Gerüchte über Napoleon.... stimmen diese?

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5 Antworten

Deine Gerüchte stimmen! Napoleon krönte sich selbst zum Kaiser, doch 1799 riß er mit Hilfe seines ihm ergebenen Militärs die Macht an sich und ließ sich zum 1. Konsul, dem mächtigsten Mann im Staat wählen. Mehr Einzelheiten zu diesem machtbesessenen Monstrum solltest Du nachstehendem Link entnehmen,. viel Erfolg dabei!

http://www.napoleon-portal.de/

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Depressphorie 13.06.2012, 20:41

Dankeschön. Der Link ist super. =) Wünschte der wäre mit eher ins Auge gefallen. =D

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Das Jahr stimmt nicht ganz und der Ablauf war ein bißchen anders, aber grundsätzlich stimmt es schon.

http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsstreich_des_18._Brumaire_VIII

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Depressphorie 13.06.2012, 20:09

Ich hab 3 verschiedene Jahreszahlen dazu gefunden. -.- Das Internet verkompliziert eher, als zu helfen fürchte ich langsam.

Aber Dankeschön. =)

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Obwohl viel davon den Tatsachen entspricht, stimmen die Darstellungen nicht vollständig. Zum Staatsstreich, durch den Napoleon Bonaparte Erster Konsul wurde, stimmt das meiste (eine genauere Schilderung mit mehr Einzelheiten ist möglich). Falsch ist der Satz mit dem Aufwecken der Abgeordneten und dem Datum 19.10.1800. Zur Kaiserkrönung stimmt ein Teil. Napoleon Bonaparte hat sich bei seiner Krönung die Kaiserkrone selbst auf das Haupt Gesetz. Dagegen hat er wohl nicht dem Papst die Krone aus der Hand gerissen, sondern dies ist eine später aufgekommene Erzählung.

Ich empfehle, ausführliche Biographien (am besten Bücher in einer Bibliothek) einzubeziehen

1) Staatstreich

Vgl. dazu Bücher wie z. B:

Johannes Willms, Napoleon : eine Biographie. München : Beck, 2005, S. 186 – 259

Georges Lefebvre, Napoleon. Herausgegeben von Peter Schöttler. Mit einem Nachwort von Daniel Schönpflug. 3. Auflage. Stuttgart : Klett-Cotta, 2004, S. 55 – 72

Roger Dufraisse, Napoleon : Revolutionär und Monarch ; eine Biographie. 4. Auflage. München : Beck, 2005 (Becksche Reihe ; 1352), S. 41 - 49

Der Staatsstreich startete (nach vorausgehender Vorbereitung) am 9. November 1799 (18. Brumaire des Jahres VIII).

Dabei war die Absicht, einen Widerstand der Regierung (des Direktoriums) unmöglich zu machen (von der Spitze der Exekutive hätte eine Versuch unternommen werden könne, durch loyale Truppen den Staatsstreich niederzuschlagen) und den Staatsstreich durch parlamentarische Zustimmung zu beschlossen legal aussehen zu lassen. Ein Blutvergießen sollte daher vermeiden werden.

Das Parlament, der Nationalkonvent bestand aus 2 Kammern:

  • Der Rat der Fünfhundert (Le Conseil des Cinq-Cents)

  • Der Rat der Alten (Le Conseil des Anciens)

Napoleons jüngerer Brüder Lucien Bonaparte war damals Vorsitzender des Rates der Fünfhundert. Er verhinderte durch geistesgegenwärtiges Eingreifen vermutlich ein Scheitern (der Staatsstreich wäre aufgrund eines ungeschickten Auftretens seitens Napoleons fast mißglückt).

