Gibt es in den USA echt soviele Arbeitslose?

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9 Antworten

Dritte Welt Verhältnisse sind dort nicht.

Die Arbeitslosenzahlen liegen nur leicht über den deutschen Zahlen (USA 4,9; Deutschland 4,2).

Das ist im Vergleich zu anderen europäischen Staaten gar nichts.

Das Problem in den USA ist, dass es so gut wie keine Sozialhilfen gibt. Das heißt Arbeitslose rutschen dort viel leichter in die Armut als in Deutschland.

Auch gibt es natürlich viele Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten und sich ihr Leben auch nicht leisten können. In beiden Staaten, aber in den USA ist die Wirtschaft viel zügelloser.

Problematisch sind in den USA auch die enormen Kosten für Studium, medizinische Versorgung und anderes, was in Deutschland durch Steuern und Beiträge finanziert wird und deshalb nicht nur durch Schuldenmachen finanzierbar ist.

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Kommentar von Grautvornix
26.09.2016, 11:41

Wobei ich mich mich frage wie genau die Zahlen aus USA sind, unsere Zahlen sind "bereinigt", das ist bekannt.

Aber wie sieht es in USA aus, wenn ich sowieso keine oder nur kurzfristige Unterstützung zu erwarten habe, warum soll ich mich dann arbeitslos melden?

Weiterhin sieht eine Bewerbung, der "einfachen Arbeiter" oft so aus, das ich zu einer Firma gehen kann, meine Kenntnisse schildere, und dann wenn Stellen frei sind, beweisen kann ob ich halte was ich geschildert habe.

Dieses Jobsuchsystem finde ich nicht verkehrt, hier muss ich erstmal eine neue Sprache (Zeugnisgeheimkode) erlernen, und dann einen Kurs in Word, und Anschreiben/ Lebenslauf Techniken, beherschen um dann igenwo einen Job zu bekommen, bei dem in der Stellenausschreibung stand: Schulabschluss nicht erforderlich, stand.

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man kann das nur schwer vergleichen, und offizielle Zahlen sind nicht "gefälscht" aber natürlich definitionsabhängig.

wenn es bei uns 43 Mio Erwerbstätige gibt, also ca. 50 der Bevölkerung .. hat man natürlich nicht 50% Arbeitslose. Aber auch wenn man Rentner, Kinder und Kranke (Erwerbsunfähige) rausrechnet, gibt es natürlich Grauzonen (in beide Richtungen), Bezieher von ALG die Schwarz arbeiten, nicht Anspruchsberechtigte, z.B. Hausfrauen, die jahrelang nicht gearbeitet haben, die gerne abeiten würden, oder MiniJobber die eigentlich einen Vollzeitjob suchen. 

Das ist in den USA auch nicht viel anders, die Zahlen dort: 4,9 % Arbeitslosenquote, längjähriger Tiefstand, was den soliden Zustand der Wirtschaft beschreibt, aber regional grosse Unterschiede, und nochmal so viele die schon Arbeit annehmen würden aber nicht als Arbeitslos registriert sind.

Dass es in USA kein Sozialsystem gibt, ist auch ein Vorurteil, gibt es sehr wohl, mag schlechter sein als bei uns aber verhungern muss dort auch keiner oder am Blinddarm sterben, wenn kein Geld für die OP da ist. Und ledige Mütter bekommen auch genug Geld, dass sie die Kinder ernähren können und zur Schule schicken. 

Was anders ist, ist die Flexibiltiät drüben und das Anspruchsdenken hier. (ich weiss, Linke würdem mich für die Ausage verdammen). Aber genau da liegt der grosse Unterschied ... aber allein das Studium der Fragen zu Job und Jobsuche hier erklärt vieles: für Arbeits- oder Ausbildungsplatz 100km weit wegziehen ?? Als Aushilfe im Supermarkt arbeiten, wo man doch was bessers gelernt hat ?? Vom blöden Chef Überstunden auf Auge gedrückt bekommen ?? dafür findet man aber auch viel leichter eine Job, der Arbeitgeber muss nicht mit Subventionen überredet werden einen Arbeitslosen einzustellen, er braucht jemand, zahlt das Gehalt  (Mindestlohn gibts drüben auch) und wenns nicht passt, muss der Kanditat wieder gehen, hat aber ein paar Wochen oder Monate wieder im Arbeitsleben verbracht. Wenns Passt, kann er zeigen was er kann, behält den job, bekommt mehr Geld wenn seine Arbeit mehr wert ist. 

