Generisches Maskulinum - Deutsche Sprache und ihre Probleme

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4 Antworten

Es gibt das biologische Geschlecht und das grammatische Geschlecht. Beide sind häufig identisch, aber nicht immer. Zudem sind insbesondere die Wörter "Mann" (in Zusammensetzungen -mann) und "man" in ihrer ursprünglichen Bedeutung häufig unbekannt. Beide bedeuten oft einfach "Mensch", man = (jeder) Mensch, jemand = irgendein Mensch, niemand = kein Mensch.

Z.B.: Wenn ich sage "ich gehe zum Arzt", dann ist Arzt eine Institution und sagt nichts über das biologische Geschlecht der Person Arzt aus. Das ist ja für die Funktion Arzt auch unwichtig.

Es gibt 2 Wortpaare:

1. Mann / Weib (--> männlich / weiblich),

2. Herr / Frau.

Das erste Paar bezeichnet die biologische Seite, das zweite Paar bezeichnt die gesellschaftliche Stellung und damit die Anrede.

Wenn man das altdeutsche Wortpaar fron / frouwe (Herr / Herrin) hinzuzieht, versteht man, daß hier eine Vermischung der Wortpaare stattgefunden hat zu Mann / Frau. Auf die historische Begründung kann ich hier nicht eingehen.

Wenn also die Emanzen der 70er Jahre meinen, dem Wort "man" ein Wort "frau" gegenüber (nicht an die Seite) stellen zu müssen, dann zeugt das vom Unverständnis der deutschen Sprache und polarisiert zudem. Wer immer von Wählern und Wählerinnen, Bürger und Bürgerinnen spricht, spricht immer von Menschen und Frauen und beleidigt damit die Frauen, denn der Bürger ist ein Mensch, so wie der Wähler ein Mensch ist. Der Bürger wird ja nicht als Mann angesprochen, sondern als Person, als Teil des Staates. Ist denn die Person immer eine Frau? Oder die Geisel?

Fazit: der Feuerwehrmann ist eine Institution und/oder eine Funktion, grammatisch männlich, biologisch nicht eindeutig (ist ja auch nicht nötig). Also: Doris ist ein Feuerwehrmann, der . . . und . . . Doris, die . . .

Kurios: "weiblich" leitet sich von einem grammatischen Neutrum (Weib) ab, bezeichnet aber immer ein Femininum, "sächlich" leitet sich von einem Femininum (Sache) ab, bezeichnet aber immer ein Neutrum.

Natürlich könntest du auch Feuerwehrfrau sagen, aber das klingt konstruiert und ist unhandlich.

Doris ist eine Feuerwehrfrau, die - was eine Anforderung an alle Feuerwehrleute ist, -keine Angst vor dem Feuer hat.

Den geschlechtsindifferenten Gebrauch von Wörtern wie Feuerwehrmann (also wenn man/frau - oder kürzer mau ;-) damit auch eine Feuerwehrfrau bezeichnen will, nennt man androzentrisch. Früher sagten die Feministinnen und Feministen dafür sexistisch. Aber heute spricht mau moderater von Gleichstellung und "gender mainstreaming".

Der multisexuelle Gebrauch männlicher Formen ist bereits in niedere Bildungsschichten abgesunken, wenngleich noch sehr verbreitet, wie man gerade in Foren wie hier erkennen kann. Bei manchen Wörtern ist das deutlicher als bei anderen. Worte wie "Fachmann" sind, in ihrem geschlechtsindifferenten Gebrauch (wenn sie also auch für Fachfrauen gelten sollen) anerkanntermaßen diskriminierend. Dafür gibt es sogar Gesetze (Anzeigengestaltung für Stellenausschreibungen). Ob das immer glücklich ist, lässt sich diskutieren. In der Politik in Deutschland ist die Situation momentan ja ziemlich schwierig, da die Familienministerin für Gleichstellungsanliegen nicht aufgeschlossen ist.

Schau in der Wikipedia bei Luise Pusch, die beackert mit ihren Büchern dieses Feld seit den 1970er Jahren (Alle Menschen werden Brüder). Früher hiess das Fach feministische Linguistik, heute spricht mau von geschlechtergerechter oder diskriminierungsfreier Sprache.

Barthimaeus 19.01.2012, 22:23

Was meinst du damit "Der multisexuelle Gebrauch männlicher Formen ist bereits in niedere Bildungsschichten abgesunken[...] wie man gerade in Foren wie hier erkennen kann". Ich finde das ist keine einfache Frage, die man pauschal beantworten kann, die Antworten gehen von vielen Leuten auseinander. Du sagst zwar, dass im Satz "Doris ist eine Feuerwehrfrau, die..." das Wort in eine weibliche Form bringt, aber willst du das auch für Wörter wie "Engel" machen, sprich das du sagst "Doris ist eine Engelin, die..."?

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Das relativpronomen bezieht sich in deine fällen auf feuerwehrmann und engel also sozusagen fast immer auf das wort was vor dem Komma steht ... Ander wärs so :

Doris , die gut aussieht , ist ein engel

und bei deinem fall Doris ist ein engel,der gut aussieht

Mfg

Genau, immer in Kongruenz zum bezeichnenden Nomen, aber, sag mal: Doris ist doch eine Feuerwehrfrau :) und die Probleme entstehen gar nicht.

Anders ist es beim Mädchen. Das Mädchen! Also, das Mädchen, das dort geht! Falsch: die dort geht .

Da gibts ne Diskrepanz zwischen natürlichem und grammatischem Geschlecht.

Gibts auch in anderen Sprachen. zb Agricola (der Bauer, lat) ist feminin vom Wort her.

Barthimaeus 19.01.2012, 22:18

Ok aber wenn es jetzt zum Beispiel um den Engel geht, es gibt im deutschen Sprachgebrauch ja keine "Engelin". Würde es dann heißen: "Doris ist ein Engel,die..." oder "Doris ist ein Engel, der..." oder "Doris ist eine Engelin, die...". Bei Feuerwehrmann/Feuerwehrfrau versteht sich das ja noch, obwohl sich "Feuerwehrfrau" etwas "upgespaced" anhört.

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Annuk 20.01.2012, 09:46
@Barthimaeus

Namen maskulin > Relativpronomen maskulin, also ein Engel, der- egal ob frau oder Mann!

Eben wie gesagt bei Beispiel Mädchen

Das Mädchen, DAS ...obwohl diePerson feminin ist!

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Rudolf36 20.01.2012, 14:10

und welcher Artikel gehört zu agricola?

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Annuk 20.01.2012, 15:16
@Rudolf36

erstmal gar keiner. lateiner benutzen keine. aber wenns z..b. um demonstrativpronomen , interrogativpronomen oder die kongruenz von adjetiven geht, dann die feminine variante.

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