Gibt es erwachsene Autisten, von denen niemand weiß, dass sie welche sind?

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6 Antworten

Ja, gibt es.
Vor allem Asperger-Autismus und HFA (High Functioning Autism, eine Form des Kanner-Autismus) werden nicht immer erkannt. Asperger und HFA wird inziwschen von einigen Psychiatern nicht mehr unterschieden, die momentane Aufteilung der autistischen Störungen wird ohnehin im nächsten DSM und wohl auch in der nächsten ICD zur Autismus-Spektrum-Störung zusammengefasst.

Zurück zum Thema:
Es werden viele Menschen erst als Erwachsene diagnostiziert. Ich zum Beispiel wurde erst mit 35 Jahren auf einen Eigenverdacht diagnostiziert. Mich fragt auch niemand, ob ich Autist bin, da die Merkmale von Asperger-Autismus, die bei mir nach außen treten, gering und wenig bekannt sind. Ich kenne auch mehrere andere Autisten, die auch erst als Erwachsene diagnostiziert wurden.

Ich denke, Laien können kaum einen der unauffälligeren Autisten einfach so erkennen. Selbst viele Ärzte können das nicht. Deshalb ist es so wichtig, einen Spezialisten für Autismus aufzusuchen, wenn man einen Verdacht hat und eine Diagnose haben will.Zudem wird Autismus auch gerne verwechselt, da manche Symptome nach außen für nicht spezialisierte Ärzte mehreren verschiedenen Störungen/Krankheiten zugeschrieben werden können.
Zudem denken viele Laien, dass jemand, der durchaus kommunikativ ist, keinesfalls Autist sein kann. Das stimmt so nur eben nicht.

Selbst wenn man viel liest über Autismus, halte ich es für schwer, einfach so einen Autisten zu erkennen. Ich denke, dazu muss man schon ein paar kennengelernt haben. Vor allem, weil Autismus eben ein Spektrum ist und nicht jeder Autist exakt dieselben Symptome hat und zeigt.

Wenn es dich sehr interessiert, dann google mal rum. Es gibt Bücher über Autismus (Tony Attwood soll empfehlenswert sein), von Autisten selbst (Nicole Schuster zum Beispiel), aber auch Blogs, die von Autisten geschrieben werden. Aufklärende Blogs und auch solche, wo Autisten einfach Episoden aus ihrem Leben erzählen. Auch Boards und Chats, wo sich Autisten austauschen, wirst du finden.

Vergiss beim Lesen von (Auto-)Biographien nicht, dass jeder Autist anders ist. Nicht alles, was ein Autist beschreibt, trifft auf alle gleich zu.

Rechercheur 12.06.2011, 10:41

Achja, da du Rain Man erwähntest, liste ich dir mal ein paar andere Filme über Autisten auf. Jeder dieser Filme beschreibt einen Autisten, wie ein Autist sein könnte.

Filme, die ich gesehen habe:
Adam (sehenswert)
BenX (sehenswert)
Snow Cake (den finde ich sehr gut)
Liebe am Fjord: Das Ende der Eiszeit (der ist ganz grauenhaft in der Darstellung des Autisten)

Filme, die ich nicht gesehen habe:
Mozart und der Wal
Mary & Max
My Name is Khan

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Rechercheur 28.10.2012, 23:49
@aurata

Ja, das ist eine der Autobiographien die ich mit diesem Satz meinte:

Vergiss beim Lesen von (Auto-)Biographien nicht, dass jeder Autist anders ist. Nicht alles, was ein Autist beschreibt, trifft auf alle gleich zu.

Gerade "Buntschatten und Fledermäuse" ist unter Autisten selbst sehr umstritten. Einige finden es sehr treffend, andere ganz ganz schrecklich.
Ich selbst habe es noch nicht gelesen und weiß auch nicht, ob ich das möchte, da es wohl extrem blumig geschrieben sein soll. So wie ich Axel Brauns aus dem Fernsehen kenne, fürchte ich, ich finde mich in seinem Buch eher weniger wieder.
Wirklich beurteilen kann ich das natürlich nicht, ich las es ja nicht.

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aurata 29.10.2012, 00:40
@Rechercheur

So wie ich Axel Brauns aus dem Fernsehen kenne, fürchte ich, ich finde mich in seinem Buch eher weniger wieder.

