Gentechnische Lebensmittel kaufen?

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7 Antworten

Hallo

Ich selbst würde und werde keine gentechnisch veränderten Lebensmittel (gvL) essen. Warum nicht? Weil der Mensch während seiner Evolution keine gvL gegessen hat und somit nicht auf deren Verzehr vorbereitet ist..

Wenn man sicher sein wollte, dass solche gvL nicht schaden, müsste man in einem Großversuch viele tausend Menschen dazu bringen, ihr ganzes Leben lang gvL zu verzehren, und dann die Gesundheit dieser Menschen mit der Gesundheit von ebenfalls vielen tausend Menschen vergleichen, die unter vergleichbaren Lebensumständen leben aber nur herkömmliche Lebensmittel essen. Zum Vergleich gehören Punkte, wie ab welchem Alter treten erste "Alterskrankheiten" auf, ab welchem Alter werden die Menschen zu Pflegefällen, in welchem Alter sterben sie usw. Da gesunde Menschen 80 bis 100 Jahre alt werden, wäre das ein Langzeit-Versuch, dessen Endergebnis viele von uns nicht mehr erleben würden.

Wer also heute schon gvL isst, obwohl ja noch kein  Versuchsergebnis vorliegt, macht sich zum Versuchskaninchen für diejenigen, die an der Gentechnik verdienen.

Das gleiche Dilemma gibt es übrigens bei der Einnahme von Medikamenten, vor allem bei der Langzeiteinnahme bei chronischen Krankheiten. Auch auf diese ist der menschliche Körper durch die Evolution nicht vorbereitet. Und wenn man liest, dass Nebenwirkungen von Medikamenten heute bereits die dritthäufigste Todesursache seien, dann wird man schon nachdenklich. Dabei könnte der Medikamenteneinsatz in den meisten Fällen durch einen gesunden "Lebensstil" (gesunde Ernährung, genügend Bewegung, ausreichend Schlaf, Stressbewältigung, gutes soziales Umfeld) vermieden werden. Man "muss", wie ich aus eigener Erfahrung weiß, auch im "hohen" Alter von 83 Jahren keinerlei Medikamente nehmen. 

Fazit: Wer gvL isst, nimmt freiwillig und auf eigenes Risiko an einem Großversuch teil, dessen Ergebnis erst in 50, 60 Jahren ersichtlich sein wird.

 

biotechnologe 08.07.2017, 16:22

Jedes gvL ist anders. Man müsste es daher von Fall zu Fall betrachten. Zum Beispiel wäre ein einfacher Fall eine Kartoffel, die einen höheren Vitamin c Gehalt hat. Sonst ist nichts an der Kartoffel verändert. Zur Sicherheit ist das ganze Genom sequenziert worden um zu überprüfen, ob andere Gene verändert wurden und eine komplette Analyse der Stoffe in der Kartoffel gemacht worden und mit herkömmlichen Kartoffeln verglichen worden. Ist also ein höherer vitamin c Gehalt für dich als kritisch zu betrachten? Abgesehen davon, dass durch Züchtungen entstandene Produkte nicht kontrolliert werden und eine Testphase nach deiner Meinung bei so ziemlich jedem Organismus durchgeführt werden müsste. Mais, Bananen, Zucchini und Co, alle wurden vom Menschen gezüchtet. Da waren überall toxische Stoffe drin und sind sonst auch ungenießbar gewesen. Sollte man also auf den positiven Einfluss von Gentechnik Produkten verzichten, nur um ein Risiko im Griff zu haben, dass wir in der Vergangenheit bei Züchtungen auch schmerzlich vernachlässigt haben?

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HEWKLDOe 08.07.2017, 17:26
@biotechnologe

Wenn es so ist, wie von dir geschildert, dann ist diese Kartoffel mit erhöhtem Vit.- C-Gehalt ja gar kein gentechnisch verändertes Lebensmittel. Dann kann man sie natürlich ebenso bedenkenlos verzehren wie andere konventionell durchgeführte Neuzüchtungen. Dann sehe ich aber auch keinen Grund, warum man das dem Verbraucher nicht klipp und klar erläutert. 

