Gibt es auch affen die sich prostituieren?

7 Antworten

Man hat u. a. beim Bonobo (Pan paniscus) beobachtet, dass Weibchen sich Futter "erschleichen" im Austausch für sexuelle Gefälligkeiten. Wenn ein Männchen sich Futter gesichert hat, kommt es oft vor, dass ein Weibchen Sex mit diesem Männchen hat und danach das Weibchen unbehelligt von der Nahrung fressen darf.

Mit Prostitution im eigentlichen Sinn hat das, wie der Verhaltensforscher Frans de Waal ausdrücklich betont, aber nichts zu tun. Es geht dabei viel eher um das Abbauen bzw. das Vermeiden von sozialen Spannungen innerhalb der Gruppe. Hinter der Praktik "Futter-gegen-Sex" steht also nicht die Absicht, für die erbrachte sexuelle Leistung eine "Bezahlung" zu erhalten (was ja die Definition von Prostitution ist), sondern es geht dem Weibchen viel eher darum, das Männchen zu besänftigen, sodass es eher dazu bereit ist, ihm einen Teil der Nahrung zu überlassen. Andernfalls würde es aggressiv reagieren und sein Futter vehement gegen das Weibchen verteidigen.

Durch Sex lösen Bonobos aber nicht nur Konflikte ums Futter, sondern alle möglichen Spannungen innerhalb der Gruppe. So praktizieren sie etwa nach einem Streit "Versöhnungs-Sex". Übrigens nicht nur zwischen Männchen und Weibchen, sondern durchaus auch zwischen gleichgeschlechtlichen Artgenossen, weshalb Bonobos praktisch durchweg bisexuell sind. Besonders häufig wird etwa zwischen den Weibchen das genito-genitale Reiben (gg rubbing) beobachtet, zwischen Männchen kommt so genanntes Penisfechten (penis fencing) vor. Diese friedfertige Art und Weise der Konfliktbewältigung ("make love, not war") brachte den Bonobos daher auch den Spitznamen Hippie-Affen ein.

Männliche Schimpansen (Pan troglodytes) gehen häufig in Gruppen auf Jagd und es wurde beobachtet, dass sie das erbeutete Fleisch oft mit Weibchen teilen, mit denen sie nicht verwandt sind. Eine Erklärung für dieses altruistische Verhalten ist die meat-for-sex-Hypothese. Sie besagt, dass Männchen Fleisch mit Weibchen im Austausch gegen Sex tauschen. Auf diese Weise könnten die Männchen sich Vorteile beim Paarungserfolg verschaffen und die Weibchen könnten von der Kalorienzufuhr durch das Fleisch profitieren, ohne dabei die Kosten der Jagd zu tragen. Um die meat-for-sex-Hypothese zu testen, untersuchten 2009 Cristina Gomes und Christophe Boesch vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig eine Gruppe von Schimpansen im Tai-Nationalpark an der Elfenbeinküste. Sie stellten dabei fest, dass Weibchen häufiger mit Männchen kopulierten, wenn diese mit ihnen in den letzten 22 Monaten Fleisch geteilt hatten. Einen unmittelbaren Austausch von Sex gegen Fleisch konnten sie allerdings nicht dokumentieren. Ob es sich hier also um eine echte Form von Prostitution (oder, wissenschaftlich genauer, transactional sex) handelt, ist damit nicht eindeutig belegt. Es könnte durchaus sein, dass die Weibchen auch deshalb mit diesen Männchen kopulieren, weil sie als bessere Jäger erscheinen und damit potentiell besseren Nachwuchs garantieren können.

Stephen J. Dubner und Steven D. Lewitt berichteten 2005 in der New York Times von einer Begebenheit, die sich in einer Versuchsgruppe von Kapuzineraffen (Cebus) am Yale-New Heaven Hospital zugetragen hat. Die Forscher brachten dort den Affen bei, Früchte im Austausch mit Münzen zu "bezahlen" und beobachteten eines Tages, dass ein Kapuzineraffe bei einem anderen eine Münze gegen Sex eintauschte, um sich damit bei dem Versuchsbeobachter eine Frucht zu "erkaufen", der vielleicht erste dokumentierte Fall, bei dem ein nichtmenschlicher Primat Sex mit Geld gekauft hat. Wohlgemerkt handelte es bei den Kapuzineraffen um trainierte Tiere. Ob es bei ihnen auch in der Natur zum direkten Austausch von Sex gegen Gefälligkeiten (z. B. Früchten) kommt, ist nicht bekannt.

Ob es bei anderen Primaten richtige Prostitution gibt, ist umstritten. Vieles hängt davon ab, was die jeweiligen Beobachter selbst in ihre Ergebnisse hineininterpretieren. Die genannten Beispiele zeigen aber, dass Prostitution durchaus natürlich entstandene Ursachen hat und auf Verhaltensweisen zurückgeht, die auch bei anderen Primatenarten vorkommen.

Quellen

Gomes, C. M., Boesch, C. (2009). Wild Chimpanzees Exchange Meat for Sex on Long-Term Basis, PLoS One 4(4): e5116.

Dubner, S. J., Lewitt, S. D. (2005). Monkey Business, The New York Times, 5. Juni 2005.

Waal, F. de (1991). Wilde Diplomaten. Versöhnungs- und Entspannungspolitik bei Affen und Menschen, Carl Hanser München.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

So was in der Art gibt es wirklich. Zb kommt es bei Schimansen tatsächlich vor das Weibchen für einige Stücke Fleisch Sex mit einen Männchen machen. Fleisch ist bei Schimpansen durchaus eine begehrte Nahrun aber die Männchen sind die Jäger. Es ist schon vorgekommen daß den Weibchen Fleisch für Sex angeboten wurde und sie es auch annahmen. Es war eine Art Bezahlung für Sex . Bei Bonobos wird auch Sex für Nahrung gemacht.

Ja klar! Bei den Bonobos wurde beobachtet, daß es für den Eintausch für ein gefundenes "Lekerli" es auch schnellen Sex geben kann. 😋

Ja das gibt es, gibt es auch ein paar Untersuchungen zu, dort wird es als transactional sex bezeichnet.

Ja, das gibt es - auch bei anderen Tierarten.

Es gibt nebenbei sogar Affen, die von Menschen zur Prostitution gezwungen werden.

Haha wie gehtn das

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@tatishi

Das ist eigentlich weniger lustig... genauso wie es Menschenhandel und Zwangsprostitution gibt, wird das mitunter auch mit Affen gemacht, indem sie von Menschen als Sexsklaven gehalten werden, Affenbordelle eröffnet werden, etc.

Aber ich denke, das war nicht deine eigentliche Frage, du meintest ja die (auch stattfindende) Prostitution zwischen Affen untereinander.

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