Ggeschichtliche Fragen-Thema:Kulturelles Erbe des Imperium Romanum?

1 Antwort

Warum hat das Röm. Wissen im Mittelalter an Bedeutung verloren? Und
wurde dann durch die Renaissance und Humanismus wiederentdeckt?

Was ist denn mit "Röm. Wissen" konkret gemeint? Hat es denn tatsächlich "im Mittelalter an Bedeutung verloren?"

Für Details ist hier wenig Platz. Daher nur soviel: das Wissen der Römer auf einer ganzen Reihe von Gebieten ist - bereits in römischer Zeit in Vergessenheit geraten! Das hatte mit den politisch-wirtschaftlichen, aber auch mentalen Veränderungen seit dem 3. Jh. n. Chr. zu tun. Allerdings gab es auch neues Wissen, das sich im Römischen Reich verbreitete und das Mittelalter prägte: ich meine die christliche Philosophie und Theologie, die seit der Entstehung einer Reichskirche und der zunehmenden Christianisierung des Römischen Reiches in der Spätantike sowohl Politik als auch Wirtschaft und die Menschen beeinflussten und dann im Mittelalter zur bestimmenden Macht wurde, der sich auch die weltlichen Bereiche unterzuordnen hatten.

Die Kirche, die Bistümer und nicht zuletzt die Klöster haben einen Großteil des vorchristlichen römischen Wissens bewahrt. Das Christentum war wegen der Bibel eine Schriftkultur, und zwar im Bereich des ehem. weströmischen Reiches eine lateinische. Um die Sprache zu lernen und sich geistig auseinanderzusetzen, wurden insbesondere von Geistlichen und Mönchen immer auch heidnische römische Autoren gelesen und interpretiert. Die in der Spätantike vorhandenen bzw. geschriebenen Handschriften wurden wieder und wieder abgeschrieben und in Bistums- und Klosterbibliotheken aufbewahrt. Die Kirche fußte auf der antiken christlichen Theologie, aber nutzte auch das antike geistig-literarische Wissen ganz praktisch oder gab es an den weltlichen Bereich weiter, sei es für das Bauwesen, die Mühlentechnik, den Wasserbau (insbesondere bei den Zisterziensern), um nur wenige Beispiele zu nennen. Vom römischen Alltagswissen (Technik, Handwerk) blieb vorallem das in Gebrauch, was nützlich war.

Im späten Mittelalter sollte vorallem das geistig-literarische Wissen der Antike wieder allgemein, gerade auch den weltlichen Lebensbereichen wieder zugänglich sein, nicht mehr vornehmlich der Kirche und ihren Vertretern zur Verfügung stehen. Dieses Bedürfnis nach mehr Wissen wurde von den Humanisten befriedigt, die spätestens seit dem 14. Jahrhundert antike Handschriften suchten und vervielfältigten - ihre Arbeit wurde durch den Buchdruck in ganz Europa besonders einflussreich. Diese Besinnung auf antikes Wissen und die Auseinandersetzung mit ihm beeinflusste Wirtschaft, Gesellschaft, Politik usw. in ganz Europa, das antike Erbe wurde nicht mehr nur erhalten, sondern entscheidend fortentwickelt.

warum war das Christentum und antik-heidnusche schriften ein Grund für den bedeutungsverlust?

Das wäre sicherlich übertrieben! Die Kirche kam einem Bedürfnis der Menschen entgegen, das sich in den Jahrhunderten zuvor herausgebildet hatte. Der "Bedeutungsverlust" hatte seine Ursachen vorallem in politischen Rückschlägen und wirtschaftlichen Defiziten. Diese Aussagen treffen vorallem auf das weströmische Reich zu, denn das oströmische (byzantinische) Reich konnte seine hohen kulturellen Standards trotz und mit dem Christentum und der Kirche lange aufrecht erhalten.

Dass die "antik-heidnischen Schriften" negative Auswirkungen gehabt hätten, erschließt sich mir nicht. Wie bereits gesagt, bargen diese Schriften das wesentliche Wissen der Antike und wurden von der Kirche tradiert, auf diese Weise für nachfolgende Jahrhunderte gerettet.

MfG

Arnold

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Ich arbeite als Historiker.

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