Gibt es eine subjektive Allgemeingültigkeit?

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5 Antworten

1) subjektibe Allgemeingültigkeit

Nach Kants Auffassung gibt es in der Ästhetik eine subjektive Allgemeingültigkeit. Dies ist eine sehr eingeschränkte Allgemeinheit, und die Auffassung beruht auf einem bestimmten Verständnis des Schönen.

Eine Darstellung mit dem Versuch von Beispielen enthält: Immanuel Kant, Kritik der Urtheilskraft (1790). Erster Theil. Kritik der ästhetischen Urtheilskraft

Wenige Jahre vorher hatte Kant noch Gesetze a priori (vor jder Erfahrung), nach denen sich das Geschmacksurteil richten müßte, verneint und ausgeschlossen, die kritische Beurteilung des Schönen unter Vernunftprinzipien zu bringen. Allgemeingültige Regeln oder Kriterien hielt er für nicht möglich, nur empirische.

Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft (2. Auflage 1787). I.Transscendentale Elementarlehre. Erster Theil. Die transscendentale Ästhetik. B 36/AA III, 50 Fußnote (in einer leichten Abmilderung gegenüber der 1. Auflage 1781):

„Die Deutschen sind die einzige, welche sich jetzt des Worts Ästhetik bedienen, um dadurch das zu bezeichnen, was andre Kritik des Geschmacks heißen. Es liegt hier eine verfehlte Hoffnung zum Grunde, die der vortreffliche Analyst Baumgarten faßte, die kritische Beurtheilung des Schönen unter Vernunftprincipien zu bringen und die Regeln derselben zur Wissenschaft zu erheben. Allein diese Bemühung ist vergeblich. Denn gedachte Regeln oder Kriterien sind ihren vornehmsten Quellen nach blos empirisch und können also niemals zu Gesetzen a priori dienen, wornach sich unser Geschmacksurtheil richten müßte; vielmehr macht das letztere den eigentlichen Probirstein der Richtigkeit der ersteren aus. Um deswillen ist es rathsam, diese Benennung entweder wiederum eingehen zu lassen und sie derjenigen Lehre aufzubehalten, die wahre Wissenschaft ist (wodurch man auch der Sprache und dem Sinne der Alten näher treten würde, bei denen die Eintheilung der Erkenntniß in αἰσθητὰ καὶ νοητά sehr berühmt war), oder sich in die Benennung mit der speculativen Philosophie zu theilen und die Ästhetik theils im transscendentalen Sinne, theils in psychologischer Bedeutung zu nehmen.“

2 ) Beispielsituation

Bei Person A liegt ein ästhetisches Urteil vor, wenn „das finde ich schön“ sich auf die Wahrnehmung bezieht und nicht - bezogen auf Strenge - meint „diese Eigenschaft halte ich für gut“. Strenge ist für sich genommen keine ästhetische Kategorie, erst durch die Beurteilung eines Aussehens, das die Charaktereigenschaft ausstrahlt, kommt ein ästhetisches Urteil zustande.

Bei Person B liegt kein ästhetisches Urteil vor, weil Zickigkeit eine Charaktereigenschaft ist und die Aussage bei einem psychologischen Eindruck stehenbleibt, ohne eine ästhetische Bewertung abzugeben.

subjektive Allgemeingültigkeit in Kants Ästhetik

Da Kant das Schöne nicht als eine Beschaffenheit der Dinge versteht, sondern als eine bestimmte Art von Gefallen in einem Geschmacksurteil, kommt eine objektive Allgemeingültigkeit nicht gut in Frage.

Eine subjektive Allgemeingültigkeit hält Kant für möglich, indem das Urteil nicht eine auf die eigene Person beschränkte Privatmeinung ist, sondern allgemeine Zustimmung beansprucht/fordert. Immanuel Kant meinte, die vom Schönen hervorgebrachten Begriffe seien unbestimmt oder leer und hätten daher keine Objektivität. Es gibt nach seiner Auffassung eine Beziehung zwischen Objekt (Bestimmungsmerkmal des Gegenstandes) und Subjekt (Wirkung auf das betrachtende Subjekt), wobei ein freies Spiel der Erkenntniskräfte einen harmonischen Zustand schaffe (die Erkenntnisvermögen Einbildungskraft und Verstand werden durch eine gegebene ästhetische Vorstellung unabsichtlich in Einstimmung versetzt) und als schön gefalle.