Hintergründe

Napoleon Bonaparte war in der Armee bis zum General aufgestiegen und 1799 aus Ägypten zurückgekehrt. Vor allem durch seine Siege im Italienfeldzug 1796 – 1797 mit dem Frieden von Campo Formio 1797, der erfolgreich den Ersten Koalitionskrieg beendete, war Napoleon Bonaparte berühmt und beim Volk beliebt geworden. Die Regierung (das Direktorium aus 5 Personen) war Schwierigkeiten ausgesetzt und seine Stellung etwas wackelig. Sie hatte wegen Korruption, autoritärer Unterdrückungsmaßnahmen und sehr schlechter Ergebnisse in der Finanzpolitik (stark steigende Staatsverschuldung) schon längere Zeit stark an Vertrauen verloren. Das Direktorium befand sich in doppelter Frontstellung gegen Jakobiner und Royalisten und setzte zu seiner Machterhaltung auch militärische Gewalt und Manipulation Wahlergebnissen ein (die ihn stützende Mehrheit im Nationalkonvent erklärte unerwünschte Ergebnisse für ungültig). Das Heer war eine wesentliche Stütze. Das Ansehen des Direktoriums nahm ab, zumal Mißerfolge eintraten. 1799 waren die Finanzschwierigkeiten verschärft und im zweiten Koalitionskrieg (England schloss mit Österreich, Russland, Portugal, Neapel und dem Osmanischen Reich [Türkei] eine neue Koalition gegen Frankreich) erlitten die französische Truppen Niederlagen. Ein Teil, mit Emmanuel Joseph Sieyès in führender Rolle, wollte eine Änderung mit größerer Autorität der Staatsgewalt, einer dauerhafteren und stärkeren Regierung. Die Verfassung des Jahres III (1795) erlaubte allerdings eine Verfassungsänderung nur in einem langwierigen Verfahren nicht unter 7 Jahren. Um trotzdem eine Änderung durchzusetzen, suchten sie einen volkstümlichen General, der den erforderlichen Rückhalt zu einer politischen Umgestaltung gab.

Napoleon wurde ausgesucht, nachdem General Barthélemy-Catherine Joubert in einer Schlacht gefallen und für die ihm zugedachte Rolle ausgefallen war. Sieyès und seine Mistreiter haben wohl nicht ganz richtig eingeschätzt, wie weit der politische Ehrgeiz Napoleons ging und auch keine genauen Bedingungen gestellt und die Hauptzüge einer neuen Herrschafts-und Regierungssystems nicht festgelegt.

zum Ablauf

Truppen besetzten wichtige Stellungen.

Am 9. November 1799 überbrachten Inspektoren ungewöhnlich früh Ladungen zu einer Dringlichkeitssitzung des Rates der Alten, um 7 Uhr im Tuilerien-Schloß.

Die Direktoren wurden ausgeschaltet, indem vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Die am Staatsstreich beteiligten Emmanuel Joseph Sieyès und Roger Ducos waren nach eigenem Plan zurückgetreten. Paul, Vicomte de Barras, fügte sich, eine vorformulierte Rücktritstserklärung zu unterzeichnen. Louis Gohier und Jean-François Moulin, die sich weigern, gerieten im Palais du Luxembourg, der Wohnung der Direktoren, unter Überwachung.

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Albrecht 14.06.2012, 06:34

Napoleon Bonaparte wurde mit der Sicherung der Stadt Paris beauftragt. 3 der 5 Mitglieder des Direktoriums traten zurück (Sieyès und Roger Ducos nach eigenem Plan, Paul Barras fügte sich), die anderen 2 (Louis Jérôme Gohier und Jean-François Auguste Moulin) wurden angeklagt und abgesetzt.

Der Vorsitzende Louis-Nicolas Lemercier hielt eine einstimmende Rede vor dem Rat der Alten und die Anwesenden beschlossen ohne Aussprache, die nächsten Sitzungen des Rates der Alten und des Rates der Fünfhundert für den folgenden Tag um die Mittagsstunde nach Saint Cloud einzuberufen (vorsichtshalber waren nicht alle Abgeordneten eingeladen worden, um so leichter eine Mehrheit zu Erreichen). Angeblich drohte in Paris ein Komplott von Anarchisten.

Der General Bonaparte wurde mit Oberbefehl über alle Einheiten der regulären Armee, der Nationalgarde sowie der Wachmannschaft des Parlaments betraut. Am 10. November 1799 (19 Brumaire des Jahres VIII) eröffnet Lucien Bonaparte mit einiger Verspätung gegen 13.30 Uhr die Sitzung des Rates der Fünfhundert in der Orangerie des Schlosses von Saint Cloud. Es kam zu Tumult, die Mehrheit beschloß schließlich namentlichen Aufruf der Abgeordneten und Erneuerung des Eides auf die Verfassung, was ein langwieriges Verfahren war.

