Gewandung/Tracht einer Hebamme um, 1300

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2 Antworten

Mieder haben in mittelalterlicher Kleidung nichts verloren, erst mit dem beginnenden 16. Jh. gibt es die ersten Unterwäschestücke, die dem Einschnüren des Oberkörpers der Frau dienen. Bis dahin ist die Kleidung entweder lose sitzend oder eine geringfügige Veränderung der Figur wird durch Schnürung körpernaher Oberkleidung bewirkt, ggf. auch durch entsprechend geschnittene Unterwäsche; mehr als ein sachtes Anheben und Stützen der Brust ist da aber kaum drin.

Um 1300 spielt das alles aber keine Rolle, denn da besteht die Kleidung der Frau v.a. aus einem leinernen Unterhemd (nicht im Sinne heutiger kurzer Hemden, sondern im Sinne eines längeren, kleidartigen Kleidungsstücks) und einem langen, wollenen Kleid, ggf. noch einem weiteren, ärmellosem Überkleid. Als Kopfbedeckungen dienten verschiedene Schleier- und Gebendeformen.

Mit einer speziellen "Tracht" für Hebammen ist nicht zu rechnen, regulierende Kleiderordnungen kommen erst im Lauf des 14. Jh. auf und selbst da geht es mehr um soziale Stände und die Eindämmung der Zurschaustellung übermäßigen Luxus.

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Zu vermuten wären ein Hemd, grobe Röcke und wollene Umschlagtücher, denn es gibt keine genaue Überlieferung, siehe hier :

"Generell weist die Betrachtung der Bekleidung dieser Zeit systembedingt Fehler auf. An Darstellungen (Malerei & Skulptur) überwiegt deutlich der adlige Bereich, Darstellungen der niederen Stände sind weniger häufig. Die Abbildungsqualität ist bis Ende des 14. Jahrhunderts noch recht schlecht, es tritt bis dahin kein realistischer Abbildungsstil auf. Kleidungsstücke, die diese Zeit überdauert haben, sind oft nur sehr spezielle Krönungs-, Kleriker- oder Heiligengewänder, welche in Schatzkammern und als Reliquien die Zeit überdauert haben."

http://de.wikipedia.org/wiki/Kleidung_im_Mittelalter

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Kommentar von Jerne79
16.07.2013, 18:02

Nur weil die Quellenlage nicht so sonderlich ist, heißt das nicht, daß man die Lücken mit Fantasie füllen kann und trotzdem etwas historisch korrektes erhält.

Insbesondere Röcke im Mittelalter sind ein fataler Irrglaube. Die Quellen mögen vielleicht bei den Details lückenhaft sein, aber wer vernünftig recherchiert und neben den kritisch zu betrachtenden Bildquellen (auch genannt Quellenkritik) auch mit den wenigen erhaltenen Kleidungsstücken befasst, kommt deutlich weiter als a) der verkürzte, hier falsch interpretierte Wikipedia-Absatz Glauben macht und b) "grobe Röcke".

@ "grob": Was an Textilfunden und "Werkzeugen" zur Textilproduktion bekannt ist, zeigt eines sehr deutlich: Die heutige Vorstellung vom groben, sackleinenartigen Stoff, "weil die das nicht besser konnten" liegt meilenweit neben der historischen Realität.

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