Geplante Obsoleszenz

Das Ergebnis basiert auf 34 Abstimmungen

Die geplante Obsoleszenz ist unzumutbar/abzuschaffen/moralisch falsch 82%
Weiß nicht/Anderes 15%
Die geplante Obsoleszenz ist nötig/sinnvoll/vertretbar 3%

28 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Die geplante Obsoleszenz ist unzumutbar/abzuschaffen/moralisch falsch

Sie stellen durchaus eine interessante Frage, mit der sich kritische Wirtschaftswissenschaftler u.a. bereits schon eine Weile beschäftigen. Sehr kritisch wird mit dem Phänomen der 'planned obsolescence' durch die 'Zeitgeist'-Bewegung und v.a. das 'Venus Project' umgegangen - einfach mal googeln, das könnte Sie interessieren.

Doch um eine Antwort auf Ihre Frage zu geben:

Geplante Obsoleszenz ist in der Tat moralisch nicht vertretbar, wird jedoch (zur Aufrechterhaltung des monetären Systems, der Profitorientierung und des status quo) mit voller Kraft perpetuiert. Sie sind völlig im Recht, wenn Sie schreiben, dass die Ressourcen der Erde usw. diese Vorgehensweise nicht tragen (daher propagiert das Venus Project bspw. auch die Abschaffung des mit Geld funktionierenden, also monetären Wirtschaftssystems und plädiert für die Einführung eines auf Ressourcen basierenden Wirtschaftssystems). Dennoch sind die unreflektierten, gegenwarts- (und nicht zukunfts-)orientierten Handlungen der Wirtschaftselite ein Zeugnis davon, dass derartige Überlegungen momentan (noch?) nicht wirklich zur Debatte stehen. Ich empfehle den Film 'Who killed the electric car?' in diesem Zusammenhang, welcher zeigt, dass das Elektroauto bereits 1996 in großer Stückzahl erfolgreich produziert und vermarktet wurde, bis man bemerkt hat, dass die Öl-, Werkstatt- und Ersatzteilindustrie durch das Elektroauto kaum noch Konsumenten vorweisen können würde, so dass hunderte, neu produzierte, ungebrauchte, einwandfreie Elektrofahrzeuge eingestampft wurden. Erst jetzt, 15 (!) Jahre später beginnt Renault wieder mit der Z.E. Reihe, Elektroautos zu vermarkten.

Bei der ganzen Diskussion sollte ein Aspekt jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Bedenken Sie bitte, dass es nie das 'Wirtschaftsystem' ist (genauso wie es nie das 'politische System' usw. ist), welches für einen Zustand verantwortlich gemacht werden sollte. Vielmehr sind es die Menschen, die ein System (aus purer Gier o.ä.) für sich (aus-)nutzen. Kapitalismus, Marxismus, Sozialismus, Rassismus, Sexismus, usw. sind keine Konzepte, die den Menschen prägen, sondern Phänomene menschlichen Handelns, Denkens, usw., die durch diese Begriffe und Konzepte beschrieben werden.

Beste Grüße.

Ich würde es fast komplett unterschreiben. Einzige Änderung:

es sind nicht die Menschen, sondern es sind die Menschen, die die großen Prifiteure des monetären Systems sind.

DH für die Antwort.

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Ich kenne einen Film über das Venus Project und den Film "Who killed the electric car?" habe ich auch gesehen. Finde solche ernsten Themen die die Allgemeinheit betreffen und wovon viele nichts zu wissen scheinen, sehr interessant. Finde es sehr schade, dass die Bevölkerung (zumindest große Teile der Bevölkerung) nichts unternimmt.

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ja ganz nettv geschrieben doch Elektro Autos gab es bereits 1920 und nicht erst 1996!

Und Menschen machen die System aber darin nur die welche Macht ausüben, einerseits beklagen sie das System aber andererseits gehört ebenso ein tiefgreifende Analyse der aktuellen Strukturen dazu, den Menschen verständlich zu machen, wo sie konkret eingreifen könnten und was zu verändern wäre!

Und das dies bitte nicht nur zu machen ist und mit einem wahlzettel allein, alle paar Jahre möglich ist, ... Venus projekt mag ihnen nett erscheinen, ich halte es ebenso für einseitig technisch und diktatorisch, aber egal hier.

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@Sajonara

Danke für den Stern und das positive Feedback.

@ Sajonara: Danke für Ihren Kommentar. Zur Erklärung noch einige Worte.

  • Dass das Elektroauto bereits vor 1996 existierte, habe ich nie angezweifelt. Ich habe lediglich geschrieben, dass 1996 bereits in großen Stückzahlen mehrere Elektrofahrzeugreihen produziert wurden.

