Glaubt ihr, dass ein Politiker wie Gregor Gysi in einer anderen Partei wie z.B. der SPD durchaus die Chance gehabt hätte Kanzler zu werden?

12 Antworten

Ein Politiker der SPD hatte ja Gysi, als Politiker, schon einmal hervorgehoben, allerdings mit dem Nachsatz, leider ist er in der verkehrten Partei!

Damit ist alles gesagt, alle Eigenschaften einer Regierung vor zu stehen,(hypothetisch versteht sich) haette er, allerdings wuerde er dafuer nicht die Partei wechseln wollen, das entspraeche nicht seinem Charakter.

Das gleiche habe ich auch mal gedacht. Doch schau dir die Strukturen der SPD an. Fast nur Seeheimer an der Spitze der Partei. Die Parteilinken werden regelrecht kleingehalten. So wäre es auch Gregor Gysi gegangen. Außerdem wäre er für seine Vergangenheit in der DDR parteiintern diskreditiert worden, anstatt wie bei der Linkspartei, unvoreingenommen angenommen und akzeptiert zu werden.

Bis heute halten sich Vorwürfe, dass Gysi mit der Stasi praktiziert habe, was natürlich Blödsinn ist und von mehreren Gerichten so auch bestätigt wurde.

Zumal die SPD sich vor den Neumitgliedern aus der ehemaligen SED/ PDS - Partei verschlossen hatte und keine dieser Reformer aufgenommen hat, obwohl die Mitglieder der umbenannten (de facto neugegründeten) SED/PDS auch erst seit dem Mauerfall dabei waren. Auch eine Entscheidung, die man nicht verstehen kann.

Zumal Gysi sich auch erklären müsste für die schlechte SPD-Politik, die er nicht zu verantworten hätte.

In der Linkspartei ist er schon gut aufgehoben. Dort gibt es wenigstens noch Debatten und Kampfabstimmungen und keine nordkoreanischen Mehrheiten von 100% für einen Parteivorsitzenden.

Obwohl Herr Gysi seine Karriere beendet hat, bin ich mir sicher, dass andere ihm gleichtun und es irgendwann jemanden, wie ihn, erneut an der Parteispitze geben wird. Vielleicht sogar als Kanzlerkandidat der SPD. Wer weiß das schon?

Gregor Gysi ist intelligent, eloquent und hat ein gewisses Charisma, das anderen Politikern abgeht. Ich finde ihn persönlich auch ziemlich cool.

Aber ehrlich gesagt ist er das, was man gern als Salon-Sozialisten bezeichnet. Überspitzt ausgedrückt: Er findet immer treffende Worte, um einen Missstand oder auch Zustand zu beschreiben, aber arbeiten hat ihn noch keiner gesehen.

Ich kann ihn mir beim besten Willen nicht als Minister an einem Schreibtisch mit Aktenbergen vorstellen (auch wenn er gelernter Anwalt ist), beim besten Willen nicht bei unangenehmen Arbeiten wie beim Bohren dicker Bretter und schon gar nicht als Bundeskanzler im Krisenmodus, wenn du ein wenig mehr Beharrungsvermögen und Belastbarkeit brauchst als am Rednerpult im Bundestag oder in der Talkshow.

Das gilt übrigens für Politiker/innen aller Parteien.

aber arbeiten hat ihn noch keiner gesehen.

Du kennst seine Kanzlei? Du kennst seinen Terminplan? Du meist, was DU nicht siehst, existiert nicht?

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Wie viele Fraktionen in einem Parlament sind gesund?

