Geringere Strafe bei erfolglosen (versuchten) Straftaten?

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4 Antworten

Die Antwort auf deine Frage steht im Gesetz, nämlich in § 23 Abs. 2 StGB:

"Der Versuch kann milder bestraft werden als die vollendete Tat (§ 49 Abs. 1)."

Also: Es ist nicht zwingend so, dass der Versuch milder bestraft wird, aber das Gericht kann ihn milder bestrafen. Das gilt für alle Straftaten.

Die zitierte Vorschrift verweist auf § 49 Abs. 1 StGB:

(1) Ist eine Milderung nach dieser Vorschrift vorgeschrieben oder zugelassen, so gilt für die Milderung folgendes:

1. An die Stelle von lebenslanger Freiheitsstrafe tritt Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren.
2. Bei zeitiger Freiheitsstrafe darf höchstens auf drei Viertel des angedrohten Höchstmaßes erkannt werden. Bei Geldstrafe gilt dasselbe für die Höchstzahl der Tagessätze.
3. Das erhöhte Mindestmaß einer Freiheitsstrafe ermäßigt sich

im Falle eines Mindestmaßes von zehn oder fünf Jahren auf zwei Jahre,

im Falle eines Mindestmaßes von drei oder zwei Jahren auf sechs Monate,

im Falle eines Mindestmaßes von einem Jahr auf drei Monate,

im übrigen auf das gesetzliche Mindestmaß.

(2) Darf das Gericht nach einem Gesetz, das auf diese Vorschrift verweist, die Strafe nach seinem Ermessen mildern, so kann es bis zum gesetzlichen Mindestmaß der angedrohten Strafe herabgehen oder statt auf Freiheitsstrafe auf Geldstrafe erkennen.

Ich nehme einmal ein Beispiel, um dir die Regelung zu verdeutlichen:

A hat einen Erbonkel O. Dieser möchte A aber enterben. Das erfährt A und beschließ, den O schnell zu töten, bevor dieser sein Testament ändern kann. Also legt er sich mit einem Gewehr auf die Lauer und wartet abend auf den O. O kommt an, A schießt, verfehlt ihn aber knapp.

Hier liegt als Straftat vor: Versuchter Mord (§§ 211, 22, 23 StGB). Das Strafmaß für einen Mord beträgt: Lebenslange Freiheitsstrafe.

Jetzt beschließt das Gericht, die Strafe gemäß § 23 Abs. 2 StGB (s.o.) zu mildern, weil es sich "nur" um einen Versuch handelt. Also: Nicht mehr lebenslänglich. Der neue Strafrahmen (also der Rahmen, in dem die Strafe liegen muss) berechnet sich jetzt nach § 49 Abs. 1 Nr. 1 StGB: An die Stelle von lebenslanger Freiheitsstrafe tritt Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren. Also ist der Strafrahmen, in dem die endgültige Strafe liegen muss: 3 Jahre bis 15 Jahre (das Höchstmaß für zeitige Freiheitsstrafen).

Ein weiteres Beispiel: A will B mit einem Messer ins Bein stechen. B weicht aus, der Stich geht daneben. A hat sich strafbar gemacht wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung (§§ 223, 224, 22, 23 StGB).

Der Strafrahme für gefährliche Körperverletzung ist: Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren. Jetzt entschließt sich das Gericht, die Strafe nach § 23 II StGB zu mildern. Es muss also in § 49 StGB gucken, wie jetzt der neue Strafrahmen aussieht, in dem die Strafe liegen muss.

Zuerst ist Abs. 2 zu beachten, um das neue Höchstmaß (vorher 10 Jahre) zu bestimmen: Es darf maximal 3/4 vom ursprünglichen Höchstmaß betragen: Also 7,5 Jahre.