Gegen 14 Uhr begann die Sitzung des Rates der Alten in der Galérie de Mars des Schlosses von Saint Cloud, im ersten Stockwerk über der Orangerie. Die Mehrheit war grundsätzlich für die Änderung. Aber es lief nicht alles glatt. Einige nicht eingeladene Abgeordnete, die dennoch erschienen waren, verlangten eine Erklärung. Beweise für das angebliche Komplott wurden verlangt. Zur Vermeidung einer peinlichen Erörterung darüber wurde die Sitzung für etwa eine Viertelstunde unterbrochen, bis eine Kleinigkeit eines Verfahrensfehlers in der Geschäftsordnung geklärt sei.

Napoleon, der zunehmend nervöser in einem Salon wartete, zeigte sich in der Sitzungspause den Abgeordneten, erweckte allerdings mit einigen Äußerungen bei einigen Abgeordneten Mißtrauen.

Um 16 Uhr wurde die Sitzung fortgesetzt und Napoleon Bonaparte erhielt die förmliche Aufforderung, vor dem Rat der Alten zu erscheinen. Seine Rede ist unsicher, wirkt teilweise unzusammenhängend, unstimmig und wirr. Zum angeblichen Komplott kommt keine überzeugende Erklärung. Sein Rede geriet impulsiv, sein Sekretär Louis Antoine Fauvelet de Bourrienne sorgte für ein Einhalten, als in Gefahr geriet, mit einem Militärputsch zu drohen und damit die Illusion zu zerstören, die Änderung könne nicht ohne die Abgeordneten bewerkstelligt werden und diese seien auch in der neuen Verfassungsordnung unverzichtbar. Napoleon verließ den Saal, um nicht von weiteren Fragen aufgeregter Abgeordneten bestürmt zu werden. Die Abgeordneten stritten sich und zögerten, die von den Umsturzplanern vorgesehenen energischen Beschlüsse zu fassen.

Etwa 16.30 Uhr erschien Napoleon vor dem Rat der Fünfhundert. Rufe wie „Ächtet ihn!“, „Nieder mit der Diktator“, „Nieder mit dem Tyrannen!“ wurden ausgestoßen. Als Napoleon sprechen wollte, übertönen ihn Rufe wie „Es lebe die Republik!“, „Es lebe die Verfassung des Jahres III!“, „Ächtet den Diktator!“. Mehrere Abgeordnete drangen auf ihn ein, Napoleon wurde am Arm gepackt und gestoßen. Er bekam Angst und war nicht fähig, ein Wort herauszubringen. Grenadiere führten Napoleon, einer Ohnmacht nahe, aus dem Saal.

Lucien Bonaparte verteidigte seinen Bruder, es kam zu großer Unordnung und Tumult, er hob die Sitzung auf.

Napoleon wendete sich an die in Saint Cloud versammelten Soldaten, sprach davon, Abgeordnete hätten auf die Ankündigung von Mitteln zur Rettung der Republik mit Dolchstößen geantwortet (eine Lüge, da kein Abgeordneter Napoleon mit einem Dolch bedroht hatte). In einem Augenblick von klarer Besinnung befahl er einer Abteilung, seinen Bruder Lucien aus dem Saal herbeizuholen.

Dieser hielt eine bei bereits einsetzender Dunkelheit eine Rede vor der Truppe und erklärte, einen riesengroße Mehrheit der Abgeordneten werden von wenigen abgeordneten terrorisiert, die sich mit Stiletten bewaffnet hätten, das Rednerpult belagerten ihre Kollegen mit dem Tod bedrohten und über schauerliche Dinge berieten. Er rief die Soldaten dazu auf, diese Verbrecher mit Gewalt zu verjagen. Rufe „Es lebe Bonaparte!“ folgten der Ansprache. Trotzdem verharrte die Truppe zuerst in Zögern, schwankte noch, ihre Waffen gegen die Volksvertretung zu richten. Lucien schwor, seinen Bruder eigenhändig zu töten, wenn dieser wie ein Tyrann auftreten und gegen die Freiheit der Franzosen vorgehen sollte.

Die Soldaten jagten gewaltsam das Publikum und die Abgeordnete des Rates der Fünfhundert auseinander.

