Glaubt Ihr Menschen werden Gut bzw. Böse geboren oder sind wir alle Produkte unseres Umfeldes?

26 Antworten

Da Werte wie Gut und Böse von Menschen erfunden wurden um Ihr Schubladendenken zu befriedigen, lautet die Antwort auf Deine Frage ganz klar Nein!

Allerdings sind in jedem Menschen grundlegende Verhaltensmuster auf bestimmte Situationen genetisch vorgegeben, was natürlich bei unterschieldichen Menschen unterschiedliche Ausprägungen hat. Ob diese Ausprägungen und verhaltensmuster allerdings Gut oder Böse sind, hängt ausschliesslich von der am häufigsten vorherrschenden Moralvorstellung der Gesellschaft ab in der sich dieses Individuum befindet.

Ein Beispiel. Viele Menschen haben das Bedürfnis sich über andere zu erheben und viele Menschen haben das Bedürfnis über ihr Leben selber zu bestimmen. Im alten römischen Reich allerdings war Sklaverei ein Lebensstil der von allen Römern als gut angesehen wurde. Die damalige Weltanschauung war einfach so, das besiegte den Siegern dienen sollten. In unserer heutigen Zeit wird sich niemand mehr in Rom als Befürworter von Sklaverei outen, weil nach aktueller Weltanschauung Sklaverei als absolut böse angesehen wird.

Doch nichts davon ist vorbestimmt, sondern lediglich ein Produkt menschlicher Definition einer bestimmten Lebensweise. Ich hoffe dieses kleine Beispiel hilft Dir beim beantworten Deiner Frage.

  • Natur vs. Umwelt ist ein ewig diskutiertes Thema und sicher ist, dass beide Anteile vorhanden sind. Viele Charaktereigenschaften sind angeboren, aber wie man sich dann im Leben wirklich verhält, hängt trotzdem stark von der Umwelt ab.
  • Ich halte nicht viel von pauschalen Einteilungen in Gut und Böse. Das sind Gesamturteile, die dem komplexen Verhalten von Menschen nicht gerecht werden. Man kann Tiere und Kinder liebevoll behandeln und trotzdem ein mieser Diktator oder Mörder oder Vergewaltiger sein -- nicht nur in Bezug auf Hitler, sondern auf alle Menschen.
  • In einer anderen Familie und mit anderem Umfeld hätte Hitler meiner Meinung nach ein unauffälliger Mensch bleiben können. Letztlich sind es unsere Entscheidungen, die wir treffen, die uns nach außen gut oder böse wirken lassen -- und die hängen gewiss von all den Erfahrungen ab, die wir im Leben machen, aber zu einem gewissen Teil wohl auch von der angeborenen Austattung.

Sofern das Kind keine neurologischen Probleme von Geburt an hat, das zum Beispiel Aggressionshemmungen beeinträchtigt oder so, ist das Umfeld für sein Moralverständnis verantwortlich. Kinder, die nicht genug Aufmerksamkeit oder Richtlinien bekommen tun oft böse Sachen, weil sie auf sich aufmerksam machen wollen, oder einfach nicht wissen, was gut und böse ist. Kulturell gibt es auch manchmal Unterschiede etc. Es ist also definitiv nicht angeboren.

Um dein Hitler-Beispiel anzusprechen: Er wurde als Kind angeblich von seinem Vater mit einer Elefantenpeitsche geschlagen und generell sehr rau behandelt. Seine Mutter hingegen hat ihn sehr "verhätschelt". Seine Kindheit war also bereits unglaublich extrem. Da kann kein gesunder Mensch hervorgehen.

Es kommen verschiedene Faktoren zusammen:

  1. Die sogenannte Veranlagung, also die genetische Grundausstattung, wozu die Körperlichkeit, Ausprägung der Triebe und hormonelle Impulse des Gefühlslebens gehören und außerdem das Gehirn, der Denkapparat mit seinen organisch bedingten Möglichkeiten. Klar, dass zum Beispiel das Down Syndrom einem Grenzen setzt.
  2. Die charakterliche Vorbildung aus früheren Leben. Dasjenige, was nach dem mehrmaligen Genuss des Trunkes der Vergessenheit dennoch im Gefühlsleben mit seinen Neigungen, Vorlieben und Abneigungen, Impulsen und Ängsten hängen geblieben ist.
  3. Die Entwicklung seit frühester Kindheit in seinem jetzigen Leben. Wie es einem ergeht mit seinen Eltern und in seiner Umwelt und was man daraus macht, was für Schlüsse man zieht aus seinen Erlebnissen in positiver oder negativer Hinsicht und wie die nachfolgenden Lebensumstände einen wiederum prägen.
  4. Die eigene höhere Einsicht und Intuition, sozusagen der freie Wille, der es einem ermöglicht, sich selber zu erziehen, positive, aufbauende Entscheidungen zu treffen und in die Tat umzusetzen.

Im Fall von A.H. erkennen wir viele negative Vorzeichen, z.B. auch die Erlebnisse im 1. Weltkrieg, und dann das Hereinfallen auf destruktive, rassistische Ideologien, den Judenhass, in die er sich gedanklich und psychisch hineingesteigert hat. Manche behaupten, es seien auch okkultistische Vorgänge im Spiel gewesen, negative geistige Wesenheiten und ihre Kräfte, die sich in der Person des Diktators zu verwirklichen suchten. Solche Kräfte muss man bewusst zu sich heran lassen. Man wird davon nicht unschuldig befallen, um ihnen dann zu verfallen. Wer ihnen "zum Opfer fällt" ist selbst schuld daran.

Wenn jemand einen Gendefekt hat, der dafür sorgt, dass dieser Mensch kein Mitgefühl empfinden kann, dann wird er nicht zwingend zum Massenmörder. Die Biografie eines Menschen spielt eine viel größere Rolle, als die genetischen "Fehler".

Niemand kommt Böse zur Welt. Es gibt aber genetische Defekte, die so eine Entwicklung erleichtern.

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