Hier ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen viel höher, nicht gut für die Betroffenen, teuer für die Gesellschaft die es finanziert, und auch schlechter für die Wirtschaft.

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Kommentar von Grautvornix
26.09.2016, 12:40

Biste in der richtigen Gewerkschaft, kann es sein das du mit 2000$ mit 58 nach Hause gehen kannst, bist in der falschen haste Pech.

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Die Arbeitslosenzahlen in den USA sind ähnlich hoch wie bei uns in Deutschland. Nur schafft Deutschland das mit einem ausgeglichenen Staatshaushalt, während den USA über 1 Billion Dollar in der Kasse fehlen. Das heisst, die USA halten die Arbeitslosenzahlen auf Pump künstlich niedrig.

Problematisch in den USA ist auch, dass es dort keine kostenlose Kranken- oder Arbeitslosenversicherung gibt, wie wir sie kennen. Es gibt dort auch kein Kindergeld.

In den USA gibt es auch kein Hartz IV. Was bei uns vielfach als unmenschlich betitelt wird, wäre für die USA ein Segen.

Das heisst unterm Strich, dass gerade Langzeitarbeitslose und chronisch Kranke große Probleme haben.

Das eigentliche Problem der USA ist aber die Schuldenlast. Sowohl die Schulden der öffentlichen Hand, als auch die der privaten Konsumenten. Durch die Aufnahme dieser Schulden wurde über Jahrzehnte Konsum betrieben, der die Wirtschaft stärkte. Heute stehen die USA vor einem riesigen Schuldenberg, der kaum noch bedient werden kann und dessen Zinsen sehr viel des wirtschaftlichen Potentials des Landes auffressen.

In dieser Hinsicht ist Deutschland sehr viel weiter. Bei uns hat man erkannt, dass auf Pump leben irgendwann immer mit dem Bankrott endet. Deswegen wurde bei uns gegengesteuert.

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Kommentar von macqueline
26.09.2016, 18:49

Da habe ich mich wohl jahrelang betubben lassen, denn ich habe hier Beiträge für Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung gezahlt. Wo kann ich mir diese offenbar zuviel gezahlten Beiträge zurückholen?

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Die Lage in den USA ist nicht schlimmer, sondern erstmal anders.

Die USA haben:

1. ein ganz anderes Sozialsystem

2. eine andere Grundeinstellung

Wer in den USA arbeitslos ist, stellt sich praktisch von einen Tag auf den anderen wie hier ein ALG II Empfänger, weil es die Zwischenstufe wie bei uns ALG I, dort nicht gibt.

Das es zur Verslumung wie in Detroit gekommen ist, liegt auch an den üblicher Weise geringeren staatlichen Eingriffen und der sehr hohen Mobilität.

Als in Detroit eine ganze Reihe von Autowerken Dicht machten, weil die Hersteller die geringeren Produktionszahlen auf die anderen, moderneren Standort verteilten, blieben in Detroit eben die zurück, die nicht so mobil waren.

Die Facharbeiter gingen von dort einige TausendKilometer entfernt zu den Werken von VW, Honda Toyota, BMW, Mercedes, oder auch den anderen Standorten von Ford, GM und Chrysler.

Das war so schlimm, das sogar die öffentliche Verwaltung und Infrastruktur zum Teil dicht machte.

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Die Wirtschaft ist nicht am Ende aber viele Amerikaner sind wirtschaftlich am Ende. Der Wirtschaft geht's prima, sie denkt nur nicht im Traum daran den Wohlstand nach unten weiterzugeben. Die Profite behalten die reichen 1 Prozent, denen die Produktionsmittel gehören.

Statt sich zu fragen: Was wäre eine angemessene Bezahlung für die Arbeit? Fragt der Kapitalist: Wie billig kann ich denn Arbeitskräfte für den Job bekommen?

Dem Gesetz von Angebot und Nachfrage folgend, haben die USA in den gering qualifizierten Tätigkeiten ein Überangebot an Arbeitskräften, so dass sich immer noch jemand findet, der den Drecksjob für noch weniger Geld macht. Grund dafür ist, wie Du bereits andeutest, die Verlagerung der "einfachen" Arbeiten ins Ausland.

