Geschlechtergerechte Formulierung.. welche wendet Ihr konsequent an?

Das Ergebnis basiert auf 92 Abstimmungen

Schüler 59%
Schülerinnen und Schüler 14%
Schüler*innen 13%
Was anderes.. und zwar... 10%
SchülerInnen 4%

25 Antworten

Schüler

Hi.

Vorweg: wenn ich formalkorrekt sein muss, dann verwende ich natürlich die Form. Heißt ja nicht, dass man nicht tricksen könnte. Erster Satz meiner (Studien)Arbeiten war z.B. immer, dass ich "aus Gründen der verbesserten Lesbarkeit auf die so genannte geschlechtergerechte Formulierung verzichte, sich die Damen aber selbstverständlicherweise auch angesprochen fühlen mögen." Und im Prinzip ist genau der Satz meine Meinung.

Mir kommt das wie Zeitverschwendung vor und die Lesbarkeit ist deutlich eingeschränkt. Michael Pöhm (das ist so n Rhetorikcoach) hat in einem seiner Bücher ein augenöffnendes Beispiel. Ich hätte auch kein Problem damit, durchgängig die weibliche Form zu benutzen, aber die Logik gebietet die Männliche, die ist kürzer.

Dann war ich auch mal neugierig auf die Sicht der Damen und habe so ziemlich jede mir bekannte Frau, deren Meinung mir was wert ist (die also zufrieden ist, mit dem Leben, das sie sich geschaffen hat oder effizient dran arbeitet). Alle Altersklassen, alle Milieus, möglichst alle Werte-/Normengruppen. Und die meinten Alle, dass das Zeitverschwendung sei und sie sich genauso angesprochen fühlen. Wie damals in der Schule schon, als auch die Mädels die Umstellung von "Liebe Schüler" auf "Liebe Schülerinnen und Schüler" in den Durchsagen als Zeitverschwendung beziechnet haben.

Sprich, wenn mein Schrieb nicht öffentlich ist, dann benutze ich das schlicht nicht. Interna z.B., und meine Mitarbeiterinnen wissen, dass ich sie meine (hab gefragt) und die stört das auch nicht - im Gegenteil.

Schüler

In meinen Kursen benutze ich das Wort Schüler. Ist halt die gelernte Sprache. Ich achte so gut es geht genderneutral zu sein.

Zb anstatt Feuerwehrmann sage ich ich Feuerwehrleute.

Oder in meinen Erste Hilfe Kursen sage ich Teilnehmer. Es gibt zwar Teilnehmerinnen aber meiner Meinung nach ist das trotzdem recht genderneutral.

Ich halte das zwar auch für übertrieben, aber ich bin als Dozent verpflichtet keinen vor dem Kopf zu stoßen. Und ich passe mich in dieser Hinsicht lieber früher als später an.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – man lebt halt xD
Schüler*innen

Im beruflichen Kontext ist das unsere interne, einheitliche Art des Genderns, sofern es keine neutrale Alternative gibt (also zum Beispiel Mitarbeitende statt Mitarbeiter*innen).

Im privaten und vor allem mündlichen Sprachgebrauch bin ich da doch oft noch zu sehr Gewohnheitstier, um wirklich konsequent auf inklusiven Sprachgebrauch zu achten, leider. Grundsätzlich finde ich es nämlich absolut korrekt, wenn man darauf achtet. Solang sich auch nur ein einziger Mensch weniger dadurch ausgegrenzt, marginalisiert, übersehen oder nicht wertgeschätzt fühlt, ist es mir die Mühe definitiv wert!

Solang sich auch nur ein einziger Mensch weniger dadurch ausgegrenzt, marginalisiert, übersehen oder nicht wertgeschätzt fühlt, ist es mir die Mühe definitiv wert!

Fühlen sich manche wirklich so? .. das sie sich ausgegrenzt fühlen und den Tränen nahe sind, nur wegen solch eines Sprachgebrauchs?

