GFS zum Thema Selbstbestimmung im Alter im Fach Ethik in der Oberstufe?

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1 Antwort

Lektüre:

https://www.perlentaucher.de/buch/odo-marquard/endlichkeitsphilosophisches.html

Selbstbestimmung im Alter hat zwei Seiten. Einmal die gesundheitliche, die Einschränkungen schärfster Art mit sich bringen kann - ich erlebe das gerade im Bekanntenkreis. Das geht bis zu einem Ausgeliefert sein an Ärzte und Pflegepersonal wie Verwandte. Nun hat der Bundestag dieses Ausgeliefertsein festgeklopft. Die sowieso schon fragwürdige Freiheit der Person - in allen Sonntagsreden wortreich beschworen - hört im Alter endgültig auf. Die Freiheit, selbst aus dem Leben scheiden zu wollen, wenn man dabei auf die Hilfe anderer angewiesen ist, ist weg.

Zum anderen kann man im Alter reden wie einem der Schnabel gewachsen ist. Man muss ja auf niemanden mehr Rücksicht nehmen. Karriere - das ist vorbei. Also, was im Berufsleben so oft der Fall war, der Karriere wegen den Mund nicht aufmachen, das ist vorbei, wir Alten können reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Da müssen sie schon mit dem Spaten kommen. Oder mit Bravregeln, wie bei GuteFrage - obwohl sich das schon gebessert hat. Es bleibt: Man kann rücksichtsloser denken, auch sich selbst gegenüber. Soweit man noch gesellschaftlich mitwirken kann, ist man gefragt, soweit es noch funktionierende Gesellschaft gibt.

Jetzt mal ehrlich: Es gibt keine Philosophen der Vorzeit, die sich mit Problemen des Alterns in unserer heutigen Problematik befassen konnten. Zwar sind selbst in der Antike viele Philosophen ungewöhnlich alt geworden - gemessen an der Durchschnittsterblichkeit ihrer Zeit - aber nicht unter unseren Bedingungen mit Herzschrittmacher, Bypässen usw. und Unmassen von Tabletten. Wir Alten heute sind Kostenfaktoren und einige zittern - soweit sie das oben noch checken - dass die Gesellschaft das noch finanziel durchhält. Altenheime schießen wie Pilse aus dem Boden. Bald gibt es mehr Altenheime als Kindergärten. Ich bin für die Bevorzugung der Kindergärten im Gegenzug dazu, dass man uns Alten wieder das Recht zurückgibt, würdig aus dem Leben scheiden zu können, wenn wir meinen, dass es genug sei. An alle notorischen Fremdbestimmer: Ich brauche keinen Aufpasser und Besserwisser!

Was bedeutet Freiheit der Entscheidung, wenn man nicht mehr mitbekommt, wer einem überhaupt den Allerwertesten (hier stand ursprünglich was anderes, aber das ist für GF nicht "fein" genug, wenn auch die nacke Wahrheit!) abwischt. Wenn man mit dem Besteck alles über den Tellerrand scharrt, weil man wieder mal vergessen hat, dass man gefüttert werden muss. Was ist begehrenswert an einer Freiheit, ob man bitten darf, dass einem die Schnabeltasse von links oder von rechts gereicht wird. Mit viel Glück hat man noch die Fähigkeit, das Hörgerät auszuschalten, weil man dann nicht ständig das Gejammer einiger demenzkranker Mitbewohner hören muss. Was ist das für eine Freiheit, wenn der Terminplan der Tabletteneinnahme und Arztbesuche schlimmer ist als der Stundenplan früher in der Schule. Freiheit wäre, wenn man selbst entscheiden kann, wann man sich von diesem aussichtslosen Betütteltwerden ein für alle mal lossagen kann.

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Kommentar von Osterei1
30.03.2016, 11:31

Danke für die Antwort.

Also es müssen keine Philosophen aus der antike oder so sein, heutzutage gibt es ja immer noch welche. Und es soll auch nicht um Sterbehilfe direkt gehen, damit hatte mein Praktikum nämlich nichts zu tun. Ich habe gedacht, vielleicht eher so in die Richtung was man tun kann um möglichst lange nach dem eigenen Willen zu leben so mit Patientenverfügung oder so was?

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