Ging es in der Volksabstimmung gegen Masseneinwanderung in der Schweiz primär um Deutsche oder Muslime?

6 Antworten

Salue

Es geht da weniger um Einwanderer aus den Europäischen Ländern. Diese Leute sind qualifiziert und sprechen eine der Landessprachen. Sie tragen dabei an unser Sozialsystem bei und helfen, die Lücken im Sozialsystem zu schliessen, die wir mit der Überalterung bekommen werden.

Nur, die Schweiz ist das weltweite Einwanderungsland Nummer 1, zur bestehenden Bevölkerung von 8 Millionen. Neuseeland, Kanada und Norwegen folgen auf den Plätzen 2 - 4. Dies sind aber grosse Länder mit wenig Einwohnern.

Die Schweiz ist klein, viele Gebiete können nicht besiedelt werden. Viele Leute fragen sich, ob die Politik des ständigen Wachstums wirklich eine Lösung ist.

Unsere Infrastruktur platzt aus allen Nähten. Viele Einwanderer, vor allem aus Afrika, haben keine Ausbildung und hängen dann ein Leben lang an der Sozialhilfe. In den Gefängnissen sind 3/4 der Insassen Ausländer. In einigen Schulklassen ist nur noch ein einziges Kind schweizstämmig.

Die Sozialkosten steigen dann auch jährlich und viele Gemeinden werden deshalb die Steuern erhöhen müssen.  

Noch vor 30 Jahren ging man bei uns davon aus, dass die Schweiz kein Einwanderungsland sein könne.

Inzwischen sind wohl, wenn man die Leute berücksichtigt, denen wir in den letzten Jahrzehnten recht grosszügig die Schweizer Staatsbürgerschaft gegeben haben, wohl um die 50 % der Einwohner Ausländer oder Doppelbürger.

Im Vergleich dazu sind die Einwanderungen in Deutschland, unter denen viele Deutsche "gestöhnt" haben, geradezu lächerlich klein.

Es grüsst Dich

Tellensohn

 

Na ja, das Gesetz bzw. Art. 121 der Bundesverfassung "Gesetzgebung im Ausländer- und Asylbereich" unterscheidet die Ausländer erst mal nicht nach Herkunft und Fluchtgrund. Die Qualifikation bzw. Brauchbarkeit für den Arbeits- und Kapitalmarkt kann man allenfalls aus 121a (3) ableiten.

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Du meinst diese Abstimmung von 2014, nehme ich an.

https://de.wikipedia.org/wiki/Eidgen%C3%B6ssische_Volksinitiative_%C2%ABGegen_Masseneinwanderung%C2%BB#Initiativtext

Es ging ganz allgemein um Ausländer (weder speziell um Deutsche, noch speziell um Muslime). Zudem ist der Begriff "Muslim" hier nicht relevant, denn das ist eine Religionszugehörigkeit, keine Staatsangehörigkeit. Jeder Nicht-Schweizer ist ein Ausländer in diesem Sinne, egal was für einer Religion er angehört.

Es gibt zwar eine "Stellen-Melde-Pflicht", aber auf die Höchstzahlen und Kontingente wurde verzichtet (das ist übrigens ein Beispiel, wo eine Volksabstimmung weitgehend ins Leere lief, und nicht ganz umgesetzt wurde). So extrem viel hat sich also dadurch auch nicht geändert.

Also, hier wird ziemlich viel Mist geschrieben. Klar, gibt es Schweizer, die die Deutschen nicht mögen.

Dies dürfte aber in erster Linie an der sprachlich/rhetorischen Überlegenheit eines hochdeutsch sprechenden Menschen gegenüber einem Durchschnitts-Schweizer liegen. Wer dies nicht glaubt, soll sich bitte einmal einen Ausschnitt aus einer CH-Parlamentssitzung anhören.

Dieses schweizerische Unterlegenheitsgefühl findest Du aber eher in ländlichen Gegenden. Ich lebe in einer grossen Schweizer Stadt, habe viele Deutsche Freunde, kenne sehr viel Leute und kriege schon mit, wie die Deutschen im Allgemeinen wahrgenommen werden. Von der Mehrheit der Bevölkerung werden sie gemocht. Ebenso wie die Italiener, die ihren schlechten Ruf spätestens in den 90er Jahren losgeworden sind, als massenweise Flüchtlinge aus dem Balkan eintrafen. Heute gelten Italiener schon fast als Einheimische.

Die Initiative richtete sich gegen alle Ausländer, dies ist richtig. Guckst Du Dir aber den Initiativtext an, dann ist dort die Rede von "Ausländerkriminalität", "Asylmissbrauch" und "Kulturwandel in Führungsetagen".

Die ersten beiden Punkte haben mit den zugewanderten Deutschen nun überhaupt nichts zu tun. Die Deutschen, die in die Schweiz ziehen, haben in aller Regel einen Job. Und dass die Deutschen überproportional kriminell sein sollen, behauptet wahrlich nun kein Schweizer.

Allenfalls der angesprochene "Kulturwandel" trifft auf die Deutschen zu, weil man schon beobachten kann, dass es bei einer Firma unter deutschen Leitung deutlich hierarchischer zugeht, als unter einer mit Schweizer Leitung. Kannst Du auch in Krankenhäusern sehen, wo bei der Arztvisite, so denn ein deutscher Oberarzt das Sagen hat, das ganze Team in alt hergebrachter Sitte in einer streng gehaltenen "Speerformation" das Krankenzimmer betritt und auch verlässt.

Handelt es sich beim Oberarzt um einen Schweizer, lümmelt das ganze Team in beliebiger Reihenfolge zum Krankenbett. Die Deutschen sind nach meiner Wahrnehmung schon "obrigkeitshöriger", als es ein Schweizer ist.

Dieser "Kulturwandel" findet aber auch statt, wenn der CEO einer Firma ein Schwede, ein Amerikaner oder ein Japaner ist.

Die Initianten haben sich auch um die Zugewanderten mit fremder Sprache Sorgen gemacht. Auch dies trifft in keiner Weise auf die Deutschen zu. Genannt wurden vor allem die Schulen.

Da die Schweiz einen landesweiten Gesamt-Ausländeranteil von etwa 25% hat, konzentriert sich dies natürlich in grossen Städten auf gut 50%. Dies kann in den "Problemquartieren" der grossen Städte, wo der Anteil an Ausländern noch höher ist, auch mal dazu führen, dass bei der Einschulung die Schweizer Schüler so aufgeteilt werden (müssen?), damit wenigstens ein Schweizer in jeder Klasse vertreten ist.

So geschehen bei der Einschulung in Zürich 2016 in den Stadtkreisen 4 und 5. Etwa vergleichbar mit Berlin-Neukölln. Dieser Vergleich gilt aber bloss für die Einschulung, die allgemeinen Zustände sind mit Sicherheit deutlich weniger heftig, als im angesprochenen Berliner Bezirk.

Solltest Du noch Fragen haben, lass' es mich wissen.

Wir Schweizer sind den Deutschen in allem überlegen

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@Benuzernamen

Vielen Dank für den höchst differenzierten Kommentar. Immer wieder interessant, wie vielschichtig manche Leute zu kommentieren in der Lage sind.

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