Gibt es glückliche und realistische Bücher über den Lebensabend?

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7 Antworten

Da wohl kaum ein alter Mensch noch die Kraft hat, über sein endendes Leben zu schreiben, wird diese Such wohl überwiegend erfolglos bleiben .Ich habe allerdings (sehr zögerlich, wegen des Themas) ein Buch gelesen, das mich nachdenklich gemacht hat. "Noch eine Runde auf dem Karussel" von Tiziano Terzani, ein Krebskranker, der alle alternativen Therapien untersucht und ausprobiert hat . Nicht, weil er hofft, gerettet zu werden, (sicherlich das auch) - sondern mehr noch, um die oft fragwürdigen Versuche, das Sterben zu verhindern, aufzustöbern,- die Illusionen zu nehmen.Aber auch zu zeigen, daß viele Weisheiten durchaus wirklich weise sind - und viele nur reine Geldschneiderei - oder bestenfalls Esotheric. Und gleichzeitig vermittelt er eine große (zumindest schriftstellerische) Gelassenheit, die das Buch für mutige Menschen lesenswert macht. Meistens ist es aber anders, Bücher über "komische, kämpferische, ein bißchen verrückte Menschen" werden geschrieben - und haben großen Erfolg. "Der Hundertjährige...""  in meinen Augen das, was jüngere gern hätten,- so sollten die Alten sein. Sind sie aber nicht, fast keiner (oder keine) von ihnen,- und wenn, dann ist das oft die Mischung von innerer Gelassenheit aus Mangel an Alternativen - und Tapferkeit. Allerdings habe ich auch einen alten Menschen kennengelernt, auf den das nicht zutraf,- in meinen Augen die Ausnahme. Also hoffen wir mal, daß man das Talent zur Ausnahme hat - und die Gesundheit (geistig und körperlich),-das dann auch noch zu vermitteln. Nur, Bücher schreiben werden wohl die wenigsten Alten.

rosepetals 03.05.2016, 18:10

Vielen Dank für die Antwort! Ich glaube meine Frage wurde hier glücklicherweise richtig interpretiert.

Ich habe mir beide Bücher angesehen (zweiteres gleich mit Trailer) und kann nur wiederholen: Das erste finde ich sehr ansprechend! Das zweite enttäuschend, irgendwo auch unrealistisch - einfach schon vom Genre her keine ernste Auseinandersetzung mit dem Lebensabschluss.

Irgendwie echt schade, dass es nicht mehr solche Bücher gibt. Dabei ist das Thema doch gar nicht so abwegig, um sich damit zu beschäftigen. 

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Ich würde noch das Spätwerk von Urs Widmer in den Ring werfen, "Herr Adamson" z.B.

Ob dafür glücklich der richtige Ausdruck ist, möchte ich mal bezweifeln, versöhnlich (in Bezug auf das Sterben) trifft es, denke ich, eher.

Zum Thema Alzheimer/Demenz könnte man "Das Paradies des Vergessens", was sich meines Erachtens mit sanftem Blick (Zyniker könnten vielleicht sagen: verklärendem) mit dem Thema auseinandersetzt.

Das alles von einem Autoren, der in seinen Poetikvorlesungen von sich selbst sagt, dass er versucht, warme Geschichten zu schreiben - ein Anspruch, den er in den oben genannten Werken auf jeden Fall erfüllt.

rosepetals 10.05.2016, 21:06

Versöhnlichkeit war genau das, was ich mit "glücklich" meinte. Danke. Das erste Buch hört sich vielversprechend an.

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Was nutzt Dich eine Beschreibung Goethes über den Lebensabend von 1828? Da gabs noch nicht mal eine Eisenbahn. Meine Oma musste ihren Lebensabend noch ohne die Dauerberieselung eines Fernsehers verbringen, die heutzutage in fast jedem Zimmer eines Altersheims flimmern. Eines kann man für heute wie für früher sagen: Wer seinen Sinn und seine bis in Alter tragfähigen Interessen nicht bis 60-65 gefunden hat, ist arm dran. Dem bleibt außer TV-Berieselung kaum was und da kann man nur hoffen, dass er noch ordentlich sieht und hört. Schon jetzt geht die Gesundheits- und Altenversorgung dem Ruin entgegen - was tunlichst verschwiegen wird. Ich hoffe ja auf den Bankrott. Dann werden ab 75 aufwärts statt teurer Einlieferung in ein Altenheim evtl. doch noch die Goldene Pille mit Abschiedsessen freigegeben, weil sie sonst nicht mehr wissen, wohin mit den vielen Alten. Dann ist Schluss mit Herzschrittmachern für Leute über 65. Schon mal öfter in einem Altenheim gewesen mit den Rollatoren- und Rollstuhlrennbahnen? Da übertönt das Sabbern den Klang von Gabeln und Messern. Wenn einem da lustige Literatur einfällt, muss man schon hartgesotten sein.

rosepetals 30.04.2016, 13:45

Was nutzt Dich eine Beschreibung Goethes über den Lebensabend von 1828? Da gabs noch nicht mal eine Eisenbahn.

