Geschwindigkeitsmessung durch "Blitzer" gibt gemäß Aufdruck auf dem Beweisfoto 91 km/h an, obwohl nur 70 km/h gefahren wurden - Wie kann das sein?

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5 Antworten

Hallo!

Ich gehe jetzt nicht auf die rechtlichen Aspekte ein, nur die technische Seite:

  • Die Messung solcher Geräte beruht auf der Laufzeitmessung eines ausgesendeten Signals bis zu seinem Wiedereintreffen beim Messgerät.
  • Auf Grund dieser Laufzeit kann die Entfernung des Objekts zum Messgerät zum Zeitpunkt X berechnet werden.
  • Um die Geschwindigkeit des Objekts zu ermitteln, sind daher mindestens zwei kurz aufeinanderfolgende Abstandsmessungen notwendig.
  • Aus der Differenz der Abstände und dem durch das Messgerät bestimmten Zeitintervall der beiden Messungen kann jetzt die Geschwindigkeit ermittelt werden.

So weit, so gut. Was passiert in der Praxis? Ich gehe einmal davon aus, dass das Gerät kalibriert und geeicht war.

In der Praxis habe ich aber idR drei verschiedene Fälle der Messung, die eingestellt werden müssen am Gerät:

  • Messung in der Achse von vorne (Objekt nähert sich dem Messgerät)
  • Messung in der Achse von hinten (Objekt entfernt sich von Messgerät)
  • Seitliche Messung (Messung unter Berücksichtung des Messwinkels zum Fahrzeug)

Bei der letzten Messmethode müssen die Abstände trigonometrisch berechnet werden, da sonst keine brauchbaren Ergebnisse vorliegen. Das bedeutet, der Messwinkel zum Objekt muss in der Berechnung mit einfliessen oder das Ergebis wird tabellarisch - je nach Messwinkel und Abstand - mit einem Faktor beaufschlagt.

Ich kann es mir nur so erklären, dass das Messgerät auf seitliche Messung eingestellt war - zB vom letzten Einsatz her, oder eben falsch bedient wurde - hier aber frontal gemessen wurde und dadurch falsche Messwerte berechnet worden sind.

Du dürftest nicht der einzige mit einem Einspruch gewesen sein und daher haben sie das Verfahren eingestellt, da sie wahrscheinlich an Hand ihres Messprotokolls das falsche Setup des Messgeräts erkannt haben dürften.

Schreiben können sie das natürlich nicht, dass es eine Fehlmessung war.

LG Bernd

Wenn sie das Verfahren eingestellt haben, haben sie wohl Zweifel am korrekten Aufstellen des Gerätes bzw. an der richtigen Funktion. Nur weil jemand behauptet: "Ich bin aber nur 70 gefahren", wird nix eingestellt. Da kommt ja jedesmal einer mit dieser Begründung um die Ecke. Deshalb die schöne Begründung mit den Opportunitätsgründen.

auf dem das Auto mit uns vier Insassen zu sehen war

ob du nun wirklich 70 km/h gefahren bist oder doch über 90, kann ich nicht beurteilen. Wenn dir als Fahrzeugbesitzer so ein Bild mit allen Insassen vorgelegt wurde, dann ist das schon ein Verstoß gegen den Datenschutz.

Möglicherweise ist das der Grund, dass dieser Vorgang nicht weiter verfolgt werden darf. Ob das in Österreich auch so ist, weiß ich nicht, denkbar ist es aber.

Auch ich als Fahrzeughalter habe mal ein Bild bekommen. Darauf war meine Frau als Fahrerin zu sehen. Obwohl ich auf dem Beifahrersitz gesessen haben, war dieser Platz geschwärzt, so dass niemand erkennen konnte, dass dort überhaupt jemand gesessen hat. Auch eine Behörde ist nicht berechtigt, bei der Verkehrsüberwachung auch noch Detektiv-Arbeit in Sachen Ehebruch zu leisten.

Diese Messgeräte haben eine gewisse Ungenauigkeit aber da werden auf dem Strafzettel schon mal ca 5kmh Toleranz abgezogen. Das dein Tacho kaputt ist halte ich auch für unwarscheinlich. Normalerweise geben Tachos immer etwas höhere Werte aus.

ErnstPylobar 27.08.2015, 20:28

Hier bin ich aber 70 km/h gefahren, habe drei Leute im Auto, die das bestätigen würden, wir haben es vorher blitzen gesehen, wir haben das Blitzgerät gesehen, wir haben das Behördenauto auf dem Feldweg gesehen usw., und dennoch werden 91 km/h statt 70 km/h gemessen, das sind 21 km/h Unterschied. Als Toleranz wurden nur 3 oder 4 km/h abgezogen, das weiß ich jetzt nicht mehr.

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Die wollten dich abzocken und schauen ob´s klappt und du ohne Widerrede bezahlst.

Da du Einspruch eingelegt hast und die wahrscheinlich keine gültigen Beweise vorlegen könnten im Fall einer gerichtlichen Auseinandersetzung haben die schnell unter Angabe dieses Grundes den Rückzieher gemacht.

ErnstPylobar 27.08.2015, 20:36

Das ist das, was Deutsche, die nach Österreich kommen, über die hiesige Polizeimentalität bei Geschwindigkeitsmessungen behaupten. Dass sowas in Deutschland selbst auch vorkommt, war mir bei meinem genetisch bedingten Vertrauen in unser Nachbarland (mein Vater war aus Köln) bisher nicht vorstellbar.

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