Immanuel Kant, Kritik der Urtheilskraft (1790). Erster Theil. Kritik der ästhetischen Urtheilskraft. Erster Abschnitt. Analytik der ästhetischen Urtheilskraft. Erstes Buch. Analytik des Schönen. 1. Moment des Geschmacksurtheils der Qualität nach. § 1. Das Geschmacksurtheil ist ästhetisch. AA V, 203:

„Um zu unterscheiden, ob etwas schön sei oder nicht, beziehen wir die Vorstellung nicht durch den Verstand auf das Object zum Erkenntnisse, sondern durch die Einbildungskraft (vielleicht mit dem Verstande verbunden) auf das Subject und das Gefühl der Lust oder Unlust desselben. Das Geschmacksurteil ist also kein Erkenntnißurtheil, mithin nicht logisch, sondern ästhetisch, worunter man dasjenige versteht, dessen Bestimmungsgrund nicht anders als subjectiv sein kann. Alle Beziehung der Vorstellungen, selbst die der Empfindungen, aber kann objectiv sein (und da bedeutet sie das Reale einer empirischen Vorstellung); nur nicht die auf das Gefühl der Lust und Unlust, wodurch gar nichts im Objekte bezeichnet wird, sondern in der das Subjekt, wie es durch die Vorstellung afficirt wird, sich selbst fühlt.“

Angenehm ist, was den Sinnen gefällt. Es gibt mehrere Arten von Wohlgefallen (§ 5. Vergleichung der drei specifisch verschiedenen Arten des Wohlgefallens.). Das Angenehme vergnügt (es gibt ein Interesse an der Existenz dessen, was gefällt, nämlich im Genuß), das Schöne gefällt einfach bloß, beim Guten wird ein objektiver Wert gesetzt. Es findet ein Geschmacksurteil statt.

Das Schöne erweckt (in Abgrenzung zum Guten oder Nützlichen) ein interesseloses allgemeines Wohlgefallen:

  • gefällt spontan
  • gefällt aus sich heraus (Form eines zweckmäßigen Gegenstandes, aber ohne Vorstellung eines Zwecks)
  • das Urteil ist allgemein (subjektive Allgemeingültigkeit)
  • das Gefühl ist notwendig


Immanuel Kant, Kritik der Urtheilskraft (1790). Erster Theil. Kritik der ästhetischen Urtheilskraft. Erstes Buch. Analytik des Schönen. 1 . Moment des Geschmacksurtheils der Qualität nach. § 5. Vergleichung der drei specifisch verschiedenen Arten des Wohlgefallens (AA V, 210):

„Man kann sagen: daß unter allen diesen drei Arten des Wohlgefallens das des Geschmacks am Schönen einzig und allein ein uninteressirtes und freies Wohlgefallen sei; denn kein Interesse, weder das der Sinne, noch das der Vernunft, zwingt den Beifall ab.“

 „Geschmack ist das Beurtheilungsvermögen eines Gegenstandes oder einer Vorstellungsart durch ein Wohlgefallen oder Mißfallen ohne alles Interesse. Der Gegenstand eines solchen Wohlgefallens heißt schön."

Immanuel Kant, Kritik der Urtheilskraft (1790). Erster Theil. Kritik der ästhetischen Urtheilskraft. Erstes Buch. Analytik des Schönen. 2. Moment des Geschmacksurtheils, nämlich seiner Quantität nach. § 6. Das Schöne ist das, was ohne Begriff als Object eines allgemeinen Wohlgefallens vorgestellt wird (AA V, 211):

„Folglich muß dem Geschmacksurtheile mit dem Bewußtsein der Absonderung in demselben von allem Interesse mit dem Bewußtsein der Absonderung in demselben von allem Interesse ein Anspruch auf Gültigkeit für jedermann ohne auf Objecte gestellte Allgemeinheit anhängen, d. i. es muß damit ein Anspruch auf subjective Allgemeinheit verbunden sein.“

 Immanuel Kant, Kritik der Urtheilskraft (1790). Erster Theil. Kritik der ästhetischen Urtheilskraft. Erstes Buch. Analytik des Schönen. 3. Moment der Geschmacksurtheile nach der Relation der Zwecke, welche in ihnen in Betrachtung gezogen wird. § 15. Das Geschmacksurtheil ist von dem Begriffe der Vollkommenheit gänzlich unabhängig (AA V 228):

„Nun ist das Geschmacksurtheil ein ästhetisches Urtheil, d. i. ein solches, was auf subjectiven Gründen beruht, und dessen Bestimmungsgrund kein Begriff, mithin auch nicht der eines bestimmten Zwecks sein kann. Also wird durch die Schönheit, als eine formale subjective Zweckmäßigkeit gedacht;“ „Das Urtheil heißt auch eben darum ästhetisch, weil der Bestimmungsgrund desselben kein Begriff, sondern das Gefühl (des innern Sinnes) jener Einhelligkeit im Spiele der Gemüthskräfte ist, sofern sie nur empfunden werden kann.“

Die Vorstellung des Schönen hat eine subjektive Zweckmäßigkeit, ein Gefühl der Lust auszulösen. Kant nennt als ein Beispiel unter anderem einfache und reine (ungemischte Farben).

