Gibt es ein Tier mit Chloroplasten UND Mitochondrien?

6 Antworten

Es kommt auf die Definition des Begriffs "Tier" an. Euglena, das "Augentierchen", ist ein Lebewesen, welches sowohl Chloroplasten als auch Mitochondrien besitzt. Aber ist Euglena nun ein Tier oder eine Pflanze? Das kommt ganz auf den Standpunkt an. Seine photosynthetische Lebensweise zeichnet Euglena als pflanzlichen Organismus aus, weshalb manche Forscher die Augnetierchen dem Aufgabenbereich der Botanik zurechnen. Auf der anderen Seite gehört Euglena zur Gruppe der Excavata. Das ist eine Verwandtschaftsgruppe einzelliger Lebewesen ("Protisten"), zu denen zum Beispiel auch der Erreger der Schlafkrankheit Trypanosoma brucei gehört und die traditionell das Forschungsgebiet der Zoologen und nicht der Botaniker abdeckt.

Definiert man den Begriff "Tier" enger und bezieht ihn ausschließlich auf die Metazoa, die "mehrzelligen Tiere", gibt es keinen einzigen bislang bekannten Vertreter, der sowohl Mitochondrien als auch eigene Chloroplasten besitzt.

Es gibt jedoch zahlreiche Beispiele für Tiere, die mit Algen in gegenseitiger Symbiose leben und somit von deren Photosynthese profitieren. Eines der eindrucksvollsten Beispiele ist die Symbiose der Korallenpolypen mit einzelligen Dinoflagellaten, den so genannten Zooxanthellen. Auch Riesenmuscheln (Tridacna) beherbergen Zooxanthellen.

Bei einigen marinen Schnecken ist außerdem ein Phänomen bekannt, das Kleptoplastie genannt wird. Diese Schnecken nehmen Algen auf und verdauen diese. Deren Chloroplasten jedoch behalten sie und lagern sie in körpereigenes Gewebe ein. Aber sie müssen von Zeit zu Zeit diese Chloroplasten durch eine erneute Aufnahme erneuern, denn ohne die Algenzelle sind Chloroplasten nicht mehr in der Lage, sich selbst zu vermehren. Elysia chlorotica ist eine solche Meeresschnecke. Sie frisst Vaucheria-Algen und lagert deren Chloroplasten dann in ihrem eigenen Epithel des Verdauungstraktes ein. Höchstwahrscheinlich können die Schnecken mit den Chloroplasten ihren Energiebedarf jedoch nicht vollständig decken. Sie bleiben also trotzdem heterotrophe Organismen. Es wird aber diskutiert, ob die Chloroplasten eventuell Stärke herstellen, um in "Notzeiten" von einer Energiereserve zu zehren. Vielleicht ist der eigentliche Zweck der Kleptoplastie aber auch schlichtweg eine bessere Tarnung.

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Thx :) find ich sehr spannend, vll kann ich es nächste bcmb stunde anbringen

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Hi,

also die, die beide haben, nennt man gewöhnlich Pflanzen

die verfügen ja über eine photoautotrophe Lebensweise, wir nicht, wir können es nicht, leider auch nicht durch nachträgliche Manipulation: "Chloroplasten bei Pflanze entnehmen und in Menschen reintun" :)

interessante Idee, das geht deswegen nicht, weil sich Chloroplast und Pflanzenzelle über lange Zeiträume aufeinander abgestimmt haben, so dass gegenseitige Abhängigkiten entstanden sind und das geht bis in die kleinsten Strukturen des Photosyntheseapparates hinein. Wenn man zB. die Thylakoidmembran, den Sitz des Photosyntheseapparates betrachtet, dann stellt man zu seiner Überraschung fest, dass nur vielleicht 1/3 der Komponenten vom Plastom kodiert sind, also von den Genen des Chloroplasten und 2/3 vom Kern der Pflanzenzelle. Diese enge Verwobenheit ist das Problem, was eine Übernahme des Chloroplasten unmöglich macht. Nehme ich den Chloroplast aus der gewohnten Zelle raus und pflanze ihn bei uns ein, würde er zugrunde gehen, weil wir nicht über die genetischen Informationen verfügen, ihn zu supporten und am Leben zu erhalten. Ein erfolgreicher Aufbau der Plastidenfunktion geht nur durch Zusammenarbeit von Plastid (Plastom) und pflanzlichem Zellkern (Kerngenom), so dass selbst einzelne Proteinkomponenten des Chloroplasten dualen genetischen Ursprungs sind. Gruß

So, wie du es wohl meinst, gibt es das nicht.

Aber zum Beispiel die Meeressschnecke Elysia chlorotica ernährt sich von Algen, deren Chloroplasten sie aufnimmt, in spezialisierte Zellen einlagert und so selbst nutzt.

Die werden aber nicht an die nächste Generation vererbt, jede neugeborene Schnecke muss von vorne mit dem Sammeln der Chloroplasten anfangen.

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trotzdem, genau so etwas meinte ich. Es war ja nie angegeben dass man sie immer schon hat, aber halt einfach ein Lebewesen welche Mitochondrien wie auch Chloroplasten nutzen kann. Danke :)

Frage ist halt nur, ob die nun auch Mitochondrien haben, aber denk mal schon oder müssen sie wirklich durchgehend sich durch Algen ernähren ?

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@Philip678

Entschuldigung, hab deine Frage nicht beantwortet.

Meinst du die von mir genannte Meeresschnecke? Die haben auch Mitochondrien, wie so ziemlich alle anderen Eukaryoten (Lebewesen mit Zellkernen), einschließlich Pflanzen.

Chloroplasten dienen der Ernährung, sie stellen durch Photosynthese Glucose her. Zwischenprodukte der Photosynthese dienen aber auch dem Aufbau von Fetten und Proteinen.

Mitochondrien dienen dagegen der Energieproduktion mittels Zellatmung, indem sie Glucose und Sauerstoff zu Kohlendioxid und Wasser abbauen.

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