Dabei ist der Druck auf den US-Bürger durch fehlende soziale Sicherungssysteme enorm groß, wenigstens irgendeine bezahlte Arbeit zu haben. Du weißt ja was Verzweiflung mit Menschen macht.

Die Antwort aus meiner Sicht: Es gibt dort viele Arme. Arbeit zu haben bedeutet in den USA (und mittlerweile auch in Deutschland) nämlich nicht automatisch auch von dem Ertrag dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Statistische Zahlen über Arbeitslosigkeit haben demnach einfach keine Aussagekraft darüber wie es den Menschen geht. Wenn ich mit UND ohne Arbeit kein Geld habe, dann ist es reine Kosmetik in welcher Statistik ich lande.

Der Begriff dafür ist: working-poor und ist längst als fester Bestandteil unseres Wirtschaftssystems in den Medien und an den Universitäten gelandet.



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dritte welt verhaeltnisse und hohe arbeitslosigkeit ist ja nun noch ein himmelweiter unterschied.

bestimmte regionen in den USA sind von arbeitslosigkeit so stark betroffen, dass die leute an der armutsgrenze oder tatsaechlich in armut leben. das ist freilich nicht ueberall gleich.

studium kostet in den USA meistens erheblich mehr als in deutschland. es kann dort aus finanziellen gruenden nicht jeder studieren.

der amerikanische traum ist weitgehend ausgetraeumt.

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Du wirfst hier ja schon einiges durcheinander.

1. "Wirtschaft am Ende" und Arbeitslosen zahlen gehen nicht zwingend hand in hand. Die Grenze zwischen Arm und Reich ist in den USA enorm gross.

Das Bruttoinlandsprodukt der USA ist enorm hoch, wirtschaftlich am Ende ist die USA nicht. Hohe Arbeitslosenzahlen haben sie dennoch.

Glaube es sind ca. 5% in den USA und 4,2% in Deutschland aktuell. ?!

Was nun Studiengebühren hiermit zu tun haben verstehe ich zwar nicht ganz, aber, ja, auch das ist ein enormer Unterschied.

In Deutschland wurden 2014 Studiengebühren abgeschafft. (Private Hochschulen können zwar was verlangen, aber das ist nichts offizielles)

In den USA kostet das Studium PRO JAHR etwa 12-40.000 Dollar.

Das sind enorme Kosten. Müssen diese selbst getragen werden, so verschulden sich Studenten oft für zig Jahre.

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Kommentar von WennDuFrisst
26.09.2016, 11:18

Ich suche keine blanken Zahlen, die finde ich auch im Internet. Eher Erfahrungen von Leuten die dort waren oder sogar gelebt haben! Vielleicht kam dies nicht ganz rüber. Dennoch danke für die Antwort.

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Gestern Abend, 25.09.2016,  hat auf einer Talk-Show mit Anne Will der Amerikaner und Trump-Unterstützer Roger Johnson interessante Ausführungen zu Arbeitslosigkeit und Armut in den USA gemacht. (Er sprach von 30. Millionen)
von 321,6 Mill. Einwohnern insgesamt.

Ist etwas lang, aber lohnt sich:

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Kommentar von WennDuFrisst
01.10.2016, 18:08

Danke für die Antwort. Werde mir angucken.

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Gibt es doch bei uns auch...die Zahlen sind doch getürkt....Hartz 4, ALG, Flüchtlinge....usw. Ehrliche Zahlen gibt es nirgends....!

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Kommentar von WennDuFrisst
26.09.2016, 11:10

Wo beantwortet das jetzt meine Frage?

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Kommentar von wfwbinder
26.09.2016, 11:47

Gibt es doch bei uns auch...die Zahlen sind doch getürkt....Hartz 4, ALG, Flüchtlinge....usw.

Es mag sein, dass sich mancher daran stört, dass Leute, die "nur noch" aufstockendes ALG II bekommen nicht mehr als arbeitslos gezählt werden. Bei Statistiken ist es aber für die internationale Politik udn Wirtschaft wichtiger, dass die Statistiken vergleichbar sind.

So kann man schon die deutsche Arbeitslosenquote mit der US-amerikanischen vergleichen. In den USA gilt Jemand, der sich mit 3 Teilzeitjobs durchs leben schlägt (ala unserer Minijobs) auch nicht als Arbetslos, obwohl es eben reine Gelegenheitsjobs, völlig ohne Kündigungsschutz sind.

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