Gibt es Religiöse Gründe FÜR eine Abtreibung?

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12 Antworten

Welche Religion?

Ich denke, alle Religionen (ausser vielleicht Christentum) sind für Abtreibung wenn die Schwangerschaft das Leben der Mutter gefährdet.

In der islamischen Republik Iran waren Verhütungsmittel und auch Abtreibungen in den letzten 35 Jahren relativ leicht zu bekommen, weil dort grundsätzlich eine Politik gegen übergrosses Bevölkerungswachstum umgesetzt wurde....

d.h. es gibt auch religiöse Institutionen die einsehen, dass übermässiges Bevölkerungswachstum ihrem Land schadet und die daher einverstanden sind, etwas dagegen zu tun.

Kampagnen gegen Bevölkerungswachstum (für 2-Kind-Familie) gab es auch in Indien, du müsstest nachforschen, wie die Religionen sich dort dazu gestellt haben.

Und in China ist es (war es von ca. 1980 bis jetzt) eine moralische Pflicht, nicht mehr als 1 Kind zu haben, und bei jeder weiteren Schwangerschaft abzutreiben. tw. wurden Frauen vom Staat zur Abtreibung gezwungen (siehe 1-Kind-Politik)

Es gibt nicht DAS Christentum. Innerhalb des Christentums gibt es sehr unterschiedliche Ansichten.

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Moin,

Also Gründe direkt für einen Schwangerschaftsabbruch wirst du nicht finden - das liegt schlichtweg auch daran, dass die meisten Religionen überaus alt sind und Schwangerschaftsabbrüche damals vielleicht zwar schon potentiell möglich waren (mit abtreibenden Kräutern), aber ein Thema war es vermutlich nicht.

Im Judentum beginnt - wie bereits von meinem Vorredner erwähnt - das Leben erst mit der Geburt; deswegen ist Israel auch führend, was die embryonale Stammzellforschung angeht.

Im Islam bspw. ist ein Abbruch vor dem 42. Tag nicht haram, weil der Embryo laut deren Glauben erst da "beseelt" wird:

Ich hörte den Propheten (s.a.s.) sagen: 'Wenn an dem Samentropfen (der
die Eizelle befruchtet hat) zweiundvierzig Nächte vorübergegangen sind,
schickt Allah (swt) einen Engel zu ihm, der ihn formt und dessen Gehör,
dessen Augenlicht, dessen Haut und dessen Knochen erschafft. Daraufhin
fragt er: Oh Herr, ist es männlich oder weiblich? Und Er bestimmt
(es)...'

Von einem Fall bei dem eine Religion eine Abtreibung wirklich gefordert hat ist mir jedoch nichts bekannt :)

Lg

PS: Das Argument, Satanisten würden in schwarzen Messen Abtreibungen durchführen und die Embryos dem Teufel opfern, halte ich für an den Haaren herbeigezogen :3

Das würde ich daher kaum in der Schule anbringen :D

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Vielen Dank, du hast mir sogar noch mehr Fragen beantwortet, nämlich unsere Hauptfrage: Wann beginnt das Leben?

Ich werde das auf jeden Fall in unserem Ordner und der Präsentation erwähnen :)

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@Lenii2111

Dann hättest du ja schonmal drei religiöse "Termine" - im Judentum mit der Geburt, im Christentum bei der Vereinigung von Samen- und Eizelle und im Islam wie genannt :)

Biologisch gesehen ist es schwierig und kommt auf die Definition von "Leben" an (worüber man aber sicher auch super reden kann), Rechtlich gesehen beginnt das menschliche Leben auch erst mit der Vollendung der Geburt (BGB §1, Mensch als Rechtssubjekt)

Viel Erfolg!

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@CalicoSkies

Wie oft eigentlich noch?

Was hindert dich daran, die Aussagen des Bundesverfassungsgericht zum Thema ungeborener wahrzunehmen?

BVerfG schlägt § 1 BGB.

Nebenbei zieht sogar StGB 211, 212 eine andere Grenze als § 1 BGB, nämlich den Beginn der Geburtswehen. Damit ist diese Behauptung:

"Rechtlich gesehen beginnt das menschliche Leben auch erst mit der Vollendung der Geburt (BGB §1, Mensch als Rechtssubjekt)"

nachweislich falsch.

Aber das ist dir ja egal.

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@CalicoSkies

Rechtlich gesehen beginnt das menschliche Leben auch erst mit der Vollendung der Geburt (BGB §1, Mensch als Rechtssubjekt)

Zumindest nach deutschem Recht stimmt das nicht:

Man muss hier zwischen drei Begriffen unterscheiden:

  • menschliches Leben
  • Person / Mensch
  • rechtsfähige Person / rechtsfähiger Mensch

Die Urteile des Bundesverfassungsgerichts besagen eindeutig, dass bereits der Embryo "menschliches Leben" ist und als solches auch bestimmte Rechte genießt (siehe Zitate von "carn112004").

