von Landlosen (κλᾶροι/κλῆροι; Singular: κλᾶρος/κλῆρος) gleicher Größe und Qualität eine Anwartschaft darauf hatten. Häuser, Heiligtümer, ein Marktplatz (Agoras), öffentliche Gebäude und Straßen wurden allmählich erbaut.

Bei Erfolg kamen weitere Auswanderergruppen nach oder es wurde zur weiteren Besiedlung aufgerufen/eingeladen.

Albrecht 16.08.2012, 06:03

Verhältnis zwischen ausgewanderten Griechen und einheimischer Bevölkerung

Die Griechen mieden bei ihren Koloniegründungen machtvolle Kulturvölker. Die Küste der Levante und erhebliche Teile der norafrikanischen Küste waren Herrschaftsbereich altorientalischer Völker wie der Phoiniker, Äygpter, Assyrer und deren Kolonien. Die Griechen fuhren vor allem in Gegenden, wo sie technisch und kulturell die Überlegenen waren.

Das Verhältnis der griechischen Kolonisten zur einheimischen Bevölkerung war nicht einheitlich. Vielfach waren Gegenden dünn besiedelt, teilweise gar nicht. Es konnte zu Konflikten kommen, mit Kämpfen und dem Töten und Vertreiben von Gegnern. Zusammenarbeit überwog aber. Die Griechen kamen z. B. an wirtschaftlich interssante Rohstoffe und Produkte, die Einheimischen im Handelsaustausch an Waren der Griechen und in Berührung mit deren Kulturgütern, von denen eine Faszination ausgehen konnte.

Griechen heirateten einheimische Frauen, wenn sie nicht Frauen aus Griechenland nachkommen ließen.

Nachschlagewerke zur Antike, Bücher zur griechischen Geschichte allgemein und zum Thema Kolonisation speziell bieten weitergehende Informationen, z. B.:

Walter Eder, Kolonisation IV. «Große» griechische Kolonisation. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 6: Iul – Lee. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1999, Spalte 653 - 664

Michael Stahl, Gesellschaft und Staat bei den Griechen: Archaische Zeit. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2003 (UTB : Geschichte ; 2430), S. 155 – 163

Wolfgang Schuller, Griechische Geschichte. 6., überarbeitete und erweiterte Auflage. München : Oldenbourg, 2002 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte ; Band 1 A), S. 13 – 15

Linda-Marie Günther, Griechische Antike. 2., aktualisierte Auflage. Tübingen ; Basel : Francke, 2011 (UTB ; 3121. Studium Geschichte), S. 46 – 54

Oswyn Murray, Das frühe Griechenland. [Autorisierte Übersetzung und Bearbeitungder englischen Ausgabe von Kai Brodersen]. 6. Auflage. München : Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1998 (dtv Geschichte der Antike ; 30139), S. 132 - 160

Wolfgang Leschhorn, „Gründer der Stadt" : Studien zu einem politisch-religiösen Phänomen der griechischen Geschichte. Stuttgart : Steiner, 1984 (Palingenesia ; Band 20). ISBN 3-515-04181-8

Theresa Miller, Die griechische Kolonisation im Spiegel literarischer Zeugnisse. Tübingen : Narr, 1997 (Classica Monacensia ; Band 14). ISBN 978-3-8233-4873-3

Paul Faure, Die griechische Welt im Zeitalter der Kolonisation. Stuttgart : Reclam, 1981. ISBN 3-15-010302-9

John Boardman, Kolonien und Handel der Griechen : vom späten 9. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. [Übertragen aus dem Englischen von Karl-Eberhardt und Grete Felten]. München : Beck, 1981. ISBN 3-406-08039-1

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  1. Es wurden fast ausschliesslich Küstenregionen kolonisiert.

  2. Es wurde auch die Schwarzmeerküste kolonisiert.

  3. Siehe 1. Es ist keine Kolonisierung auf anderen Planeten. Kolonien hatten regen Kontakt zur Metropole über das Meer. Das Meer lieferte auch die Verpflegung für die erste Zeit. Das KnowHow kam einfach mit der Zeit aus der Metropole. Am Anfang hat man einfach ein kleines Dorf gebaut.

  4. Es war die Antike. Die Regionen waren dünn besiedelt. Die Griechen haben keinem Land weggenommen sondern siedelten praktisch dort wo frei war. So richtig Probleme mit Nachbarn gab es nicht.

Hallo Poxxxx,

etwa um 750 v. Chr. begann die Kolonisation an den Küsten des östlichen Mittelmeeres, des Schwarzen Meeres, Siziliens und Süditaliens. Dabei wurden aber die Kolonien nur an den Küsten gegründet, wo sich natürliche Häfen befanden und wo Oliven, Wein und Getreide angebaut werden konnten.

Sollte der vorgedachte Ort bereits bevölkert gewesen sein, dann wurden diese vertrieben oder unterworfen. Istanbul (Byzanz), Neapel (Neapolis) und Marseille (Massalia) wurden wie viele andere Hafenstädte als griechische Kolonie gegründet.

MfG Rusty

iraklis 12.09.2012, 21:07

Die Griechen haben fast nie Probleme mit den Einheimischen gehabt. Meistens haben sie sich mit ihnen vermischt.

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