Genehmigter Urlaub aus betrieblichen Gründen gestrichen, Urlaub aber bereits gebucht und bezahlt, was soll ich tun?

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8 Antworten

Ich kann dir nur die rechtliche Situation aufzeigen - die im Übrigen klipp und klar für Dich spricht -, aber Dir nicht sagen, wie Du Dein Recht "unbeschadet" gegenüber Deinem Arbeitgeber durchsetzen kannst´, denn "Recht haben" und "Recht bekommen" sind leider viel zu oft zwei sehr verschiedene Dinge ...

Zur rechtlichen Lage:

Der Arbeitgeber - als der Schuldner Deines Urlaubsanspruchs - darf ohne Dein Einverständnis eine einmal erteilte Urlaubsgenehmigung grundsätzlich nicht widerrufen!

Eine Ausnahme davon wäre nach Auffassung aller Arbeitsgerichte allenfalls theoretisch denkbar - so jedenfalls das Ergebnis der bisherigen Rechtsprechungen in dieser Frage -, wenn durch den Urlaubsantritt die wirtschaftliche Existenz des Betriebs konkret bedroht wäre.

So wie wilees in einer Ergänzung zu seiner Antwort schon richtig geschrieben hat: Ein "Großauftrag" reicht nicht aus zur Begründung für einen Widerruf der Urlaubsgenehmigung - allenfalls für die Verweigerung der Genehmigung eines Urlaubsantrags - und dass Argument eines gekündigten Azubis erst recht nicht!

Allerdings darfst Du trotz dieses widerrechtlichen Widerrufs den Urlaub nicht eigenmächtig antreten, da Du damit schwerwiegende arbeitsrechtliche Konsequenzen bis zur Kündigung riskierst (einmal abgesehen davon, dass Du ohnehin noch in der Probezeit bist und Dir sowieso jederzeit gekündigt werden kann).

Die einzige rechtliche Möglichkeit die Du hast, wenn der Arbeitgeber nicht auf Argumente und Hinweise (siehe die Links in der Ergänzung von wilees) eingeht, ist eine Leistungsklage beim Arbeitsgericht, mit der die Urlaubsgewährung erstritten werden kann.

Wenn die Zeit für eine Klage nicht mehr ausreicht, muss beim Gereicht eine einstweilige Verfügung gegen den Arbeitgeber erwirkt werden, um den Urlaub antreten zu können.

Für Klage oder Antrag würdest Du (in der 1, Instanz des Arbeitsgerichtsverfahrens) keinen Anwalt benötigen, wenn Du Dir das selbst zutrauen und diesen Weg (mit allen Risiken für Dein Arbeitsverhältnis) gehen solltest. Einen Anwalt müsstest Du ohnehin in jedem Fall, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens, selbst bezahlen (wenn Du keine passende Rechtsschutzversicherung hast oder nicht Gewerkschaftsmitglied bist).

Die Klage oder den Antrag nimmt die Rechtsantragstelle des Gerichts entgegen; sie nimmt beides auch zur >Niederschrift auf und hilft dabei kostenlos bei der Formulierung.

Zum Schadenersatz:

Wenn du den Urlaub auf "Wunsch" Deines Arbeitgebers nicht antrittst, muss er Dir alle daraus entstehenden kosten erstatten - aber nur die Kosten, die Dir persönlich entstanden sind: also nicht etwa auch die Kosten für die Stornierung der Reise Deiner Freundin; auf diesen Kosten würdet ihr - wenn sie die Reise nicht antritt und der Arbeitgeber sich "stur stellt" - "sitzen bleiben", denn objektiv könnte sie die Reise ja antreten.

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Kommentar von godless
15.09.2016, 05:26

Danke für deine ausführliche Antwort!

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Kommentar von Mojoi
15.09.2016, 12:08

Gerd, ich muss da mal einhaken, da ich das ein wenig anders im Hinterkopf hatte und erst mal ein bisschen rumstöbern musste.

Tatsächlich kenne ich das so - und habe bisher nur entsprechende Onlinestatements von verschiedenen Rechtsanwälten gelesen - ein genehmigter Urlaub kann nur mit Einverständnis des Arbeitnehmers geändert werden. Der Arbeitnehmer könnte sogar stur seinen Urlaub durchziehen. In diesem Falle wäre der Arbeitgeber in Zugzwang und müsste versuchen, per einstweiliger Verfügung den Arbeitnehmer an der Inanspruchnahme des Urlaubes zu hindern.

Wenn der Arbeitgeber auf diese Weise mit Bezug auf entsprechende Notlage des Betriebs einen Widerruf der Urlaubsgenehmigung erzwingt, dann ist er automatisch zu einem Schadensersatz verpflichtet.

Wenn der Arbeitnehmer der Verschiebung / Stornierung seines Urlaubes zustimmt, dann entsteht kein automatischer Schadensersatzanspruch. Der Arbeitnehmer muss etwaige Entschädigungen mit dem Arbeitgeber aushandeln. Was normalerweise kein Problem ist, da hier der Arbeitgeber etwas von dem Arbeitnehmer will. Beim Thema Probezeit... naja!

