Glaubt ihr an Schicksal bzw Spirituelles?

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5 Antworten

Ich glaube, dass das Sein ein umfassendes Netz von vielfältigen Beziehungen ist, die aufeinander reagieren, einander inspirieren, sich wechselseitig beeinflussen. In diesen Knäul der Beziehungen sind auch wir Menschen eingebunden. So sind wir nie nur "reine Ursache", d.h. frei, ohne Rückkopplung zu tun und zu lassen, was wir wollen. Wir sind aber auch nicht "reine Wirkung", d.h. determinierte Marionetten irgendwelcher unabhängiger Mächte. An vielem, was uns geschieht, haben wir mitgestrickt, ohne es zu merken, weil wir die umfassenden Konsequenzen unseres Handeln nicht durchschauen. Da wir aber zweierlei sind, Menschen, die mit mehr oder weniger deutlichen Erwartungen leben, nach vorne darauf hin abgestimmte Strategien entwickeln und Menschen, die trotz allem mit relativ wenig Wissen in eine ungewisse Zukunft gehen, begegnen wir (gemessen an unseren Erwartungen) überraschenden Erfahrungen, die wir dann Zufall oder Schicksal nennen. Dabei ist "Zufall" neutraler. "Schicksal" enthält bereits die These einer äußeren Fügung des Zufalls. 

Wir schauen aber nicht nur mit emotional angefüllten Erwartungen in eine doch ungewisse Zukunft. Wir versuchen immer wieder, die erfahrene Vergangenheit auf causale Linien zu bringen und diese als Entscheidungsabsicherung zu prolongieren. Unser causales Weltmodell ist ein rückwärtsgewandtes, eine Sicht über das Geschehene ohne Erinnerung, was alles auch an allen Punkten möglich gewesen wäre. Manche packen diese Einsicht in eine Mehrere-Welten-Theorie und ordnen nachträglich den vielfältigen Möglichkeiten, die sich nicht realisiert haben, eine eigene Welt zu. Ich will das jetzt nicht weiter ausführen, denn es wird dann sehr komplex und ich kann hier kein Buch schreiben. Kurz: Ich glaube, dasss wir naturgemäß in umfassenden Zusammenhängen leben, diese aber sich gegenseitig herausbilden. Wir sind weder nur Opfer noch nur Täter. Es gibt aber Grundeinstellungen zum Leben, mit denen wir uns selbst eher bereitwillig zur Opferrolle öffnen oder in denen wir als "Macher" meinen, Gott spielen zu können. Dazwischen gibt es viele unterschiedliche Einstellungen. 

Im "gläubigen" Mittelalter war der Masse der Menschen nur die Opferrolle zugedacht und nur wenige, gotterwählte haben sich als Götter aufgeführt. Das war auch ein Merkmal des "Dritten Reichs". Das war keine gute Zeit für die Menschheit. Darum bin ich aus der historischen Erfahrung heraus nicht dafür, dass wir uns bereitwillig ausschließlich mit der Opferrolle zufrieden geben. Wir sollten schon etwas mehr Verantwortung für unsere begrenzten Freiheiten übernehmen. Die Opferrolle ist, wie Kant bereits ausführt, die bequeme: Andere machen zu lassen und denen und dem Schicksal die Verantwortung zuzuschieben, von der wir uns in der Bequemlichkeit nicht stören lassen wollten. Die prägnanteste Figur meiner Lebenseinstellung ist der Sisyphos des Albert Camus, dessen Lebensfreude es war, nie aufzugeben und eine Freude daran zu haben, möglichst autark den eigenen Lebensstein zu rollen, auch wenn er nie ans Ziel kommt. Zu diesem Lebensbild gehört auch das ABSURDE - der immer wieder vorkommende Bruch unserer allzuglatten Weltbilder an der Realität. Leben ist, wie Popper sagt, Versuch und vorläufige Lösung oder Irrtum ohne Ende. Es wird nie langweilig. 

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Erstens einmal sehe ich es so wie @philosoph91. Nur bin ich überzeugt, dass die ,,übersinnliche Macht" mich nicht ,,bestraft", sondern eine Lektion erteilt und Wegweiser stellt. Falls ich diesen Hinweis nicht befolge, kommt ein etwas härteren ,,Schlag". Falls ich aber diesen Hinweisen befolge, läuft das Leben für mich sinnvoll und trostreich ab.

Zweiter Zusatz: Ich schreibe ausdrücklich ,,ich"  und nicht ,,wir" oder ,,man". Ich habe gelernt, dass der spirituelle Weg für jeden anders abläuft und das ich nicht das Recht habe, meine Erfahrungen oder Denkmodellen für andere als gültig zu erklären. Damit kann ich auch den endlosen Streit zwischen aggressiven Atheisten, Bibeltreuen und ,,Esoterikern" hier bei GF aus dem Weg gehen.

Ich habe mehrere Erlebnisse gehabt, welche für mich dieses Denkmodell unterstützen. Ich habe überhaupt nicht das Bedürfnis, diese herumzubieten und Andere zu überzeugen.

Die niederländische Prinzessin Irene von Lippe Biesterfeld hatte auch so ein engreifendes Erlebnis und daraufhin hat sie einige Bücher geschrieben. Leider wurden ihre Anliegen von vielen Niederländern nicht ernst genommen oder sogar lächerlich gemacht. Das hat die sympathische Prinzessin Irene nicht verdient, aber sie hat jetzt eingesehen, dass wir mit dem Teilen von spirituellen Erfahrungen zurückhaltend sein müssen.

(Für besseres Verständnis: ,,spirituell" hat nichts zu tun mit ,,spiritistisch".(Geister usw.)

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Definitiv. Ich denke, dass wir alle Menschen, die wir kennen lernen, aus einem bestimmte Grund treffen. Auch glaube ich an eine übersinnliche Macht, die uns führt und uns vor Herausforderungen stellt, uns für Fehler bestraft und uns mit unserem Seelenpartner zusammenführt.  Man muss die Dinge nur erkennen.

LG

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Kommentar von Susanne88
17.07.2017, 10:34

Wenn alles aus einem (bestimmten) Grund passiert, dann hast du aber definitiv keinen freien Willen.

Du bist nur eine Marionette.

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Als Mann der Wissenschaft glaube ich grundsätzlich nicht.

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Nein ich glaube alles ist logisch aufeinander aufgebaut und nichts dem Zufall überlassen.

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Kommentar von Susanne88
17.07.2017, 10:36

Wenn das so ist: Dann hast du jedoch keinen freien Willen. Alles ist vorherbestimmt. Nichts kannst DU ändern.

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