Genderstern, gut?

17 Antworten

Hallo,

das auf den (Gender)Stern oder sonstige Zeichen reduzierte Gendern sowie das Gendern durch substantivierte Partizipien (Studierende, Mitarbeitende, Lehrende usw.) sowie andere "Wortungetüme" sind in meinen Augen so unnötig, wie ein Kropf!

Deshalb nutze, spreche und schreibe ich den Genderstern auch nicht, und es nervt mich ungemein, wenn ich Nachrichtensprecher und Fernsehmoderatoren ihn aussprechen höre - was heißt aussprechen, es ist ja vielmehr eine Kunstpause.

Ich gendere nur - wie schon lange vor dem Gender-Stern-Wahn üblich - in der Form von Studentinnen und Studenten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Lehrerinnen und Lehrer usw.

Ganz ehrlich komme ich mir mit diesem Gegendere ziemlich vera....t vor. [Sie A...h, ist auch nicht höflicher als Du A...h.]

AstridDerPu

Nicht immer das Gleiche schreiben, bitte.

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Danke für deinen Beitrag, sehe ich genauso.

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Mögen die Gendersternchen schnell und auf Dauer vom Sprachfirmament verschwinden!

Gruß, earnest

Grundsätzlich ist eine geschlechtergerechte Sprache zu begrüßen. Vom Gendern, wie es heute praktiziert wird, halte ich persönlich jedoch nichts. Hier sind meine Hauptgründe, warum ich vom Gendern nicht viel halte:

