Griechenland: Privatisierung, schlecht?

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3 Antworten

Das ist die Logik von Goldman Sachs.

Oder auch Neoliberales Denken genannt. Es wird dabei unterstellt, dass Staatsbetriebe nicht wirtschaftliche arbeiten würden. Das ist auch teilweise der Fall, weil Politiker in der Regel keine Ahnung von Betriebswirtschaft, leider auch nicht von Volkswirtschaft haben, aber Entscheidungen treffen müssen.

Daher empfehlen so Invetmentbanken wie Goldman Sachs und deren ehemaligen Mitarbeiter (z. B. Draghi, Monti, Sutherland, Dibelius = Berater von Merkel) Staatsbetriebe zu privatisieren, damit da betreffende Land seine Schulden bezahlen kann. Blöder Weise nimmt man damit dem betreffenden Land auch seine Einnahmequellen. Ein Bauer, der seine letzte Kuh verkaufen muss, wird zwar vorübergehend seine Schulden reduzieren, künftig aber auch keine Schulden mehr bezahlen können. So auch Griechenland.

Tsipras weiß das und viele andere auch. Allerdings haben sie keine Wahl, weil nunmal so Investmen-Banken am längeren Hebel sitzen, also besser vernetzt sind, als es der Politik je möglich wäre. Also werden die lukrativen Staatsunternehmen privatisiert, zerschlagen und verrammscht.

Hier noch ein paar Hintergründe über die Folgen dieser tollen Logik: https://www.gutefrage.net/frage/staatsverschuldung--reformmassnahmen-griechenland

earnest 05.02.2015, 14:38

Dies ist die fundierte Analyse eines Kenners.
(Ich stimme den aufgeführten Punkten zu.)
Ein Kenner bin ich nicht.

Zur Privatisierung der (angeblich) lukrativen Staatunternehmen möchte ich trotzdem anhand eines Beispiels etwas sagen.

Aufgrund von Berichten persönlicher Bekannter aus meiner Zeit in Griechenland kann ich zur Situation der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft DEI nur dies sagen: überschuldet, ineffektiv, mit Pöstchenvergabe für die Spezis der jeweiligen Regierungsparteien. Ein Sieb mit unendlich vielen Löchern, ein Finanzgrab.

Meine Vermutung: DEI ist nicht der einzige marode Staatsbetrieb. Mit solchen Firmen ist kein Staat zu machen. Und auch keine Knete bei der Privatisierung.

Den Hafen von Piräus allerdings halte ich für ein Sahnestück.

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Immofachwirt 05.02.2015, 14:51
@earnest

Ja, lieber earnest. Mit der Elektrizitätsgesellschaft DEI hast du zweifelsohne recht.

Wenn man allerdings auch weiß, dass in den griechischen Hoheitsgewässern wohl einer der größten Gasvorkommen Europas liegt, dass gerade Griechenland der Vorreiter schlechthin in Sachen Fotovoltaik, Sonnenkraftwerken und auch Windkraftwerke werden könnte, dann ist die Privatisierung der einzigen zukunftsträchtigen Branche neben dem Tourismus, keine wirklich gute Idee. Vor allem dann nicht, wenn man weiß, dass die potentiellen Käufer, wenn überhaupt, dann sicherlich nicht in Griechenland ihre Steuern aus den zu erwartenden horrenden Gewinnen bezahlen.

Das schlimme ist ja, dass bislang in Griechenland stets der Bock zum Gärtner gewählt wurde. Mit Tsipras ist das jetzt erstmalig anders. Allerdings fürchte ich, dass er angesichts der Erwartungen, die er im Land geweckt hat, nur scheitern kann. Ich hoffe sehr, dass ich mich da irre.

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Die Privatisierungen wären der Verkauf des "Tafelsilbers" - zum Beispiel des zentralen griechischen Hafens Piräus.

Das kann gut sein für Griechenland - so ist z.B. die Elektrizitätsgesellschaft ein hoffnungslos heruntergewirtschaftetes Staatsunternehmen - MUSS aber nicht gut sein für Griechenland.

Was z.B. EZB und Troika für gut halten, muß nicht gut für Griechenland sein.
Hier können unterschiedliche Interessen vorliegen.

Jede geplante Privatisierung müßte für sich betrachtet werden.
Als Nicht-Fachmann würde ich sagen: Was bei den maroden Staatsbtrieben sinnvoll sein mag, muß z.B. bei Piräus nicht sinnvoll sein.
(Die Chinesen hätte sich aber sicher über Piräus gefreut.)

Gruß, earnest

veritas55 10.02.2015, 03:41

Die Chinesen habe doch bereits ein Fünftel vom Hafen für 99 Jahre gepachtet. Klar, dass es auch Interessenten gibt/gab, die allzu gerne den Rest übernommen hätten.

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earnest 10.02.2015, 06:56
@veritas55

Die Verlegung eines Teils der russischen Schwarzmeerflotte von der Krim nach Piräus wäre sicher eine interessante Variante ...

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Endlich mal zwei fundierte Antworten auf eine Griechenlandfrage, denen nichts hinzuzufügen ist - DANKE euch Beiden :) !!!

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