Glaubt ihr, dass der Mensch von Natur aus Gut oder Böse ist?

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35 Antworten

Dies ist eine Frage, über die Kirchenväter, Theologen, Philosophen und Psychologen seit Jahrtausenden gestritten haben und immer noch streiten. Augustinus und in seinem Gefolge Martin Luther waren der Auffassung, der Mensch sei von Natur aus böse, Thomas von Aquin und in seinem Gefolge die Katholische Kirche waren der Auffassung, der Mensch sei von Natur aus gut - als Maßstab galt dabei das göttliche Gebot. Rousseau und in seinem Gefolge die französische Aufklärung und die Marxisten waren der Auffassung, der Mensch sei von Natur aus gut und Sigmund Freud war der Auffassung, der Mensch sei von Natur aus böse: Er postulierte den Aggressionstrieb Thanatos.

Die heutige Mode ist es eigentlich, die Existenz einer menschlichen Natur überhaupt zu bestreiten; diese Auffassung liegt auch Sartres Existentialismus zugrunde. Während dieser aber die Prägung des Einzelnen auf dessen freie Willensentscheidung zurückführte, werden heute zumeist "die Gesellschaft" und deren Kultur für das Sosein des Menschen verantwortlich gemacht. Bei Schülerinnen und Schülern ist es Mode zu sagen: "Alle Menschen sind anders." Um die Frage zu beantworten, müssten wir also zuerst einmal feststellen, dass es bei aller Unterschiedlichkeit und aller Prägung durch Produktionsbedingungen und Gesellschaft und Kultur auch ein Gleiches unter den Menschen gibt, das wir dann "seine Natur" nennen können. Ich persönlich würde dies bejahen, wäre aber schwerlich in der Lage, es genau benennen zu können.

Aber selbst wenn wir die Existenz einer menschlichen Natur bejahen wollen, ist uns ja ganz offenbar der Maßstab abhanden gekommen, nach dem wir diese menschliche Natur nun gut oder böse nennen können. Luthers Maßstab war ja das zehnte Gebot: Du sollst nicht begehren. Er stellte zu Recht fest, dass der Mensch von Natur aus nicht in der Lage ist, nicht zu begehren, so gesehen also böse ist. Ich denke, dass es auch hier ein paar wenige angeborene und nicht rein kulturell  bedingte ethische Normen gibt, und die Tötungshemmung rechne ich dazu. Neigt der Mensch von Natur aus dazu, sich gegenseitig umzubringen ? Ich denke nein - aber ganz offenbar ist seine Natur so geartet, dass er relativ leicht dazu zu bringen ist. "Gut" vermag ich das wirklich nicht zu nennen.

Ein anderer Maßstab, unser Gutsein zu messen, ist unser jeweils eigenes Ich-Ideal. Ich denke, dass es in der menschlichen Natur liegt, dass der Mensch mit dem Erwachsenwerden ein Ich-Ideal aufbaut, sich im Sartreschen Sinne "entwirft". Ebenso natürlich ist es, dass der Mensch seinem Ich-Ideal niemals ganz entspricht. In dieser Kluft zwischen Ich-Ideal und wahrgenommener Realität würde ich vor allem den Minderwertigkeitskomplex sehen, den Adler allen Menschen zuschreibt. Ihn dieser Minderwertigkeit wegen "böse" zu nennen, halte ich für übertrieben. Es fällt mir aber leichter, mir selbst diese Minderwertigkeit zu verzeihen, wenn ich postuliere, der Mensch sei eben "von Natur aus böse".

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Gut und Böse sind gesellschaftliche Beurteilungen, von denen die Natur nichts wissen kann. Wenn eine Gesellschaft festlegt, dass es gut ist, auf andere Menschen, die sie "Feinde" nennen, zu schießen oder Bomben abzuwerfen und  es böse ist, wegzulaufen, damit man das nicht tun muss, dann hat das nichts mit Natur zu tun.