  • Das Gendern findet auch nach fast 50 Jahren (es ist ja schon seit den 70er Jahren in der Diskussion) immer noch keine demokratische Legitimation. Erst jüngst hat sich in einer Umfrage im Auftrag der WELT erneut eine Mehrheit von 65 % gegen das Gendern ausgesprochen (Link). Vor einem Jahr waren es noch 56 % (Link). Der Widerstand gegen das Gendern wird also immer größer.
  • Auch unter Frauen wird das Gendern mehrheitlich abgelehnt. Laut der o. g. Umfrage der WELT lehnen 59 % der Frauen Gendersprache ab. Dass Gendersprache nicht einmal unter Frauen eine Mehrheit findet, sollte zu denken geben.
  • Es gibt noch immer keine einheitlichen Regeln für das Gendern. Manche gendern mit dem Binnen-I („SchülerInnen“), manche mit dem Gendersternchen („Schüler*innen“), manch andere mit dem Gendergap („Schüler_innen“), wiederum andere mit dem Genderdoppelpunkt („Schüler:innen“), andere mit dem Schrägstrich („Schüler/innen“), ...
  • Erst im März noch hat der Rat für deutsche Rechtschreibung erneut von der Genderschreibweise abgeraten (Link). Sie ist also Stand heute normwidrig.
  • Ich persönlich (und auch viele andere) nehmen Gendersprache als sprachlichenStolperstein wahr.
  • Die konsequente Verwendung von Gendersprache führt zu fragwürdigen Formen, wie bspw. Bürger*innenmeister*innenkandidat*innen oder Bürger*innensteig oder Führer*innenschein.
  • Gendersprache sorgt für Verwirrung. Insbesondere dann, wenn die Genderpause bei schnellem Sprechen (wie es ja im Alltag oftmals üblich ist) „überlesen“ wird. Da hätten wir dann die Form des sog. „generischen Femininums“, welche sowohl ausgrenzend, als auch normwidrig ist.
  • Auch Alternativen zur Genderschreibweise sind fragwürdig, so z. B. bei dem (mittlerweile gut etablierten Wort) „Studierende“. Das Wort „Studierende“ ist nämlich grammatikalisch gesehen ein Partizip, welches die Tätigkeit beschreibt, die von der Person gerade ausgeführt wird. Eine Person kann allerdings bspw. nicht gleichzeitig schlafen und studieren. Das ergibt keinen Sinn.
  • Es wird immer argumentiert, das generische Maskulinum würde zuerst männliche Assoziationen schaffen. Das ist meiner Meinung nach allerdings Unsinn. Im Kindergarten haben wird auch immer von „Erziehern“ geredet. Würde heute jemand sagen „Die Erzieher sind da“ würde ich zuerst an weibliche Erzieher denken, da ich unter diesem Wort meistens Frauen verstanden habe.
  • Gender-Befürworter argumentieren häufig damit, dass Sprache sich wandle. Damit haben sie recht. Heute sprechen wir anders als vor 100 Jahren (bspw. nicht mehr so gediegen und direkter, mit Einfluss von (Schein-)Anglizismen, ...). Dieser Unterschied ging aber immer aus der Mitte der Gesellschaft hervor, und es hat sich immer das durchgesetzt, was am einfachsten auszusprechen ist. Was wir heute allerdings beobachten ist, dass Gendersprache von oben diktiert wird. In Universitäten und Behörden werden Mitarbeiter und Studenten dazu gedrängt, eine Schreibweise zu übernehmen, die nicht nur normwidrig, sondern auch unästhetisch ist. Dass bei Verstößen sogar Punkte abgezogen werden können, löst bei mir Fassungslosigkeit aus. Was gibt Professoren das Recht, die Qualität einer Hausarbeit danach zu bemessen, ob eine Person Gendersprache benutzt hat oder nicht?
  • geschlechtsneutrale Sprache trägt nicht unbedingt dazu bei, dass die Gleichstellung der Geschlechter besser wird. So kennt bspw. weder die türkische noch die englische Sprache ein grammatikalisches Geschlecht, es wird dort also schon die ganze Zeit „geschlechtergerecht“ kommuniziert. Trotzdem lässt sich nicht wirklich sagen, dass in diesen Ländern die Gleichstellung zwischen Mann und Frau weiter fortgeschritten sei, als in Deutschland.
  • Gendersprache ist abgehoben. Ich persönlich kenne keine einzige Person, die im alltäglichen Sprachgebrauch aktiv gendert. Lediglich Professoren, Journalisten und ein paar Politiker wenden Gendersprache aktiv an. Es zeigt also, dass Gendersprache ein Phänomen der wohlhabenden Akademikerschicht ist, die völlig an den Lebensrealitäten der meisten Menschen vorbeigeht.
  • Gendersprache ist kompliziert und erschwert Menschen den Zugang zur deutschen Sprache. Wie soll ich bspw. einem Amerikaner erklären, dass das Wort „follower“ im Deutschen „Follower*innen“ oder das Wort „students“ im Deutschen „Student*innen“ heißt?
  • Gendersprache verhindert ein „Überfliegen“ von Texten. Bei vielen (vor allem kurzen) Texten ist es häufig am einfachsten den Text zunächst kurz zu „überfliegen“, um sich einen Überblick über den Inhalt zu verschaffen. Jeder, der das schonmal mit konsequent durchgegenderten Texten versucht hat, weiß, dass das schlichtweg unmöglich ist, da durch das Sternchen / den Doppelpunkt jedes Mal eine Lücke entsteht, die man so auf dem ersten Blick nicht einordnen kann.
  • Das Geschlecht wird sprachlich unnötigerweise betont und hervorgehoben. In einer idealen Welt sollte das Geschlecht doch überhaupt keine Rolle spielen. Denn was sagt dieses denn schon über uns aus? Ob wir mit einem P*nis oder einer V*gina geboren wurden, sollte heutzutage doch überhaupt keine Rolle mehr spielen. Mensch ist Mensch - und das unabhängig vom Geschlecht. Es gibt keinen Grund Menschen sprachlich nach ihrem Geschlecht in „Schubladen zu stecken“.
Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – ehemaliger Abiturient

Der Genderstern bzw. generell Sonderzeichenformen sind die Formen gendersensibler Sprache, auf die ich nur zurückgreife, wenn andere Formen nicht passen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – MA Linguistik

Er ist nicht nur überflüssig, sondern sprachlich störend und regelrecht schädlich (muss denn JEDER Zusammenhang sexualisiert werden??)

Woher ich das weiß:Beruf – Sprachdienstleister

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