Immanuel Kant, Kritik der Urtheilskraft (1790). Erster Theil. Kritik der ästhetischen Urtheilskraft. Erstes Buch. Analytik des Schönen. 3. Moment der Geschmacksurtheile nach der Relation der Zwecke, welche in ihnen in Betrachtung gezogen wird. § 14. Erläuterung durch Beispiele. AA V, 225 – 226:

„In der Malerei, Bildhauerkunst, ja allen bildenden Künsten, in der Baukunst, Gartenkunst, sofern sie schöne Künste sind, ist die Zeichnung das Wesentliche, in welcher nicht, was in der Empfindung vergnügt, sondern bloß, was durch seine Form gefällt, den Grund aller Anlage für den Geschmack ausmacht. Die Farben, welche den Abriß illuminieren, gehören zum Reiz; den Gegenstand an sich können sie zwar für die Empfindung belebt, aber nicht anschauungswürdig und schön machen: vielmehr werden sie durch das, was die schöne Form erfordert, mehrenteils gar sehr eingeschränkt, und selbst da, wo der Reiz zugelassen wird, durch die erstere allein veredelt. Alle Form der Gegenstände der Sinne (der äußern sowohl als mittelbar auch des innern) ist entweder Gestalt, oder Spiel: im letztern Falle entweder Spiel der Gestalten (im Raume, die Mimik und der Tanz); oder bloßes Spiel der Empfindungen (in der Zeit). Der Reiz der Farben, oder angenehmer Töne des Instruments, kann hinzukommen, aber die Zeichnung in der ersten und die Komposition in dem letzten machen den eigentlichen Gegenstand des reinen Geschmacksurteils aus; und daß die Reinigkeit der Farben sowohl als der Töne, oder auch die Mannigfaltigkeit derselben und ihre Abstechung zur Schönheit beizutragen scheint, will nicht so viel sagen, daß sie darum, weil sie für sich angenehm sind, gleichsam einen gleichartigen Zusatz zu dem Wohlgefallen an der Form abgeben, sondern weil sie diese letztere nur genauer, bestimmter und vollständiger anschaulich machen, und überdem durch ihren Reiz die Vorstellung beleben, indem sie die Aufmerksamkeit auf den Gegenstand selbst erwecken und erhalten. Selbst was man Zieraten (parerga) nennt, d.i. dasjenige, was nicht in die ganze Vorstellung des Gegenstandes als Bestandstück innerlich, sondern nur äußerlich als Zutat gehört und das Wohlgefallen des Geschmacks vergrößert, tut dieses doch auch nur durch seine Form: wie Einfassungen der Gemälde, oder Gewänder an Statuen, oder Säulengänge um Prachtgebäude. Besteht aber der Zierat nicht selbst in der schönen Form, ist er, wie der goldene Rahmen, bloß um durch seinen Reiz das Gemälde dem Beifall zu empfehlen angebracht: so heißt er alsdann Schmuck, und tut der echten Schönheit Abbruch.“

Immanuel Kant, Kritik der Urtheilskraft (1790). Erster Theil. Kritik der ästhetischen Urtheilskraft. Zweites Buch. Analytik des Erhabenen. Deduction der reinen ästhetischen Urtheile. § 38. Deduction der Geschmacksurtheile. AA V, 289 - 290:

„Wenn eingeräumt wird: daß in einem reinen Geschmacksurtheile das Wohlgefallen an dem Gegenstande mit der bloßen Beurteilung seiner Form verbunden sei; so ist es nichts anders, als die subjective Zweckmäßigkeit derselben für die Urtheilskraft, welche wir mit der Vorstellung des Gegenstandes im Gemüte verbunden empfinden. Da nun die Urtheilskraft in Ansehung der formalen Regeln der Beurteilung, ohne alle Materie (weder Sinnenempfindung noch Begriff), nur auf die subjectiven Bedingungen des Gebrauchs der Urtheilskraft überhaupt (die weder auf die besondere Sinnesart, noch einen besondern Verstandesbegriff eingerichtet ist) gerichtet sein kann; folglich dasjenige Subjective, welches man in allen Menschen (als zum möglichen Erkenntnisse überhaupt erforderlich) voraussetzen kann: so muß die Übereinstimmung einer Vorstellung mit diesen Bedingungen der Urtheilskraft als für jedermann gültig a priori angenommen werden können. D. i. die Lust, oder subjektive Zweckmäßigkeit der Vorstellung für das Verhältnis der Erkenntnißvermögen in der Beurteilung eines sinnlichen Gegenstandes überhaupt, wird jedermann mit Recht angesonnen werden können.“

