Gibt es Bands, die während ihrer Karriere kontinuierlich besser geworden sind?

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8 Antworten

An die hier schon genannten Talk Talk musste ich auch denken. Die letzten beiden Alben sind wirklich unglaublich gut.

Allerdings sehe ich bei der Frage zwei grundsätzliche Probleme:

1. Sind die Kriterien "kontinuierlich gute Alben" und "stetige Steigerung / Verbesserung" wirklich untrennbar miteinander verbunden?

2. Ist das nicht eine Frage, die je nach Stilistik unterschiedlich beantwortet werden kann oder sogar muss?

Stilistische Geschlossenheit einer Bandhistorie, die auf Entwicklung weitestgehend verzichtet, kann m.E. auch ein Qualitätsmerkmal sein, wie in meinen Ohren bei den Flower Kings, die zwar immer wieder rechts und links ihrer Pfade Einflüsse aufgenommen haben, deren musikalische DNA aber immer erkennbar geblieben ist. Andere Beispiele wären vielleicht Magma, Sigur Ros, Anglagard.

Dann gibt es Bands, die ein hohes Niveau bei ständiger Neuorientierung und Weiterentwicklung (dieser Begriff ist im Zusammenhang mit Musik ebenfalls schwierig, er legt nahe, Musikgeschichte als Fortschrittsgeschichte zu lesen) oder vielleicht besser: Veränderung gehalten haben. Eben Talk Talk, sicherlich Motorpsycho, vielleicht Radiohead, Van der Graaf Generator, Porcupine Tree und etliche andere.

Und wiederum Bands, deren stilistische Umorientierung bei den Fans große Wogen geschlagen haben: Genesis (ich höre dabei Invisible Touch genauso gerne wie meinethalben The Lamb oder Nursery Crime) oder Yes (aber ist die Talk wirklich schlechter oder besser als Relayer?). Darüber hinaus: Yes klingen immer nach Yes, auch auf den neueren Alben.

Dann gibt es sicherlich Stilistiken, die Veränderung (oder dann wiederum ideologisch: Fortschritt), andere, die Erfüllung von Erwartungen als Qualitätskriterium nennen würden. Meistens wird das aber (wenn ich auch auf mich selbst blicke) auch innerhalb von Genre-Grenzen bandabhängig definiert (s.o. - ich höre alle Bands, die ich genannt habe, ausgesprochen gern).

Deshalb eine in meinen Augen schwieriege, aber auch sehr interessante Frage - der Versuch der Beantwortung wird sicherlich viele gute Bands in Augenschein nehmen. Das eine oder andere meiner Vorredner werde ich gleich mal probehören - mit Pantera (und da sieht man dann auch, wie sehr eine Beantwortung von der stilistischen Orientierung abhängt) kann ich allerdings gar nichts anfangen, wenngleich ich weiß, dass die oben vorgenommene Einschätzung von wirklich allen mir bekannten Pantera-Fans geteilt wird ;-).

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Kommentar von itsme21
17.07.2016, 20:00

Super Antwort erstmal, DH!

Sind die Kriterien "kontinuierlich gute Alben" und "stetige Steigerung / Verbesserung" wirklich untrennbar miteinander verbunden?

Nein, sind sie, denke ich, nicht. Es war auch eigentlich nicht meine Absicht, das so darzustellen - ist jetzt aber durch die Formulierung passiert. Sorry :D

So wie du das erläutert hast, würde ich dir aber absolut zustimmen. Und mir gefällt dein Musikgeschmack sehr ;-)

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Ich kann dir eine Band sagen, die seit 1976 existiert und 2009 wohl erst ihr "Meisterwerk" veröffentlicht haben: Madness mit  The Liberty of Norton Folgate. Die haben zwar während ihrer gesamten Karriere einige Hits gehabt und durchaus gute Alben veröffentlicht, aber keines davon ist so gut und so vollkommen wie das.