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Albrecht 14.06.2012, 06:38

Johannes Willms, Napoleon : eine Biographie. München : Beck, 2005, S. 221:
„Lucien, dem dies nicht verborgen blieb, bewies ein weiteres Mal Geistesgegenwart. Er ließ sich einen Säbel reichen und hob ihn mit den Worten hoch: «Ich schwöre, die Brust meines eigenen Bruders zu durchbohren, sollte er es jemals wagen, Hand an die Freiheit der Franzosen zu legen!». Eine Szene aus dem Schmierentheater, aber in Geste, Ton und Allüre genau der richtige Einfall, die noch Zaudernden mitzureißen. Bonaparte gab den Befehl, Murat sprengte an der Spitze seiner Grenadiere in die Orangerie, die Abgeordneten stürzten in wilder Fluch aus den Fenstern und sprangen in den Garten. Ohne Blutvergießen - Bonapartes ausdrücklicher Wunsch – wurde der Saal geräumt. Das letzte Hindernis vor dem Umsturz war überwunden.“

Obwohl viele Mitglieder des Rates der Alten Mitwisser der geplanten Veränderung waren, erschraken sie über die gewaltsame Vertreibung der Kollegen. Lucien Bonaparte versuchte sie zu beruhigen und erklärte, jakobinische Ausschreitungen hätten keine andere Wahl der Mittel gelassen. Er fand bei vielen keinen Glauben, wurde ersucht zu schweigen, die Sitzung wurde vertagt.

Joseph Cornudet des Chaumettes, Berichterstatter der Kommission für den Entwurf zur Bildung einer Übergangsregierung, stellte beim Zusammentreten nach einer Dreiviertelstunde fest, der Rat der Alten sei jetzt die gesamte Nationalpräsentation, das Militär keineswegs im Besitz der Exekutivgewalt. Das von der Kommission ausgearbeitet Gesetzesvorhaben, das zunächst die Einsetzung einer aus drei Mitgliedern bestehenden provisorischen Regierung vorsah, wurde gebilligt. Dies war ein gesetzmäßiger Anschein für eine Veränderung, allerdings für die Hauptbeteiligten es Staatsstreiches nicht voll befriedigend. Die Auflösung des Rates der Fünfhundert wurde nur als Vertagung dargestellt, eine bei Verfassungsreform nicht erwähnt, der Fortbestand der gesetzgebenden Körperschaften ausdrücklich betont und Namen für die in Aussicht gestellten Schaffung einer das Direktorium ersetzenden Übergangsregierung nicht genannt.

Lucien Bonaparte schlug vor, die auseinander gejagten Abgeordnete des Rates der Fünfhundert wieder zu versammeln und sie über einen nach den Planungen erwarteten Beschluß (den Vorgaben der Hauptbeteiligten des Staatsstreiches entsprechend) abzustimmen zu lassen.

Gegen 21 Uhr war eine Anzahl von Abgeordneten - sowie sie sich zur Rückkehr hatten bewegen gelassen – versammelt. Zahlenangaben schwanken zwischen 30 und etwas über 300. Wahrscheinlich waren es tatsächlich deutlich weniger als das von Artikel 75 der Verfassung eigentlich verlangte Quorum, aber die Abgeordneten (Anhänger des Staatsstreichs oder so verschreckt, zu fast Allem Ja zu sagen) erklärten sich zur Mehrheit und stimmte zu.

Napoleon Bonaparte, Emmanuel Joseph Sieyès und Roger Ducos wurden (provisorische) Konsuln.

Durchsetzen der Macht als Erster Konsul

Napoleon zeigte sofort, sich nicht aus dem poltischen Tagesgeschäft weitgehend zurückziehen zu wollen. Als Anführer der Inlandsarmee, der Nationalgarden und der Parlamentswachen hatte er entscheidendes Gewicht. Sieyès entwarf eine Verfassung mit einem Großwähler (Grand Électeur), der gutbezahlt zwei Konsuln auswählte, aber selbst sonst keine Regierungsgewalt hatte. Napoleon Bonaparte lehnte dies ab und setzte sich gegen diesen Vorschlag, der die Stärke der Exekutive verringerte, durch. Ein Erster Konsul erhielt die entscheidende Macht. Zwei andere Konsuln wirkten als Gehilfen und Berater. Sieyès und Ducos traten zurück und wechselten dann in einen neugeschaffenen Senat. Jean Jacques Regis de Cambacérès und Charles-François Lebrun wurden neu Konsuln.

