Gibt es gut und böse eurer Meinung nach?

10 Antworten

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Oh, eine sehr schöne Frage.

Es gibt es Gut und Böse. Aber was gut und böse ist, kommt immer auf die moralischen Vorstellungen der jeweiligen Gesellschaft an.

Um wohl das prominenteste Beispiel zu nennen: Sklaverei war bis Mitte des 19. Jahrhunderts nichts Verwerfliches, sondern wurde von der Gesellschaft als normal und in Ordnung betrachtet. Heute würde man Sklaverei als böse einstufen. Menschenopfer waren bei den Azteken normal. Heute würde jeder sofort auf die Barrikaden gehen.

Selbst Sachen, die normalerweise als böse oder gut betrachtet werden, können je nach Situation auch als nicht böse/gut gelten:

Wenn ich eine Zeitmaschine baue und Hitler töte, habe ich einen Mord begangen, was normalerweise böse wäre. Aber mein Opfer war Hitler und mit seinem Tod habe ich vielleicht viele Tausend Leben gerettet. War meine Tat unter diesem Standpunkt betrachtet immer noch böse?

Oder ein nicht ganz so abstraktes Beispiel a la Robin Hood: Ich stehle von einer Millionärsfamilie 500.000 € und spende die Geldsumme für einen guten Zweck (Brot für die Welt, Obdachlosenunterkunft, Unicef, was auch immer). War das jetzt gut oder böse oder beides?

Für mich ist normalerweise böse, was wissentlich einen Schaden auslöst. Aber es kommt auch immer ein wenig auf die Situation an.

Gut ist schwieriger zu definieren, da ich denke, dass es auch etwas zwischen Gut und Böse gibt. Nur weil etwas nicht böse gewesen ist, muss es nicht automatisch gut sein.

Gegenfrage: Nach welcher Definition von Gut und Böse sollen wir denn urteilen?

Um Deine Frage zu beantworten: Nein, es gibt kein Gut und Böse, weil es eine Frage der Perspektive ist. Es gibt, situationsbedingt, richtig oder falsch, aufbauend oder zerstörend etc. aber all das lässt sich nicht einfach zu gut oder böse zusammenfassen.

Die Begrifflichkeiten und das heute präsente Bild dazu, wurden religiös, vor allen Dingen (aber nicht nur) von der katholischen Kirche geprägt. Im religiösen Kontext gibt es denn auch Gut und Böse inform des (guten) Gottes und seines (bösen) Widersachers. Wie sehr diese Sichtweise jedoch von der jeweiligen Perspektive abhängt, erkennt man schon, wenn man sich anschaut, welche Gräueltaten dem (guten) Gott zugeordnet werden

Nichts ist an sich gut oder böse, das Denken macht es erst dazu. Doch wenn wir von gut oder böse sprechen, dann sprechen wir meistens von den Dingen, welche der durchschnittliche Mensch als gut oder böse betrachtet. Zum Beispiel können wir sagen: "Mord ist böse". Auch wenn es ein paar wenige Menschen gibt, welche Mord als nichts schlechtes betrachten, so würde der Großteil der Menschheit doch behaupten, dass Mord böse ist. Ich teile in vielen Punkten die Meinung des durchschnittlichen Menschen. Zumindest im Bezug auf gut und böse. Jedoch halte ich Mord durch unterlassene Hilfeleistung für genauso schlimm wie Mord. Damit könnte ich etwas von der Norm abweichen.

Gut und Böse ist im Grunde eine gesellschaftliche Übereinkunft, was man tun oder lassen sollte. Diese Übereinkunft existiert in jeder Gesellschaft, aber sie kann völlig unterschiedlich aussehen.

Von außen betrachtet gibt es kein gut oder böse - es gibt nur Erfahrungen.

Das ist sehr schwer zu sagen. Es gibt ein Essay von Gottfried Benn, in dem er einen Bauern beschreibt, der eine Getreideart findet, die dreimal pro Jahr Früchte trägt und damit den hungernden Bauern endlich die Mägen füllen kann.

Gute Tat!

Allerdings erzeugt der plötzliche Reichtum der Bauern ein soziales Chaos, das schließlich in blutigen Bürgerkriegen mündet.

Schlechte Tat!

Was auch immer jemand tut, es kann sich – so gut es auch im Moment erscheint – bald als gräßlicher Fehler erweisen (siehe Kernkraft!).

Deshalb fällt es mir schwer, eine definitive Meinung zu "gut" oder "böse" zu haben. Noch schwerer fällt es mir, zu entscheiden, ob eine Tat eigentlich nach ihrem Motiv oder ihren Folgen beurteilt werden muss.

Populisten zaubern ja gerne dazu irgendwas aus dem Hut, weil sie glauben, den Durchblick zu haben.

Es gibt allerdings Dinge, die man als grundsätzlich böse bezeichnen könnte, z.B. Mord, also das gezielte Töten von Menschen.

Aber wie man sieht, ist auch dieses Gebot (sogar von der Kirche) immer wieder ausgehebelt worden. Immer wieder sind Menschen ohne vernünftigen Grund als tötenswert hingestellt worden und andere sind singend ans Werk gegangen, um diese Tötungen zu begehen.

Es gibt keine religiöse, gesellschaftspolitische oder sonstige Ideologie, in deren Namen nicht schon getötet wurde.

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