Es gibt eine allgemeine Mitteilbarkeit eines Geschmacksurteils. Die Möglichkeit zu einer ästhetischen Einstellung ist bei jedem Menschen vorhanden. Daher kann versucht werden, Zustimmung zu erhalten, und ein anderer Mensch könnte unter denselben Bedingungen Wohlgefallen verspüren. Die Fähigkeit zu einem harmonischen Spiel von Einbildungskraft und Verstand besteht bei allen Menschen.

Die Lust beim Wohlgefallen am Schönen beruht auf subjektiven Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt, den beteiligten Erkenntnisvermögen Einbildungskraft und Verstand, insofern gibt eine Möglichkeit, daß ein Geschmacksurteil von anderen Menschen geteilt wird. Daher kann eine allgemeine Mitteilbarkeit des Gefühls angenommen werden (Immanuel Kant, Kritik der Urtheilskraft (1790). Erster Theil. Kritik der ästhetischen Urtheilskraft. Zweites Buch. Analytik des Erhabenen. Deduction der reinen ästhetischen Urtheile. § 39. Von der Mittheilbarkeit einer Empfindung).

Kant verwendet dafür den Ausdruck »Gemeinsinn/gemeinschaftlicher Sinn« (senus communis).

Immanuel Kant, Kritik der Urtheilskraft (1790). Erster Theil. Kritik der ästhetischen Urtheilskraft. Zweites Buch. Analytik des Erhabenen. Deduction der reinen ästhetischen Urtheile.§ 40. Vom Geschmacke als einer Art von sensus communis. AA V, 293 – 294:

„Unter dem sensus communis aber muß man die Idee eines gemeinschaftlichen Sinnes, d. i. eines Beurtheilungsvermögens verstehen, welches in seiner Reflexion auf die Vorstellungsart jedes andern in Gedanken (a priori) Rücksicht nimmt, um gleichsam an die gesammte Menschenvernunft sein Urtheil zu halten und dadurch der Illusion zu entgehen, die aus subjectiven Privatbedingungen, welche leicht für objectiv gehalten werden könnten, auf das Urtheil nachtheiligen Einfluß haben würde. Dieses geschieht nun dadurch, daß man sein Urtheil an anderer nicht sowohl wirkliche als vielmehr bloß mögliche Urtheile hält und sich in die Stelle jedes andern versetzt, indem man bloß von den Beschränkungen, die Stelle jedes andern versetzt, indem man bloß von den Beschränkungen, die unserer eigenen Beurtheilung zufälliger Weise anhängen, abstrahirt: welches wiederum dadurch bewirkt wird, daß man das, was in dem Vorstellungszustande Materie, d. i. Empfindung ist, so viel möglich wegläßt und lediglich auf die formalen Eigenthümlichkeiten seiner Vorstellung oder seines Vorstellungszustandes Acht hat.“

eine Vertsändnishilfe: Ralf Ludwig, Kant für Anfänger. Die Kritik der Urteilskraft : eine Leseeinführung. Originalausgabe.München : Deutscher Taschenbuch-Verlag, 2008 (dtv : 34472). ISBN 978-3-423-34472-2

zu einem Geschmacksurteil über die „Mona Lisa“ von Leonardo da Vinci im Louvre (vgl. S. 56 – 59) S. 84 – 85: „Die ästhetische Lust am Schönen begleitet völlig zweckfrei die gemeine, schlichte Anschauung es Gemäldes durch die Einbildungskraft, die dieses Abschauen ermöglicht, schlägt einen Bogen zum Verstand, der mich hier Begriffe dazu finden lässt, die nicht unbedingt adäquat sind, aber der Logik auch nicht widersprechen. Beide, Einbildungskraft und Verstand, beschäftigen sich in einem freien Spiel , fernab jeder Pflicht zum Begriff. Dieses Spiel erweckt in seiner Harmonie Lust, es ist daher subjektiv zweckmäßig, da es diese Lust erzeugt.