Eisenbahnen gab es nicht, aber den Tod. Da es den auch schon immer gab, ist die Epoche eigentlich ziemlich egal. Mir geht es gar nicht um Wirtschaft, Geld oder Politik. Oder darum, was die Gesellschaft mit den Alten macht, oder wo sie ihren Platz finden. Ich frage auch nicht nach der Atmosphäre im Altenheim oder Beschäftigungen, denen man nachgehen kann.

Mir geht es eher darum, dass man sich wohl irgendwann mit dem Tod auseinandersetzt. Das ist auch nicht "lustig" (oder würden Sie, als Experte, Philosophie mit lustig beschreiben?) Mit glücklich habe ich eher so etwas wie Frieden mit dem Tod gemeint.

Bestimmt gibt es hier verschiedene Auffassungen, wenn ich so generell danach frage. Also stelle ich meine Frage neu: Gibt es Bücher, in denen sich Autoren in monologischer Erzählweise, den Umständen unbeachtend, mit dem allgemeinen Tod auseinandersetzen?

Selbstmord und Tod ist neben Liebe gar nicht so selten in der Literatur wiederzufinden.

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Es gibt sehr gute Bücher von Pater Anselm Grün. z.B. Die Hohe Kunst des Älterwerdens

Hey
rosepetals,

da empfehle ich Dir: Anleitung zum Unglücklichsein, von Paul Watzlawick

LG Inkonvertibel

PuzzliR 10.05.2016, 07:02

Hallo Inkonvertibel, ich halte das Buch des Psychologen Paul Watzlawick als Selbsterkenntnis- und Lebenshilfe zwar für empfehlenswert aber nicht auf den "Lebensabend" zugeschnitten! Insofern beantwortet die Empfehlung nicht die Frage, es sei denn sie soll der Fragestellerin einen kritischen Hinweis auf deren Denk- und Interessenlage geben. Aber die kennen wir nicht wirklich. Nix zu danken! Saluti da Puzzli

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Das habe ich zum 65. verschenkt und die Jubilarin las es mit Genuss...sagte sie. :o)

Es gibt da eine ganze Serie ( Kaffeefahrten Seniorentreffs ), das kannst bereits im Link sehen. 


http://www.buecher.de/shop/alter/nein-ich-will-keinen-seniorenteller-marie-sharp-bd-1/ironside-virginia/products_products/detail/prod_id/26257323/

LiloB 02.05.2016, 19:54

und ich habe es gelesen,- (bin 75) - und mich zwar amüsiert,- nur; es ist eindeutig wieder einmal nicht von einem wirklich alten Menschen geschrieben. Ähnlich wie der "Hundertjährige, der...  etc." Da wird ein Menschenbild verkauft, das sehr, sehr selten auf alte Menschen zutrifft. Die meisten alten Menschen sind bestenfalls tapfer, ganz selten wirklich heiter und gelassen - und oft, leider sehr oft depressiv. Alles andere ist mE. Wunschdenken.

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user8787 02.05.2016, 20:04
@LiloB

Dann kommen eigentlich nur Biografien in Frage. 

Ich denke die Realität des Alters stößt in der Gesellschaft nicht auf sehr großes Interesse....leider. Sowas verkauft sich nicht wirklich. 

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Ja, ich empfehle 2 Bücher:

Günter Grass: Vonne Endlichkait. Steidl, Göttingen 2015, ISBN 978-3-95829-042-6, 126 Seiten € 28,00.
G. G. hat dieses Buch kurz vor seinem Tode am 13. April 2015 vollendet. Zur Rückgabe der Korrekturfahnen an den Verlag kam es schon nicht mehr. Mit den von ihm geschaffenen Illustrationen letztes Gesamtkunstwerk und bewegendes Abschiedsgeschenk des Literatur-Nobelpreisträgers an uns noch Lebende.

Thomas Klie (Prof. für Gerontologie, Hrsg.) und Peter Gaymann (Cartoonist, Grafiker und Schriftsteller, Mit-Hrsg.): Demensch. Texte und Zeichnungen. med²-Verl., Heidelberg 1. Aufl. 2015, ISBN 978-3-86216-224-6, 128 Seiten € 24,99.
Mit kurzen Textbeiträgen verschiedener Autoren. - Ich blättere immer 'mal wieder darin, um mir auf humorvolle Weise zu vergegenwärtigen, was noch alles auf mich zukommen kann, ohne dabei in tiefsten Trübsinn zu verfallen: Gegen das, was wir nicht ändern können, hilft keine Angst, kein Trübsinn und kein Verdrängen. Es hilft nur, ihm mit viel Humor offen ins Auge zu blicken! (Das war und ist meine wichtigste und erfolgreichste Lebens- und Überlebensstrategie schon seit früher Kindheit!) Meinen gleichaltrigen Freunden sowie Eltern pflegenden Kindern schenke ich das Buch in diesem Jahre zum Geburtstag. Ich hoffe, das das zu einem entspannteren und humaneren Umgang mit uns Alten (auch uns mit uns selbst) anregt.

Nix zu danken! Saluti da Puzzli






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