Glaubt ihr an Dinge, die man weder sehen noch beweisen kann?

11 Antworten

Jein.

Wirkliches "Beweisen" ist ausserhalb der reinen Mathematik sowieso so ne Sache.

Für viele (effektiv alle?) Dinge reicht ein "hinreichend plausibles und widerspruchsfreies Herleiten" durchaus aus.

Absolut nicht, wenn es sich auf das physikalische Universum = unserer Realität bezieht. Da gibt es nichts zu glauben, aber jede Menge zu beweisen.

Glauben tue ich allenfalls an den Wert der westlichen Menschenrechte und die absolute Sinnhaftigkeit des naturalistischen Humanismus (zumindest wäre ich bereit diese Grundsätzlichkeiten, obwohl sie (bzw. ihr Wert) nicht naturwissenschaftlich beweisbar sind, auch mit Waffengewalt zu verteidigen.

Ich trenne gerne Abstrakta von Konkreta. Ein Konkretum ist z.B. ein Baum, der vor einem Haus steht. Auch die Radioaktivität (die man nicht sehen kann) ist meines Erachtens nach ein Konkretum (kann man messen).

Es gibt Abstrakta (Liebe, Demokratie...), diese Dinge sind nicht im physikalischen Sinne existent (man kann sie nicht sehen oder messen), sie sind aber in einem anderen Sinne existent (als Bezeichnungen für z.B. menschliches Verhalten).

Das Verb glauben ist im Deutschen leider sehr unscharf definiert. Man kann sagen "Ich glaube, dass da ein Baum steht.", man kann aber auch sagen "Ich glaube an die Liebe." oder "Ich glaube an die Demokratie", das sind aber unterschiedliche Aussagen.

Natürlich kann ich auch mit etlichen abstrakten Begriffen etwas anfangen.

da es viele Dinge gibt, die man nicht sehen kann, und da man nichts beweisen kann* - ja, tue ich.

*) Beweise gibt es nur in der Mathematik. Physik spricht nie von Beweisen, sondern von Experimenten, die eine Theorie stützen, aber das gilt nur bis zu dem Experiment, das die Theorie zur Erweiterung zwingt.

Viele Menschen glauben heutzutage an den Wert von Geld. Das ist eine soziale Konvention, die den Handel mit Gütern und Dienstleistungen erleichtert. Im Grunde ist es aber nur bunt bedrucktes Papier und lustige Metallscheibchen. Inzwischen existieren große Geldmengen nur noch virtuell auf den Computern der Großbanken. So wurde am schwarzen Montag (19. Oktober 1987) mehr "Geld" bei einem globalen Börsencrash "vernichtet", als es in gedruckter Form weltweit gab.

Ab und zu wird einem bewusst, wie wenig man mit Geld ausrichten kann, z.B. bei Liebeskummer oder einer Krebserkrankung. Bei Malaria sieht das ganz anders aus: Wer die nötigen paar Dollar zur Verfügung hat, kauf sich die Medikamente, die anderen sterben einfach.

Der Glaube an Geld ist für viele Aktivitäten sehr nützlich. Dass es sich hier nur um eine Konvention handelt, ist vielen Menschen aber nicht bewusst und die Gier danach überschattet ihr ganzes Leben. Früher musste man gottesfürchtig sein, heute reicht ein fetter Kontoauszug um sich zufrieden zu fühlen.

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