Geschichte über Hexenverfolgung im Mittelalter.!?!

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9 Antworten

Warum wird immer nach Hexenverfolgungen im Mittelalter gefragt? Die große Zeit der Hexenverfolgung begann erst nach der Renaissance und gipfelte in den wahnsinnigen Prozessen des Barocks! Anfangs lehnte sogar die Inquisition die Beschäftigung mit der Hexerei ab, da sie sich vielmehr mit den gewaltigen Ausmaßen der Häresie (auch "Ketzerei", allg. Bez. für Christen, die teilweise rebellisch andere Glaubenswege gingen als die kath. Kirche vorschrieb und dafür oft sterben mußten), wofür sie eigentlich auch geschaffen wurde, herumschlagen mußte. Stichworte: Katharer, Waldenser, Bogomilen, Patharener, Hutterer, etc. Sehr interessant ist auch die Geschichte der Beginen, z.B. hier: http://www.frauenwissen.at/beginen.php

Ein bisschen anders: Geh in einer Zeitreise 450 Jahre zurück und charakterisiere einzelne Personen z.B. die Magd , den Schweinehirten, den abseits wohnenden Müller, die rothaarige Frau, die Greisin mit dem Buckel, den Wanderbettler..... und lass´ diese Personen agieren und schließlich anecken. Erstelle von einer "Lieblingsfigur" einen Steckbrief mit dem Schwerpunkt "besondere Merkmale". Dieses induktive Verfahren bringt Dir brauchbare Zwischenschritte, und Du hast bald eine eigene Geschichte, mit Eurem Lokalkolorit, mit heimatgechichtlichem Unter- u. Hintergrund. Das bringt Dir mehr als "eingeflogene Kost". Ich glaube, die Experten nennen dies "dynamisieren". Wohlan.

Was es mit den Hexen auf sich hat, wird am Besten in dem Buch "Die Vernichtung der Weisen Frauen" von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger beschrieben ( das war in den 1980er Jahren ein Bestseller, heute aber nur antiquarisch zu bekommen ).

Da geht es allerdings auch nicht um Hexen im Mittelalter, sondern um die Hexenverfolgung und Hexenvernichtung, die ja erst nach dem Mittelalter begonnen hat.

Im Mittelalter gab es gar keine Hexen, nur Hebammen. Hexen kommen in der Bibel vor, im Alten Testament, und dann wieder ab der Renaissance, weil man dann das biblische Hexengesetz wieder zur Anwendung gebracht hat.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass die Hexenverfolgung für das Mittelalter typisch war. Es gab sie natürlich, insbesondere in Verbindung mit den Pestwellen des 13.Jahrhunderts, charakteristisch aber wurden sie erst in der frühen Neuzeit, also etwa von 1450 bis gegen 1700. Hier brachen Wertesysteme zusammen; man war sich der göttlichen Allmacht, das Böse endzeitlich zu besiegen im tiefen Innern nicht mehr so sicher und musste mit Denunziation, Folter und Scheiterhaufen letztich kräftig nachhelfen. Hier wurde auch manche persönliche Rechnung beglichen, manche sadistische Neigung befriedigt und manche wurden auch reich damit. Ich empfehle die Trilogie von Hans Lohmeyer, die dem großen Kämpfer gegen den Hexenwahn, Graf Spee zu Langenfeld, gewidmet ist.

Dein Lehrer ist nicht so sehr gebildet, wenn er Hexenverfolgung ausgerechnet im Mittelalter thematisieren will.

Noch im 11. Jahrhundert hatte die Kirche per Konzil Hexenprozesse verboten. Ihr missfielen diese Prozesse, weil sie den Glauben an die Existenz von Hexen stärkten. Hexen waren aber entweder etwas heidnisches oder sie waren Dienerinnen Satans. Entweder wurde also das Heidentum am Leben erhalten oder es wurde quasi festgestellt, dass der Teufel mindestens so mächtig wie Gott selbst war.

Das Volk selbst nannte alle möglichen Frauen "Hexe", die wegen ungewöhnlichen Lebenswandels auffielen. Manchmal waren darunter aber auch solche, die bedeutsam waren und sich für ihre Dorfgemeinschaft nützlich machten, z.B. als Heilerin. Ärzte gab es nämlich noch nicht, oder sie waren unerschwinglich oder ihr Können mangels Wissenschaft arg begrenzt und sehr fragwürdig.

Insgesamt waren Hexenprozesse daher selten.

