Geschichtliche Entwicklung des Lehrplans der Schule?

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2 Antworten

Das lässt sich so allgemein nicht beantworten:

Ursprünglich lag die Bildungshoheit in den Händen der Kirche (Domschulen, Klosterschulen, etc.). Der Großteil der Bevölkerung war eh nicht alphabetisiert, während die Klöster- und Domkirchen einigen wenigen Jungen aus dem Adelsstand (und später aus dem wohlhabenden Bürgertum) eine höhere Bildung vermittelte.
Die Lehrinhalte bedingten sich vor allem durch den klerikalen Bildungskanon und die sogenannten "Sieben freien Künste" Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musiktheorie, Grammatik, Logik und Rhetorik.
Eine Schulpflicht oder gar einen Lehrplan gab es aber nicht.

Zum ersten Mal wurde 1763 eine allgemeine Schulpflicht in Preußen eingeführt. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden mehrere neuhumanistische Bildungsreformen angestoßen, u.a. die preußische Bildungsreform.
Diese beinhalteten zwar noch keine richtigen Lehrpläne, machten das, was und wie gelehrt werden sollte, verbindlicher. So wurde zum Beispiel peu à peu festgelegt, dass man für den Besuch einer Universität das Abitur haben müsse.

Mit dem Grundgesetz wurde 1949 die Kulturhoheit der Länder festgelegt - es entscheidet also jedes Bundesland für sich über die Form seiner schulischen Bildung, u.a. also auch über die verbindlichen Lehrinhalte.

Erst 1973 legte die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung den ersten Bildungsgesamtplan vor, auf dessen Grundlage der Auf- und Ausbau des Bildungswesens stattfinden sollte.

Ich hoffe, das hilft Dir weiter?


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UnionJane 12.07.2017, 20:58

Wollte schreiben:
...Diese beinhalteten zwar nicht immer richtige Lehrpläne, machten aber das, was und wie gelehrt werden sollte, verbindlicher.
Insofern könnte man sagen, dass es (z.T.) erste Lehrpläne seit der ersten Hälfte des 19.Jh. gibt.

Schau auch mal hier:
http://www.hsozkult.de/event/id/termine-31583

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paulklaus 13.07.2017, 16:23
@UnionJane

Leider verrät dein Profil nicht, woher du all' deine profunden Kenntnisse hast, die weit über die des eigentlichen Lehrberufs hinausgehen und die ich neidlos anerkenne / bewundere, zumal ich mich selbst intensiv mit "Curricula im Wandel der Zeit(en)" beschäftige !

pk

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UnionJane 13.07.2017, 19:53
@paulklaus

Oh, vielen herzlichen Dank!!

Dabei war ich seit meiner Mitgliedschaft hier langsam zu dem Eindruck gelangt, dass wir Lehrer alles, nur nicht normal seien.. :-)
Ob meine Kenntnisse profund sind, wage ich zu bezweifeln, und ja, im Schulalltag kommt dergleichen wohl selten zum Einsatz - aber scheinbar wurden im Studium doch ein paar Grundlagen geschaffen.

Vielleicht hilft auch, dass man Schüler einfacher für Themen begeistern kann, zu denen sie einen persönlichen Bezug aufbauen können (Schule im Wandel der Zeit, Kinderarbeit, o.ä.).

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paulklaus 14.07.2017, 11:59
@UnionJane

In meinem Germanistik-Studium wurden Grundlagen für 

N-I-C-H-T-S

geschaffen. Daraus folgere ich, dass mein Studium "einige Monate" vor dem Deinen stattfand, nämlich inmitten der politisch heißen Phase der End-Sechziger.

pk, immer noch überzeugter Alt-68er und Kind der Flower Power-Generation

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paulklaus 14.07.2017, 17:04
@paulklaus

PS: WENN / FALLS ich überhaupt etwas für meinen späteren Beruf lernte, dann durch meinen hervorragenden Deutsch-Unterricht, den ich während meiner gesamten Schulzeit bis zum Abi genossen hatte und der vieles meines Studiums, das es mir hätte geben SOLLEN, vorweg nahm - wie ich überhaupt eine fantastische Schulzeit mit pädagogischen und menschlichen (!) Ausnahme-Persönlichkeiten als Lehrern hatte !!

Das Referendariat ?! Die entwürdigendste, grauenhafteste Zeit meines Lebens !!

So, Schluss mit dem Ausbreiten meines Lebens in der Öffentlichkeit (könnte man / frau anderweitig fortsetzen... ; - ))   ).

pk

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UnionJane 14.07.2017, 17:17
@paulklaus

Wie schade.
Im Anglistikstudium war der Lernzuwachs sehr vom jeweiligen Dozenten abhängig (da hatte meine furchterregende Leistungskurslehrerin mir sehr viel mehr vermittelt), bei den Historikern hatten wir allerdings einige richtige Koryphäen, die auch ordentlich gefordert haben.

Dafür lass uns lieber nicht über Pädagogik oder gar Didaktik sprechen... Ein Teil hat das Ref gerichtet, der Rest ist Instinkt - oder schmerzlicher Lernprozess.. :-D

Ein Kind der Flower Power-Generation bin ich übrigens auch. Im wörtlichen Sinn. ;-)

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UnionJane 14.07.2017, 17:19
@paulklaus

Du sprichst mir aus der Seele.
Bei mir war es der Englisch- und Französischunterricht.
Und meine größte Leistung im Ref war.....dass ich es überlebt habe..

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paulklaus 14.07.2017, 17:27
@UnionJane

Ah ja, nach kurzem Nachdenken habe ich DEN (wörtlichen) Sinn verstanden... ; - ))

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Ninnlilina 26.07.2017, 17:03

Hallo, ich wollte mich nochmal "persönlich" bei dir für die tolle Antwort bedanken :)
Ich stecke gerade mitten in der Abschlussarbeit meines Pädagogik Studiums und brauchte ein paar belastbare Quellen für diese eine Thematik. Der gepostete Link von dir hat mir dabei sehr geholfen :)

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UnionJane 26.07.2017, 17:14
@Ninnlilina

Hallo Ninnlilina,
das ist aber lieb, vielen herzlichen Dank!!

Freut mich, wenn ich etwas helfen konnte. Ich wünsche Dir viel Erfolg mit der Arbeit - hatte damals auch in Pädagogik geschrieben.

Falls Du noch paar unterstützende Links brauchst, schreib mir mal ne PN. ;-)

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