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Albrecht 14.06.2012, 06:43

Johannes Willms, Napoleon : eine Biographie. München : Beck, 2005, S. 234 – 235 (beginnend mit der Sitzung am 1. Dezember 1799, als Sieyès erstmals vor den anderen beiden Konsuln seien Verfassungsüberlegungen darstellte und Napoleon sich energisch gegen ihn wandte):
„Bonapartes heftige Reaktion verriet seine Absichten: Mit der Beseitigung der Volkswahlen konnte er ebenso gut leben wie mit der von Sieyès vorgesehen Zersplitterung der Legislative, nicht aber mit der Aufteilung der Exekutive zwischen zwei Consuln und einem Grand Électeur. Unmittelbar nach diesem ersten heftigen Zusammenstoß lud Bonaparte die Kommissare ein, ihre Beratungen in Gegenwart der drei Consuln in seinen Gemächern in Luxembourg fortzusetzen. Das bot ihm die Gewähr, sich durchzusetzen und von den ursprünglichen Entwürfen von Sieyès nur das beizubehalten, was ihm konvenierte. Am Abend des 12. Dezember 1799 war es soweit: Der jetzt vorliegende Verfassungsentwurf entsprach im wesentlichen Bonapartes Wünschen. Sein Triumph wurde mit einem einzigen Verfassungsartikel ratifiziert, der dem Ersten Consul diktatorische Vollmachten gab, während seien beiden Kollegen nur dekorative Funktionen hatten.

Dieser Verfassungsartikel steht für den zweiten, umso folgenreicheren Staatsstreich, mit dem sich Bonaparte endgültig in den Besitz der Macht brachte: Mit einem Federstrich usurpiert er die Souveränität, die im Sommer 1789 das »Volk« für sich erstritten hatte. Diese Enteignung rechtfertigte er mit dem Anspruch, derjenige zu sein, auf den sich das Vertrauen des ganzen Landes konzentrieren und den diese Legitimation umgekehrt verpflichte, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Bonaparte war nicht der »Gewählte«, sondern der »Erwählte«, der von der Vorsehung als Retter gesandt worden war. Dem in nur elf Tagen intensiver Arbeit gefundenen und in fünfundneunzig Artikel gegossenen Verfassungsentwurf musste die Verfassungskommission am 13. Dezember 1799 nur noch formell zustimmen. Bonaparte nutzte diese Gelegenheit, um seinen Triumph über Sieyès mit einer Demütigung zu krönen: Die drei Consuln sollten, um einen letzten Anstrich von Legalität zu wahren, durch einen Wahlakt der beiden Kommissionen bestimmt werden. Stimmzettel wurden ausgeteilt, mit dem Votum der Anwesenden versehen und in einer improvisierten Wahlurne gesammelt. Als man die Stimmzettel auszählen wollte, schritt Bonaparte ein, raffte die Stimmzettel zusammen und sagte zu Sieyès gewandt: »Statt auszuzählen, geben wir lieber dem Bürger Sieyès einen neuerlichen Beweis unserer Wertschätzung, indem wir ihm das recht übertragen, die drei ersten Magistrate der Republik zu bestimmen, und kommen wir gleichzeitig überein, dass diejenigen, die von ihm benannt sind, eben jene sind, die wir durch unser Votum bestimmen wollten«.

Sieyès tat, wie ihm geheißen, und nannte jenes Triumvirat, auf das sich Bonaparte mit ihm zuvor verständigt hatte: Bonaparte, Cambacérès und Lebrun. Bonaparte warf daraufhin die Wahlzettel in das Kaminfeuer: Auch dieses Spiel hatte er damit für sich entschieden.“

Eine Volksabstimmung am 7. Februar 1800 bezog sich auf eine schon am 13. Dezember 1799 (22. Frimaire des Jahres VIII) von einer Verfassungskommission beschlossene und am 25. Dezember 1799 (4. Nivôse des Jahres VIII) in Kraft gesetzte Verfassung (die Konsulatsverfassung) und die Konsuln. Offiziell gab es 3011007 Ja-Stimmen und 1562 Nein-Stimmen, bei 4 Millionen Enthaltungen.

Bei öffentlich ausliegenden Listen, in die hinter dem Namen „Ja“ oder „Nein“ eingetragen wurde, war eine gewisse Furcht, eine Gegenstimme könne unangenehme Folgen haben, nicht ausgeschlossen. Das Ergebnis ist bei den Zahlen der Ja-Stimmen vielleicht auch etwas geschönt worden. Napoleon Bonaparte ist aber damals in Frankreich sehr populär gewesen. Ein politisch nicht so interessierter Teil der wahlberechtigten Bevölkerung hat sich offensichtlich an der Stimmabgabe nicht beteiligt (Enthaltungen).