1
@Enchiridion

Ich als Frau empfinde es zumindest immer als recht nervig und abschätzig, wenn die Rede davon ist, dass wir - die Hälfte der Weltbevölkerung! - beim generischen Maskulinum ja "auch mitgemeint" seien. Ich will nicht nur "mitgemeint" sein, ich möchte bitte mitgenannt, also ebenfalls laut, deutlich und offiziell angesprochen, werden!

Zudem verändert Sprache auch unser Denken, was wiederum unser Handeln und somit unsere Gesellschaft verändern kann. Teste das ruhig mal bei dir selbst. Welches Geschlecht hat die vorgestellte Person in deinem Kopf, wenn man "Ingenieur" sagt? Und was passiert im Vergleich, wenn stattdessen von "Ingenieur*in" die Rede ist?

2
@Enchiridion

Naja, muss man denn unbedingt den Tränen nahe sein? Ich fühle mich manchmal übersehen und bin dann nicht direkt den Tränen nahe. Aber immerhin bin ich ein cis Mädchen. Für eine Transperson muss es schlimmer sein, weil sie weder in Schüler noch in Schülerinnen vorkommt, also komplett nicht mitbedacht wird. Und das eben das ganze Leben lang. D.h. nicht, dass man zu weinen anfängt, wenn jemand Schüler sagt oder so, das ist ja logisch ^^ Aber dass es einen mit der Zeit zermürbt und fertig machen kann. Das sagen Transmenschen ja manchmal selbst. Und da ich selbst nicht trans bin (oder inter etc.), kann ich ja nicht für sie entscheiden, wie sie sich fühlen.

Das Beispiel von HappyMe1984 ist auch gut. Wenn ich Ingenieur*in irgendwo lese, denke ich an verschiedene Geschlechter. Wenn ich Ingenieur lese, habe ich vor meinem inneren Auge einen Mann, obwohl "Frauen mitgemeint sind".

2
@HappyMe1984
Welches Geschlecht hat die vorgestellte Person in deinem Kopf, wenn man "Ingenieur" sagt?

Entweder ein Mann, oder eine Frau

Wie sagst du denn zu ,,Ich geh mal zum Bäcker"? Formulierst du das um.. und wen erwartest du hinterm Tresen?

Und was passiert im Vergleich, wenn stattdessen von "Ingenieur*in" die Rede ist?

Dann denke ich mir ... auweia.

0
@HappyMe1984

Also mir war wichtiger Im Job, wo ich auch mal das einzige weibliche Wesen war, akzeptiert zu werden, statt als Lokführerin, Facharbeiterin für automatisierte Anlagen oder Holzbearbeiterin bezeichnet zu werden. Obwohl für nen handfesten Witz langt sowas immer...

🤣😎

0
Was anderes.. und zwar...

Ich bin da nicht konsequent und schwanke zwischen "Schüler" und "Schülerinnen und Schüler".

Falsch sind auf jeden Fall die Schreibweisen "Schüler*innen" und "SchülerInnen", weil es in den Rechtschreibregeln weder Sterne noch Großbuchstaben innerhalb eines Wortes gibt. Ausnahmen gibt es nur bei Abkürzungen und wenn der Großbuchstabe einem Bindestrich folgt.

Idealerweise sollte ein einfaches Wort für ein Lebewesen (wie in diesem Fall "Schüler") geschlechterneutral sein. Um ein Geschlecht auszudrücken, sollte zusätzlich eine Endung angefügt werden. Leider gibt es im Deutschen nur eine weibliche Endung (-in), aber keine männliche.

In der Sprachwissenschaft gibt es die Schreibweise "-0" für eine Endung, die keine ist. Beispielsweise hat das Wort "Fenster" im Nominativ (1. Fall) die Mehrzahlendung -0. Das bedeutet, dass es für die Mehrzahl keine Endung gibt und das Wort in Einzahl und Mehrzahl gleich ist.

Entsprechend kann man für das Wort "Schüler" sagen, dass die männliche Endung -0 und die weibliche -in lautet. So gesehen ist es auch politisch korrekt, auch Schülerinnen als Schüler zu bezeichnen. Ideal ist es natürlich trotzdem nicht.

