Glaubt ihr es existiert eine Art Karma tatsächlich?

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Hallo,

das Konzept des Karma hat eine positive Seite, die für mich heisst: tue besser etwas Gutes. Das ist für alle gut, auch für mich. 

Aber es könnte auch in die andere Richtung gedacht werden: dem Menschen X ist etwas Schlechtes oder Schlimmes geschehen. Also hat er früher mal was Schlechtes getan; es geschieht ihm nur recht. Er ist selbst Schuld. Das wäre victim blaming. Da kann ich nicht mitgehen.

Noch schlimmer fände ich, wenn Karma noch in Verbindung des Glaubens an die Wiedergeburt gesehen würde, denn dann könnte (würde?) man sagen, dass der Mensch, dem Unglück oder Schlimmes widerfahren ist, an seinem Unglück selbst Schuld ist, denn in einem früherem Leben hat er mal gesündigt.

Diese Haltung fände ich empathielos, verantwortungslos. Wieder victim blaming, nur auf einem noch höheren Niveau.

Damit könnten ganze Völkermorde "begründet" werden. (Die Mitglieder des Volkes X waren in früheren Leben böse gewesen, also trägt das Volk die Schuld seiner Extermination.)

Der Karma-Gedanke könnte in dieser Weise bis zum Schlimmsten instrumentalisiert werden. Die (naheliegende) Möglichkeit dieser Instrumentalisierung finde ich gefährlich.

In wieweit die Anhänger oder wie viele Anhänger des Karma eine Selbst-Schuld oder geschieht-dir-recht Haltung einnehmen, weiss ich nicht, ich habe sie jedenfalls bei Anhängern schon angetroffen.

Mir persönlich gefällt die Idee nicht, ich lehne sie ab.

Gruss

Wenn man Karma wirklich versteht, dann begeht man diesen Fehler "Bist ja selbst schuld" eher nicht. Denn die karmischen Verknüpfungen sind so weit verzweigt, dass man sie kaum durchschauen kann. So kann es durchaus möglich sein, dass mein Karma mit dem Karma der Person verbunden ist, die ich gerade leiden sehe. Dass ich Mitgefühle zu lernen habe und es meine Aufgabe wäre zu helfen. Und wenn ich nicht helfe, dann werde ich später einmal in einer ähnlichen Lage sein um genau diese Erfahrung zu machen - wie es ist, wenn mir nicht geholfen wird. 

Das schlechte Karma eines ganzen Volkes kann auch durch etwas anders als Krieg bereinigt werden. Ich denke da an Naturkatastrophen Epedemien u.ä. Es liegt immer an den Menschen selbst, wie sie handeln bzw. reagieren. Ursachen für Kriege sind in der regel eher handfeste finanzielle, wirtschaftliche Interessen. ich habe noch niemals gehört, dass ein Krieg oder ein Völkermord damit begründet wurde, dass es das Karma dieses Volkes sei.

Karma dient in erster Linie dazu, etwas zu lernen, nämlich "was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu". Und leider lernen die meisten erst aus eigener Erfahrung. Da meisten Menschen nichts über Karma wissen, werden karmische Reaktionen dann als Strafe empfunden. Aber wie nachsitzen oder "Strafarbeiten in der Schule dient auch Karma in erster Linie dazu, uns eine Lehre zu erteilen, die wir andernfalls nicht akzeptieren würden.

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Ja, genau so funktioniert Karma. 

Und wenn es kein Karma gäbe, wenn wir also nicht gezwungen wären, aus den Resultaten unserer Handlungen zu lernen, dann sähe es in unserer Welt noch viel schlimmer aus. 

Denn es gäbe keine Menschen, die aufgrund meist unbewusster Erinnerungen an frühere Reaktionen auf eigene Handlungen ihre eigenen egoistischen Interessen zurückstellen und auch das Wohl anderer im Auge habe.

Das Wissen über Karma sollte uns nicht zu der Einstellung verleiten: "Lass ihn doch leiden das ist halt sein Karma". Denn wenn wir dies tun, dann beweisen wir damit nur, dass wir Karma nicht wirklich verstanden haben.  Denn erstens könnte es unser Karma sein, dass wir dieser Person helfen sollten. Und zweitens hätten wir nach dem Karmagesetz einen persönlichen Vorteile davon, wenn wir helfen würden.

In der Bhagavad-gita wie sie ist, Kapitel 6, Vers 40 heißt es dazu:

Der höchste Herr sagte: O Sohn Prthas, ein Transzendentalist, der 
glückverheißenden Aktivitäten nachgeht, wird weder in der materiellen noch in der spirituellen Welt vergehen; wer Gutes tut, Mein Freund, wird niemals vom Bösen besiegt.

Aber es gibt auch einen Vorgang (Bhakti-Yoga), durch den man von allen karmischen Reaktionen frei werden kann. Und das ist unser eigentliches Ziel. Denn sowohl positives als auch negatives Karma binden uns an den Kreislauf von Geburt und Tod, da wir in jedem Fall die Ergebnisse unserer Handlungen zu "genießen" haben.

Hier kannst du mehr darüber nachlesen:  http://www.prabhupada.de/bg/Prabhupada%20-%20Bhagavad-gita%20Wie%20Sie%20Ist.pdf

Kurz erklärt:

Das Karmagesetz ist das Gesetz von Ursache und Wirkung und wirkt in allen Bereichen des Lebens hinein. Jede Tat (wie auch jede Nichttat), jedes Wort, jeder Gedanke erzeugt eine Wirkung.

Diese Wirkung tritt zumeist nicht sofort ein, sondern kann wesentlich später erfolgen, sodass man sehr oft keinen Rückschluss auf die Ursache mehr anstellen kann. Darin liegt der Schwierigkeitsgrad: In der Erkenntnis von Ursache und Wirkung, in der Erkenntnis vom Gesetz des Karma.

Und:

Auch in der Physik ist dieses Gesetz von Ursache und Wirkung bekannt - unter dem Begriff Kausalität

Gruß Fantho

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