Sie nahmen erst ab Mitte des 15. Jahrhunderts zu und hatten in Mitteleuropa im 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Noch bis ca. 1800 wurden Hexen verbrannt. Wenn Dein Lehrer diese Zeit als "Mittelalter" bezeichnet, ist er - auf gut Deutsch gesagt - dumm wie Bohnenstroh.

Das war die Zeit, in der bereits die Aufklärung begann. Der Einfluss der Kirche hatte stark nachgelassen. Hexenprozesse wurden nicht in erster Linie von Kirche und blutgierigen Mönchen geführt, sondern von weltlichen Richtern, die an den nun schon bestehenden Universitäten eine zeitgemässe weltliche Ausbildung erhalten hatten.

Es gibt ein recht interessantes Buch "Der Sohn der Hexe". Dies ist (in Romanform, aber inhaltlich wohl richtig) ein Roman über Johannes Kepler bzw. dessen Mutter, die wegen Hexerei angeklagt war. Zum Vergleich bei wiki über Kepler nachlesen. Aber; Mittelalter? na ja,- wohl kaum - eher Ende des Mittelalters.

Vom Autor Michael Kunze: "Straße ins Feuer" lesen. Dokumentarischer Roman ums Jahr 1600. Da steht mehr drin als die meisten wissen wollen. Mit Anhang und ausführlichen Erläuterungen. Nix für allzu zarte Seelen.

Übrigens wurden wesentlich mehr Männer als Frauen wegen Hexerei hingerichtet. Dass die Frauen heutzutage als Opfer im Vordergrund stehen liegt wohl vor allem an den Märchen mit der bösen Hexe, die Tatsache, dass FrauenrechtlerInnen die Opferrolle der Frau im Laufe der Geschichte zum Ausdruck bringen wollten (in diesem Zusammenhang zu Unrecht) und der erotischen Fantasien, die damit verbunden sind.

derdorfbengel 29.09.2011, 15:14

Das Jahr 1600 ist bei Dir Mittelalter?

Wo steht, dass mehr Männer als Frauen hingerichtet wurden? Ich kenne ein Verhältnis von ca 2:1 für die Frauen.

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shockproof 29.09.2011, 16:34
@derdorfbengel

Bravo! Dann haben also deiner Meinung nach die Frauen gewonnen. Mit 2:1. Meinen Glückwunsch!

Aber mal im Ernst: steht in meinem Text irgendetwas von "Mittelalter" ? Dass die meisten so genannten Hexenprozesse in der Renaissance stattfanden hab ich als bekannt vorausgesetzt, da mir diese Thematik sehr vertraut ist. Und da in den vorhergehenden Antworten schon ausführlich darauf hingewiesen worden war, kam ich zu dem Schluss: "repetitia bis non placet!" Und ja: Es wurden mehr Männer zu Tode geschunden als Frauen, da sind die Statistiken eindeutig. Nebenbei erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass auch Kinder, Tiere und Gegenstände zum Tode wegen Zauberei und Ketzerei verurteilt wurden.

Wo wir gerade dabei sind mit Gerüchten aufzuräumen, sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass die Ärzte früher ein so gering geachteter Berufsstand waren, dass sie auf gar keinen Fall ausreichend Einfluss hatten, die Kräuterheilkundlerinnen, die sogenannten Weisen Frauen durch systematische Anschuldigungen als Berufsgruppe zu verdrängen. Zum ersten stellten Sie nämlich gar keine Konkurrenz dar, weil die Anwendungen der Weisen Frauen nahezu wirkungslos waren (die der Medici allerdings oft auch - aber aus anderen Gründen). Zum anderen ist diese Konkurrenztheorie erst auf dem Nährboden der modernen materiellen Kapitalgesellschaft entstanden und diente ausschließlich dazu, den in den letzten 50 Jahren (ich weiss auch, dass es die Soufragetten schon vorher gab) ausufernden Geschlechterkampf anzufachen, der unsere Gesellschaft betrüblicherweise nicht sehr befruchtet hat. Nicht, dass ich gegen die Emanzipation beider Geschlechter wäre. Gewiss nicht! Nur der eingeschlagene Weg hat mehr Gräben aufgeworfen als unter zivilisierten Menschen nötig gewesen wäre.

Quintessenz: Gerechtigkeit ist eben kein Naturgesetz wie die Schwerkraft etwa. Und indem man andere schlecht man wird man selbst nicht besser, oder? Und das gilt für Alle und Jeden und immer.

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dieses Thema kommt in jedem zweiten historischen Roman vor ... wenn es nur eine Geschichte sein soll, kann man dir sicher in einer Bibliothek weiterhelfen

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