Wenn du mit "gut" meinst, dass Menschen miteinander friedlich leben können und sich gegenseitig helfen, dann hat uns die Natur gut mit Vorraussetzungen dafür ausgestattet. Wir haben ein angeborenes Mitgefühl, das uns in einer kriegerischen Gesellschaft aber bald aberzogen wird. Von Arno Gruen gibt es ein gutes Buch dazu : "Der Verlust des Mitgefühls".

https://www.amazon.de/Verlust-Mitgefühls-Über-Politik-Gleichgültigkeit/dp/3423351403

In diesem Zusammenhang gibt es wissenschaftliche Untersuchungen zu den sogenannten "Spiegelneuronen". Den Begriff halte ich aber für irreführend, da es ganz gewöhnliche Neuronen sind, die nichts spiegeln.

Es sind einfach nur dieselben Neuronen, die sowohl bei der Beobachtung von anderen als auch bei der Kontrolle des eigenen Verhaltens benutzt werden. Es gibt also im Gehirn anfangs keine strikte Trennung von "ICH" und den Anderen.

Dadurch können wir als Kinder sehr schnell etwas über uns selbst lernen, wenn wir andere beobachten. Oder haben von unserem Selbstbild schon mal eine Vorlage für mögliches Verhalten von anderen.

Es gibt also von Natur aus eine tiefe Verbundenheit zu unseren Mitlebewesen.

Die Trennung und damit der Egoismus wird uns erst beigebracht.

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Jeder Mensch hat die Veranlagung für Positives oder Negatives.

Die Frage ist, welche dieser beiden Dinge er an der kurzen Leine hält oder welchen er größer werden lässt.

Es gibt keine guten oder bösen Menschen. Weil jeder einfach eine Veranlagung dafür hat, gut oder böse zu sein. Ein Gleichgewicht, verstehst du?

Es kommt drauf an, zu welcher Seite er mehr tendiert.

LG

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Weder - noch. Gut und Böse (gut und schlecht) ist keine Frage einer festen Regel, sondern der Perspektive, der Erwartungen und der jeweiligen Situation. Wenn eine Löwin ein Antilopenkitz reißt, ist sie für die Antilopenmutter böse (ein Feind), aber für die Löwenjungen super, weil sie lecker Essen mit heimbringt.

Den Menschen halte ich für großartig. Wenn man sich bei kaum berührten indigenen Völkern umschaut, kann man das auch erkennen - sie sind meist sehr sozial und füreinander da, sie leben mit und von der Natur und meistern ihr Leben mit weniger oft viel glücklicher als wir in den sogenannten zivilisierten Kulturen.

Und dass es bei uns nach jahrtausendelanger Fehlkonditionierung immer noch soviele soziale Individuen gibt, zeichnet den Menschen ja eher aus :)

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Weder noch. Den Menschen gibt es sowieso nicht. Jeder ist ein Individuum und in einer anderen Sozialisation groß geworden, hat eine je eigene Lebensgeschichte und Variablen des Gehirns. Je nach Kultur und religiöser Einstellung gibt es auch verschiedene Vorstellungen davon, was gut und was böse ist. Wir wenden uns in Abscheu ab vor den Taten des IS, fanatische Moslems feiern sie als Heilige. Das ist sicher ein Extrem, aber zeigt, dass nicht mal eindeutig ist, wer was für gut und was für böse hält. Im Mittelalter galten alle Heiden (weißt Du, was das bezeichnet?) als böse, weil nicht durch die Taufe erlöst. Wie soll man da so allgemein entscheiden, ob jemand gut oder böse ist. Das sieht man im Gaza anders als in Haifa.

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Mir gefällt am besten die Ansicht einiger Naturvölker. Danach unterscheiden wir uns nach der Geburt, außer in ein paar Körpermerkmalen, in nichts von einem Tier. Unsere Aufgabe ist es dann zu lernen ein Mensch zu werden. Mensch sind wir dann geworden, wenn wir gelernt haben selbstbestimmt und eigenverantwortlich unser Leben zu gestalten und unseren Mitmenschen dabei behilflich zu sein.

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N E I N - auf keinen Fall ! 

Ein Neugeborenes ist weder gut noch böse.

Erst durch Beeinflussungen, Identifikationen, Prägungen, Erfahrungen etc. entwickelt sich seine Persönlichkeit.
Natürlich spielen die Gene eine gewisse Rolle, wohin die Reise geht - aber ersteres - also die Umwelt und die Umweltbedingungen sind i.d.R. entscheident.

