Gespaltene Persönlichkeit, wie fühlt es sich an und wie erkennt man es?

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Hallo Lenchan,

Der Fachbegriff für Gespaltene Persönlichkeit ist: Dissoziative Identitätsstörung (früher auch Mulitple Persönlichkeitsstörung).

Eine DIS (Dissoziative Identitätsstörung) zeichnet sich dadurch aus:

  • Vorhandensein Mehrerer unterscheidbare Persönlichkeitszustände
  • Gefühl von Zeitverlust
  • Dissoziation (=Abspaltung) : Amnesie, Fugue, Depersonalisation, Derealisation, Dissoziative Krampfanfälle........
  • Unfähigkeit sich an Persönliche Informationen zu erinnern

Wie entsteht eine solche Störung ?

Die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) entsteht in der Kindheit
durch schwerste Traumatisierungen (Folter, Sexueller Missbrauch......)
Wir Menschen haben in solchen Ausnahmesituationen nur 2 Möglichkeiten:

kämpfen oder flüchten. Wenn beides nicht möglich ist Erstarren wir.  Wir Spalten das Geschehene ab, flüchten nach innen (Dissoziation).

In diesen Momenten entsteht die DIS.

Gehen wir von sexuellem Missbrauch aus:

Anna wird vom Vater beim wickeln sexuell missbraucht. Anna merkt,dass im
Popo irgendetwas drin ist, was weh tut. Anna fängt an zu weinen. Dann gibt der Vater dem Kind eine Backpfeife. Jetzt weiß das Kind, dass es still halten muss. Die Schmerzen sind unerträglich und das Kind ist unterlegen, es kann weder flüchten noch kämpfen. Folge: Es erstarrt. In dem Moment teilt Anna
unterbewusst  ihre Grundpersönlichkeit in 2 Aspekte:

Sabrina
Anna

Während der Missbrauch stattfindet verschwindet Anna in eine Art
„Traumwelt“ und bekommt nichts mit von dem Missbrauch, denn dafür wurde
Sabrina jetzt geschaffen, damit Anna diese Schmerzen u.s.w. Nicht
ertragen muss.

Nach dem „wickeln“ kommt Anna wieder zum Vorschein und weiß von nichts mehr.

Ab diesem Punkt an wird Anna (Host) in der Zukunft durch Windeln
getriggert (trigger = Auslösereiz). Das heißt, das windeln (wegen dem
wickeln) sie an das Psychotrauma erinnert und das Gehirn unterbewusst
denkt „der missbrauch findet wieder statt, Sabrina muss nach vorne“ für
diese Zeit hat Anna dann eine Amnesie (Dissoziative Amnesie)

Es teilen sich also nicht mehrere „Personen“ einen Körper, sondern
die Grundpersönlichkeit ist in mehrere Aspekte, Ego States, Schemata
dissoziiert.

Ist eine DIS Angeboren ?

- Nein

Gibt es Unterschiedliche DIS Typen ?

- Jaein. Von dem Grundmodell, wie oben beschrieben, ist es immer das gleiche Prinzip. Hier ist wichtig zu erwähnen, dass jeder abgespaltene Persönlichkeitsaspekt ein Eigenleben führen kann eben "wie" eine neue, ganz eigenständige Persönlichkeit:

  • Eigene Vorlieben 
  • Eigene Weltansicht
  • Unterschiedliche Alter 
  • u.s.w.

Jede entstandene Persönlichkeit hat eine eigene Funktion und hat in der frühen Kindheit zum Überleben gedient. Viele sprechen dann von einem volkommenen System.

Die Dissoziative Identitätsstörung hat viele Unterformen:

  • Ego-state-Disorder
  • Dissoziative Störung nicht näher Bezeichnet.

Komorbid treten sehr oft Persönlichkeitsstörungen, Depressionen, Angstsörungen und Komplexe Posttraumatische Belastungsstörungen auf.

Behandlung:

-Diese Störung ist sehr gut zu behandeln. Ziel ist es, die Abgespaltenen Anteile zusammenzufügen, sodass immer mehr eine Einheitliche Person zu erkennen ist. Kompliziert wird es dann, wenn person A nichts mit Person B zutun haben möchte, was die Behandlung erschwert. Die traumatischen Erlbenisse werden versucht zu integrieren und aufzuarbeiten. Es wird darauf hinausgearbeitet, dass keine Amnesien im Alltag mehr auftreten, sodass ein möglichst, symptomfreies Leben ermöglicht wird.

Kann man eine solche Störung im Alltag erkennen ?

Dies ist sehr schwierig, da Betroffenne perfekt an ihr Umfeld angepasst sind und daher sehr unauffällig sind. Wenn man sich aber sehr intensiv mit einer Person beschäftigt und diese eine solche Störung hat, dann wird man es unter Umständen schon bemerken.

LG
Stevengrey

-

    

Vielen lieben Dank für diese ausführliche Erklärung :) Sie hat mir sehr weitergeholfen

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@Lenchaan

Gern. Wenn du Rückfraagen hast, kannst du dich einfach nochmal per Nachircht an mich wenden :)

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Und du, stevengrey, wunderst dich, warum ich dich, einen 18-jährigen, der wahrscheinlich beruflich nichts mit diesem Thema zutun hat, und noch Schüler ist, als intellektuell ansehe?
Man merkt alleine, an deinem Schreibstil, dass du was auf dem Kasten hast. Soweit ich weiß, bist du zwar selbst davon betroffen, was dein gesamtes Wissen darüber erklärt, jedoch, würde niemals ein Mensch, der keinen (meiner Meinung nach, höchstwahrscheinlich) überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten besitzt, solch eine Art zu schreiben aufweisen.
Bitte bring dich nicht um, du hast Potenzial!

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puuhhh... das sind ja alles (schwere) medizinische fragen. kauf dir ein psychiatr. lehrbuch

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