Der Punkt bei den meisten gvL ist aber, dass da Gene eingeschleust werden,  die "humanfremd" sind, also dem menschlichen Körper bisher nicht bekannt sind. Bei den komplexen Abläufen während der Verdauung und bei der anschließenden Synthese der verschiedenen menschlichen Enzyme, Gewebe usw. weiß niemand,  welchen Schaden diese fremden Gene anrichten können. 

Vielleicht bist du schon alt genug, um dich noch an die "Contergan-Kinder" zu erinnern, die mit verstümmelten Extremitäten geboren wurden, weil ihre Mütter in einer bestimmten Phase der Schwangerschaft den Wirkstoff Thalidomid im Blut hatten. Man sagte damals zur Entschuldigung: Das war nicht vorhersehbar. Richtig! Aber auch die Schäden, die durch eingeschleuste Fremdgene in gvL im menschlichen Körper entstehen können, sind aus heutiger Sicht nicht vorhersehbar.

Daher bleibe ich bei der Meinung, dass man bei der bedenkenlosen Freigabe von gvL ein unverantwortbares Risiko für die Menschen eingeht nach der amerikanischen Denkweise: Erst mal ausprobieren und erst dann, wenn es schiefgegangen ist, verbieten.

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biotechnologe 08.07.2017, 19:34

Durchaus können Kartoffeln mit höheren Nährwertgehalten gentechnisch verändert sein. Indem zb. Bestimmte Enzyme besonders stark synthetisiert werden oder andere Stoffwechselwege unterbunden werden. Genauso wie zb die Einführung von Resistenzgenen alter Apfelsorten in neue. Das wären dann Cisgene Pflanzen. Die sind also auch gentechnisch verändert. Sind sie deshalb automatisch ein Risiko? Herbizidresistente Maissorten haben zb ein Enzym aus einem Bakterium eingebracht, dass das Herbizid unschädlich macht. In Tests auf Toxizität und Allergene lässt sich durch Gabe von hohen Dosen und wiederholten repetitiven Dosen an Mäusen Effekte ganz gut analysieren. Eine absolute Sicherheit gibt es natürlich nicht. Und in der Vergangenheit ist vieles schief gelaufen, aus Unwissenheit und aus Habgier. Aber ist der richtige Weg jetzt Gentechnik komplett außen vor zu lassen und die positiven Effekte zu ignorieren? Geringerer Einsatz von Pestiziden, gesündere Lebensmittel (vorausgesetzt es treten durch allen Sicherheitsmaßnahmen keine Fehler auf), Schonung des Bodens und der Vegetation.. Das ist nämlich die andere Seite der Medaille ohne Gentechnik. Bedenkenlos ist die Freigabe ja nicht und niemand will die haben. Es gibt Regelungen und Gesetze. Zb von der OECD vorgegebene Sicherheitsbewertungen, nach denen gentechnische Pflanzen kultiviert werden dürfen (welche Herkunft, test des Produktes, test des Ursprungs, Nachhaltigkeit, Nutzen für den Verbraucher...).

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HEWKLDOe 09.07.2017, 00:00

Deine Argumente sind gut und richtig, können aber das Langzeitrisiko nicht aus der Welt schaffen. Wie ich vor wenigen Stunden irgendwo gelesen habe, findet der von mir vorgeschlagene Großversuch ja schon längst statt, indem in den USA weite Teile der (vermutlich ärmeren) Bevölkerung ohne Bedenken, wahrscheinlich sogar ohne es zu wissen, gvL verzehren. So kann ich nur wünschen, dass meine Bedenken sich als irrelevant erweisen.