  • Auch stimme ich Ihrem zweiten Punkt zu. Bildung ist das A und O wenn es darum geht, wahre Veränderung (strukturell, politisch, gesellschaftlich, usw.) zu bewirken. Viele moderne Bewegungen haben dies erkannt. Problematisch ist jedoch, dass hinter jeder Bewegung eine (ideologische) Agenda steht, auf deren Grundlage die Informationen 'sortiert' werden, welche an die Menschen herangetragen werden. Der Wahlzettel als Ausgangspunkt oder Mittel zur Veränderung ist, auch da stimme ich Ihnen zu, ohne Frage recht ineffektiv.

  • Ihre Kritik am Venus Project verstehe ich, so dass ich auch nicht mehr davon halte, als was Sie mir zuschreiben, nämlich, es 'nett' zu finden. In der Tat hat Jacque Fresco zu mechanistische Ansichten, das Venus Project erinnert zu sehr an eine Technokratie, die Eigenverantwortlichkeit des/r Einzelnen scheint für die Überlegenheit der computerisierten Ratio in den Hintergrund gedrängt, usw. Wie sie bereits schrieben - es handelt sich auch m.E. um einen 'netten' Ansatz, welcher jedoch an der Umsetzung zu scheitern vermag.

Beste Grüße.

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Die geplante Obsoleszenz ist unzumutbar/abzuschaffen/moralisch falsch

Eigentlich reicht ein philosophischer Ansatz, um die Frage ausreichend zu beantworten:

Wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss vergiftet und der letzte Fisch gefangen ist, dann werdet ihr vielleicht einsehen, dass man Geld nicht essen kann.

Ich stelle mir als Unternehmer selbst die Frage, ob geplante Obsoleszenz erforderlich ist. Und ich bin der Meinung, dass es nicht so ist. Generell könnten viele Firmen auch hervorragend von der Dienstleistung der Reparatur leben.

Ein österreichischer Wirtschaftsminister hatte vor einigen Jahren die Idee, dass Hersteller verpflichtet werden sollten, ihre Produkte nicht mehr zu verkaufen, sondern sie zu vermieten. Das heißt, das Produkt geht am Ende seiner Lebenszeit wieder an den Hersteller zurück. Dieser wäre also gut darin beraten, möglichst lange Lebensdauern zu erreichen, um die Miete möglichst lange aufrecht zu erhalten. Den Ansatz finde ich spannend und würde ihn gerne mal ausgiebig diskutieren.

Mein Unternehmen ist in der IT Branche angesiedelt und gerade hier herrscht ein extrem kurzer Product-Life-Cycle. Oft werden komplette IT-Anlagen nach nur 3-4 Jahren Nutzungsdauer entsorgt und landen am Müll.

Aber warum brauchen wir immer neue Geräte? Warum werden die Betriebssysteme immer hungriger nach Speicher und Prozessorleistung? Warum müssen die Festplatten jedes Jahr doppelt so groß sein? Müssen wir wirklich nach jedem Urlaub mit 500 Digitalfotos heimkommen? Oder würden nicht 20-30 Fotos herkömmlicher Art reichen?

Anfangen können nur wir Konsumenten, in dem wir Herstellern wie HP, Epson, Samsung nicht dauernd die neuen Produkte abkaufen, sondern indem wir uns überlegen, ob wir nicht den lokalen Elektroniker oder Hardware-Bastler unseren defekten Tintenstrahldrucker zur Reparatur bringen (auch wenn es vielleicht mehr kostet, als ein neues Gerät)!

Denkt darüber nach!

Die geplante Obsoleszenz ist unzumutbar/abzuschaffen/moralisch falsch

ein grosses Problem unserer Zeit. Leider funktioniert ein grosser Teil unserer Konsumwirtschaft nach diesem Prinzip. Aber sind wir ehrlich, wir kaufen doch gern den Laserdrucker für 70€. Gewisse Waschmaschinenhersteller machen Lager (der Waschtrommel), die nach 5000 Waschgängen kaputt gehen. Will man ein solche (als kleines Zweitgerät) in ein Mehrfamilienhaus einbauen, verkaufen sie es einem nicht, weil es zu schnell kaputt geht^^. Die "grossen" Maschinen für MFH halten eben mehr aus. Solange wir nach der Devise "Gejz ist gejl" leben gehören solche Obsoleszenzen zu unserem Leben. Jeder Konsument kann hier etwas tun, indem er/sie Produkte kauft, die lange leben und sich dafür stark macht. Aber dann zahlt man auch mehr für sein Produkt. Und als Argument dagegen würde ich hier einfach Nachhaltigkeit und Umweltschutz angeben.

wieso darf ich nicht gejl schreiben??? Also so schlimm ist dieses Wort nun wirklich nicht.

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Obsoleszenz (geplanter Verschleiß) ist eines der Hauptargumente ihrer Wirtschaftsfreunde, interessant das sie dazu so eine differenzierte Ansicht vertreten, eigentlich sollte man als Verherrlicher der aktuellen Wirtschaftsordnung doch dazu aufrufen, das noch mehr und immer schneller verbraucht und die Ressourcen verschleudert werden, bin ganz enttäuscht, ..