Jetzt ist Abs. 3 zu beachten: Er regelt das neue Mindestmaß (vorher 6 Monate): Die ersten drei Fälle treffen also nicht zu (zehn oder fünf, drei oder zwei, ein Jahr), daher gilt der letzte Fall: "im übrigen auf das gesetzliche Mindestmaß". Das gesetzliche Mindestmaß einer Freiheitsstrafe ist in § 38 Abs. 2 StGB geregelt: Ein Monat.

Der neue Strafrahmen beträgt also jetzt nicht mehr 6 Monate bis 10 Jahre, sondern 1 Monat bis 7,5 Jahre. Innerhalb dieses Rahmens muss also die neue Strafe liegen.

Also nochmal der gesamte Gedankengang:

  • Es liegt eine versuchte Straftat vor.
  • Die Stafe für den Versuch richtet sich zunächst danach, wie die vollendete Straftat bestraft wird. Sie kann aber gemildert werden nach § 23 Abs. 2 StGB.
  • Das Gericht muss also erst entscheiden: Sollen wir die Strafe mildern oder nicht?
  • Entscheidet sich das Gericht für eine Milderung, so muss es in § 49 StGB schauen, was sich jetzt für ein neuer Strafrahmen ergibt.
  • Dabei ist zu ermitteln, wie das neue Höchstmaß und wie das neue Mindestmaß aussieht.
  • Innerhalb dieses neuen Strafrahmens muss jetzt die endgültige Strafe liegen.

Du merkst also, es ist einiges an Paragraphen-Springerei nötig. Noch komplizierter wird es, wenn noch andere Milderungsgründe hinzukommen, die dann die gemilderte Strafe nochmal mildern (zB Versuch wie hier und zusätzlich eine Milderung, weil der Täter unter großen Alkoholeinfluss stand, so dass er aber noch nicht ganz schuldunfäig war). Ein Richter muss also immer genau nachgucken, wie sich der Strafrahmen durch die ganzen Umstände verändert.

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Das steht im StGB (§ 23):

(1) Der Versuch eines Verbrechens ist stets strafbar, der Versuch eines Vergehens nur dann, wenn das Gesetz es ausdrücklich bestimmt.

(2) Der Versuch kann milder bestraft werden als die vollendete Tat (§ 49 Abs. 1).

(3) Hat der Täter aus grobem Unverstand verkannt, daß der Versuch nach der Art des Gegenstandes, an dem, oder des Mittels, mit dem die Tat begangen werden sollte, überhaupt nicht zur Vollendung führen konnte, so kann das Gericht von Strafe absehen oder die Strafe nach seinem Ermessen mildern (§ 49 Abs. 2).

Im §49 sind besondere Milderungsgründe genannt:

(1) Ist eine Milderung nach dieser Vorschrift vorgeschrieben oder zugelassen, so gilt für die Milderung folgendes:

1.An die Stelle von lebenslanger Freiheitsstrafe tritt Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren.
2.Bei zeitiger Freiheitsstrafe darf höchstens auf drei Viertel des angedrohten Höchstmaßes erkannt werden. Bei Geldstrafe gilt dasselbe für die Höchstzahl der Tagessätze.
3.Das erhöhte Mindestmaß einer Freiheitsstrafe ermäßigt sich

im Falle eines Mindestmaßes von zehn oder fünf Jahren auf zwei Jahre,

im Falle eines Mindestmaßes von drei oder zwei Jahren auf sechs Monate,

im Falle eines Mindestmaßes von einem Jahr auf drei Monate,

im übrigen auf das gesetzliche Mindestmaß.
(2) Darf das Gericht nach einem Gesetz, das auf diese Vorschrift verweist, die Strafe nach seinem Ermessen mildern, so kann es bis zum gesetzlichen Mindestmaß der angedrohten Strafe herabgehen oder statt auf Freiheitsstrafe auf Geldstrafe erkennen.
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Meines Wissens gilt für eine versuchte Straftat immer eine geringere Strafe als wenn man es wirklich macht, aber ganz sicher bin ich mir nicht.

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