Interessant ist aber schon, dass z.B. Ostasiaten (Japaner, Koreaner usw.) beim Verzehr von Milch und Milchprodukten heftige Verdauungsstörungen erleiden, weil ihr Körper noch nicht an die in diesem Kulturkreis unübliche Verwendung von Kuhmilch als Nahrung angepasst ist. Auch die Umstellung der Menschen in Europa auf den Verzehr von Getreideprodukten vor etwa 5000 bis 10000 Jahren bei der Sesshaftwerdung der Menschen als Bauern ist noch nicht voll abgeschlossen, wie die gelegentliche auftretende Glutenunverträglichkeit zeigt.

Bei den gvL mit eingebauten Fremdgenen, die wahrscheinlich außerdem von Pflanzenart zu Pflanzenart unterschiedlich sind und in den vorsteinzeitlichen Lebensmitteln sicherlich auch nicht in ähnlicher Form vorhanden waren, rechne ich wirklich bei Langzeitbelastung mit erheblichen Gesundheitsschäden, die aber vielleicht erst in 20, 30 Jahren oder später zum Vorschein kommen.

Eines ist aber sicher richtig: Die Gentechnik wird weiter fortschreiten. Das Gute daran ist, dass man inzwischen ein immer tieferes Verständnis für die ineinander verwobenen biologisch-chemischen Abläufe in den Zellen und für die Ausgleichsvorgänge zwischen den Zellen entwickelt hat und dass damit die Wahrscheinlichkeit für positive (Menschen- und Umwelt-verträgliche) Entwicklungen steigt. Dafür im Allgemeinen aber auch für Dein spezielles Entwicklungsprogramm wünsche ich aufrichtig Erfolg!
Ich habe nämlich früher selbst als Entwicklungsingenieur gearbeitet, wenn auch "nur" auf dem Gebiet elektrischer Bauelemente, genauer bei der Entwicklung spezieller Kondensatoren aus im Vakuum Metall-bedampften Kunststofffolien (Polyethylenterephthalat (Mylar), Polypropylen, Polycarbonat u.a.). Wir Entwickler hatten allerdings den Vorteil, dass wir z.B. über erhöhte Umgebungstemperatur im Dauerversuch sozusagen im Zeitraffertempo die Langzeiteigenschaften ermitteln konnten und dass wir kein menschliches Leid verursachten (außer vielleicht bei den Chefs), wenn eine Versuchsvariante zu verfrühten und erhöhten Ausfällen führte. Naja, das ist schon lange her.

Danke für die interessante Diskussion und viel Erfolg!
HEWKLDOe.

 

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matmatmat 13.07.2017, 22:19

Ich selbst würde und werde keine gentechnisch veränderten Lebensmittel (gvL) essen.

hast Du schon mal Brot oder Äpfel gegessen? Dann hast Du schon genveränderte lebensmittel gegessen.

Warum nicht? Weil der Mensch während seiner Evolution keine gvL gegessen hat und somit nicht auf deren Verzehr vorbereitet ist..

Das ist nicht, wie Evolution funktioniert... aber mal davon ab, was würdest Du schätzen, wieviele der Produkte im Supermarkt es vor 500 oder auch nur vor 50 Jahren gab? Sind wir drauf vorbereitet Dosengemüse zu essen?


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HEWKLDOe 16.07.2017, 00:05
@matmatmat

Hallo matmatmat,

ich denke, man sollte zwischen gentechnisch verändert und genverändert unterscheiden. Natürlich ist jede Apfelsorte gegenüber einer anderen Apfelsorte genverändert, sonst wäre sie ja die gleiche Sorte. Bei der natürlichen Züchtung werden "natürliche", also schon länger vorhandene Gene anders kombiniert als vorher. Bei gentechnisch veränderten Pflanzen, werden meines Wissens (aber genau kenn ich mich da nicht aus!) Gene so manipuliert, das auch Abweichungen, sozusagen neue oder "fremdartige" Gene entstehen und ins Genom eingebaut werden und eben diese "neuen" Gene möchte ich nicht ausprobieren.

