Grammatik: Entgegen Deinen bisherigen Prinzipien?

9 Antworten

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Es sind wohl beide Varianten möglich.

siehe auch hier:

entgegen + Dativ/Genitiv

Entgegen ist eine Präposition, die im ganzen deutschsprachigen Raum meistens mit dem Dativ steht und «im Widerspruch» oder «im Gegensatz zu» bedeutet. Seltener wird entgegen mit dem Genitiv verbunden, was gemäß Duden aber erlaubt ist und von der Variantengrammatik des Standarddeutschen untermauert wird: Die folgende Grafik zeigt, dass in allen Regionen entgegen + Dativ zwar eindeutig der Variante entgegen + Genitiv vorgezogen wird, aber beide Varianten in der Praxis genutzt werden.

In folgenden Beispielen wird entgegen mit dem Dativ verbunden, was ich empfehle:

  • Entgegen allen Erwartungen sind die Aktienkurse im vergangenen Jahr gestiegen.
  • Donald Trump tritt entgegen anderslautenden Meldungen nicht als Präsident der USA zurück.
  • Ich habe mir entgegen deinem Rat eine Brotbackmaschine gekauft.
  • Mobilfunkstrahlen sind entgegen bisherigen Annahmen schädlich für Mensch und Tier.
  • Entgegen seinen Ausführungen empfehle ich, kein Auto zu leasen.

In meinen Ohren klingt allerdings der Genitiv gefälliger...

Beispiele:

  • Entgegen aller Erwartungen sind die Aktienkurse im vergangenen Jahr gestiegen.
  • Donald Trump tritt entgegen anderslautender Meldungen nicht als Präsident der USA zurück.
  • Ich habe mir entgegen deines Rats eine Brotbackmaschine gekauft.
  • Mobilfunkstrahlen sind entgegen bisheriger Annahmen schädlich für Mensch und Tier.
  • Entgegen seiner Ausführungen empfehle ich, kein Auto zu leasen.entgegen + Dativ/Genitiv (vogt-text.ch)

Danke für den Stern, freut mich sehr.

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Nach entgegen folgt der Genitiv: also trifft Lösung 1 zu: entgegen Deiner bisherigen Prinzipien

Wenn dennoch häufig Lösung 2 (Dativ) bevorzugt wird ('entgegen Deinen bisherigen Prinzipen'), zeigt dies, dass die Aussage "Der Genitiv ist dem Dativ sein Tod" zutrifft - leider!

Bei Konflikten empfiehlt sich Variante 1 (die etwas mehr an Sprachgefühl voraussetzt) im schriftlichen sowie im gehobenen mündlichen Sprachgebrauch, Variante 2 im mündlichen Gebrauch zu verwenden.

Was die Empfehlungen der Duden-Redaktion angeht, so veranlassen sie mich schon manchmal zu dezentem Stirnrunzeln 😀, vor allem, wenn wieder mal die deskriptive statt einer - gesunden - präskriptiven Sichtweise dominiert!

Wie ich die Franzosen um ihre Académie Francaise beneide!

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Sprache macht Spaß!

die Präposition "entgegen" verlangt einen Dativ. Bsp. "Der Sonne entgegegen" (Sonne im Dativ).

Aufgrund der Rektionsbeziehung muss das zugehörige Substantiv (hier "Prinzipien") im Dativ stehen. Die Begleiter des Substantives übernehmen den Fall des Substantivs.

Somit ist die zweite Lösung richtig.

Du kannst es testen, wenn du es leicht umstellst. "Deinen bisherigen Prinzipien entgegen"

Woher ich das weiß:Beruf – Ich habe beruflich viel mit Schreiben zu tun

entgegen deiner bisherigen Taten
entgegen deinen bisherigen Taten ist scheiße

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@AmigoLove03
entgegen deinen bisherigen Taten ist scheiße

Das ist nun mal die Grammatik, und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich gut anhört oder nicht.

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In deinem Bsp. "Der Sonne entgegen' (gehen, streben, schauen) steht entgegen in adverbialer Bedeutung mit Dativ (dem Substantiv nachgestellt, Postposition) und gibt eine Bewegungsrichtung an: auf etwas zu, zu etwas hin, in Richtung zu etwas. Diese nachgestellte Position erfordert den Dativ,

während es sich im Bsp. 'entgegen der Prinzipien': nicht im Einklang mit etwas; zuwider, um eine Präposition mit Genitiv oder Dativ handelt. Entgegen kann hier nur vorangestellt werden. Für die regionale Verbreitung beider Varianten siehe Link.

Es handelt es sich hier um zwei Wortarten mit 2 unterschiedlichen Bedeutungen.

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Im Duden ist lediglich vom Dativ die Rede: https://www.duden.de/rechtschreibung/entgegen_gegenueber_trotz

Bei diversen anderen Quellen wird sowohl der Dativ als auch der Genitiv angegeben, wie zum Beispiel hier: http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Entgegen

Ich persönlich richte mich nach dem Duden und würde daher Folgendes schreiben: entgegen deinen bisherigen Prinzipien. Klingt für mich auch nicht falsch, blöd oder was auch immer.