PS: Du kennst die Band vielleicht von Songs wie "Our House" und "It Must Be Love"

Auch Bands wie Nirvana oder Talk Talk sind in ihrer gesamten Karriere meiner Meinung nach immer besser geworden. Aber leider haben dann auch beide Bands relativ abrupt einen Schlussstrich gezogen...

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Kommentar von itsme21
16.07.2016, 10:27

Klar, Madness kenne ich. Ich mag auch "Our House" sehr, muss aber leider gestehen, dass ich sonst keine Songs von denen kenne. Aber das wird nachgeholt ;-)

Und Talk Talk meinte ich mit "Paradebeispiel". Zu Anfang als neue Ikonen des New Romantic gehandelt, oftmals mit Duran Duran verglichen, dann mit "The Party's Over" ein zeitgemäßes Synthpop-Album rausgebracht. Danach haben sie zwei super erfolgreiche Alben gehabt. 1988 kommerzieller Selbstmord mit "Spirit of Eden", danach folgte das noch minimalistischere "Laughing Stock" - für viele Fans heute die zwei besten Alben. Und dann der konsequente Schlussstrich. Ich finde das bewundernswert, jedes Album war eine Weiterentwicklung.

(Ich labere zuviel, wenn ich erstmal in Schwung komme - sorry ;D)

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Bei den Rolling Stones war es so. Nachdem sie 1963 mit ihren ersten Hits "Time is On My Side", "It's All Over Now" und anderen einen kleinen Bekanntheitsgrad erreichten, wurden sie besser und besser. Ihre Bestphase fand dann in den Jahren 1968 - 1972 statt, in der sie mit 4 "Kaufrausch"- Alben hintereinander glänzten. Eines davon war "Sticky Fingers". Hieraus ist im Video die Nummer "Sway" zu hören.

Nach dem letzten großen Album "Exile On Main Street" ließ allerdings der große Erfolg nach. Zwar waren sie immer noch relativ erfolgreich und versuchten sich auch immer wieder den neuesten Musiktrends anzupassen, aber das, was man an den Stones ursprünglich so liebte, blieb immer mehr auf der Strecke.

Aber Hut ab, dass sie bis heute durchhalten und sich ein Ende immer noch nicht abzeichnet.

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Da fällt mir spontan "Queen" ein, die auch dank ihres Sängers Freddie Mercury immer besser wurden. Seit seinem Tod ist es aber mehr oder weniger ruhig um sie geworden.

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Kraftwerk haben sich permanent weiterentwickelt und mit dem Album "The Mix" auch ein neues, jüngeres Publikum erreicht.

Irgendwann haben sie dann aufgehört, ohne vorher in Erfolglosigkeit zu versinken.

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Pantera.

Ich höre die zwar nicht, kenne aber deren Werdegang von der ehemaligen Föhnfrisur-Band zur groove-lastigen Neo-Thrash-Metal-Combo.

Ministry hatten auch 'ne interessante Entwicklung hinter sich. Vom SynthPop zum Industrial Metal.


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Front Line Assembly fallen mir gerade ein. Die entwickelten sich von blutigen Dilettanten zu ernstzunehmenden Sampling-Perfektionisten. Besonders hervor stechen meiner Meinung nach die Alben Millennium und Hard Wired.

Später versuchten sie sich sogar an Drum 'n' Bass:

So genau lässt sich das aber nicht bestimmen, da gerade Bands, die schon 30 Jahre oder länger im Geschäft sind, wie z.B. Depeche Mode und Kraftwerk, nach einer qualitativen Steigerung und mehrjährigen Erfolgsphase irgendwann an Biss und Qualität einbüßen. Dieser Prozess ist unaufhaltsam.

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Da fallen mir sofort Deep Purple u. Lynyrd Skynyrd ein. Deren letzten Alben sind verdammt gut. Leider haben sie nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen, da man diese Bands, dank der Medien, nur auf ihre erfolgreichere Vergangenheit beschränkt.

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