Und so ist ja auch bekannt, dass man z.B. aus einem Hund - auch einer sog. Kampfhundrasse - einen lieben und friedlichen aber auch einen aggressiven Hund machen kann. Das ist beim Menschen oft ähnlich.

Das Entweder - Oder - also GUT oder BÖSE gibt es übrigens nicht.

Jemand ist also nicht entweder GUT oder BÖSE - sondern er hat die Möglichkeit, sich mehr oder weniger in die eine oder die andere Richtung zu entwickeln.

Immer ist also beides im Menschen vorhanden. Es kommt dann auf die Anteile, auf die Werte, auf die psychische Verfassung etc. drauf an - was sich in verschiedenen Situationen durchsetzt.

Der Mensch selbst hat aber i.d.R. - bis auf Extrem- und
Ausnahmesituationen - immer die Entscheidung, entweder gut oder böse zu handeln. Mitunter verschwimmen da aber auch die Grenzen.

Was allerdings als GUT oder BÖSE definiert ist, kann sich von Mensch zu Mensch und von Kulturkreis zu Kulturkreis sehr unterscheiden.
Wenn du dich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchtest, empfehle ich dir das Buch von KONRAD LORENZ – DAS SOGENANNTE BÖSE.


Ein Schlüsseltext
zur menschlichen Selbsterkenntnis

Konrad Lorenz hat das große Verdienst, in einer Zeit, in der die Menschheit zuweilen recht dilettantisch an ihren Zwängen und Widersprüchen
herumdoktert, die - vergleichsweise primitiven, aber deshalb um so
gefährlicheren - Grundantriebe menschlichen Verhaltens wieder ins
Bewusstsein gebracht zu haben.

Aggression gilt als einer der wesentlichen Faktoren menschlicher Handlungen und Reaktionen und wurde zum Schlagwort in anthropologischen und soziologischen Diskussionen.

Konrad Lorenz leistet mit diesem epochalen Werk einen bedeutenden Beitrag zur menschlichen Selbsterkenntnis.


Alles Gute !


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Gut oder Böse gibt es in der Natur nicht. Diese Einteilung wurde vom Menschen selbst geschaffen.

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Kommentar von 1horniges1horn
25.11.2016, 15:08

Klar sind dir Worte Werkzeuge des Menschen. Deswegen ist die Sicht des Menschen ja auch gefragt...

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Kommentar von 1horniges1horn
25.11.2016, 15:09

PS: die Natur an sich ist auch gar nicht mit "Natur des Menschen" gemeint!

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Das ist eine Frage die sich nicht vollständig beantworten lässt.
Gut und Böse sind subjektive Einschätzungen die sich je nach Zeit, Herkunft, Erziehung etc. teilweise drastisch unterscheiden, frage bspw. nur mal die Menschen in deiner Umgebung was sie von der Todesstrafe halten.

Im Endeffekt könnte deine Frage auch lauten "Bist du ein Optimist oder ein Pessimist?"

Alle Menschen sind sowohl zu guten als auch zu schlechten Taten fähig und jeder denkt, dass er im Recht oder dass zumindest sein Intentionen gut sind.
Es gibt Dinge die man hinterher bereut, aber letztlich haben alle Menschen, von Gandhi bis Hitler, wärend ihrer Zeit gedacht das Richtige zu tun.

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Kein Lebewesen wird Gut, Böse, cool oder uncool geboren. Es gibt genetische Dispositionen, die manches beeinflussen können. Der Rest kommt von Erfahrungen, die man selbst im Leben macht (damit meine ich auch Umwelteinflüsse).

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Der Mensch ist das einzigste Lebewesen , dass einen Willen hat , und entscheiden kann was es macht . 

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Nein, Menschen werden zu dem gemacht, was sie sind. Sei es Erziehung, Umwelt oder soziales Umfeld.

Es mag allerdings sein, dass es Menschen gibt, die aufgrund einer geistigen Behinderung leichter beeinflussbar sind als andere.

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Ich bin überzeugt davon, dass der Mensch tief im Inneren ein friedliches, kooperatives Wesen mit Gewissen ist. Also "gut".

