GeschichteMittelalter! Kichliche Reformbewegung vor o.nach ab/einsetzen von Bischhöfen von Heinrich?

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1 Antwort

Die kirchliche Reformbewegung hat vor dem Absetzen und Einsetzen von Bischöfen in Norditalien durch König Heinrich IV. stattgefunden (Kaiser Heinrich VI. [1165 – 1191] lebte noch später und mir ist auch kein Einsetzen von Bischöfen in Norditalien bekannt).

Vom Kloster Cluny aus ist schon im 10. Jahrhundert, bald nach seiner Gründung eine Bewegung für eine Klosterreform entstanden. Im 11. Jahrhundert bekam sie auch kirchenpolitische Züge. Mit dem Einsatz gegen eine Macht des stadtrömischen Adels (z. B. Familien wie die Colonna und Orsini) als nichtkirchliche Einflüsse bei Wahl und Einsetzung des Papstes, gegen Simonie und gegen Priesterehe. Zur Zeit von Kaiser Heinrich III. war noch kein scharfer direkter Gegensatz zwischen Kaisertum und Papsttum ausgebrochen.

Eine Kirchenreformbewegung, die unter anderem von Cluny Impulse bekommen hatte, strebte eine Rückbesinnung auf den christlichen Glauben und eine Beseitigung von weltlicher Einmischung an (als Freiheit der Kirche verstanden). Päpste und Kaiser/Könige (denen daran lag, ihnen gegenüber treue Männer in die Ämter zu bekommen) sind deshalb in einen Konflikt über die Investitur geraten.

Die cluniazensische Reformbewegung hatte im später ausbrechenden Investiturstreit keinen einheitlichen Standpunkt. Es gab welche, die eine Amtseinsetzung von Geistlichen (besonders die Überreichung von Ring und Stab, den Symbolen ihrer geistlichen Autorität) durch weltliche Herrscher ist als Laieninvestitur angegriffen worden, die verwerflich sei. Andere blieben neutral. Abt Hugo von Cluny, Taufpate von Heinrich IV. ist als Vermittler tätig gewesen. Hugo Candidus bekämpfte ab etwa 1075 die Politik des Papstes Gregor VII.

Papst Gregor VII. hat seinen Standpunkt energisch durchzusetzen versucht. Er befürwortete allgemein einen Vorrang des Papstes gegenüber dem Kaiser. Nach seiner Auffassung (im Dictatus Papae im März 1075 niedergeschrieben; keine öffentliche Äußerung, sondern ein Notieren von Gedanken, die sein Amtsverständnis zeigen) durfte nur der Papst Bischöfe absetzen und wieder einsetzen.

Der Streit entstand zwischen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. über die Einsetzung von Bischöfen. Eine grundsätzliche Auseinandersetzung im Verhältnis von geistlicher Gewalt (sacerdotium) und weltlicher Gewalt (regnum) steigerte sich zu einem heftigen Konflikt und einem Machtkampf zwischen Papst und König/Kaiser.

König Heinrich IV. hat im Herbst 1075 den Subdiakon Tedald, wohl ein früherer königlicher Hofkaplan, als Erzbischof von Mailand eingesetzt, wo es um diese Stelle schon einige Jahre Streit gegeben hatte. Außerdem hat er Bischöfe in Spoleto und Fermo eingesetzt, zwei im Kirchenstaat liegenden Städten.

Wilfried Hartmann, Der Investiturstreit. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. München : Oldenbourg, 2007 (Enzyklopädie deutscher Geschichte ; Band 21), S. 11:
„Das Pontifikat Leos IX. brachte den Durchbruch der Reformideen in Rom; Leo konnte diesen Durchbruch erreichen, weil er hervorragende Helfer aus Lothringen und Burgund mitgebracht und diese in entscheidende Positionen gesetzt hatte. Dort hatte sich in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts nach dem Vorbild des burgundischen Cluny eine besonders wirkungsmächtige Gruppe von Kosterreformern hervorgetan (Wilhelm von Dijon, † 1013; Richard von St. Vanne, † 1046, und Poppo von Stablo, † 1048). Unter Leos Helfern ist der Lütticher Archidiakon Friedrich zu nennen, ein Bruder Herzog Gottfrieds des Bärtigen, der von Leo zum Bibliothekar, d. h. zum Leiter der Kanzlei berufen wurde. Aus dem Kloster Remiremont brachte Leo Hugo Candidus mit, der lange Zeit einer der wichtigsten Helfer er Reformpäpste war, bis er unter Gregor VII. zu einem vehementen Gegner dieses Papstes wurde. Der bedeutendste Lothringer, der mit dem neuen Papst kam, war jedoch Humbert von Moyenmoutier, den Leo zum Kardinalbischof von Silva Candida machte. Bis zu seinem Tod 1061 wirkte er als Berater der Päpste und beeinflußte ihre Entscheidungen. Auch der Subdiakon Hildebrand kehrte zusammen mit Leo IX. wieder nach Rom zurück; er war 1046 zusammen mit Gregor VI. ins Exil nach Norden gezogen.“

Albrecht 02.11.2012, 03:59

S. 56: „Im Zeitalter der Kirchenreform erlebte das Mönchswesen den Höhepunkt seines Einflusses auf Kirche und Gesellschaft in der europäischen Geschichte. Zwar werden heute die Cluniazenser und die ihnen nahestehenden Träger der Klosterreform nicht mehr als die alleinigen Auslöser der Reformbewegung in der Kirche des 11. Jahrhunderts angesehen, aber es bleibt festzuhalten, daß es Mönche waren, die wichtige Entwicklungen angestoßen und getragen haben. Neben den Mönchen aus Lothringen und Burgund - Humbert von Silva Candida und Friedrich von Lothringen – stehen solche aus Italien wie Petrus Damiani und Johannes Gualberti, ohne die die Wirksamkeit der Päpste des 11. Jahrhunderts nicht vorstellbar ist. Und eine so zentrale Gestalt wie Hildebrand-Gregor VII. war zweifellos tief von der monastischen Welt geprägt. Derjenige Papst endlich, unter dem die Reform ihren Durchbruch erlebte, Urban II., war ein Cluniazenser. Für die Durchsetzung der Kirchenreform in Deutschland waren zwei Bewegungen entscheidend, nämlich die vom 1069 neu gegründeten Kloster Hirsau ausgehende Klosterreform, zum andren die Ausbreitung der Regularkanoniker. Nun hatte es aber im Reich auch schon vor der Hirsauer Reformbewegung Bestrebungen gegeben, die Ideale des benediktinischen Mönchstums zu verwirklichen. Dazu gehören die vom lothringischen Gorze angeregte Reform, die ihren Schwerpunkt im ausgehenden 10. und beginnenden 11. Jahrhundert hatte, und die Anstrengungen des Kölner Erzbischofs Anno (1056–75), das Kloster Siegburg zu reformieren. Diese Siegburger Reform ebenso wie die von Hirsau und von St. Blasien ausgehenden Bewegungen standen unter dem durch das oberitalische Fruttuaria vermittelten Einfluß Clunys.“

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