Und selbst wenn man sich nach anderen Quellen richtet, die beides zulassen, würde ich trotzdem den Dativ verwenden, weil dieser scheinbar in diesem Zusammenhang deutlich häufiger genutzt wird.

Ich bin durch ein bisschen Recherchieren noch auf einen interessanten Beitrag gestoßen. Man hört ja immer wieder den Satz „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“, aber hier ist es mal genau umgekehrt mit dem Titel „Wenn der Genitiv den Dativ umbringt“: https://www.gut-geschrieben.de/wenn-der-genitiv-den-dativ-umbringt/

Denn da ist auch nur vom Dativ die Rede, wenn es um „entgegen“ geht. Aber man muss sich natürlich auch nicht zwingend nach dem Duden richten.

Woher ich das weiß:Hobby – Eigenständige Wissensaneignung

Danke für Deine Antwort. Hilft mir auf jeden Fall weiter. Ich denke inzwischen auch, dass beide Varianten möglich sind. Ich habe mich jetzt für "deinen" entschieden. Mal sehen, ob mir meine Mail, die an mehrere Personen ging, um die Ohren fliegen wird. :-))

Klingt für mich auch nicht falsch, blöd oder was auch immer.

Ich finde auch, dass man das im täglichen etwas gehobeneren schriftlichen Sprachgebrauch durchaus so schreiben kann.

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Verofant fragte, welche dieser beiden Varianten "richtig" ist:

  • entgegen Deiner bisherigen Prinzipien
  • entgegen Deinen bisherigen Prinzipen

Ich antworte: Keine! Kein Mensch verwendet so einen Unsinn, wenn er nicht von dem Drang getrieben ist, Adornos Soziologen-Kauderwelsch zu toppen.

Alleine schon dies ist blanker Nonsense: "entgegen einem Prinzip". Oder: "entgegen deinem Prinzip". Oder "entgegen deines Prinzips". Wer sagt sowas vor dem vierten Bier?

Wer? Ein strunzdummer syphilitischer Wichtigtuer mit Profilneurosen, an denen sich Woody Allen noch ein Beispiel nehmen könnte?

Wenn ein Mensch so handelt, dass es den Prinzipien widerspricht, für die er bisher eingetreten ist -

und darüber möchten wir ja sprechen -,

was sage ich dann?

Ich sage:

Du handelst gegen die Prinzipien, für die du bisher eingetreten bist!

Und nicht so einen Mist wie

  • Du handelst entgegen Deiner bisherigen Prinzipien
  • oder:
  • Du handelst entgegen Deinen bisherigen Prinzipen

Gegen wen? Akkussativ!!!!

Entgegen wem oder was?

Entgegen der Fahrtrichtung kommt ihnen ein Falschfahrer entgegen! Fahren Sie bitte vorsichtig und überholen sie nicht!

Entgegen wessen?

"Entgegen des Trends zum Kauf von immer teureren SUVs entschloss sich Max Mustermann, sich einen bescheidenen Kleinwagen zuzulegen."

  • Was soll der Schwachsinn?

"Entgegen dem Trend zum Kauf von immer teureren SUVs entschloss sich Max Mustermann, sich einen bescheidenen Kleinwagen zuzulegen."

  • Was soll der Schwachsinn?

Wie wirkt dieser bescheidene Kauf sich gegen diesen Trend aus??????

Deutsch wäre:

"Trotz des Trends zum Kauf von immer teureren SUVs entschloss sich Max Mustermann, sich einen bescheiden Kleinwagen zuzulegen."

Oder:

"Max Mustermann stemmte sich gegen den Trend zu immer teureren SUVs und entschloss sich, sich einen bescheiden Kleinwagen zuzulegen."

Oder:

"Max Mustermann stemmte sich dem Trend entgegen, immer teurere SUVs zu kaufen, und entschloss sich, sich einen bescheiden Kleinwagen zuzulegen."

  • Deutsch war ja so einfach, bevor alle Soziologen und Möchtegern-Epigonen der Frankfurter Schule sich so dämlich wie vergeblich bemühten, Adorno nachzuäffen.

Gruß aus Berlin, Gerd

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Journalist, Buchautor, Dichter, wissenschaftlicher Lektor

"Kein Mensch"?

Dann oute ich mich eben mal als Alien.

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Sehr schön pointiert - für echte Freunde von Sprache! Deine stilistischen Varianten zum Frühstück sind amüsant zu lesen, danke! :-)

Hier ging es aber nicht um Stilistik, sondern um Grammatik und die Kasus am Beispiel von 'entgegen Deiner/Deinen bisherigen Prinzipien'. Sonst hätte man noch mehr schreiben können. 😀

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@Spielwiesen

Die Antwort ist in der Tat stilistisch pointiert. Ich kann mich allerdings nicht so recht mit dem Alternativvorschlag, man könne "für ein Prinzip eintreten", anfreunden.