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Kommentar von DerSchopenhauer
15.09.2016, 22:34

"Familiengerd" hat alle Aspekte zutreffend dargestellt...

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Viele haben ja schon geantwortet. Ich möchte folgendes ergänzen:

Ein Betrieb, in dem Urlaub gestrichen wird ist ein Scheiß-Betrieb, muss man leider so sagen. Ein normaler Chef streicht keinesfalls einseitig den Urlaub bzw. setzt den Mitarbeiter unter Druck sondern sucht das Gespräch und fragt ob es evt. möglich wäre, den Urlaub zu verlegen.

Selbst mit unbefristetem Vertrag kann man dich ja trotzdem noch kündigen, nur halt mit längerer Frist.

Also ich würde mir das nicht gefallen lassen. So geht das dann evt. später immer weiter...

Was sagen denn deine Kollegen? Mussten die auch mal den Urlaub verlegen?

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In den Fall ist der Chef verpflichtet alle anfallenden Kosten zu tragen. Und er wird es sicher auch machen. Er möchte doch sicherlich dich auch noch verlieren, ...

Und gleich einen neuen Termin aushandeln damit der Familienfrieden wieder in Ordnung kommt.

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Kommentar von Mojoi
14.09.2016, 17:18

Eine Rücknahme des genehmigten Urlaubs ist nur mit dem Einverständnis des Mitarbeiters möglich. Wie kriegt man dieses Einverständnis?

Empfehlung eines Fachanwaltes für Arbeitsrecht (Originalzitat aus einer Schulung): "Greifen Sie tief in die Tasche. Mindestens die Kosten der verfallenen Urlaubsreise sollten Sie dem Mitarbeiter ersetzen. Mindestens!"

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Kommentar von Familiengerd
14.09.2016, 18:21

@ akkurat01

In den Fall ist der Chef verpflichtet alle anfallenden Kosten zu tragen.

Aber - leider - nicht die Kosten, die entstehen, wenn die Freundin die Reise nachvollziehbar ebenfalls nicht antritt, sondern nur die Kosten, die dem Fragesteller unmittelbar und direkt entstehen.

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Hallo Godless!

Wurde der Urlaub bereits gebucht oder wie hier sogar genehmigt, hat der AG die für die Stornierung anfallenden Kosten zu tragen.

Unterm Strich würde dann Ihr AG die Kosten für den Rücktritt übernehmen müssen, Sie die Kosten für eine Neubuchung zu einem anderen Zeitpunkt.

Gruß Navvie

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War der Urlaub nachweisbar !! bewilligt?

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Kommentar von godless
14.09.2016, 16:21

Ja, habe einen schriftliche Urlaubsbewilligung.

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Kommentar von godless
14.09.2016, 17:41

Mein Problem ist ja, dass ich diesen Job mag und da bleiben will, und den unbefristeten Vertrag unbedingt brauche.

Und da ich in der Probezeit in kann ich ja nichts anderes als mir das gefallen zu lassen.

Wo steht es denn gesetzlich geschrieben, dass der Arbeitgeber für die gesamten Kosten aufkommen muss?

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den Urlaub kann dein Chef nicht so einfach streichen; Personalnotstand ist kein ausreichender Grund, den hat er nämlich selbst zu verantworten ^^. 

Damit kommt er auch rechtlich nicht durch. Da du aber in der Probezeit bist ... solltest mit deinem Cheffe reden und um Erstattung sämtlicher Kosten bitten. Notfalls per Anwalt einfordern, und das wars auch mit dem unbefristeten Job, überall die A-Karte

Vermute, dass deine Freundin ohne dich nicht fahren will .... andere Baustelle. 

Der Urlaub ist schon länger genehmigt. 

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Kommentar von Familiengerd
14.09.2016, 18:18

Vermute, dass deine Freundin ohne dich nicht fahren will .... andere Baustelle. 

Eben- und zur Erstattung dieser Kosten für die nicht angetretene Reise der Freundin muss der Arbeitgeber - leider - noch nicht einmal aufkommen!

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Kommentar von Marbuel
14.09.2016, 20:35

Damit kommt er rechtlich sehr wohl durch, muss aber die Kosten erstatten.

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Du hast ihm hoffentlich SOFORT gesagt, dass du bereits eine teure Reise gebucht hast, oder?

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Genehmigter Urlaub ist zu gewähren. Punkt.

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Kommentar von Mojoi
14.09.2016, 17:25

Hmmm... habe gerade erst wahrgenommen, dass du in der Probezeit bist. Das ist ja ein hübsches Druckmittel für den Cheffe.

Wenn du ein guter Mitarbeiter bist, wird er dich dennoch nicht in der Probezeit kündigen.

Und wenn doch... ehrlich, wolltest du in so einem Verein bleiben?

Hast du ihn denn schon auf die Kosten bezüglich deines Urlaubes angesprochen?

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