Was das Dosengemüse betrifft: Seit 6 Jahren, seit dem Tod meiner Frau, esse ich keine industriell gefertigte Nahrung (in Dosen, Gläsern, Kunststoffbeuteln, Tüten oder wie auch immer) inklusive der diversen Nahrungsmittelzusatzstoffe mehr. "When man made it. hate it!" Ausnahmen: Heringe in Tomatensoße, Harzer Roller und Deutscher Camembert (zwei Käsesorten). Mein Grünzeug kaufe ich roh und verzehre es roh (in der stillen Hoffnung, dass da noch nichts gentechnisch verändert wurde).

Neuerdings esse ich auch ab und zu in kleinen Versuchsmengen "Wildkräuter" frisch von der Wiese oder vom Wald, wie z.B. Gänseblümchen, Löwenzahn, Giersch, Knoblauchsrauke usw., bei denen ich also wirklich sicher sein kann, keine gentechnisch veränderte Pflanzen zu verspeisen. Jaja, stimmt schon, man kann's auch übertreiben!

Nichts für ungut, aber ich bleibe bei meiner Denk- und Lebensweise.

Mit besten Grüßen, HEWKLDOe.

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Gentechnisch hergestellt sind viele Zutaten in erhältlichen Lebensmitteln, das ist aber nicht derartig deklariert, du meinst sicher gentechnisch veränderte Lebensmittel.

Also ja zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln, denn prinzipiell besteht kein größeres Risiko als bei sonst üblichen Verfahren in der konventionellen Züchtung.

Daneben bieten sie meist nicht nur den Landwirten einen finanziellen Vorteil, sondern können auch vorteilhaft bezogen auf Umwelteffekte sein.

Das müsste ich von Fall zu Fall entscheiden. Momentan, finde ich, kommen wir sehr gut ohne "Green Biotech" aus. In Europa ist meines WIssens nur sehr wenig an GVOs zugelassen und persönlich vermisse ich da jetzt nix... 

Genetisch veränderte "functional foods" würde ich eher nicht verwenden. Ich bin sehr skeptisch, ob derlei wirklich einen Vorteil gegenüber einfachen frischen Lebensmitteln böte.

Generell bin ich jedoch kein Genfood-Gegner. Ich sehe da geringe Gefahren für den Konsumenten beim Verzehr. Wir haben die Einführung der Kiwi vertragen, da stecken mehr für uns fremde Proteine drin, als in jedem GVO. Ich sehe aber auch keinen rechten Vorteil.

Kritisch sehe ich dagegen die politisch-ökonomischen Aspekte des Genfood-Business.

Ich habe auch keine bedenken solche Lebensmittel zu kaufen, schließlich haben die auf natürliche weise gezüchtete Lebensmittel andere Gene, sonst wären die ja nicht verändert.

Ich kaufe schon seit Jahren geklonte Kartoffeln, hatte nie Probleme damit.

pythonpups 08.07.2017, 21:07

Geklont ist nicht gleich gentechnisch hergestellt oder verändert.

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tryanswer 08.07.2017, 21:15
@pythonpups

Und der Weizen, aus dem mein Brot gemacht wird, wurde gezüchtet - sprich die Gene rekombiniert. Entspricht das mehr deiner Definition von Gentechnik?

Gentechnik ist nichts anderes als die Kontrolle eines Vorgangs, der in der Natur unkontrolliert abläuft.

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Solche Sicherheitsversprechen wären sehr unseriös. Die Langzeitwirkung wird sich erst nach Jahrzehnten zeigen. Nicht mal bei neu zugelassenen Medikamenten wird so eine Sicherheit deklariert.

Warum nicht?

Die sind besser auf Verträglichkeit getestet als die anderen Nahrungsmittel.

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