Gibt es auf dem Jupiter mehr Sonnenfinsternisse als auf der Erde?

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4 Antworten

Gibt es auf dem Jupiter mehr Sonnenfinsternisse als auf der Erde?

Ja.

Wie du vermutlich weißt, müssen Sonne, Mond und Planet in einer geraden
Linie stehen, damit es zu einer Sonnenfinsternis kommt. Dies geschieht
umso häufiger, je näher der Orbit des Mondes an der Bahnebene des
Planeten liegt.

Liegen beide Bahnebenen übereinander (0° Inklination), kommt es bei jedem Neumond zur Sonnenfinsternis, und bei
jedem Vollmond zur Mondfinsternis. Liegen die beiden Bahnebenen in einem
90° Winkel zueinander, kommt es niemals zu einer Verfinsterung. Bei
Werten dazwischen kommt es unterschiedlich häufig zu einer
Verfinsterung, je nachdem, wie hoch oder niedrig der Wert liegt.

Beim Erde-Mond-System beträgt diese Inklination etwa 5°; deshalb haben wir
nicht bei jedem Neumond Sonnenfinsternis, sondern entsprechend seltener,
und zwar immer dann, wenn Neumond ist, und die Mondbahnebene und
Ekliptik (Erdbahneben) sich schneiden.

Beim Jupitersystem besitzen die Bahnebenen der galileischen Monde fast exakt 0° Inklination, weshalb es bei jedem Neumond zu Sonnenfinsternissen kommt. Bemerkenswert hierbei ist nicht nur, dass 4 statt nur einem Mond ist,
sondern dass sie aufgrund der enormen Masse des Jupiters auch sehr viel
schneller um diesen kreisen als der Mond um die Erde.

Die Umlaufdauer der einzelnen Monde beträgt:

Io: 1,77 Tage

Europa: 3,55 Tage

Ganymed: 7,16 Tage

Kallisto: 16,69 Tage

Folglich finden in diesen Zeiträumen auch jeweils eine Mond- und
Sonnenfinsternis pro Mond statt. Oder anders ausgedrückt, totale
Sonnenfinsternisse finden wenigstens alle 2 Tage auf dem Jupiter statt!

Bemerkenswert ist auch, welche Eigenschaften der Sonnenfinsternisse sich durch die Konstellation zwischen Sonne, Jupiter und Mond ergeben. Entgegen der Behauptung von teutonix1 ist nämlich die Entfernung zwischen Sonne und
Jupiter keine Einschränkung für die Häufigkeit einer Sonnenfinsternis,
sondern ein Bonus. Mit zunehmender Entfernung schrumpft nämlich die
scheinbare Größe der Sonne.

Als Folge erhöht sich damit nichtnur die statistische Häufigkeit (die in diesem Fall irrelevant ist, da die Inklination ja beinahe 0° beträgt) sondern auch die statistische Dauer. Aufgrund der Nähe zu Jupiter kann eine von Io verursachte
Sonnenfinsternis rund  9 Minuten (totale Phase) betragen - erheblich
länger als die meisten Finsternisse auf der Erde.

Dies kommt daher, dass die Sonne auf Jupiter nur rund 6' (Bogenminuten) groß ist, während sie auf der Erde eine scheinbare Größe von rund 32' besitzt. Io besitzt dabei eine scheinbareGröße von 36', während der Mond hier auf
der Erde zwischen 31,5' und 32,5' groß ist. Noch interessanter wird das
ganze dadurch, dass Io eine beinahe 17x höhere Bahngeschwindigkeit hat,
als der Mond - wäre Jupiter leichter, könnten dort Sonnenfinsternisse
mit mehreren Stunden Dauer stattfinden.

Wichtig ist daher auch, wie groß die Monde am Himmel des Planeten erscheinen. Io ist am nächsten, weswegen sie am größten ist. Die anderen Mond sind aufgrund ihrer größeren Distanz erhlich kleiner am Himmel. Da mit der Distanz am Himmel auch die Bahngeschwindigkeit und die scheinbare Größe abnehmen, sind sowohl die Häufigkeit als auch die Dauer der Mondfinsternisse erheblich kürzer. Io bietet deshalb die eindrucksvollsten Finsternisse.

Anzumerken ist noch, dass auch die Größe des Jupiters sich nicht negativ auf die statistische Häufigkeit einer Sonnenfinsternis auswirkt. Je größer ein
Planet, und damit seine Fläche ist, desto größer ist auch der
Querschnitt, mit dem eine Sonnenfinsternis stattfinden kann.

Jedoch ist auch dies im Falle des Jupiters unerheblich, da die Inklination der
Mondbahnen so gering ist. Die statistische Häufigkeit (einer totalen
Sonnenfinster) steigt, je geringer die Inklination ist; je näher der
Mond dem Planeten ist, je ferner das System zum jeweiligen Stern ist und
je größer Mond und Planet sind und umso kleiner der Stern.

Was die übrigen 60+ Monde des Jupiter angeht, so sind diese meistens sehr
klein, fern des Planeten und auf Bahnen mit teilweise extremer
Inklination. Sie sind daher für Sonnenfinsternisse praktisch
bedeutungslos. Ausnahmen davon sind die inneren Monde Metis und
Adrasthea, deren Orbits sich noch innerhalb der Bahn von Io befinden,
und welche daher mit extremer geschwindigkeit über den Himmel des
Jupiter rasen.

Aufgrund ihrer geringen Größe verursachen sie dabei ringförmige Mikrofinsternisse, deren Dauer nur wenige Sekunden
beträgt. Metis hat am Jupiterhimmel nur rund ein achtel des
Sonnendurchmessers, die verfinsterung ist praktisch nicht zu erkennen.
Mit einem Sonnenteleskop könnte man allerdings sehen, wie die schwarze
Scheibe vor der Sonne entlanghuscht.

Metis als innerster Mondhat übrigens eine Bahngeschwindigkeit von ungefähr 31,6 km/s, die Verfinsterungen finden daher ca. alle 7 Stunden statt. Ringförmige Sonnenfinsternisse gibt es also täglich auf dem Jupiter, obwohl dort einTag nur 10 Stunden dauert.

So , bin fertig. Ich hoffe, das war ausführlich genug. LG, NA

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In Anbetracht der Relationen zu seiner Entfernung zur Sonne, den Durchmessern seiner grössten Monde und ihrem jeweiligen Abstand zum Mutterplaneten wird es durchaus sein, zumindest schon mal wirklich häufiger in einigen Gebieten sogar "totale SoFis" zu sehen.

Beim Jupiter würde man sie dann aber nur an der oberen Grenze seiner Wolkenschicht erkennen.

Daher prinzipiell : ja.

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Andererseits ist er aber auch ein ziemliches Stück grösser als die Erde und auch weiter weg von der Sonne, daher ist es für die Monde sehr viel schwieriger, die richtige Position zu "treffen".

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Ich denke schon, man könnte sie aber nicht sehen wegen den dichten Wolken und der fehlenden festen Oberfläche.

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