Gibt es in China Wahlen?

6 Antworten

Ja es gibt "Wahlen". Da wird zum Beispiel jemand in einem Dorf zum Parteifunktionär gewählt. Er darf natürlich nur von den Bauern gewählt werden, sie selbst in der Partei sind. Zudem stellt sich immer nur EINE Person von immer der gleichen Partei zur Wahl und nicht zwei Personen von zwei Parteien. Die Leute können also nur zustimmen oder ablehnen, aber nicht wählen.

Wenn der Kandidat jedoch durchfällt, dann ist irgend etwas falsch gelaufen. Dann kommt jemand aus der Kreisstadt und untersucht den Fall. Er stellt das Dorf auf den Kopf und stellt ganz viele unangenehme Fragen. Dem will sich natürlich niemand aussetzen. Deshalb stimmen alle bei dieser Wahl zu und haben danach ihre Ruhe. Es ist ein altbekanntes Ritual, dem sich niemand widersetzt. Die Führung schlägt jemanden vor und die Mitglieder stimmen zu. Das geht jedes Mal vollkommen reibungslos und niemand hat auch nur den Gedanken, dass der Kandidat vielleicht durchfallen könnte.

Eine "richtige" Wahl zwischen zwei Personen von zwei verschiedenen Parteien, mit Wahlkampf und einer freien und geheimen Entscheidung wie man es hier kennt, gibt es in China nicht. Denn es gibt ja nur die eine Partei.

Die eigentliche Wahl ist die Wahl vor der Wahl, wo nämlich die Kandidaten aufgestellt werden. Was dann folgt ist entweder Akklamation oder sehr selten eine Ablehnung.

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@voayager

Leider findet diese Wahl vor der Wahl hinter verschlossenen Türen statt. Diese Mauscheleien nerven die Chinesen zwar sehr, aber niemand kann dagegen etwas unternehmen.

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@Fuchssprung

Demonstrieren ginge schon, doch scheint es den meisten Chinesen nun nicht gerade unter den Nägeln zu brennen.

In China wird durchaus auch demonstriert, doch geht es dabei um ganz andere Themen.

die Wahlen vor den Wahlen finden sehr wahrscheinlich nicht hinter verschlossenen Türen statt, denn sie werden von der Kommunistischen Partei organisiert. Jedes Parteimitglied dürfte da Einblick haben.

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@voayager

Das sollte es auch. Denn so bald es gegen die KP geht, bekommen die Leute den Zorn dieser Partei zu spüren. Dann ist Schluss mit Lustig.

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@Fuchssprung

bis jetzt regen sich die Chinesen mehr über Luftverschmutzung oder ethnische Angelegenheiten auf, nicht jedoch über die Wahlkandidaten. Davon habe ich noch nie gehört. Vielleicht ist es eine westliche Betrachtungsweise, dass das Menschen gefälligst aufbringen soll.

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@voayager

In dieser Beziehung verhält sich die chinesische Regierung unglaublich klug. Sie öffnet ein Ventil, lässt die Leute gegen die Luftverschmutzung protestieren und die Zeitungen dagegen schreiben. Dann haut sie in die gleiche Kerbe und macht sich selbst zum größten Umweltschützer. Damit hat sie den größten Druck aus dem Kessel genommen und muss nicht mehr fürchten dass die Leute die KP los werden wollen.

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@Fuchssprung

Die Chinesen waren schon immer gerissen, gewitzte Schlitzohren von alters her. sie verstehen gut zu taktieren und zu jonglieren.

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Wahlen gibt es in China schon, auf dem Land können Dorfbewohner über lokale Angelegenheiten via Wahlen entscheiden (obwohl es Mitglieder der KP überwachen). Für größere Belänge ist der Kongress zuständig, dh ranghohe KP-Mitglieder stimmen ab.

Woher ich das weiß: Studium / Ausbildung

Richtige, demokratische Wahlen finden dort natürlich nicht statt. Zwar räumt die chinesische Verfassung jedem Staatsbürger ein Wahlrecht ein, in der Praxis existiert dieses aber nur auf dem Papier. Tatsächlich müssen Chinesen, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, mit staatlichen Repressalien rechen. Sie werden ausspioniert und als potenzielle Regimegegner eingestuft. Die Kandidaten, die zur Wahl stehen, gehören allesamt der kommunistischen Staatspartei KPCN an oder stehen ihr nahe. Unabhängige Kandidaten werden nicht zugelassen oder so stark unter Druck gesetzt, dass sie ihre Kandidatur freiwillig aufgeben. Wahlkampf ist verboten.

Hier hatte es mal eine chinesische Reporterin versucht: http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/waehlen-ist-offiziell-erlaubt-aber-nicht-so-einfach--51427809.html

Viele Chinesen scheinen laut dem Bericht auch gar nicht zu wissen, dass sie überhaupt wahlberechtigt sind. Anders als in totalitären Regimen wie Nordkorea werden die Menschen nicht zu den Wahlurnen geschleppt, sondern es wird ausdrücklich erwartet, dass sie nicht zu den Wahlen gehen.

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