Du hast sicher Recht, denn wie du selber sagst, ist jeder Autist anders. Axel Brauns hat seine Welt und sein junges Leben beschrieben und das auf eine sehr anschauliche und direkte Weise, die mich persönlich angerührt und beeindruckt hat. Blumig würde ich es nicht nennen.

Ich denke aber nicht, dass ich jetzt sagen kann: SO sind Autisten, da mir schon klar, dass jeder Mensch anders ist.

Vielleicht solltest du auch ein Buch schreiben? :-)

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Im Prinzip sind sie schwer zu erkennen.

Der komische Kauz von nebenan könnte ein Autist sein oder einfach nur komisch.

Es gibt sehr viele Varianten, Mischformen und Menschen, die in die Richtung Autisten gehen, ohne dass es bekannt ist...oft ist es ihnen selbst nicht mal bekannt. Noch schwieriger ist es dementsprechend, diese "unerkannten" Autisten als Außenstehender zu erkennen. Und es ist auch schwierig, diese Einordnung anzuwenden als Außenstehender....was hätte man auch davon? Man kann die Menschen nehmen wie sie sind, ohne einen verbalen Stempel drauf zu hauen. Autisten haben allgemein sehr viel Lebensfreude, vielleicht ist das ein Erkennungsmerkmal - nicht jeder Lebensfrohe wiederum ist ein Autist :-)

Rechercheur 12.06.2011, 10:25

Ich nehme an, mit "Mischformen" und "Menschen, die in die Richtung Autisten gehen" willst du aufzeigen, dass es ein Spektrum ist. Wenn ja, ist das durchaus richtig so.

Was die Lebensfreude angeht, da kenne ich allerdings eine Menge Autisten, die wohl eher nicht zu den sehr lebensfrohen Menschen gezählt werden würden. ;-)
Das ist eher kein allgemeingültiges Merkmal.

Loben möchte ich diesen Absatz von dir:

Und es ist auch schwierig, diese Einordnung anzuwenden als Außenstehender....was hätte man auch davon? Man kann die Menschen nehmen wie sie sind, ohne einen verbalen Stempel drauf zu hauen.

Es ist schön, wenn jemand die Menschen nimmt, wie sie sind. Dazu gehört ja auch, die Eigenarten eines jeden Menschen zu akzeptieren. Dann braucht man auch keine Diagnose hochzuhalten, wenn man einen Menschen trifft, der einen nimmt wie man ist.
Manchmal kann es jedoch hilfreich sein, um die Diagnose zu wissen, sofern man verständnisvolle Menschen um sich hat. Einfach damit diese verstehen können, warum der Autist gerade Schwierigkeiten hat in einer Situation.
Trifft man Menschen ohne Verständnis oder mit falschem Verständnis, kann das allerdings auch fatal sein, den Autismus zu offenbaren. Dann funktioniert der Umgang miteinander oft besser, wenn man nur seine "Macken" benennt, ohne sie Autismus zu nennen. Der Begriff löst leider in vielen Menschen genau das falsche Verhalten aus.

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Ich kenne Autisten, die erst im Alter von über 40 oder sogar 70 Jahren diagnostiziert wurden. In der Diagnose hat sich viel verändert und sie ist besser geworden, aber dass es solche Fälle noch immer gibt, ist sehr plausibel.

Also nicht in der Form wie in dem Film Rainman.

Was ist für dich "in der Form, wie im Fim Rain Man"?

Woran erkennt man solcheLeute und kann man als Außenstehender solche überhaupt erkennen?

Du könntest dir Bücher über die Lebensläufe von Autisten suchen (z.B. Autobiographien), oder Reportagen ansehen. Aber um das genau zu erläutern sprengt den Rahmen der Plattform.

bestimmt gibt es die. die krankheit wirst du von außen her aber nicht erkennen können.

Rechercheur 12.06.2011, 10:41

Es ist keine Krankheit.

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kiniro 14.06.2011, 16:49

Krankheiten sind irgendwann vorüber.

Autismus ist eine lebenslange Behinderung.

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Wenn man empathisch ist, merkt man es nach einiger Zeit, nicht immer sofort.

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