Gewissensfrage Vater hat Krebs?

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8 Antworten

Dein Vater, der ja, wie du sagst, Alkoholiker ist, verhält sich genauso, wie sich ein Alkoholiker verhält, der seinen Willen durchsetzen will.

Auch ich - Alkoholiker und knapp 29 Jahre trocken - habe Menschen um ihre Zuwendung erpresst. Meiner Freundin in Frankreich, die sich aufgrund meiner Sauferei von mir trennen wollte, sagte ich, ich telefoniere aus dem 5. Stock meiner Hochhauswohnung und stehe mit einem Bein schon in den Blumenkästen des Balkons. Sie hat sich natürlich nicht getrennt.

Andererseits habe auch ich geglaubt, alle möglichen finalen Krankheiten zu haben. Auch das gehört zum Alkoholismus.

Sag dem Menschen, du besuchst ihn, aber nur zusammen mit einem Krebsspezialisten. Dann wirst du schon sehen, wie er sich über deinen Besuch "freut" und welche Ausreden er findet.

Biete ihm an, ihn zu einer Entgiftung zu begleiten. Dann wirst du ihn in der Entgiftung oder in der darauf folgenden Therapie sicher zu besuchen.

Wenn ihm Ernst ist, wird er darauf eingehen. Wenn er nur einen Besuch erpressen will, dann nicht.

Guten Erfolg. Und: falls er euch nur sehen will, und besoffen ist, dann kannst du dir diesen "letzten" Anblick und die damit verbundene Erinnerung gut sparen.

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Ehrlich gesagt ist es mir gleichgültig ob er stirbt oder nicht, ich sehe ihn nur noch als "Erzeuger".

Mach dir nichts vor - wenn er dir egal wäre, würdest du hier keine Romane schreiben!

Natürlich ist es deine Entscheidung - aber ich würde hingehen. Nicht, weil du es IHM schuldig bist, sondern weil DU es brauchst. DU hast noch nicht mit ihm abgeschlossen. Es geht nicht um Abrechnungen oder vergeben und vergessen, sondern darum, dich nicht vor einer letzten (?) Begegnung zu drücken...

Was auch immer vorgefallen ist - du wirst nicht mehr viele Chancen haben, mit ihm darüber zu sprechen. Natürlich gibt es keine Garantie, dass ihr euch vernünftig unterhalten könnt - aber wenn du hingehst, hast du es zumindest versucht und musst dich später nicht immer wieder fragen, was wohl gewesen wäre, wenn...

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Kommentar von zeromus
05.03.2016, 12:53

Ich will einfach nur keine Schuld tragen wenn jemand unglücklich stirbt... Er will mich und meine Geschwister nochmal sehen. Gleichgültig ist er mir, das ist aber so ähnlich wie wenn man auf der Straße belästigt wird und Hilfe ruft. Erst wenn man direkt angesprochen wird fühlt man sich ertappt und muss handeln.. Blöder Vergleich sorry!

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Kommentar von Seanna
05.03.2016, 13:18

Die Schuld trägt er wohl alleine durch sein Verhalten. Und sein "Leidensdruck" hat sich wohl auch erst so ausgewirkt seit er weiß dass er stirbt. Vorher sah es offenbar keine Veranlassung sich soweit zu ändern dass seine Kinder vllt wieder Kontakt möchten. Meiner Meinung nach ist das keine Einsicht oder Reue sondern simple Panik allein zu sterben oder vor "schlechtem Karma" oder wie auch immer man es nennt.

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Ich denke, es geht nicht um sein Glück oder Chancen geben. Wenn du damit abgeschlossen hast, lass es. Entscheide für dich, ohne die Voraussetzungen wie "er hat Krebs und ist in einer bedauernswerten Lage" etc.

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Nun ja. Dass Alkoholismus eine der übelsten Familienkrankheiten darstellt hast Du am eigenen Leib reichlich erfahren wie Du schilderst. 

ABER Du hast damit Deinen Frieden machen können. Deshalb würde ich hingehen. 

Ok. Ich lese weiter aus Deinen Ausführungen dass sich Dein Vater Krebs angesof fen hat. Diese Annahme lässt sich auf jeden Fall unterstellen angesichts heutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse. Und wie es scheint hat er bis heute nicht die Gnade erfahren aus seiner chronischen Erkrankung aussteigen zu können / sie zum Stillstand bringen zu können. Solche Unglücklichen gibt es. Es scheint als sei es nicht ihre Schuld sondern als seien sie so geboren. 

Persönlich würde ich hingehen und versuchen ihm zu vermitteln dass ich ihm seine schwere Erkrankung nicht vorwerfe. Ich würde aber auch versuchen deutlich zu machen dass ich ansonsten keinen Wert auf weitere Kontakte lege. Und dann würde ich ihm Psalm 23 in der Du-Form als Segenswunsch da lassen. Also: Der Herr sei Dein Hirte.....

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Wenn ich an deiner Stelle wäre, wurde ich ihn schon besuchen. Wenn du währenddessen merkst, dass es dir nicht guttut, kannst du immer noch gehen. 

Vielleicht hilft es dir, auf alle Fälle aber wirst du dir nie Gedanken machen müssen, was wohl gewesen wäre, wenn du ihn noch einmal gesehen hättest...

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Es scheint dich ja doch nicht so kalt zu lassen, sonst hättest du diese Frage nicht gestellt. Um dir bei deiner Entscheidungsfindung zu helfen, solltest du dir folgende Fragen selber stellen und beantworten:

1. Fühle ich mich besser, wenn ich ihm seinen letzten Wunsch erfüllt habe?

2. Wenn die Geschichte gelogen ist und ich trotzdem hinfahre, werde ich mich dann darüber ärgern?

3. Wenn er irgendwann stirbt, werde ich mich dann fragen, ob ich ihn besser nochmal besucht hätte?

4. Ist es mir egal, dass ich mich vor seinem Tod nicht mehr mit ihm versöhnt habe?

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Kommentar von zeromus
05.03.2016, 12:51

Das bei Punkt 3 trifft zu. Er ist mir gleichgültig.  Aber dennoch bin ich zu weich wenn jemand genau MICH nochmal sehen will kurz vorm tod. Danach habe ich ein schlechtes Gewissen weil ich ihm seinen letzten Wunsch verwehrt habe.

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Kommentar von Seanna
05.03.2016, 13:19

Sorry aber.... SCHWEIGEPFLICHT!

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Du bist ihm nicht's schuldig, weil er Krebs hat und im Sterben liegt. Hört sich womöglich hart an, alkoholkranke Menschen zerstören Familien. 

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Kommentar von zeromus
05.03.2016, 12:49

Sehe ich auch so...ich will damit eigentlich nichts mehr zu tun haben.. :x

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Wenns geht bittet euch um Verzeihung.
Hab auch nich gedacht, dass man sich Vorwürfe irgendwann macht.
Also tust du dir den Gefallen.

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