Gibt es Tarotkarten für blinde oder eine andere Möglichkeit die Zukunft vorauszusagen und das zumachen was man mit Tarot macht?

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3 Antworten

Karten in Braille-Schrift gibt es sicher (sie sind selten, ich fand nur zwei, eines auf Englisch eines auf Spanisch und diese werden nicht mehr hergestellt). Aber man kann sich ja auch selbst welche machen.

Damit die Zukunft voraussagen...nein, das kann man nicht. Kein Tarot-Leser, der was auf sich hält, würde das behaupten.

Ich liebe Tarot, ich lege Tarot-Karten und lese auch für andere...aber ich weiß nicht, was in der Zukunft passieren wird. Ich kann nur Anreize geben, was man tun könnte, um das gewünsche Ergebnis in der Zukunft zu erhalten (denn jeder weiß, was er gerne in seiner Zukunft haben will).

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Teil 1:

Das System des Tarot wurde NICHT entwickelt, um bezüglich "Zukunft" zu orakeln. Jeder aufmerksame und intelligente Kartenleger ist in der Lage, diesen Fakt bereits am inneren Aufbau der Bedeutungen der einzelnen Karten (beider Arkana!!) zu erkennen, denn er ist daraus klar sichtbar abzuleiten.

Wer dies nicht erkennt, hat nicht den logischen Geist, den gutes Kartenlegen mit Tarot, aber auch mit anderen Systemen, zwingend erfordert. Es ist MISSBRAUCH eines reinen Analyse-Systems, das der Tarot ist, dieses für eine esoterisch-gläubige Zukunftsschau zu verwenden.

Es gibt außerdem kein festgefügtes Schicksal, keine vorbestimmten Ereignisse, deren Kommen man als Kartenleger wie von "Lebenspinnwänden" der Menschen ablesen könnte. Weil Ereignisse in menschlichem Leben NICHT vorbestimmt und festgefügt sind. Leben ist NICHT gleichbedeutend mit einer Achterbahnfahrt auf einem Jahrmarkt, bei der ein Kartenleger schon mal sehen kann, wann die festgefügten Schienen um die nächste kurve gehen, wann ein Berg kommt oder es ins Tal geht. Leben ist ein gestalterischer Vorgang, der einen persönlichen Entwicklungsprozess beinhaltet - und exakt diese inneren "Stationen", die hierbei in Reihe durchlaufen werden können, sind durch die großen Arkana verkörpert. Die kleinen zeigen dazu an, wie man auf seinem Weg und in seinem individuellen und aktuellen inneren Stand gerade mit emotionalen und materiellen Themen, mit inneren und äußeren Auseinandersetzungen und gestalterischen Themen umgeht.

Der gesamte Tarot ist darauf ausgerichtet anzuzeigen, wo man bezüglich bestimmter Lebensthemen jetzt gerade steht, was die aktuelle Situation bewirkt hat (Weichenstellung in der Vergangenheit) - und nicht zuletzt auch, wie sich, von dieser Basis ausgehend, nun zurzeit die weiteren Tendenzen zeigen. Diese Tendenzen WANDELN sich aber, während man täglich weiter denkt und fühlt und agiert und täglich hundertfach auf zukünftige Möglichkeiten und Entwicklungen unbewusst weiter Einfluss nimmt. Wir selbst sind die Keateure unseres Lebens - auch eines möglichen "zukünftigen".

Es sind TENDENZEN und mögliche oder wahrscheinliche OPTIONEN, die über Tarot heraus zu arbeiten wären - aber die Lebenshilfe besteht beim Kartenlegen nicht darin, jemandem zu sagen, was ihm zukünftig "blüht", was ein Schicksal oder Universum oder was-auch-immer ihm als Geschenk ins Leben werfen wird. Hier wäre der Mensch passiv abwartend - und was bedenklich ist: Ein gläubiger und abhängiger, der von einem Schicksal "Glück" und gute Konditionen erbitten und erhoffen muss.

Exakt hier liegt die Gefahr der psychischen Abhängigkeit vom Kartenlegen und auch von anderen Methoden: Wer daran glaubt, dass eine Kartenlegerin schon einmal voraus und auf ein vorbestimmtes Schicksal schauen kann, wird in Abhängigkeit von diesen Aussagen geraten und nicht mehr aufhören, diese für jeden Schritt im Leben vorher einholen zu wollen.

Niemandem, der sich in einer Lebenskrise befindet, der Sorgen oder unerfüllte Wünsche und Bedürfnisse hat, ist geholfen, wenn man ihm sagt: "Bis zum Jahresende wird alles supi, der Mann kommt zurück, der gute Job kommt, es wird hier Chancen und Möglichkeiten geben, alles wird gut."

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Kommentar von MissMarplesGown
30.01.2016, 17:08

Teil 2:

Ich habe 27 Jahre Erfahrung im professionellen Kartenlegen und kann ein fertiges Schicksal bei Menschen nicht bestätigen, noch möchte ich meine Verantwortung vernachlässigen, die Fragenden oder auch meine Schülerinnen vor Beratungssucht zu schützen und sie von Abhängigkeit fördernden Gedankengängen fern zu halten und sie hier aufzuklären. Kartenlegen und Kartenlegen-lassen darf nicht süchtig machen. Es ist erste Verantwortung eines guten Kartenlegers, dies zu vermeiden.

