Graf Stauffenbergs Abkehr von Hitler

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Als noch vor Kriegsbeginn im Jahr 1937 einige Generäle wie Generaloberst Wilhelm von Fritsch oder Kriegsminister Werner von Blomberg entlassen wurden, regte sich schon erster Widerstand in Militärkreisen. Doch Hitler entließ alle, die seinem Kriegsvorhaben gegenüber Kritik äußerten. 1938 trat dann der Chef des Generalstabs Ludwig Beck zurück, nachdem Hitler seine Kriegspläne preisgab. Zuvor hatte er noch versucht, die Generäle zur Befehlsverweigerung zu bringen, scheitete aber mit seinem Vorhaben. Doch das Müncher Abkommen, bei dem das Ausland zunächst noch still hielt und Hitlers Expansionsplänen nur sehr verhalten Einhalt gebot, ließ die Kritiker in der Wehrmacht erst einmal verstummen.

Doch immer wieder versuchte die Heeresleitung, sich Hitlers Plänen zu widersetzen und es kam zu verschiedenen Verschwörungen. Hitlers Polenfeldzug 1939 und auch der Frankreichfeldzug 1940 riefen kritische Stimmen auf den Plan. Doch der missglückte Attentatsversuch Georg Elsers im November 1939 setzte den Plänen eines Staatsstreiches zunächst ein Ende. Als sich die ersten militärischen Erfolge einstellten, mussten die Kritiker und Skeptiker erst einmal schweigen. Hitler hatte das Glück auf seiner Seite. Seine ehemaligen Gegner in Wehrmachtskreisen genossen die Erfolge des deutschen Heeres und unterstützten Hitler. Zu Hitlers Unterstützern zählte eben auch Stauffenberg.

Zweifel kamen eigentlich erst dann wieder auf, als der Russlandfeldzug zu scheitern drohte. Ab 1942 begann eine Gruppe von Leuten, von denen die bekanntesten Henning von Treschkow und Claus Schenk Graf von Stauffenberg waren, einen Plan zu entwickeln, wie man Hitler töten könnte, um im Anschluss durch einen Staatsstreich eine neue Regierung einzurichten. Es gab also auch schon vor dem 20. Juli 1944 mehrere Versuche, Hitler auszuschalten, die allerdings alle schief gingen. Der "Führer" konnte entkommen bzw. die Bombe explodierte nicht oder zu spät.

Nun war ab September 1943 ein Plan entstanden, mit dem Stauffenberg das gelingen sollte, was zuvor weder Henning von Treschkow noch einem anderen gelungen war: Die Ausschaltung Hitlers und der Staatsstreich. Ab dem 1. Juli 1944 war Stauffenberg selbst Chef des Ersatzheeres und hatte deshalb auch die Gelegenheit, Hitler bei Besprechungen auf Führungsebene nahe zu kommen. Eben so nah, dass er ein Attentat wagen konnte.

Von Stauffenberg wollte die Macht für den Widerstand allerdings nicht für sich persönlich. Der frühere Oberbürgermeister von Leipzig, Carl Ludwig Gördeler, war z. B. als Staatsoberhaupt vorgesehen. Der von Hitler abgesetzte Generalfeldmarschall Ludwig Beck sollte Oberbefehlshaber der Wehrmacht werden. Erstes Ziel der Attentäter war, den Krieg sofort zu beenden. Dazu hatten sie aber also auch schon Pläne für die neue Regierung nach dem Attentat.

Wobei letzterer Absatz vielleicht etwas kritisch betrachtet werden kann. Nach dem Krieg gab es zum Stauffenberg-Attentat viele Ansätze, die Idee der "tugendreichen" Soldaten zu verbreiten, die den Nationalsozialismus bekämpften. Viele Historiker sehen dies heute differenzierter, der Putsch offenbarte sich eher als Versuch, die Einfluss verlierende Militäraristokratie an die Macht zu bringen, während man mit einer nach außen demokratischen Regierung auf einen Frieden mit den Westalliierten hoffen konnte, damit der Krieg im Osten siegreich zu beenden wäre.

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@Nauticus

DH.
Es sollte auch nicht ein möglicher Eindruck entstehen, die Wehrmachtsführung sei unisono hitlerkritisch oder gar widerständlerisch gewesen. Das Lakaientum der Militärs spiegelt sich z.B. im Spitznamen Wilhelm Keitels (Chef des Oberkommandos der Wehrmacht) wider, der treffend "Lakaitel" bzw. "Lakeitel" Hitlers genannt wurde.

Während der Erfolge der Hitlerschen Raubfeldzüge schwieg die Kritik weitgehend.
Die kritischen Stimmen in der Wehrmachtsführung schwollen erst an, als das Scheitern absehbar wurde.

Gruß, earnest

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@earnest

@Nauticus: Da übertrumpfst du mich ja wieder mit deinem hervorragenden Wissen! :) Aber letztendlich hast du ja natürlich Recht

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@NickyParis

Ein paar kleine kritische Anmerkungen:

1. Ihr statet nicht zum eigentlichen Fragekern, der da wäre, wie und warum sich der politische Abnabelungsprozess Stauffenbergs von Hitler bzw. den Nazis vollzog.

2. Ca. 1 % der Wehrmachtsoffiziere gehörten Schätzungen zufolge mental der Gruppe der Attentäter an... Insofern wäre selbst bei einem geglückten Attentat noch immer sehr fraglich gewesen, was dieses letztlich wirklich bewegt hätte...

3. Zumindest ein Teil der Stauffenberg-Verschwörer sind nicht nur Widerständler und spätere Opfer der Nazijustiz, sondern eben auch motivierte Mittäter an Kriegsverbrechen gewesen, wie der Verantwortliche für den berüchtigten "Kommissar-Befehl", Franz Halder, der ebenso für die Konstruktion des Ostfeldzugs als Rassenkampf zwischen Ariern und slawischen Untermenschen verantwortlich zeichnet.

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Die Generalstäbler erkannten die verbrecherischen kriegstreiberischen Umtriebe und konnten sie nicht mit ihrer Wertvorstellung akzeptieren.

Das ist in dieser Verallgemeinerung nicht korrekt (siehe z.B. Wilhelm Keitel - und viele andere).

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Wahrscheinlich hat er angefangen zu denken.

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