Gibt es doch die Leiche von Buddha oder Klamotten von ihm?

3 Antworten

Nein, seine Leiche wurde - wie damals in dieser Region üblich - verbrannt.

Dabei verbrennt natürlich nicht alles komplett zu Asche, es bleiben etliche feste Teile zurück (dafür gibt's in unseren modernen Krematorien "Knochenmühlen"). Diese wurden unter den umgebenden Fürstentümern verteilt und verwahrt.

Die teilweise kursierenden 84000 Reliquienschreine darf man getrost der Phantasie späterer Erzähler zurechnen.

Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß irgendwo noch echte Reliquien vorhanden sind, aber deren Wert beschränkt sich lediglich auf den "Volksbuddhismus".

Nach Meinung vieler tut es das. Zum Beispiel wird in Sri Lanka der Zahn von Buddha verehrt. Im dritten Jahrhundert wurden über all in Indien Schreine mit Buddha Reliquien aufgestellt. Diese vermeintlichen Buddha Reliquien werden von vielen Menschen aufs tiefste verehrt. Ein Phänomen was es übrigens auch Jesus Christus & den Aposteln gibt, aber das nur am Rande.

Aber schauen wir mal an wie viel da wirklich dran ist:

Der besagte Buddha Zahn wurde Beispielsweise im 371n.Chr. nach Sri Lanka gebracht, wobei Buddha im 6./5.Jh.v.Chr. lebte. Vorher wurde dieser Zahn nie erwähnt. Im 16.Jh.n.Chr. wurde der Zahn von europäischen Kolonialmächten aus missionarischen Zwecken zerstört. Angeblich tauchte er durch Magie in Nordindien in einer Lotusblüte auf. Ob man das alle glaubt, v.a. wenn man sich nicht selbst belügt?

Dann zu den Reliquienschreinen in Nordindien. Ich habe mal in einem Magazin gelesen, dass es 80 000 gewesen sein sollen. Kommt mir sehr sehr hoch vor. Aber selbst wenn es nur 800 waren, in wie viele Teile muss Buddha zerlegt worden sein, um so viele Reliquien zu bekommen? Mal abgesehen davon, dass man sie hätte über 200 Jahre aufbewahren müssen. Und bedenke, dass Buddha stark gegen sinnlose Kulthandlungen war & nie davon gesprochen hat, sein hab & gut aufzubewahren. Er selber wurde laut Überlieferung eingeäschert. Von allem was ich gelesen habe, war Mumifizierung im Alten Indien keine gängige Praxis.

Woher ich das weiß:Hobby – aktiv praktizierender Buddhist & belesen

Wuhu endlich eine Verbindung

, Schiffbruch mit Tiger - der Zahn in der Blüte auf der fleischfressenden Insel ^^ jz weiß ich woher es stammt ^^

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Ich bin Soto-Zen-Buddhist und sehe das so:

Ich halte es rational gesehen für weitgehend ausgeschlossen, dass es tatsächlich echte Reliquien des Buddha gibt. Damals wurden Leichen eingeäschert, so dass außer etwas Asche und ein paar Knochenresten nichts übrig blieb.

Allerdings findet sich Reliquienverehrung in praktisch allen Religionen als Teil des Volksglaubens in der einfachen Bevölkerung - selbst wenn die religiöse Lehre die Verehrung solcher Objekte als "Götzendienst" oder "Beigesellung" untersagt.

Reliquien in anderen Religionen

So gibt es christliche Reliquien wie etwa Gebeine von Heiligen, angebliche Teile vom Kreuz Jesu, die Dornenkrone oder andere Objekte. Diese werden verehrt und teils mit Bittgebeten als Fürsprache dieser Heiligen verbunden.

Im Islam pilgern Menschen zu Gräbern von Sufi-Heiligen, weil sie glauben, von diesen Orten ginge eine spirituelle Segenskraft (Baraka) aus. Die Menschen hoffen dann z.B. bei Kinderlosigkeit auf eine Schwangerschaft, oder Heilung von Krankheiten

Im Judentum gibt es chassidische Gruppierungen, die das Grab von Rabbi Nachman in Uman (Ukraine) besuchen.