Gleichzeitig glaube ich aber, dass es genauso ein ängstliches und unsicheres Wesen ist, was ihn dazu bringt, seine Selbstlosigkeit über Bord zu werfen und sich auf dem Egotrip durchs Leben zu bewegen. Also "böse".

Wie bei allem gibt es da für mich kein Schwarz und Weiß. Jeder Mensch hat das "Gute" und das "Böse" in sich, die Frage ist nur, wovon man sich leiten lässt.

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Wir haben im Abi in Philo gelernt, dass der Mensch von Natur aus gut ist.

Ich bin auch der Meinung, denn ich habe bisher noch kein kleines Kind gesehen, dass mich mit Blicken getötet hat oder schlecht angeschaut hat.

Ackermann, Merkel, Gabriel, Soros, Ergogan, Hitler, Stalin,.... das waren einmal ganz liebe kleine Kinder, die einfach nur gut waren.

Zum Inbegriff des Bösen wurden sie durch die Gesellschaft und durch abgrundtief abartige ungezügelte Gier, der eine mehr, der andere weniger.

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Kommentar von 1horniges1horn
25.11.2016, 15:14

Warum ist Merkel böse? Ich mag sie :)... war schon mal vor ihrer Haustür ;)

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Kommentar von Gugu77
25.11.2016, 20:14

Die Theorie des Einflusses von Sozialisation  darf aber den Einfluss der Genetik nicht außer Acht lassen.Aktuell sind die Forscher bei Beantwortung dieser Frage bei 50% Umwelt, 50 %Gene.

Ich möchte an dieser Stelle, tomma, darauf hinweisen, dass ihr in Philo Theorien durchgenommen habt. Es ist eine Theorie von z.B.Rosseau, dass der Mesch von Natur aus gut ist. Hobbes zum Beispiel sieht das anders.

Du befürwortest die erste Annahme, das ist in Ordnung. Weiter unten in einem Kommentar mit Ausrufezeichen bestehst Du aber auf die Absolutheit dieser Annahme. das ist so nicht korrekt.

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Wenn man auf dieser Seite Fragen anderer beantwortet, sollte man ja wohl noch an ETWAS gutes im Menschen glauben

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Der Sinn für Moral ist wohl angeboren, von daher würde ich sagen: Ja, von Natur aus gut. Moralisches Verhalten gibt es auch im Tierreich. 

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Nein.

Der Mensch wird geboren und IST. Falls es DEN Menschen denn überhaupt gibt.

Was er dann WIRD, hängt mehr von der Umwelt (im weitesten Sinn) als von den Genen ab. 

Ein "Böse-Gen" wurde bisher noch nicht entdeckt, ein "Gut-Gen" auch noch nicht. Aber vielleicht schafft das ja bald jemand, gleichzeitig mit der Entdeckung eines Religions-Gens.

Das gibt dann einen alternativen Nobelpreis. Preisverleihung ist im Vatikan.

;-)

Gruß, earnest


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Wer auch nur "halbwegs" das Leben um sich herum und auch weiter von ihm entfernt beobachtet, der kann niemals ernsthaft glauben, dass DER MENSCH von Natur aus NUR gut oder NUR böse ist.

Das Gute wie auch das Böse steckt in jedem von uns, wie sich das auswirkt kommt auf und selbst und auf die Umstände, unter denen wir leben müssen an.

Daher klare Antwort auf deinen Frage:

NEIN ... !

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Die Bibel sagt: "Das Trachten des menschlichen Herzens böse ist von seiner Jugend an" (1. Mose 8,21).

Wenn man das Leid und die Not in der Welt anschaut, das vom Menschen verursacht wurde, kann man dieser Ansicht nur zustimmen. Dazu kommt, dass jeder in Worten, Taten und Gedanken sündigt. Wenn man ehrlich ist, wird man das feststellen müssen...

Die Bibel lehrt: "Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns" (1. Johannes 1,8).

"Denn der Lohn der Sünde ist der Tod; aber die Gnadengabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn" (Römer 6,23).

Die Bibel bietet aber auch die Lösung für unser Problem der Sünde an: "Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit" (1. Johannes 1,9).

"Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten; und er ist das Sühnopfer für unsere Sünden, aber nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt" (1. Johannes 2,1-2).

"Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat" (Johannes 3,16). 

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Von Natur aus beides.

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