Diese Rechtschreibregel ändert sich so langsam, denn im Online-Duden 2020 wurde das als korrekte Schreibweise schon aufgenommen. Rechtschreibung entwickelt sich ja, der Mensch bestimmt, was richtig und was falsch ist, und der Duden macht das dann irgendwann offiziell. Daher denke ich, dass das alles nur eine Frage der Zeit ist.

Das mit -0 wusste ich nicht, sehr interessant.

0
@ilovehermine

Auch hier der Hinweis, dass der Rechtschreibrat - sozusagen DIE offizielle Stelle - die Praxis der Dud*innen nicht für angemessen hält.

0
Falsch sind auf jeden Fall die Schreibweisen "Schüler*innen" und "SchülerInnen", weil es in den Rechtschreibregeln weder Sterne noch Großbuchstaben innerhalb eines Wortes gibt.

Man könnte es als Stilmittel bezeichnen.

0
Schüler*innen

Ich benutze meistens Schüler*innen, wenn ich schreibe. Wenn ich spreche, sage ich manchmal immer noch Schüler, weil es schneller geht, aber eigentlich ist das Quatsch, denn Schüler*innen ist ja fast genauso schnell gesagt. :D

Aber "Schüler und Schülerinnen" benutze ich nie, das finde ich einfach ziemlich lang. Vielleicht, wenn ich eine Rede halten würde oder so, weil es hübsch klingt. Aber bei Schüler*innen hat man eben auch alle Menschen drin, die weder männlich noch weiblich sind, daher ist es eine gute Lösung.

Seit diesem Jahr ist das auch im Duden online aufgenommen worden. In der nächsten Papierausgabe wird es bestimmt drin sein, mal schauen. Rechtschreibung entwickelt sich ja.

Der Rechtschreibrat hat die Gendersternch*innen - in meinen Augen eine Verhunzung der deutschen Sprache - vor Kurzem vornehm abgelehnt.

1
@earnest

Interessant! Das habe ich nicht mitbekommen. Allerdings ist die Antwort, auf die du dich beziehst, auch ein Jahr alt. Inzwischen schreibe ich "Schüler und Schülerinnen" (oder auch mal andersherum).

Sich mit Begriffen wie "Gendersternch*innen" darüber lustig zu machen, finde ich aber auch nicht besonders... nett.

1
@ilovehermine

Und ich finde Gendersterchen nicht besonders ... nett.

;-)

Und ich finde, manche Verhunzungen der deutschen Sprache lassen sich nur satirisch kommentieren.

0
@earnest

Auch ich benutze Formulierungen wie "Schülerinnen und Schüler". Immer. Weil ich das für angemessen halte. Weil ich das für die einzig angemessene Form des Genderns halte, die KEINE Verhunzung der deutschen Sprache bedeutet.

0

Schön dass eine Expertin für ,,Schule'' die deutsche Grammatik und Rechtschreibung nicht beachtet

0
@14905403

Dieser Expertentitel ist einfach etwas, das man automatisch bekommt, nachdem man eine bestimmte Anzahl von "hilfreichsten" Antworten gegeben hat. Ich beachte die deutsche Grammatik und Rechtschreibung (obwohl ich sicher mal den einen oder anderen Fehler mache), aber in unserer Schule steht es uns frei, zu gendern. Inzwischen mache ich das aber nicht mehr mit Sternchen, sondern schreibe "Schüler und Schülerinnen". Meine Antwort, die du gestern kommentiert hast, ist fast ein Jahr alt.

1
@ilovehermine

Dass man den Expertentitel nach einer gewissen Menge an hilfreichsten Antworten kriegt weiß ich, denn ich hab selber einen. Und gendern ist ja auch ok. Aber das Sternchen zu nutzen ist einfach nur falsch. Mit Schülerinnen und Schüler könnte ich mich anfreunden.

0

Was möchtest Du wissen?