Ich beschäftige mich gerade mal wieder mit der Geschichte der deutschen Bundestagswahlen. Im Angesicht des Dreiparteienparlaments von 1961 bis 1983 stellte sich mir obige Frage. In dem Fall ist es nämlich gar nicht der Wille der Bürger, wer die Regierung bilden wird. (Es gab schlichtweg keine Alternativen; möchte man die NPD hinzufügen?) Die FDP war der Königsmacher und sollte keine Partei die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen, konnte prinzipiell diese entscheiden, mit welchem Partner sie eine Koalition eingehen wird. Doch der Wechsel war eine Pflicht, hätte sie weiter mit der Union regiert, wäre sie wohl aus dem Bundestag geflogen und ein Zweiparteiensystem hätte sich etabliert. Eine absolute Mehrheit scheint mir aber auch nicht perfekt, da hier der Kanzler weniger Kontrolle unterliegt und nur die eigenen Parteifreunde überzeugt werden müssen; das Parlament benötigt also Vielfalt, um eine möglichst wichtige Rolle einzunehmen. Seit 1983 kamen die Grünen hinzu und nach einigen Jahren stellte sich heraus, dass die beiden kleineren Parteien klar den beiden Volksparteien zuzuordnen sind. Hier unterliegt die jeweilige Volkspartei zwar eine größeren Kontrolle, aber in Wahrheit hat es wenig Unterschied gemacht, ob man nun der SPD oder den Grünen seine Stimme gab. Sobald das Parlament dann um eine weitere Fraktion bereichert wurde, hatte auf einmal keiner der Blöcke eine Mehrheit mehr (2005). Der kategorische Ausschluss von LINKE und AfD ist meiner Meinung nach nicht gesund, da die Regierungsbildung schwieriger wird und große Koalitionen zur Pflicht werden, wodurch CDU und SPD entweder näher zueinander rücken und damit die Extrema stärken oder schlechter zusammenarbeiten und oft vor dem Ende der Koalition stehen (momentan erleben wir beides). Die Führer aller Parteien scheinen obige Frage mit "weniger als 6" zu beantworten, da sie alle die AfD aus den Parlamenten raus haben wollen. Jedoch muss meiner Meinung nach jede Partei, die antritt, auch das Ziel haben Verantwortung zu übernehmen. Dies ist bei LINKE und AfD nur bedingt gegeben. Dreiparteienkoalitionen sind schwierig, da auf allen Seiten zu sehr auf die jeweiligen Forderungen gepocht wird und die Jamaika-Verhandlungen 2017 an der Sturheit aller Beteiligten gescheitert sind. Doch hätten diese für mehr Demokratie sorgen können, in einer breiten Koalition, die Entscheidungen trifft, mit denen fast jeder einverstanden sein kann, da man über die alten Blöcke hinaus zusammen gearbeitet hat, ohne den Gegensatz der Volksparteien aufzuheben. Zusätzlich dazu, hätte jede der drei Parteien einen der grundsätzliche politischen Felder übernehmen können (Recht und Ordnung: Union, Wirtschaft: FDP, Umwelt: Grüne). Eine weitere Zersplitterung des Parlaments ist an Beispielen wie Italien als nicht sinnvoll zu beweisen.

Schreibt mir eure Meinungen, wie viele Fraktionen eurer Meinung nach am Besten für eine Demokratie sind, oder ob man überhaupt Koalitionen bilden sollte, bevor man den Kanzler wählt.

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Grundrente erhöhen ohne Bedarfsprüfung .. eine gute Idee?

(ich stelle die Frage, weil hier wieder mal gelöscht wird weil die Überschrift vielleicht etwas provokant war .. )

es geht ja um den Vorschlag der SPD "ohne Bedarfsprüfung"

Es geht ja nicht darum, OB man die Mindestrente erhöhen sollte, sondern um das WIE.

Und den Bedürftigen zu ersparen, über Einkommens und Vermögensverhältnisse Auskunft zu geben, halte ich für ein Nebenthema. Den Vorschlag zu machen, die Bedarfsprüfung ganz wegzulassen, und allen eine Mindestrente zu garantieren, halte ich auch für ziemlich unausgegoren. Dann würden auch für wohlhabende Selbstständige davon profitieren, die nichts eingezahlt haben, und statt dessen ein paar Mietshäuser oder private Rentensparpläne haben.

Natürlich ist es in dem Zusammenhang Unsinn, einer Partei zu unterstellen, "gegen die armen Bedürftigen" zu argumentieren. Eher könnte man der SPD unterstellen, den FDP Wählern was gutes zu tuen. Aber auch als FDP Wähler würde ich einen solchen Vorschlag nicht gutfinden, einfach weil er nicht zu Ende gedacht ist.

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