Da jeder Mensch über Einbildungskraft und Verstand verfügt, ist auch jeder Mensch zu Urteilen fähig: sowohl zu logischen Urteilen, wenn das Zusammenwirken der Erkenntniskräfte gesetzmäßig zu Begriffen führt, als auch zu ästhetischen Urteilen, wenn das Zusammenwirken der Erkenntniskräfte spielerisch und proportional pendelt.“

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Ich meine, um überhaupt eine solche Allgemeingültigkeit berechtigt vermuten zu können, fehlen einige grundlegende Untersuchungen (Experimente), wie sie meines Wissens nach bisher noch nie vorgenommen wurden.

Maßgabe solcher Dinge wäre der Mechanismus menschlichen Geistes, welcher keineswegs völlig unabhängig von der physikalischen Beschaffenheit des Körpers und von den die Beschaffenheit bestimmenden Genen arbeitet.

Auch wenn die selben Informationspartikel gleichzeitig an vielen Stellen im Gehirn wirksam werden, ergeben sich dennoch bestimmte Grundmuster, die physikalisch meßbar sind, sich jedoch der Zuordnung zum Gemüt entziehen.

Als Experiment geeignet wären menschliche Vorstellungsbilder, die aufgrund von aktivierten Informationsinhalten erzeugt werden, die aber bislang noch nicht irgend eine Vorgabe über ehemals gesehene Bilder u. ä. verursacht haben.

Die entscheidenen Fragen wären dabei, wie ein solches quasineues Vorstellungsbild im Kopfkino angeordnet ist. Wenn eine neutrale Geschichte erzählt wird, wo befindet sich dann im Kopfkino die Hauptperson (rechts oder links, hinten oder vorne), wo befinden sich die Nebenpersonen, wie sind sie gekleidet usw.

Erst wenn sich dabei auffällige Gleichheiten zeigen, lassen sich Rückschlüsse auf Prioritäten und emotionale Bindungen ziehen, die dann wieder eine Grundlage für die Vermutung einer Allgemeingültigkeit sein könnten.

Die Betrachtung der Beurgteilungen darauf, wie weit auch Ästhetik u. a. mit berührt wird, wäre meiner Ansicht nach wieder ein weiterer Schritt zur Differenzierung, der es vermutlich erfordert, daß auch noch Nebenfunktionen weiterer Sinnesreize mit berücksichtigt werden müssen (vererbter Erfahrungsschatz bzgl. nützlich und schädlich).

Läßt man aber das Fehlen aller solcher Vorbedingungen unbeachtet, dann sind zwangsläufig die Ergebnisse auch nur wieder mit den Prädikaten "beliebig" und "Geschmackssache" ausgezeichnet und sind nur so bedeutsam wie irgendwelche Fatasiegeschichten, die man kleinen Kindern erzählt.

Natürlich ist das Ästhetik.

"Das gefällt mir." ist ja was anderes als zB "Das ist notwendig." oder "Das sollte gefallen."

Leider kenne ich den Begriff bei Kant so (angewandt auf die Ästhetik) nicht. Vielleicht hilft google. Ich spekulieren jetzt mal: 

Im Kategorischen Imperativ soll ich handeln nach Maximen, von denen ich wollen kann, dass sie allgemeines Sittengesetz seien.  Die Maximen sind subjektiv, das vorgestellte Sittengesetz ist allgemeingültig. Es ist aber nur vorgestellt, und meine Vorstellung ist eine subjektive, mein Wollenkönnen ebenso. Insofern ist das Sittengesetz subjektiv allemeingültig.

Ich kann mir vorstellen, dass Kant in der Ästhetik ähnlich argumentiert: Ich als Subjekt eines Schönheitsurteils stelle mir vor, dass etwas einem allgemeinen Schöheitsideal entspricht.

Im übrigen bin ich mir nicht sicher, dass es keine allgemeingültigen Schönheitsideale gibt. Sie könnten ihre Grundlage in den Archetypen des kollektiven Unbewussten bei Carl-Gustav Jung haben.

Wenn Du googlest, findest Du gleich zwei gute Antworten auf Deine Frage hier bei gutefrage von den Community-Experten Albrecht und Berkersheim. Aber so ganz falsch lag ich mit meiner Spekulation nicht.

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Immer dieser Kant :D
Kommt halt auf deine Sichtweise / Einstellung an.

Vlt hat Person B schlechte Erfahrungen mit streng aussehenden Menschen gemacht und so sieht er das nun.
(zu seiner Verteidigung, das Aussehen / der Körper spiegelt auch den Charakter wieder)


Mfg

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