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@Verofant

Entschuldigung, aber sollte dein Kommentar vielleicht eher an @GerdausBerlin gehen ? 😀

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@Spielwiesen

Nein, der war schon für Dich. ;-)

Ich habe mir die Antwort von @GerdausBerlin mehrmals durchgelesen, kann mich aber nicht so ganz mit seinen Ausführungen anfreunden. Direkt kritisieren möchte ich ihn nicht, da er sich ja offensichtlich viel Mühe mit seiner Antwort gegeben hat. Dennoch erscheint sie mir aufgrund seines Alternativvorschlags insgesamt nicht ganz plausibel. Man sieht ja auch, dass viele User hier im Forum die beiden Varianten nicht unbedingt für Ausführungen eines "strunzdummen, syphilitischen Wichtigtuers mit Profilneurosen" halten.

Aufgrund dieses Duktus habe ich mich allerdings entschieden, die Antwort des Users nicht direkt zu bewerten oder kommentieren.

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@Verofant

Oh - verstehe! :-)
Ich musste kurz mal die Luft anhalten bei dem Satz 'Keine! Kein Mensch verwendet so einen Unsinn, wenn er nicht von dem Drang getrieben ist, Adornos Soziologen-Kauderwelsch zu toppen', bezogen auf deine beiden Beispielsätze. Und zwar aus dem Grund, weil ich von jeher von Beamtendeutsch umgeben war, wo ich schon früh mit ziemlich besonderen _ich nenne es mal_ 'sprachlichen Konstrukten' umgeben war, die ich mir später ganz bewusst wieder 'rausreißen' musste, für so normal hatte ich sie gehalten.

Aber nicht nur hier gibt es solche Formulierungen, welche zu Zeiten der Schreibkontore und der aufblühenden Verwaltungen entstanden: ebenso haben andere Sprachen Fachterminologien (wie die für z. B. Handelskorrespondenz, wenn es um Fracht- und Zahlungsbedingungen sowie Lieferabwicklung ging) mit ziemlich eigenartigen Formulierungen und Floskeln; die musste man einfach auswendig lernen, denn herleiten ließen sie sich kaum.

Ich fände es aber zu kurz gedacht, solche Formulierungen - nur, weil sie einem selbst nicht geläufig sind - derart einseitig zu bewerten. Sprachler würden da erstmal auf die Suche gehen ... :-)!

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@Spielwiesen

Ich finde/fand es schade, dass sich sogenannte Experten hier im Forum doch immer wieder mal zu verbalen Entgleisungen hinreißen lassen, um ihren Standpunkten Nachdruck zu verleihen.

Wenn wir alle im Vorhinein perfekt wären, bräuchten wir ja dieses Forum nicht. :-)

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@Verofant

Ja, das erlebt man gelegentlich :-)
Mein Standpunkt in dieser Frage ist die, dass nicht unbedingt die Duden-Lösung die 'richtigste' sein muss, auch wenn sie quantitativ hervorsticht ('Milliarden Fliegen können nicht irren' :-)! )
Gerade, wenn ich an die Rechtschreibreform denke, habe ich mich genau wie mehrere große Zeitungsverlage teilweise von ihr abgeseilt, da manches einfach zu schlicht geworden ist (meine Meinung, aber nicht nur meine). Man muss seine Entscheidung nur im einzelnen begründen können!

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@Spielwiesen

"Hier ging es aber nicht um Stilistik, sondern um Grammatik und die Kasus [...]"

Insofern ist das richtig, als die Ausgangsfrage lautete: "An alle Grammatik-Profis: Wie ist es richtig?"

Die Richtigkeit, die Korrektheit einer grammatischen Konstruktion lässt sich aber selten unabhängig von deren semantischer Korrektheit beantworten.

Fragen nach Genitiv oder Dativ nach Wort X sind obsolet, wenn im gegebenen semantischen Kontext Wort X föllich valsch ferwented wirt! Dann sind - wie ich betont habe - Genitiv und Dativ grammatisch falsch, eben wegen der Sematik, nicht wegen des Stils.

Wenn ich mit einem Auto gegen einen Baum fahre und ein Polizist fragt mich, ob er schreiben solle "Gerd ist entgegen eines Baumes gefahren" oder "Gerd ist entgegen einem Baum gefahren" gefahren, dann sage ich: werder noch!

Und wenn wer hier argumentiert, damit würde ich entgegen des Stroms schwimmen, und andere monieren, ich würde damit entgegen dem Strom schwimmen, dann kann ich nur mit dieser Anektdote antworten:

"Achtung, Achtung! Auf der A1 kommt Ihnen ein Falschfahrer entgegen!" - "Einer? Hunderte!"

Gruß aus Berlin, Gerd

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