Gibt es sowas wie ein Karma, schlechte Dinge ziehen schlechte Dinge an?

44 Antworten

Ich bin Buddhist und gebe mal meinen Senf ab.

Meiner Meinung nach ist "Karma" nicht so etwas wie eine Art ausgleichende Gerechtigkeit, die böse Taten belohnt und gute bestraft. Andernfalls wäre es lediglich eine unpersönliche Version eines strafenden Gottes.

Das Prinzip von Ursache und Wirkung ist meiner Meinung nach viel umfassender, als das vielfach vermutet wird.

Man kann die Ursachen für bestimmte Dinge nicht immer erkennen, wenn die Zusammenhänge sehr komplex sind. Deshalb macht es meiner Meinung nach keinen Sinn, darüber nachzugrübeln, warum manche Dinge geschehen.

Manchmal sieht man das Karma als eine Art Schicksal, dass das gesamte Leben diktiert und einem keine Freiheiten lässt, aber ich denke nicht dass dem so ist. Karma ist kein unabänderliches fatalistisches Schicksal.

Ursache und Wirkung bedeutet nämlich nicht nur die Auswirkung von etwas bereits geschehenem zu spüren, sondern durch das eigene Handeln, auch die Ursache für etwas neues zu sein.

Anstatt also zu sagen "Ich bin das Opfer meines Schicksals", kann man genau so gut beschließen "Ich bin der Schöpfer meines Karmas".

Außerdem kann man so lernen, Verantwortung zu übernehmen. Anstatt das Schicksal oder Gott für etwas verantwortlich zu machen, kann man sagen "Okay, ich bin Teil der Ursache, ich brauche nicht zu klagen".

Gerade in einer globalisierten Welt gibt es eine Menge Zusammenhänge, die über Verantwortung.

Wenn ich hier Waren benutze, dann basieren sie auf dem Leid anderer Wesen - beispielsweise den Lohnsklaven in Textilfabriken, oder Monokultur bestimmter Pflanzen.

Ich kann also eigentlich nicht sagen "Das ist halt deren Karma, das haben die sich selbst eingebrock" - weil ich selbst Teil des Problems bin. Allerdings kann ich eben auch Teil der Lösung sein.

Der Karma-Gedanke kann also zu verantwortungsbewussterem Handeln führen, das weniger Leiden für andere und sich selbst verursacht.

Deshalb denke ich auch, das ein Buddhist nicht weltabgewandt sein, sondern sich aktiv engagieren sollte.

Das Spiel des Karma

Ein Zen-Lehrer hat das mal mit einem Kartenspiel verglichen: Aufgrund früherer Ursachen werden bestimmte Karten ausgegeben, so dass unsere Fähigkeit für einige Spielzüge zunächst beschränkt ist.

Doch abhängig  davon, wie wir diese vorgegebenen Karten ausspielen, kann sich sehr viel ändern. Da gibt es viele Faktoren, die hineinspielen.

Man kann sein Karma natürlich besser erkennen, wenn man eine gewisse Distanz wahrt und nicht zu sehr Teil des Kartenspiels sind.

Der Buddhismus sagt, dass die Praxis der Meditation dazu führt, dass wir klarer sehen und Anhaftungen aufgeben können.

Bereits mit ein klein wenig Erkenntnis können wir uns von bestimmten Mustern beim Ausspielen der Karten lösen und werden freier in unseren Handlungen und finden Spielzüge, die wir vorher nicht sahen.

Meine Meinung

Meiner Meinung nach macht es wenig Sinn, über Karma aus der Vergangenheit nachzudenken. Spätestens wenn man auch noch die Theorie der Wiedergeburt einbezieht wird das ganze hochgradig spekulativ.

Was würde es mir nutzen, wenn ich wüsste, die Wiedergeburt eines Massenmörders zu sein? Vielleicht würden mich Schuldgefühle lähmen, zu Depressionen und Alkoholismus führen, anstatt zu versuchen, dieses Leben einfach anders zu führen. Pure Spekulation die zu nichts führt.

Ich denke, es ist deshalb viel wichtiger, sein jetziges Karma anzupacken, weil es das einzige ist, was wir direkt beeinflussen können.

