Glaubt ihr an die Wirkung von Bachblüten?

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3 Antworten

Hallo xpaul276x,

das ist keine Frage des Glaubens. Zum Glück haben wir bessere Methoden als "Glauben", herauszufinden, ob behauptete Wirkungen und Realität übereinstimmen.

Selbst mit vollkommen wirkungslosen Produkten kann man bei der Behandlung harmloser Beschwerden "gute Erfahrungen" machen. Nicht selten bekommt man zum Beispiel aus dem Bekanntenkreis die Empfehlung, es doch einmal bei einer Prüfung, vor der man recht nervös ist, mit Bachblüten zu probieren - das habe so gut geholfen.

Tatsächlich sind solche Stresssituationen ein sehr gutes Beispiel für eine Anwendungsmöglichkeit von Placebos, Scheinmedikamente:Vor den wenigsten Prüfungen haben wir so Angst, dass wir vor lauter Angst zusammenbrechen. Im Gegenteil ist es gerade die Prüfungsangstt, die es uns erleichtert, den inneren Schweinehund zu überwinden und nur ordentlich vorbereitet in die Prüfung zu gehen. Was dann ein Gelingen der Prüfung wahrscheinlicher macht. Eine gute Vorbereitung macht auch ruhiger in der Prüfung - und Adrenalin kann sogar die Konzentration fördern.

Kurz: Auch bei Prüfungen, vor denen man echt zittert, kommt man, wenn es einmal losgegangen ist, in der Prüfung selbst gar nicht so selten gut zurecht. Hat man dann vorher irgend ein Placebo genommen, würde man also irrigerweise hinterher sagen, das Mittel habe geholfen.

Deswegen ergibt es ein sehr einseitiges Bild, einfach nur den Erfolgsgeschichten zu lauschen. Und eine Umfrage, wie Du sie hier machst, ist eine viel zu kleine Stichprobe.

Die beste Möglichkeit, herauszufinden, ob ein Verfahren hält, was es verspricht, ist, wenn man viele(!) Erfahrungen von Personen, die dieses Verfahren angewendet haben, vergleicht mit Personen, die in ähnlichen Situationen waren, aber mit Scheinmedikamenten (Placebos) behandelt wurden. In beiden Gruppen wird es positive Erfahrungsberichte geben. Aussagekräftig ist daher nur, ob es in der mit Bachblüten behandelten Gruppe MEHR oder DEUTLICHERE Erfolgsgeschichten gegeben hat.

Und? Was ergeben solche Untersuchungen?

Dass Bachblüten reine Placebos sind, also Scheinmedikamente ohne gezielte Wirkung auf uns.

Hier nachzulesen:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/08/12/studie-untersucht-bachblueten-wirkung-bei-pruefungsangst-und-adhs.html

Ich zitiere:

"Alle vier Studien kamen zum Schluss, dass Bachblüten nicht besser gegen Prüfungsangst oder ADHS wirken als Placebo. Bei allen therapierten
SchülerInnen und StudentInnen zeigte sich zwar eine Verbesserung der
Symptome, aber diese Verbesserung stellte sich sowohl bei der Einnahme
von Bachblüten als auch von Placebo ein. Ein weiteres Resultat des
Reviews ist, dass im Zuge aller Bachblütentherapien nur vereinzelt
Nebeneffekte auftraten. “Viele Menschen stehen Medikamenten skeptisch
gegenüber und bevorzugen ,natürliche‘ Therapien wie Bachblüten. Unsere
Arbeit zeigt aber klar, dass wissenschaftliche Studien keinen Nachweis
für die Wirksamkeit von Bachblüten bei Prüfungsangst gefunden haben.
Bachblüten als effektives therapeutisches Mittel zu verkaufen ist daher
meiner Ansicht nach eine Täuschung der Patienten
”, fasst Studienautorin
Dr. Kylie Thaler zusammen."


Diese Arbeit zeigt eben sehr schön, was ich eben gesagt habe: Auch mit Placebo gab es Verbesserungen. Deswegen wirst Du hier mit Sicherheit einige Antworten in der Art "mir hat es geholfen" bekommen. (Oder auch "bei meinem Hund hat es geholfen" oder...) Das belegt aber entgegen landläufiger Meinung keine Wirksamkeit. Solche Vergleichsstudien zeigen deutlich, dass die Bachblüten zu den besonders bei Bagatellen immer beobachtbaren Besserungen nichts hinzusetzen können.