In Deutschland gilt man (im Strafrecht) spätestens ab der ersten Wehe der Mutter als "Person" oder "Mensch". Eine Abtreibung nach der ersten Wehe würde somit genau so behandelt werden, wie wenn man das bereits geborene Kind tötet: Wahrscheinlich lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes.

Es ist bisher meines Wissens juristisch noch nicht entschieden, ab wann man frühestens als "Person" oder "Mensch" gilt.

Eine "rechtsfähige Person" wird man hingegen erst am Ende der Geburt. Diese Definition gilt dann für alle Bereiche, die nichts mit dem Strafrecht zu tun haben - also z.B. für den offiziellen Geburtszeitpunkt, der sich ggf. auf das Kindergeld auswirkt...

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@martin7812

Meiner Ansicht nach ist zwischen:

"Person / Mensch"

auch zu unterscheiden. Offensichtlich sind juristische Persone keine Menschen; wenn es Personen gibt, die keine Menschen sind, ist zumindest nicht offensichtlich, warum es nicht auch Menschen geben sollte, die keine Personen sind. Auch im GG werden die Begriffe nicht eindeutig synonym verwendet.

Ferner gibt es - für D zwar formal irrelevante aber doch als ethisch/philosophische Position interessante - Urteil RoevsWade aus den USA, das in meinen Augen knapp zusammengefasst werden kann mit: Es mangelt dem Gericht an Befähigung zu entscheiden, ob ungeborene Menschen sind, aber es sind nach bisherigem US-Recht keine Personen, folglich können Schwangerschaftsabbrüche wenigstens in der ersten 24.Wochen nicht verboten werden. Also auch eine Auftrennung der beiden Aspekte.

"Es ist bisher meines Wissens juristisch noch nicht entschieden, ab wann man frühestens als "Person" oder "Mensch" gilt."

Dabei frage ich mich aber immer, wenn es tatsächlich geklärt werden müsste, wie wäre das wahrscheinliche Ergebnis?

Denn ungeborene sind biologisch lebende Exemplare der Spezies Mensch. Ferner haben sie Menschenwürde.

Damit man also zum Ergebnis kommen kann, ungeborene seien wirklich überhaupt keine Menschen im rechtlichen Sinne, müsste folgender Satz zutreffend sein:

Diese lebende Exemplare der Spezies Mensch, die Menschenwürde im Sinne Art. 1 Abs. 1 GG haben, sind keine Menschen.

und wäre juristisch schlüssig zu begründen. Das sehe ich zumindest als "sportlich" sehr herausfordernd an.

Plausibler erschienen mir eher 3 mögliche Ergebnisse eines solchen "Ernstfalls":

- dem BVerfG fällt auf, dass Schwangerschaftsabbruch I und II hinsichtlich der Menschenwürde von ungeborenen fehlerhaft waren und korrigiert diesen Fehler ("sportlich" hierbei: Vermeidung das sich damit das BVerfG die Befugnis aneignet, Menschenwürde zuzuteilen und abzuerkennen, denn wenn ungeborene ab Schwangerschaftsabbruch II formal Menschenwürde hatten und dann ab III nicht mehr, könnte zumindest ein solcher Eindruck entstehen)

- graduelle Lösung, also ungeborene noch nicht 100% Mensch aber auch nicht 0% Mensch ("sportlich" hierbei: Vermeidung des Eindrucks es gäbe Menschen mit ganzer Menschenwürde und solche mit halber Menschenwürde, um dem Eindruck vorzubeugen es gäbe "volle" bzw. "höhere" Menschen und "halbe" bzw. "niedere" Menschen)

- gelten ab Nidation als Menschen, vor Nidation nicht, da da noch Zwillingsbildung denkbar und "ein" Mensch sollte wohl voraussetzen, dass da nicht in naher Zukunft doch auf einmal da zwei Menschen sind ("sportlich" hierbei: Begründung, warum strafrechtlicher Schutz bei ungeborenen Menschen anders sein sollte als bei geborenen; allerdings hat Schwangerschaftsabbruch II da bereits Vorarbeit geleistet, so dass Kontinuität eher möglich wäre)

Da alle Auflösungen von der juristischen Argumentation ziemliche "sportliche" Herausforderungen sind, vermute ich dass juristisch jegliche Verenkung angestellt werden wird (und wohl auch wurde), damit dieser Kelch am BVerfG vorübergeht.

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Eine religiöse Legitimation für eine Abtreibung wäre jedenfalls, daß Gott, wenn er denn existierte, der fleißigste Abtreibungsarzt aller Zeiten wäre.

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