Glaubt ihr, dass ein Politiker wie Gregor Gysi in einer anderen Partei wie z.B. der SPD durchaus die Chance gehabt hätte Kanzler zu werden?

10 Antworten

Ein Politiker der SPD hatte ja Gysi, als Politiker, schon einmal hervorgehoben, allerdings mit dem Nachsatz, leider ist er in der verkehrten Partei!

Damit ist alles gesagt, alle Eigenschaften einer Regierung vor zu stehen,(hypothetisch versteht sich) haette er, allerdings wuerde er dafuer nicht die Partei wechseln wollen, das entspraeche nicht seinem Charakter.

Gregor Gysi ist intelligent, eloquent und hat ein gewisses Charisma, das anderen Politikern abgeht. Ich finde ihn persönlich auch ziemlich cool.

Aber ehrlich gesagt ist er das, was man gern als Salon-Sozialisten bezeichnet. Überspitzt ausgedrückt: Er findet immer treffende Worte, um einen Missstand oder auch Zustand zu beschreiben, aber arbeiten hat ihn noch keiner gesehen.

Ich kann ihn mir beim besten Willen nicht als Minister an einem Schreibtisch mit Aktenbergen vorstellen (auch wenn er gelernter Anwalt ist), beim besten Willen nicht bei unangenehmen Arbeiten wie beim Bohren dicker Bretter und schon gar nicht als Bundeskanzler im Krisenmodus, wenn du ein wenig mehr Beharrungsvermögen und Belastbarkeit brauchst als am Rednerpult im Bundestag oder in der Talkshow.

Das gilt übrigens für Politiker/innen aller Parteien.

aber arbeiten hat ihn noch keiner gesehen.

Du kennst seine Kanzlei? Du kennst seinen Terminplan? Du meist, was DU nicht siehst, existiert nicht?

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Das gleiche habe ich auch mal gedacht. Doch schau dir die Strukturen der SPD an. Fast nur Seeheimer an der Spitze der Partei. Die Parteilinken werden regelrecht kleingehalten. So wäre es auch Gregor Gysi gegangen. Außerdem wäre er für seine Vergangenheit in der DDR parteiintern diskreditiert worden, anstatt wie bei der Linkspartei, unvoreingenommen angenommen und akzeptiert zu werden.

Bis heute halten sich Vorwürfe, dass Gysi mit der Stasi praktiziert habe, was natürlich Blödsinn ist und von mehreren Gerichten so auch bestätigt wurde.

Zumal die SPD sich vor den Neumitgliedern aus der ehemaligen SED/ PDS - Partei verschlossen hatte und keine dieser Reformer aufgenommen hat, obwohl die Mitglieder der umbenannten (de facto neugegründeten) SED/PDS auch erst seit dem Mauerfall dabei waren. Auch eine Entscheidung, die man nicht verstehen kann.

Zumal Gysi sich auch erklären müsste für die schlechte SPD-Politik, die er nicht zu verantworten hätte.

In der Linkspartei ist er schon gut aufgehoben. Dort gibt es wenigstens noch Debatten und Kampfabstimmungen und keine nordkoreanischen Mehrheiten von 100% für einen Parteivorsitzenden.

Obwohl Herr Gysi seine Karriere beendet hat, bin ich mir sicher, dass andere ihm gleichtun und es irgendwann jemanden, wie ihn, erneut an der Parteispitze geben wird. Vielleicht sogar als Kanzlerkandidat der SPD. Wer weiß das schon?

nein! ohne seine politischen anschauungen zu werten, scheint er probleme zu haben, wenn er verantwortung übertragen bekommt, bei der es nicht nur um verbale programmatik und weltanschauliche ideen geht.

als er wirtschaftssenator im berliner senat war, nutzte er die erstbeste gelegenheit, um sich unter fadenscheinigen begründungen abzuseilen.

er soll lieber in der opposition bleiben und den herrschenden kräften fleißig auf die finger klopfen!

Die `Senats-Aufgabe` war sicherlich fuer Gysi eine Zwangsjacke, sie entsprach nicht seinem Naturell. Allrounder , die funktionieren, sind in der Politik selten anzutreffen.

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@zetra

Zu "Allroundern" scheinen sie sich aber berufen zu fühlen, wenn man z.B. die Ministerfluktuation hernimmt!

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Nein. Gysis Ort ist die Talkshow, wo er seine Begabung zu flüssiger Rede, wendigem Jonglieren mit zugespitzten Formulierungen und aalglattem Durchlavieren ausleben kann. Als er mal Finanzminister in Berlin war, hat er nach kürzester Zeit hingeschmissen, denn harte Arbeit, Disziplin und strategisches Denken sind seine Sache nicht. Er ist ein Salonbolschewist, der das gute Leben noch mehr liebt als die radikale Phrase.

Außerdem sind die Vorwürfe, dass er Stasimitarbeiter war, nie wirklich ausgeräumt worden.

Außerdem sind die Vorwürfe, dass er Stasimitarbeiter war, nie wirklich ausgeräumt worden.

Klar, deutsche Gerichte irren sich immer. Gut, dass du es besser weißt

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@schmerberg

Es gab nie einen Prozess. Die Dissidentin und Bürgerrechtsaktivistin Vera Lengsfeld, der ich vertraue, schreibt auf ihrem Blog:

Der Immunitätsauschuss des Deutschen Bundestages stellte 1994 nach Sichtung aller damals zugänglicher Stasiakten, die mit Gysi in Verbindung gebracht wurden, fest, dass die Mitarbeit des Abgeordneten Gysi für die Staatssicherheit erwiesen sei. 

Ich kam auch nicht in Versuchung (zum Fall Gysi zu schweigen), als ich die skandalöse Begründung der Hamburger Staatsanwaltschaft las, warum sie keine Anklage gegen Gysi erheben will. Ich hatte die Einstellung erwartet, seit der Leitende Staatsanwalt, der Anklage erheben wollte, von seinem Untergebenen beim Justizsenator mit einer Beschwerde überzogen und daraufhin geschasst wurde. Spätestens da wurde mir klar, dass es aussichtslos ist, gegen den offensichtlichen Willen, im Falle Gysi nicht die Wahrheit ans Licht kommen zu lassen, anzukämpfen. In einem Prozess wären endlich die Zeugen zu Wort gekommen und ein unabhängiges Gericht hätte die Wahrheit erkennen und entsprechend urteilen können.

http://vera-lengsfeld.de/2016/06/17/der-ehrenwerte-herr-gysi/

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gysi hatte hier im sog. "freiheitlich-demokratischen" staat nie eine tragende rolle.

interessanter ist doch, dass auch die stasi-vorwürfe gegenüber einem gewissen pfarrer gauck, später dann sogar bundespräsident, nie ausgeräumt wurden. das will aber interessanterweise keiner wissen!

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