Kartenlegen muss als Mittel zur Situationsanalyse grundsätzlich
aufzeigen, was zu den jetzigen Umständen geführt hat, welche Faktoren daran beteiligt waren und sind, wie man selbst mit seiner Umwelt steht und wie hier zwischen "innen" und "außen" kommuniziert wird, welches negative oder psotive Potenzial die Situation enthält und: wie die eine oder andere weitere Haltung oder Handlung sich tendenziell weiter entwickeln könnte.

Es nützt nichts, wenn ich einer Fragenden sage,ihr Mann käme im Sommer zu ihr zurück. Sie sind getrennt, es gab eine dicke Krise, die ihre URSACHEN hatte. Wenn ich Frau Müller nicht das Wesen dieser schrägen Beziehungslage erkläre und nicht mit ihr daran
arbeite, die Problematik zu erkennen und zu analysieren, kann sie weder entscheiden, ob sie gemeinsam in der Lage sein würden, ab Sommer die Probleme anzupacken und miteinander in ein anderes Fahrwasser zu kommen - noch könnte sie entscheiden, sich bei diesen Erkenntnissen mit der Trennung womöglich zu arrangieren, weil sie erkennt, dass die nötige Persönlichkeitsarbeit von ihr selbst oder ihrem Mann hier aus Gründen gar nicht geleistet werden und somit auch keine Beseitigung des Problems stattfinden kann und würde.

Dasselbe mit Job oder anderen Dingen: Jobs schneien nicht einfach ins Leben und werden an uns heran getragen - wir müssen ihnen entgegen gehen, uns um sie bemühen, sie uns erarbeiten - wie alle anderen Chancen auch. Es entspricht einem naiven und kindlich-gläubigen Weltbild anzunehmen, man sei in einem Wagen auf Schienen unterwegs und würde vorbestimmte Wege abfahren, während man selbst lediglich mit "Wissen-Wollen", mit Hoffen, Bitten und Beten beschäftigt ist. Leben ist PRAXIS, ist ENTSCHEIDUNGSKOMPETENZ, ARBEIT, TUN.

Leben ist eine zutiefst verantwortungsvolle, aktive und persönliche Sache, Leben muss gelebt werden. Wir sind jeden Tag für sämtliche unserer Schritte sowie deren Folgen selbst verantwortlich. Ob wir handeln und wie, ob wir passiv bleiben: Alles stellt unsere Weichen immer weiter und immer wieder anders für Zukünftiges, jeden Tag mehrfach. Was wir heute sind, wo wir stehen, wurde durch unsere eigenen Einstellungen u. Handlungen bzw. unsere Passivität in der Vergangenheit mitbestimmt - und was wir heute tun oder lassen, was wir heute denken oder glauben, prägt bereits jetzt Tendenzen, die zu bestimmten Ergebnissen führen KÖNNEN. Diese Tendenzen sind das Höchste und
"Genaueste", was wir über die Karten oder andere Hilfsmittel bezüglich Zukunft heraus arbeiten können. Alles andere ist Lüge und führt in abhängige esoterische Glaubenswelten.

Du scheinst Dich mit enorm vielen Bereichen gleichzeitig zu "beschäftigen". Ich möchte dir ernsthaft raten, auf den Teppich zu kommen und zunächst erst einmal die Dinge zu verstehen, wie sie gedacht sind. Kartenlegen lernst Du ein ganzes Leben lang, das ist nicht "Glaube" und "magische Aktion", sondern ernsthafte und vor allen Dingen reife Auseinandersetzung mit dem Leben,wie es ist - nicht, wie man es sich wünscht oder zurechtglaubt. Deine Art mit den Dingen umzugehen zeigt Dein Bedürfnis nach Kontrolle und
Eingreifen-Können.

Es geht nicht um Kontrolle. Es geht um Verstehen.

Und "Verstehen" kommt immer auch ein bißchen von "Verstand". Deine zumindest behauptete Beschäftigung mit derart vielen und so hoch komplexen Themen (Wie alt bist Du? 159?) sind ein exzessiver "Overkill". Das sieht nach mangelndem Verständnis der Dinge und nach Missbrauch aus. Ich würde an Deiner Stelle darüber einmal nachdenken, Deine Perspektive auf die Dinge besser justieren und mich besser und anders informieren. Über lange Zeit, denn es gibt hier immens viel zu lernen.

Es geht nirgends um "Zukunfts-Infos", es geht um die "Kunst des lebendigen, beweglichen und eigenverantwortlichen Lebens". Und dies ganz besonders noch einmal beim Tarot. Es ist Verschwendung, dieses intelligente und weise System NICHT zur Analyse, sondern zum abergläubigen Orakeln zu benutzen. Das ist NICHT Kartenlegen, es wiederspricht dem historischen Grundgedanken und Prinzip und greift lediglich auf, was auf missbräuchliche und geschäftlich wirksame Art später daraus gemacht wurde. Du "bedienst" die Klischees dieser Dinge, nicht die Dinge selbst.

3

Ich weiß nicht ob es solche Karten gibt, aber was ich ganz sicher weiß ist dass man mit solchen karten definitiv NICHT die zukunft vorraussagen kann.

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