Reliquien im Buddhismus

Hierzu wurde schon einiges gesagt, ich will nur eine tibetische Weisheitsgeschichte hinzufügen, die ich an dieser Stelle sehr lehrreich finde.

Einst reiste ein tibetischer Yak-Hirte alle paar Monate in die nächste Stadt, um dort die Produkte seiner Tiere zu verkaufen und notwendige Waren einzukaufen.
Seine Frau bat ihn "In der großen Stadt gibt es doch sicher ein Heiligtum, bitte bringe mir etwas von dort mit. Vielleicht etwas, das ein Mönch gesegnet hat"
Der Yak-Hirte machte sich auf den Weg in die Stadt, machte seinen Handel - und merkte auf dem Rückweg, dass er vergessen hatte, etwas vom Heiligtum mitzubringen.
Zuhause entschuldigte er sich und versuchte seine Frau mit etwas Schmuck zu besänftigen - doch diese blieb verärgert, da er das Heiligste vergessen hatte.
Einige Monate später machte sich der Yak-Hirte erneut auf den Weg, seine Frau ermahnte ihn erneut - doch wieder vergaß er, etwas aus dem Tempel mitzubringen
Bei seiner dritten Reise drohte ihm seine Frau - "Ich werde mir das Leben nehmen, wenn du diesmal nichts mitbringst, das von einem Mönch gesegnet wurde!!".
Der Hirte machte sich wieder auf den Weg in die Stadt, machte seinen Handel - und stellte erschrocken fest, dass er wieder nichts mitgenommen hatte.
Er hatte Angst um das Leben seiner Frau und wusste nicht, was er nun tun sollte. Sicher würde seine Frau Selbstmord begehen, wenn er nichts mitbringen würde.
Da entdeckte er einen halb verwesten, stinkenden Hundekadaver am Straßenrand, an dem sich bereits Maden und Schmeißfliegen bedient hatten.
In seiner Ratlosigkeit brach er dem Hund einen Zahn heraus, schlug ihn in ein teures Tuch und ging damit nach Hause, um ihn seiner Frau zu zeigen.
"Hier - ich habe noch etwas viel besseres mitgebracht, als ein gesegnetes Amulett - die Mönche haben mir einen Zahn des erhabenen Buddha anvertraut!"
Seine Frau war völlig begeistert und übte von diesem Tag an umso motivierter ihre einfache buddhistische Praxis aus Gebeten und Niederwerfungen.
Bald schon berichteten Nachbarn, dass dreifache Regenbögen über der einfachen Winterhütte erschienen und ein himmlischer Duft das Gebäude umgab.
Viele Menschen pilgerten dorthin, berichteten von der Befreiung von seelischem Leiden und sogar körperlichen Krankheiten, wenn sie die Reliquie besuchten.
Die Reliquie eines Hundezahns...

Ich denke, diese Geschichte sagt das wesentliche aus - der Glaube versetzt Berge und so ist es letztlich völlig egal, ob die Menschen sich einer "echten" Reliquie, einer bloßen Kopie, oder womöglich sogar einem gänzlich leeren Schrein zuwenden.

Historisches

Der Buddhismus hat bei seiner Verbreitung die bereits vorhandenen Religionen nicht verboten, sondern z.B. animistische und schamanische Elemente, wie etwa die Verehrung von Quellgeistern die Regen bringen (Naga) einfach in die religiöse Praxis eingebaut.

Somit gibt es Elemente im Buddhismus, die nicht auf die Lehre des Buddha zurückgehen, sondern lediglich kulturelles Beiwerk darstellen. Dieses Beiwerk kann als geschicktes Mittel hilfreich sein, aber auch hinderlich, wenn man in der asiatischen Exotik steckenbleibt und das Wesentliche vergisst.

Somit ist es mir egal, ob Reliquien des Buddha existieren

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Seit mehr als 30 Jahren praktizierender Buddhist

Die Geschichte ist wirklich genial. Vielen Dank, dass ich sie durch dich kennenlernen durfte.

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@Bodhgaya

Keine Ursache.

In den meisten tibetischen Geschichten geht es mir zu sehr um Wiedergeburt, Naturgottheiten, Spuk usw. - aber diese fand ich wirklich treffend.

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