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Albrecht 14.06.2012, 06:49

2) Kaiserkrönung und Papst

Hintergründe

Der Papst und andere Priester waren bei der Kaiserkrönung anwesend, weil Napoleon Bonaparte für die Begründung eines Erbkaisertums Glanz und Legitimation (neben der Verfassung und der Auffassung, Repräsentant der Nation zu sein) wünschte. Von einer weihungsvollen Salbung durch den Papst hoffte er, in den Augen katholischer Gläubigen an Legitimation zu gewinnen.

Eine Krönung durch den Papst oder irgendeinen anderen Priester war dagegen nicht vorgesehen.

Napoleon hat sich selbst die Krone aufs Haupt gesetzt, weil die Kaiserwürde nicht vom Papst stammte und er nicht als dem Papst untergeordnet erscheinen wollte, als ob seine Macht von diesem verliehen sei. Napoleon hatte nicht vor, als irgendjemand untergeordnet und in seiner Stellung von ihm abhängig aufzutreten. Bei einem Konkordat mit dem Papst hatte Napoleon unter anderem auf Glaubensfreiheit und Trennung von Staat und Kirche bestanden. Der Katholizismus wurde nicht als Staatsreligion in Frankreich anerkannt.

Beim Krönungszeremoniell am 2. Dezember 1804 in der Kathedrale Notre-Dame de Paris wirkte Papst Pius VII. mit, weil er so bessere Chancen bei neuen Verhandlungen über die „Organischen Artikel“, Ausführungsbestimmungen zum Konkordat (Vereinbarung zwischen der katholischen Kirche und einem Staat; 15. Juli 1801 mit Frankreich unter Napoleon abgeschlossen; dieser hatte zwischenzeitlich sogar mit einem Übertritt zum Protestantismus – lutherisch oder calvinistisch gedroht ) und eine eventuelle Wiederherstellung des Kirchenstaates erhoffte und sich einer Bitte dann, nachdem er Anfang September 1804 zugesagt hatte, nur schwer entziehen konnte, auch wenn sie keine der angedeuteten Versprechen enthielt.

Vgl. zu Kaisertum und Krönung Johannes Willms, Napoleon : eine Biographie. München : Beck, 2005, S. 374 - 401

zum Ablauf

Napoleon hat sich nach der Salbung durch den Papst und dessen Segnung von Insignien (Abzeichen) des Kaisertums selbst die Krone auf das Haupt gesetzt und dann seine Frau Joséphine gekrönt.

Johannes Willms, Napoleon : eine Biographie. München : Beck, 2005, S. 398 - 399:
„Zunächst las der Papst eine Messe, während der Napoleon von Pius VII. zum Kaiser gesalbt und eingesegnet wurde, sich aber selbst die auf dem Altar liegende Krone aufs Haupt setzte, um dann die Kaiserin zu krönen.“

Volker Ullrich, Das erhabene Ungeheuer : Napoleon und andere historische Reportagen. Originalausgabe. München : Beck, 2008 (Beck'sche Reihe ; 1774), S. 17:
„Nach der Messe salbt der Papst das Paar auf Scheitel und Handflächen und segnet die Kronen. Dann erhebt sich Napoleon, nimmt die goldene Lorbeerkrone vom Altar und setzt sie sich aufs Haupt. Dies ist mit dem Papst so verabredet, und die zuerst von dem französischen Historiker Adolphe Thiers in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts aufgebrachte und seitdem immer wieder kolportierte Geschichte, nach der Napoleon dem Papst die Krone entrissen habe, um ihm die Schau zu stehlen, ist nichts weiter als eine Legende.“

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Kann leider nur das mit dem Papst beantworten: Napoleon krönte sich selbst zum Kaiser, der Papst war an dieser Zeremonie anwesend und salbte Napoleon auch, jedoch hatte er nie die Absicht ihn zu krönen( das wusste Napoleon glaube ich auch) . Der Papst erschien nur an dieser Zeremonie weil er Angst vor Napoleon hatte und ihn nicht als Feind wollte.

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Ferner war er Anfallskrank. Deswegen hatte er immer seinen Arm im Sakko.

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