Ob man jetzt Meditation übt, um klarer zu sehen, oder einfach beschließt, ab sofort ein "besserer Mensch" zu sein und negative Gewohnheiten zu ändern, ist dabei wohl lediglich von der Weltanschauung abhängig.

Ein Hindu oder Buddhist würde vielleicht eher meditieren und ein Christ sich eher auf gute Taten stürzen, aber in beiden Fällen ändert man sein Karma in eine positive Richtung.

Wenn dann irgendwann - vielleicht in einem nächsten Leben - wieder neue Kartenstapel ausgegeben werden, haben wir vielleicht von Anfang an einen besseren Durchblick und evtl. auch bessere Karten.

Das ist aber pure Kristallkugelguckerei...

selbst wenn nach diesem Leben gar nichts kommt und das mit dem Karma alles quatsch sein sollte, hat man mit einer positiven Herangehensweise weniger Leid geschaffen - und sei es nur, dass man anderen weniger auf die Zehen getreten ist.

Das alleine, ist auch schon eine Menge Wert, finde ich. :-)

"Es ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären". Was der alte Schiller in seinem Wallenstein für die Nachwelt hinterlassen hat, stimmt. Wer Gutes tut, wird dafür nicht immer Gutes ernten, und auch wird ihm nicht immer den gebührenden Dank geboten und Anerkennung gezollt. Wer aber Böses tut, wird eines Tages von seinen Taten eingeholt. Es kann sein, dass er/sie sich strafbar gemacht hat, und ganz einfach vor Gericht landet. Es kann sein, dass seine Taten Menschen sehr getroffen, geschädigt und verletzt haben, und sie sich rächen. Es gibt aber auch einen komplizierteren Ablauf: die Selbstzerstörung die mit dem schlechten Gewissen einher geht. Wenn man z.B einen Mord begangen hat, kann es durchaus sein, dass man nach einiger Zeit daran zweifelt, ob das der richtige Weg war eine Konflikt zu lösen. Das Unterbewusste tritt plötzlich in Aktion, Alpträume quälen einem oft, das Thema nimmt im Denken überhand. Plötzlich sieht man den Getöteten überall, und als Mörder kann man ja nicht mal mit seinen Freunden reden und sich das Elend vom Leibe reden. Man steht ganz alleine da, mit der schlechten Tat, die schlechte Vergangenheit und das schlechte Gewissen. Das zehrt an die Gesundheit, an den Nerven. Alkohol und Drogen bieten evt. eine sehr kurzfristige Erleichterung aber dann hängt man plötzlich in einer Sucht drin, und über kurz oder lang richtet einem die böse Tat zu Grunde. 

hallo Margxbrain, karma ist ein Sanskrit-Ausdruck und bedeutet in etwa "das Getane". Im hinduistischen und buddhistischen Kontext, oder gar im deutschen Alltagsgebrauch wird das Wort völlig verschieden gebraucht.

Ich kann nur über den buddhistischen Kontext Auskunft geben: im Altbuddhismus ist Karma eine Meditationsaufgabe, mit dem Ziel, Wirkung des Verhaltens und Rückwirkung auf den Handelnden zu erkennen.

Jede kleine, freie Alltagsentscheidung wirkt zurück und summiert sich mit ähnlichen Entscheidungen zu einer Gewohnheit, die die Persönlichkeit mitgestaltet. Eine böse Tat, zumal wenn sie kurzfristig erfolgreicher scheint als ein gutes Werk, verstärkt die destruktive Orientierung einer Person, und generiert damit letztlich den Soziopathen, Hasspsychoten oder Kriminellen.

Darin besteht das Karma, dass ein wahrhaft böser Mensch kein glücklicher, erleuchteter und selbstbefreiter Mensch ist, sondern sich schrittweise selbst zerstört, an der Schwelle seines Absterbens spult sich im Zeitraffer all sein gutes und schlechtes Karma (Getanes) ab und stürzt ihn in tiefe Verzweiflung oder beseligende Schau der wahren Wirklichkeit. Der Tuende ist dann sein eigener Ankläger, Verteidiger und Richter.

Das alles ist aber kein Glaubenssatz, sondern kann nur und muss meditativ am eigenen Verhalten nachvollzogen werden.

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