Gilt Schlafmangel als ein strafmildernder Umstand?

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6 Antworten

Das kommt auf die Umstände des jeweiligen Einzelfalles an. Man könnte den Schlafmangel vielleicht als eine "tiefgreifende Bewusstseinsstörung" im Sinne des § 20 StGB ansehen. Damit man dann aber dann schuldlos ist oder damit nach § 21 StGB die Schuldfähigkeit zumindest stark eingeschränkt ist, sodass die Strafe gemildert werden kann, muss man gerade wegen des Schlafmangels das Unrecht der Tat nicht (mehr vollständig) erfassen.

Abgesehen von diesen extremen Fällen, die wahrscheinlich so gut wie nie vorkommen, geht der Schlafmangel als Umstand, der bei der Tat von Bedeutung war, jedenfalls in die Abwägung ein, die das Gericht machen muss, um die Strafe festzulegen. Und hierbei kann dieser Umstand des Schlafmangels wohl in beide Richtungen ausschlagen.

Mal zwei Beispiele:

1. Schlafmangel wirkt sich mildernd aus:

A hat zwei Nächte kaum geschlafen und wird mitten in der darauffolgenden Nacht von einem Einbrecher geweckt. Er nimmt sich seine Pistole und geht in den Raum, in dem der Einbrecher gerade zu Werke sind. Sie bemerken A und flieht, für A erkennbar, ohne Beute. Als der Einbrecher durch den Garten rennt, schießt A ihm in den Rücken, sodass der Einbrecher stirbt. 

In diesem Fall ist eine Notwehrsituation nicht mehr gegeben, weil der dafür notwendige Angriff schon beendet ist und der Täter auch keine Beute mitgenommen hat. Vorausgesetzt, A hat alle tatsächlich vorliegenden Umstände auch richtig erkannt, kann er sich auch nicht auf einen entsprechenden Irrtum berufen. Er hat sich wegen Totschlags strafbar gemacht.

Während das Gericht zum einen die besondere Tatsituation und den Umstand, dass A ja das eigentliche Opfer ist, schon ohnehin in die Bewertung der Tat und die Bemessung der Strafe einfließen lässt, was sich für A deutlich mildernd auswirken wird, kann jetzt auch noch der Umstand, dass A völlig schlaftrunken und übermüdet war, in die Bewertung einfließen, in dem Sinne, dass der Schlafmangel dazu führte, dass er sich anders verhalten hat, als es der Fall wäre, wenn A ausgeschlafen und der Einbruch mitten am Tag stattgefunden hätte.

Zwar kann man in solchen Fällen nie pauschale Aussagen treffen wie "wegen des Schlafmangels wird die Strafe um 10 Prozent gemildert" oder ähnliche. Aber das Gericht wird diesen Umstand - wie auch alle anderen relevanten Umstände - in die Bewertung der Tat mit einfließen lassen - in diesem Fall mildernd.

2. Schlafmangel wirkt sich strafschärfend aus:

A ist völlig übermüdet. Er hat die letzte zwei Nächte kaum geschlafen, weil seine kleine zweijährige Tochter ihn auf Trab gehalten hat. Trotzdem setzt er sich am nächsten Morgen in sein Auto und fährt zur Arbeit, obwohl er weiß, dass er sehr müde ist. Unterwegs fällt er in einen Sekundenschlaf und gerät in den Gegenverkehr, stößt mit einem anderen Auto zusammen. Der Fahrer ist schwer verletzt.

Hier hat sich A wegen fahrlässiger Körperverletzung strafbar gemacht. Der Umstand, dass A sich trotz seines Schlafmangels ans Steuer gesetzt hat, dürfte hier das Strafmaß noch anheben. Wenn jemand aus unerfindlichen Gründen einfach so in Sekundenschlaf fällt, ohne dass dafür vorher großartige Anzeichen vorhanden sind, dann müsste man wohl immer noch Fahrlässigkeit bejahen, aber wenn jemand völlig übermüdet in sein Auto steigt und daher weiß, dass die Gefahr eines Sekundenschlafes besonders hoch ist, dann steigert dieses Verhalten seine Schuld.

Grund für die härtere Strafe wird dann aber nicht lediglich der Umstand sein, dass er Schlafmangel hat, sondern, dass er im Bewusstsein dieses Umstands trotzem Auto gefahren ist.

Auch hier lassen sich pauschale Aussagen jedoch nicht treffen. Das Gericht muss wie immer jeden Einzelfall nach den dort gegebenen Umständen bewerten.

Naja da müsste es schon ein extremer Schlafmangel sein, und den musst du dann ja auch nachweisen können.

Und hängt auch davon ab was es für eine Straftat war.

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Ja das kann sein. Vor allem bei Fahrlässigkeitsdelikten, wenn man also aus Versehen einen Fehler macht.

Aber das hängt von der Gesamtsituation ab. Denn man darf auch bei Übermüdung keine Straftaten begehen.

Nein,weil jeder strafmündige selbst für sich uns seinen Schlaf Verantwortung übernehemen kann

Die Begründung hat einen Haken: Auch wenn man alkoholbedingt nicht mehr klar denken kann, mildert das die Schuld ab einer bestimmten Menge oder schließt sie sogar ganz aus (vgl. §§ 20, 21 StGB). Und auch für seinen Alkoholpegel kann man in den allermeisten Fällen etwas, man hätte nämlich einfach weniger trinken können.

[Nebenbei bemerkt wird der Täter, der im Vollrausch eine Straftat begangen hat, nicht dadurch komplett straflos. Er kann nach § 323a StGB bestraft werden; außerdem gibt es Sonderkonstruktionen, die von der Rechtsprechung entwickelt wurden, um Täter, die sich vorsätzlich in einen Rausch versetzen, um im diesen schuldunfähigen Zustand dann eine Straftat zu begehen, dennoch wegen dieser Straftat zur Verantwortung zu ziehen.]

Die Frage ist im Fall des Schlafmangels eine andere, nämlich die, ob Schlafmangel eine "tiefgreifende Bewusstseinsstörung" im Sinne des § 20 StGB ist. Das kann möglicherweise dann der Fall sein, wenn man wirklich total übermüdet ist und "gar nicht mehr weiß, was man tut". Allerdings muss dann noch hinzukommen, dass der Täter gerade wegen dieses Schlafmangels das Unrecht seiner Tat nicht einsehen kann, also nicht weiß, dass das, was er da tut, verboten ist. Das dürfte die Fälle, in denen man das in Betracht zieht, zahlenmäßig deutlich einengen.

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eher nicht.

 Hm, wenn du zu spät ins Bett gehst ist man selbst Schuld. Wenn dich jemand mit Gewalt am Schlaf hindert und du aggressiv wirst und Unfug machst ist das sicher anders. Aber denke, es kommt auf die Straftat und die Schwere an. Bin keine Frau vom Fach, aber das war mein Senf zu deiner Frage :p

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