Aber Menschen sind übrigens "Menschen" und keine "Verbraucher" und "Konsumenten", da widersprechen sie sich aber irgendwo,..naja, wenn man diese ganze einseitige Ideologie auswendig lernen musste, ..

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@Sajonara

also ich bin ein denkender Mensch, Verbraucher, Konsument oder wie Sie das auch immer nennen wollen (den Teil Ihres Kommentares ist mir aber schleierhaft, was Sie damit meinen) und entsprechend handle ich und argumentiere nach meinem Gewissen und Wissen. Ich habe eine gute Ausbildung geniessen dürfen (deren Kosten mein Staat zum grössten Teil trug, wofür ich dankbar bin, jedoch ist diese Ausbildung nur deshalb so gut und preiswert, da es meinem land sehr gut geht, weil wir wirtschaftlich erfolgreich sind). Ich möchte Sie doch bitten mich nicht in irgend ein Schema zu zwängen, Sie würden es vermutlich nicht schaffen mich korrekt zu beschreiben, da Sie mich nicht kennen oder mich als Wirtschaftsfreund zu "denunzieren". Ich bezeichne Sie auch nicht als Sozi oder Kommunist, da ich trotz Ihrer sehr klarern Abneigung gegen alles Marktwirtschaftliche, Sie nicht kategorisieren kann und möchte. Ich bilde mir eine eigene Meinung aufgrund von Informationen und bete nicht einfach eine Ideologie herunter. Sozial und wirtschaftsfreundlich widersprechen sich nicht. Und mit den Worten Brechts: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral." Nur weil es uns heute so gut geht, können wir uns überhaupt solch ausgeprägte soziale Netze leisten. Wer früher nicht arbeiten konnte musste auf Almosen hoffen oder ist schlicht einfach verhungert. Es ist nicht alles so böse, was mit wirtschaft zu tun hat. Sicher, viele Sachen laufen schief, aber vieles auch richtig. Und bitte, kommentieren Sie das nicht mehr, ich glaube wir wissen beide, was wir von einander halten und müssen das hier nicht weiterführen. Und als Bemerkung am Rande: Eines meiner Fach- und Interessensgebiete ist Umwelt- und Energieökonomik und dabei geht es nicht darum wie man den Planeten am schnellsten ausschlachtet.

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@Sajonara

es gibt in der gesellschaft eine schicht, die ist SATT, und denen geht doch eh alles am A...sch vorbei was die umwelt angeht, auch wenn afrika unter 12 meter büroschrott liegen sollte.

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Die geplante Obsoleszenz ist unzumutbar/abzuschaffen/moralisch falsch

Viele kluge Antworten habe ich bisher gelesen. Natürlich habe ich die Sendung gesehen und bin erschüttert. Der Mensch scheint es nicht zu verdienen, noch längere Zeit auf diesem Planeten leben zu dürfen. Alles wird nur von der Möglichkeit bestimmt, schnell Geld zu machen, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Was können wir tun? Vielleicht hilft es schon, nicht jede Mode mitzumachen. Bekämpfen wir also die psychische Obsoleszenz. In dem Film gabe es Beispiele, wie man sich gegen die geplante Obsoleszenz wehren kann, ich meine den Drucker, der wieder funktioniert und die i-pods, deren Akku jetzt ausgetauscht werden kann.

M.V.

Die geplante Obsoleszenz ist unzumutbar/abzuschaffen/moralisch falsch

kleiner Nachtrag:

.. auch wenn er im Nirvana landen wird.

Es besteht kein wirkliches Interesse Wege aus der "geplanten Obsoleszenz" zu finden, denn die gäbe es. Mit den Konsequenzen daraus, mag eben scheinbar keiner (kein westlicher Konsument) leben. Das dürfte noch 2-3 Generation dauern..

Zitat aus der TAZ 24.12.2008:

" Richtig los ging es damit jedoch erst, als die Siemensmanager in der Treuhand-Betriebsbewertungsgruppe Narva auf die Abwicklungsliste setzten und der Treuhandpräsident Detlef Rohwedder erschossen wurde (laut Bild-Zeitung "beim Auswechseln einer kaputten Glühbirne"), nachdem er die geplante Narva-Abwicklung ausgesetzt hatte. Dieses Werk wurde dann von Rohwedders Nachfolgerin an drei Westberliner Immobilienspekulanten verkauft. Nach Protesten musste die Treuhand diese heimliche Abwicklung rückgängig machen. Sodann trat Dieter Binninger als Narva-Käufer auf den Plan. Er hatte eine Glühbirne entwickelt, die 150.000 Stunden hielt (42 Jahre - so lange wie die DDR), die er in einer Fabrik mit nur einem Arbeiter, Herrn Weinstock aus Poznan, produzierte. Nachdem er seine Kaufofferte für Narva abgegeben hatte, stürzte Binninger mit dem Flugzeug ab. "

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