Gibt es Fürbittgebete im Buddhismus?

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4 Antworten

Ich bin Buddhist und äußere mich mal dazu.

"Fürbitten" gibt es im Buddhismus nicht. Da Buddhisten nicht an einen Gott glauben, gibt es kein höheres Wesen, das sie um etwas bitten könnten.

Es gibt also keine Gebete an irgendeinen Gott.

Es gibt aber die Maitri bhavana (Meditation des liebenden Mitgefühls - Maitri/Metta), bei der man allen Wesen eine positive Entwicklung wünscht und ihnen liebevolle Gedanken sendet.

In einigen Formen des Buddhismus gibt es zudem die Vorstellung, man könne andere Wesen unterstützen, indem man ihnen bestimmte Zeremonien widmet (Eko) und ihnen dadurch das positive Karma überträgt.

Rogatum 02.03.2016, 19:18

Danke für die Antwort.

Kannst du mir ein Beispiel oder Name von solch einer Zeremonie geben?

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Enzylexikon 02.03.2016, 19:51
@Rogatum

Im Soto-Zen-Buddhismus spricht man nach der Rezitation eines Sutras, die schon genannte "universelle Verdienstübertragung" (Fueko).

  • Negawaku wa kono kudoku wo motte,
  • amaneku issai ni oyoboshi,
  • warera to shujô to mina tomoni
  • butsudô wo jô zen koto wo.


https://www.youtube.com/watch?v=AwYzHtQ3lFg

Eine ungefähre Übersetzung wäre

Möge sich dieser Verdienst (des Sutra-Rezitierens) allumfassend auf alle Wesen an allen Orten erstrecken, so dass wir gemeinsam mit allen Wesen den Weg des Buddha verwirklichen.

Den das größte Ziel ist ja nicht der Lottogewinn, oder Gesundheit, sondern eben den Buddhaweg zu gehen.

Im Video folgt dann mit "Ji ho san shi" eine weitere Rezitation.

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Enzylexikon 02.03.2016, 20:02
@Enzylexikon

Zeremonien die für bestimmte Personen erfolgen, werden "kito" genannt und ähneln noch am ehestem dem, was man im christlichen Sinne als "Bittgebet" bezeichnen könnte.

Sie haben aber nicht wirklich etwas mit der buddhistischen Lehre zu tun, sondern sind meiner Meinung nach eine Anpassung an die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen, die sich eine Form von "spirituellem Beistand" wünschen.

Es gibt dann also "kito" für Kranke usw. wobei es wie gesagt nicht darum geht ein Wunder von einem Gott zu "erbitten", daher ist der Begriff "Gebet" eigentlich unpassend.

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Im Nichiren-Buddhismus gibt es die Möglichkeit (und dazu wird auch häufig aufgerufen), für andere Menschen, ja sogar andere Geschöpfe (Tiere) oder relativ "abstrakte" Dinge wie den Frieden zu CHANTEN.

Das Chanten ist ein Sprechgesang, bei dem ein bestimmtes Mantra regelmäßig wiederholt wird. (Im Nichiren-Buddhismus lautet dieses Mantra "NamMyohoRengeKyo" und gilt als die Quintessenz des Lotus-Sutra von Buddha Shakyamuni - Es gibt aber auch andere Mantras...)

Der Grundgedanke dahinter ist, dass wir alle miteinander verbunden - letztlich "alle eines" sind und daher alles was ich tue sich "irgendwie" auf Andere auswirkt. - Also kann ich auch bewusst etwas für andere bewirken, indem ich beim Chanten positiv an sie denke.

hi Rogatum - also im Altbuddhismus gibt es was ähnliches, heisst Brahma Vihara. Dabei sammelst du deinen Geist und sendest in die vier Richtungen, nach oben und unten, jeweils Wohlwollen, Erbarmen, Mitfreude und Gleichmut aus - für die leidenden unerleuchteten Wesen.

Im Tibetischen Buddhismus gibt es speziell bei der Hilfe für Sterbende Fürbitten, wobei der Lama das Bardo Thödol rezitiert und auch Bitten an Boddhisattvas, Taras und Himmelswanderinnen richtet, sie mögen ihrer Gelübde gedenken und den Sterbenden sicher geleiten.

Im Zusammenhang mit dem Medizinbuddha gibt es auch Heilungsmantras für Kranke.

Typische Fürbittgebete wie im Monotheismus gibt es aber nicht.

Medizin-Buddha Mantra, bwz Medizin-Buddha Praxis. Das ist dann länger als nur Mantra.

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