Das ist übrigens auch zu erwarten, denn das Verfahren der Bachblüten ist wissenschaftlich betrachtet vollkommen unplausibel und eher der Esoterik zuzuordnen:

Der Name "Bachblüten" hat mit einem Bach nichts zu tun, sondern stammt von ihrem Erfinder, einem Dr. Bach.  Die Bachblüten-Therapie zählt nicht Pflanzenheilkunde. Bach verwendete keineswegs Pflanzen mit bekannter Heilwirkung (Heilpflanzen); die Pflanzen wurden von ihm allein aufgrund seiner persönlichen, esoterisch geprägten Naturdeutung gewählt, nicht selten nach ihrem Namen. So soll die "Zitter"pappel bei der Angst vor dem Unbekannten helfen.

Hergestellt werden die Bachblüten, indem man sie nach rituellen Vorschriften sammelt und einen hochverdünnten Sud herstellt, der dann vollkommen irreführend als "Essenz" bezeichnet wird (eigentlich eine Bezeichnung für ein Konzentrat). Dieser Sud soll eine nicht näher erklärte “Blütenenergie“(?) enthalten. Worin diese "Energie" bestehen soll, darüber schweigt sich das Verfahren bis heute, etwa 80 Jahre nach seiner Entstehung, aus. Oft liest man von "Schwingungen", wobei in guter esoterischer Tradition die Frage, was da denn eigentlich schwingen soll, ausgeklammert wird.

Hochproblematisch wird das Ganze, weil Bachblüten nicht selten Eltern gegenüber beworben werden als "sanfte Stimmungsveränderer" ihrer Kinder. Kinder, die leicht gereizt reagieren oder trotzig sollen laut der Versprechungen der Bachblüten zugänglicher und pflegeleichter werden. Problematisch ist das insofern, als hier die Werbung Eltern quasi eine medikamentöse Umerziehungsmaßnahme verspricht. - WENN Bachblüten tatsächlich das
halten würden, was sie da versprechen, dann wären sie mit Sicherheit
verschreibungspflichtig. Persönlichkeitsverändernde Medikamente wären mit
Sicherheit nicht frei verkäuflich - ob auf pflanzlicher Basis oder nicht. Bachblüten haben hier eine moralisch sehr problematische Implikation: Was muss das Kind denken, wenn ihm seine Mutter nach jedem "Versagen" demonstrativ ein Medikament einflöst, damit sich endlich, endlich seine kleine Persönlichkeit in die Richtung verändert, die die Mutter wünscht?

Auch wenn die Werbung hier von "sanft" spricht und mit Blüten und lachenden Kindern wirbt: Wenn man diese Gedanken ein wenig hinterfragt, dann erkennt man schnell, dass die Vorstellungen hinter den Bachblüten doch ein sehr archaisches Erziehungsbild darstellen. Und es ist sogar recht gut, dass es sich nur um Placebos handelt.

Grüße

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also ich persönlich bin davon überzeugt das es hilft ich habe auch schon miterlebt das eine katze nachdem sie bachblüten bekam zutraulich und total zam geworden ist. ich schätze das es bei menschen noch größere wirkungen hat weil die psyche einen großen teil dazu beiträgt dh. wenn du daran glaubst das es wirkt wird wirst du vermutlich ehr eine wirkung spüren als wenn du ehr skeptisch bist

ps. auch mitschüler von mir haben es vor prüfungen genommen und sie meinten es wirkt jedoch hat mir die apotekerin davon abgeraten da es schläfrig machen kann und mir etwas anderes von kytta empfolen;)


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Hallo xpaul...,
ich habe in einer blöden Stimmung von einer vertrauten Kollegin Bachblüten empfohlen bekommen und erst einmal skeptisch genommen. Überraschend erfolgreich. Für mich war zumindest damit der Fall klar, auch ohne, dass ich unnachvollziehbaren Untersuchungen "glauben" musste ;- )
Ich brauchte weiter keine Blüten, konnte sie aber selbst einmal weiterempfehlen. Auch das war prima.

Paul, so wie ich das verstehe, kann es keine Nebenwirkungen geben. Also nimm die für deine Beschwerden ausgeschriebenen Blüten und schau selbst! :- )

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